Huawei Mate X2: Falt-Smartphone ohne Lücke dank keilförmiger Hälften

Nicolas La Rocco
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Huawei Mate X2: Falt-Smartphone ohne Lücke dank keilförmiger Hälften
Bild: Huawei

Huawei hat in China die dritte Generation des faltbaren Smartphones Mate X vorgestellt. Das Mate X2 besteht aus zwei asymmetrisch gestalteten Hälften in Keilform und kommt damit ohne Lücke beim Falten aus. Wo die Kameras sitzen, ist das Smartphone etwas dicker, zum Rand hin verjüngt es sich aber deutlich auf nur noch 4,4 mm.

Selbst die neuesten faltbare Smartphones wie das Samsung Galaxy Z Fold 2 (Test) bieten aufgeklappt zwar viel Displayfläche, erkaufen sich diese zusammengeklappt aber durch ein dickes Gehäuse. Das Huawei Mate X2 soll diesem Umstand mit einer neuen Konstruktion zumindest ein Stück weit entgegenwirken. Bei Huawei treffen zwei keilförmige Hälften aufeinander, die zusammengeklappt die Lücke zwischen den Displayhälften eliminieren und aufgeklappt etwas weniger klobig wirken sollen.

Von unten betrachtet verjüngt sich die untere Hälfte in Richtung des Scharniers. In dem dickeren Bereich rechts sitzen die vier Kameras, wobei ein Aufbau ähnliches des P40 Pro+ (Test) und Mate 40 Pro zum Einsatz kommt. 50 Megapixel bietet der große Sensor der Hauptkamera, 16 Megapixel die Ultraweitwinkelkamera. Die dreifache optische Vergrößerung kommt auf 12 Megapixel, während 8 Megapixel für die zehnfache Vergrößerung zur Verfügung stehen, die digital auf bis 100x gehen kann.

Ein Kampf um jeden Millimeter

Die obere Hälfte ist dann genau andersherum gestaltet: dick am Scharnier und dünner nach außen verlaufend. In der rechten Hand gehalten, soll so der Schwerpunkt in dieser Hand verbleiben. Aufgeklappt misst das Mate X2 8,2 mm an der dicksten und 4,4 mm an der dünnsten Stelle. Geschlossen kommt das Smartphone auf 13,6 bis 14,7 mm. Zum Vergleich: Das Galaxy Z Fold 2 ist aufgeklappt 6,0 bis 6,9 mm und geschlossen 13,8 bis 16,8 mm dick. Das Mate X2 ist somit nicht immer im Vorteil gegenüber Samsung, kommt aber ohne die Displaylücke aus.

OLED-Displays mit bis zu 8 Zoll und 90 Hz

Vom weiteren Aufbau her könnten sich die beiden Smartphones aber kaum ähnlicher sein. Nach dem Mate X und Mate Xs verabschiedet sich Huawei von dem nur außenliegenden Display und verbaut stattdessen einen kleineren Bildschirm außen (vorne) und einen großen faltbaren innen. Das äußere OLED-Panel misst 6,45 Zoll und bietet 2.700 × 1.160 Pixel bei 90 Hz. Innen sind es 8 Zoll mit 2.480 × 2.200 Pixeln bei erneut 90 Hz. Einen Ausschnitt für eine Selfie-Kamera gibt es nicht, dafür muss zum vorderen Panel gewechselt werden. Samsung bietet innen 7,6 Zoll mit 120 Hz, außen 6,2 Zoll mit 60 Hz.

Kirin 9000 und 4.500 mAh

Bei der weiteren Hardware orientiert sich das Mate X2 am Mate 40 Pro und vertraut unter anderem auf den mit diesem Smartphone eingeführten HiSilicon Kirin 9000 aus 5-nm-Fertigung von TSMC. Weil Huawei aufgrund der US-Restriktionen derzeit keine SoCs mehr von TSMC beziehen kann, muss es sich um Prozessoren aus früherer Fertigung handeln, die Huawei noch in ausreichender Stückzahl auf Lager hat. Den Chip kombiniert Huawei mit 8 GB RAM und je nach Auswahl 256 GB oder 512 GB Speicher. Der Akku bietet 4.500 mAh und lässt sich über das mitgelieferte 65-Watt-Netzteil mit maximal 55 Watt laden. Kabelloses Laden wie Samsung unterstützt Huawei nicht.

Wechsel zu HarmonyOS geplant

Das Mate X2 läuft mit EMUI 11 auf Basis von Android 10 und bietet eine Reihe von Software-Funktionen, um die mehreren respektive den großen Bildschirm auszunutzen. So werden außen gestartete Apps auch bei Huawei innen fortgesetzt, außerdem wechseln Apps zu einer Tablet-ähnlichen Ansicht, wenn sie auf kompletter Diagonale geöffnet werden. Darüber hinaus können mehrere Apps nebeneinander sowie in Fenstern übereinander dargestellt werden. Ab April will Huawei das „eigene“ HarmonyOS auf den Markt bringen und nennt das Mate X2 als eines der ersten Smartphones mit Support dafür. Wie Ars Technica aber jüngst herausgefunden hat, ist HarmonyOS bislang nicht mehr als ein Android-Klon, bei dem mehr schlecht als recht Rückschlüsse auf Android aus dem System entfernt wurden. Das wird Huawei bis April wohl kaum ändern können.

Nur in China ab 2.300 Euro verfügbar

Huawei will das Mate X2 am 25. Februar zu Preisen ab umgerechnet 2.300 Euro (256 GB) in den Farben Schwarz, Weiß, Blau und Pink auf den chinesischen Markt bringen, mit 512 GB Speicher kostet es 2.420 Euro. Wie die deutsche Pressestelle bestätigte, ist das Smartphone bislang nicht für den hiesigen Markt geplant.