Für 14 Milliarden Euro: Elektronikriese Toshiba wird verkauft

Update Michael Günsch
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Für 14 Milliarden Euro: Elektronikriese Toshiba wird verkauft
Bild: Wikimedia | CC0 1.0

Der japanische Elektronikriese Toshiba wird an eine Gruppe japanischer Unternehmen verkauft. Wie die örtliche Wirtschaftszeitung Nikkei berichtet, soll die Übernahme rund 2 Billionen Japanische Yen, aktuell rund 14 Milliarden Euro, kosten. In diesem Zuge werde Toshiba privatisiert.

Nikkei: Vorstand nimmt Angebot an

Wie dem Nikkei-Bericht zu entnehmen ist, hat der Vorstand von Toshiba diesem Vorhaben bereits zugestimmt. Wie gewohnt müssen aber noch die zuständigen Behörden grünes Licht für die geplante Transaktion geben. Sollte die Übernahme abgesegnet werden, dann verschwindet Toshiba von der Börse.

Das sind die Investoren

Die Investorengruppe, die Toshiba übernehmen will, wird von der Kapital­beteiligungs­gesellschaft Japan Industrial Partners (JIP) angeführt. Insgesamt sollen sich etwa 20 japanische Unternehmen an der Übernahme beteiligen. Darunter seien Chūbu Denryoku, der drittgrößte Stromversorger in Japan, die Investmentbank ORIX sowie der Elektronik-Fertiger Rohm.

Bringt das den Schritt aus der Krise?

Mit dem Verkauf und der Privatisierung soll die im Jahr 1875 gegründete Traditionsfirma Toshiba wieder erstarken. Seit dem im Jahr 2015 bekannt gewordenen Bilanzskandal mit geschönten Geschäftszahlen lief es für Toshiba nicht mehr rund. Hohe Verluste im Geschäft mit Atomkraftwerken in den USA („Westinghouse-Debakel“) führten schließlich dazu, dass sich Toshiba zum Verkauf seiner NAND-Flash-Sparte Toshiba Memory gezwungen sah, die inzwischen unter dem Namen Kioxia eigenständig agiert.

In den letzten Jahren folgten verschiedene Pläne zur Restrukturierung des angeschlagenen Konzerns, inklusive der Aufteilung in mehrere Sub-Unternehmen. Doch wurde dieses Vorhaben von den Aktionären abgelehnt. Die Verhandlungen über ein Übernahmeangebot aus Europa verliefen ebenfalls im Sande.

Toshiba baut MAMR-Festplatten

Nach dem Verkauf der NAND-Sparte waren es vor allem die Festplatten, die noch in der Berichterstattung auf ComputerBase ein Thema waren. Toshiba ist nach Seagate und Western Digital der drittgrößte HDD-Hersteller. Das Unternehmen nutzt als bisher einziger Hersteller eine Form des Microwave Assisted Magnetic Recording (MAMR) für bis zu 20 TB.

Update

In einer öffentlichen Stellungnahme (PDF) drückt Toshiba die potenzielle Zustimmung für ein kommendes Übernahmeangebot aus.