EarFun Air Pro SV im Test: ANC-In-Ears mit viel Bass bieten erstmals eine App

Frank Hüber
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EarFun Air Pro SV im Test: ANC-In-Ears mit viel Bass bieten erstmals eine App

Mit dem Air Pro SV bringt EarFun neue In-Ear-Kopfhörer mit ANC, die zum ersten Mal auf eine optionale Smartphone-App zurückgreifen können. Mit ANC, Transparenzmodus, Low-Latency-Modus für Spiele und Videos sowie Aluminium-Ladecase mit Wireless Charging will der Hersteller mit der Special Edition erneut viel fürs Geld bieten.

Mit dem Air Pro SV bringt EarFun neue In-Ear-Kopfhörer mit ANC, die zum ersten Mal auf eine optionale Smartphone-App für Anpassungen zurückgreifen können. Das SV steht für „Special Version“, denn EarFun hat bereits die Air Pro (Test) und die Air Pro 2 (Test) im Portfolio. Mit ANC, Transparenzmodus, Low-Latency-Modus für Spiele und Videos sowie Aluminium-Ladecase mit Wireless Charging will der Hersteller erneut viel fürs Geld bieten. Bis zum 28. März sind die Kopfhörer im Vorverkauf mit 35 % Rabatt für knapp 60 US-Dollar erhältlich, die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 89,99 US-Dollar.

Im Lieferumfang sind neben den Ohrhörern und dem Ladecase insgesamt drei Paar Silikon-Passstücke und ein USB-C-auf-USB-A-Ladekabel enthalten.

EarFun Air Pro SV: Lieferumfang
EarFun Air Pro SV: Lieferumfang
EarFun Air Pro SV: Lieferumfang
EarFun Air Pro SV: Lieferumfang
EarFun Air Pro SV
EarFun Air Pro SV

Technische Daten und Funktionen der Air Pro SV

AAC mit Bluetooth 5.2 ohne Multipoint

Während EarFun beim Funkstandard gewohnt auf die aktuellste Version und somit Bluetooth 5.2 setzt, wird als Audio-Codec neben dem obligatorischen SBC nur AAC als Alternative unterstützt. Auf einen HD-Codec oder auch aptX als Android-Alternative der Wahl muss hingegen verzichtet werden. Als Bluetooth-SoC dient der Airoha AB1562A. Multipoint, womit sich die Ohrhörer gleichzeitig zu mehreren Endgeräten verbinden können, um jederzeit nahtlos die Wiedergabe wechseln oder für einen Anruf umschalten zu können, wird dabei nicht geboten. Soll ein anderes Endgerät genutzt werden, muss der Wechsel immer manuell erfolgen, wobei das verbundene Endgerät zunächst manuell getrennt werden muss.

Eigener Low-Latency-Modus

Für den Low-Latency-Modus setzt EarFun dementsprechend nicht auf einen bekannten Audio-Codec mit geringer Verzögerung zwischen Bild und Ton, sondern einen eigenen, proprietären Modus, der sich so aber auch unabhängig vom verbundenen Endgerät und den unterstützten Audio-Codecs immer aktivieren lässt. Der Hersteller verspricht eine Latenz von unter 80 ms, was etwa einer Halbierung der üblichen Latenz von AAC entsprechen würde.

EarFun Air Pro SV
EarFun Air Pro SV

10-mm-Treiber, drei Mikros für ANC je Ohrhörer

Der dynamische Treiber in den Ohrhörern misst 10 mm im Durchmesser. Für die aktive Geräuschunterdrückung nutzt EarFun jeweils drei Mikrofone pro Ohrhörer, wobei eines nach innen gerichtet ist und zwei an der Außenseite platziert sind – eins am oberen Ende des Schafts und eins am unteren Ende. EarFun nennt das ANC „QuietSmart 2.0“. Die Umgebung soll um bis zu 40 dB gedämpft werden. Zudem verspricht der Hersteller, dass auch Windgeräusche erkannt und gefiltert werden, sich also nicht störend über die Mikrofone an die Ohren des Trägers übertragen.

Neben der aktiven Geräuschunterdrückung bieten die EarFun Air Pro SV einen Transparenzmodus, bei dem die Umgebungsgeräusche über die Mikrofone weitergeleitet werden, um sie auch beim Tragen der Ohrhörer wahrnehmen zu können.

Die sechs Mikrofone sollen zudem für eine gute Telefonie sorgen, indem Umgebungsgeräusche um bis zu 21 dB reduziert werden. Wie stark darunter die Sprachqualität leidet, wird der Test noch ergründen.

Kleines Ladecase mit ein bisschen Aluminium

Das Ladecase der Air Pro SV fällt mit 56,6 × 46 × 21,6 mm und einem Gewicht von 34 g angenehm klein und leicht aus. Aus dünnem Aluminium ist jedoch nur der Deckel gefertigt – die Basis besteht aus Kunststoff, auch um Wireless Charging zu ermöglichen. Der Deckel weist eine Aussparung in der Mitte auf, die die Schäfte der Ohrhörer ausspart, so dass von außen sichtbar ist, ob die Ohrhörer im Ladecase liegen – und Dreck freie Bahn ins Innere bekommt. Jeder Ohrhörer bringt rund 4 g auf die Waage.

Das Ladecase beherbergt einen Akku mit einer Kapazität von 380 mAh, der Akku in jedem Ohrhörer fasst 35 mAh. Über USB-C ist das leere Ladecase nach rund 2 Stunden vollständig aufgeladen, über Wireless Charging verdoppelt sich die Ladezeit auf rund 4 Stunden. Die EarBuds sind nach rund einer Stunde im Ladecase wieder aufgeladen, ein Schnelllademodus sorgt innerhalb von 10 Minuten für eine Wiedergabedauer von 2 Stunden.

4,5 Stunden Akkulaufzeit mit ANC

Die Akkulaufzeit gibt EarFun mit bis zu 24 Stunden an, wobei sie sich aus 6 Stunden über die Ohrhörer und weiteren 18 Stunden über das Ladecase zusammensetzen. 6 Stunden sollen allerdings auch nur bei deaktiviertem ANC erreicht werden. Mit ANC bescheinigt der Hersteller den Ohrhörern eine Akkulaufzeit von 4,5 Stunden.

Im Test erreichen die EarFun Air Pro SV bei mittlerer Lautstärke, buntem Musikmix und aktiviertem ANC in lauter Umgebung eine Akkulaufzeit von 4:15 Stunden, liegen also leicht unter der Angabe des Herstellers. Insgesamt ist die Akkulaufzeit somit nur gerade noch durchschnittlich, kann jedoch keinesfalls als positiver Aspekt vermerkt werden.

EarFun Air Pro SV
EarFun Air Pro SV

IPX5 gegen Strahlwasser und Schweiß

Die Ohrhörer sind nach IPX5 gegen Strahlwasser (Düse) aus beliebigem Winkel geschützt und können so problemlos auch im Regen oder bei schweißtreibendem Sport genutzt werden. Das Case ist nicht gegen Wasser oder Staub geschützt – aufgrund seiner offenen Bauweise ist es abseits des USB-C-Anschlusses sogar anfälliger als herkömmliche Ladecases.

Unterschiede zu Air Pro und Air Pro 2

Die Unterschiede der Air Pro SV zu den Air Pro (Test) und Air Pro 2 (Test), die EarFun ebenfalls anbietet, liegen in der App-Unterstützung und im Low-Latency-Modus, die beide nur das neue Modell bietet, und dem verbesserten ANC QuietSmart 2.0 im Vergleich zu den Air Pro, die auf die erste Version von QuietSmart setzen. Den Air Pro hat die SV zudem Bluetooth 5.2 statt 5.0 und Wireless Charging voraus. Die Gesamtakkulaufzeit des neuen Modells fällt dafür 8 Stunden (Air Pro) bzw. 10 Stunden (Air Pro 2) geringer aus. Zudem bieten die Air Pro SV keine Trageerkennung zum Pausieren der Musikwiedergabe, über die die beiden anderen Modelle verfügen.

EarFun Air Pro SV EarFun Air Pro 2 EarFun Air Pro Amazon Echo Buds (2. Gen.) Apple AirPods Pro
Bluetooth-Standard: 5.2 5.0
Audio-Codecs: SBC, AAC
Bedienung: Touch
Akkulaufzeit der Ohrhörer: 6,0/4,5 (ANC) h 7,0/6,0 (ANC) h 9,0/7,0 (ANC) h 6,5/5,0 (ANC) h 5,0/4,5 (ANC) h
Akkulaufzeit mit Ladecase: 24,0 h 34,0 h 32,0 h 19,5 h 24,0 h
Wireless Charging: Ja Ja
ANC: Ja
Einzelnutzung: Ja
IP-Zertifizierung: IPX5 IPX4
Gewicht je Ohrhörer / nur Ladecase: 4,0/34,0 g 5,5/42,0 g 6,5/41,0 g 5,9/47,6 g 5,5/46,0 g
USB-Ladeanschluss: USB-C Lightning
Abmessungen Ladecase: 21,6 × 56,6 × 46,0 mm 52,0 × 65,0 × 31,8 mm 31,0 × 67,0 × 55,0 mm 39,1 × 66,8 × 28,6 mm 45,2 × 60,6 × 21,7 mm
Preis: 89,99 $ 69,99 € 79,99 € 139,99 € ab 249 €

Touchsteuerung mit Lautstärkeregelung

EarFun hat die Touchsteuerung so ausgelegt, dass einmaliges Tippen die Lautstärke steuert. Fehleingaben führen so nicht sofort zu einer Unterbrechung der Wiedergabe, sondern zu einer Veränderung der Lautstärke – und dies sehr häufig, wenn man die Ohrhörer berührt. Rechts wird die Lautstärke durch einmaliges Tippen erhöht, links verringert. Das Starten und Pausieren der Wiedergabe erfolgt hingegen durch zweimaliges Antippen auf dem linken oder rechten Ohrhörer. Wird der rechte Ohrhörer drei Mal angetippt, wird einen Track weiter gesprungen. Das Zurückspringen ist aber nicht etwa über dreifaches Tippen links konfiguriert, sondern gar nicht. Dreifaches Drücken links steuert nämlich den Low-Latency-Game-Mode.

EarFun Air Pro SV
EarFun Air Pro SV

Wird die Fläche rechts zwei Sekunden gedrückt gehalten, wird der Sprachassistent des verbundenen Smartphones aufgerufen. Auf dem linken Ohrhörer schaltet diese Geste zwischen ANC, Transparenz und dem normalen Modus durch.

Zu beachten ist, dass die Touchfläche nur auf der leicht nach hinten gerichteten Fläche des dreieckigen Stiels der Ohrhörer positioniert ist. Man muss deshalb leicht von hinten auf die Ohrhörer greifen, um sie zu bedienen.

Eingeschränkte Anpassung der Steuerung

Die Steuerung der EarFun Air Pro SV lässt sich in der App eingeschränkt anpassen. Eingeschränkt deshalb, da nur dreifaches Antippen und langes Antippen rechts und links neu belegt werden können. Statt der ab Werk eingestellten Funktionen lassen sich jeweils „Previous Track“, „Next Track“, „Voice Assistant“, „Game Mode“ und „Noise Cancelling“ zuweisen. Die Wiedergabe- und Lautstärkesteuerung bleibt somit immer auf ein- und zweifachem Antippen.

Kein Auto-Play/Auto-Pause

Da EarFun das neue Modell der IR-Trageerkennung beraubt hat, unterstützt es kein automatisches Pausieren der Wiedergabe, wenn ein Ohrhörer aus dem Ohr genommen wird, und setzt die Wiedergabe auch nicht fort, wenn er wieder eingesetzt wird.

EarFun Air Pro SV
EarFun Air Pro SV

Einzelnutzung

Sowohl der linke als auch der rechte Ohrhörer der EarFun Air Pro SV kann einzeln genutzt werden. Der Wechsel zwischen Stereo und Mono und andersherum erfolgt nahtlos ohne Unterbrechung oder akustische Signale. Allerdings ist es fast unmöglich, den Wechsel ohne eine ungewollte Anpassung der Lautstärke zu vollziehen.

Erstmals mit EarFun-Audio-App

Mit der EarFun-Audio-App bietet der Hersteller erstmals auch eine passende App für die eigenen In-Ear-Kopfhörer an. Sie ist ausschließlich mit den EarFun Air Pro SV kompatibel, bereits veröffentlichte Kopfhörer des Unternehmens lassen sich mit der App nicht nutzen. Sie ist sowohl für Android als auch für iOS verfügbar.

EarFun-Audio-App mit Air Pro SV

Die App zeigt den Ladestand der beiden Ohrhörer an, ermöglicht den Wechsel zwischen ANC, Transparenz und Normal und die Aktivierung des Game-Mode, also des Low-Latency-Modus der EarFun Air Pro SV. Darüber hinaus steht ein Equalizer zur Verfügung, über den der Bass, die Mitten und die Höhen angepasst werden können. Es handelt sich also nur um einen rudimentären Drei-Band-Equalizer mit insgesamt vier Presets.

Zudem kann, wie eben erwähnt, die Steuerung eingeschränkt angepasst werden. Weder beim ANC noch beim Transparenzmodus lässt sich die Intensität in der App regeln. Einen Benutzeraccount in der App zu erstellen, ist zwar möglich, aber nicht zwingend erforderlich.

Sehr angenehmer Sitz ohne Druck

Die EarFun Air Pro SV werden nicht in den Gehörgang gedrückt, sondern ovale Silikonaufsätze dichten diesen ähnlich wie bei den AirPods Pro ab. Entsprechend sehr angenehm fällt auch der Tragekomfort der In-Ear-Kopfhörer aus, die keinen unangenehmen Druck im Ohr erzeugen und sich auch über Stunden angenehm tragen lassen. Für wilden Sport sind sie beim Tester so zwar nicht geeignet, beim kurzen Sprint verlieren sie aber nicht sofort ihren Halt.