Analyse

Gehackte Konten und Patch-Flut: Wie man sich schützt, wenn KI-Agenten das Internet unsicher machen

Andreas Frischholz
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Gehackte Konten und Patch-Flut: Wie man sich schützt, wenn KI-Agenten das Internet unsicher machen
Bild: pixabay.com / Shafin_Protic

KI-Agenten entdecken im großen Umfang Sicherheitslücken, Angreifer erhalten mächtige Werkzeuge, die bestehende Risiken verschärfen und neue Unsicherheiten schaffen. Der PHP-Sicherheitsvorfall dieser Woche hat es eindrücklich gezeigt. Welche Gefahren für Nutzer bestehen und wie man sich schützen kann, analysiert ComputerBase.

PHP2Shell ist ein Erdbeben. Durch zwei kritische Sicherheitslücken in PHP, die am Mittwoch offiziell bekannt wurden, können Angreifer per Fernzugriff Code auf betroffenen Webservern ausführen. Weil die Sicherheitslücke fast alle Versionen seit PHP 5.4 betrifft, ist das Ausmaß enorm. Schätzungen der Google-Tochter Wiz waren bis zu 70 Prozent aller Webseiten betroffen. Die Konsequenz: Bis zum Einspielen der Patches ab Mittwoch Nachmittag mussten Webseiten – wie im Fall von ComputerBase – den Zugang begrenzen oder gingen komplett offline. Das Risiko für kurzfristig gekaperte Webserver war schlicht zu groß.

Möglich waren die Funde durch KI-Modelle. Sicherheitsforscher von Calif, die im Rahmen von OpanAIs Initiative Patch the Planet tätig waren, nutzten GPT-5.6 Sol. Bei der Google-Tochter Wiz waren es neben GPT-5.6 Sol noch Wiz Atlas und Googles aktuelles Modell Gemini 4 Argon. Das Sicherheitsteam von PHP entdeckte eines der grundlegenden Probleme übrigens schon 2024. Gravierend wurde die Sicherheitslücke aber erst, als im Sommer dieses Jahres klar wurde, wie man sie ausnutzen kann.

Die Dringlichkeit beim Patchen ergibt sich ebenfalls durch die aktuellen KI-Modelle, die es Angreifern ermöglichen, Schwachstellen binnen kurzer Zeit auszunutzen. Wie hoch die Geschwindigkeit ist, vermitteln die Zahlen von Cloudflare-CEO Matthew Prince: In den zehn Stunden vor der Veröffentlichung der Patches registrierte man im Cloudflare-Netzwerk Tausende von Exploit-Versuchen, weil erste Informationen zur Schwachstelle schon früher als geplant durchgesickert sind. Mit dem Patch war die Sicherheitslücke dann auch offiziell bekannt und die Anzahl stieg rasant. 45 Minuten nach Bekanntgabe waren es bereits Zehntausende von Exploit-Versuchen, die im Cloudflare-Netzwerk erfasst wurden. Innerhalb von zwei Stunden stieg die Anzahl auf Hunderttausende und knackte kurz danach die Millionen-Marke.

Die Angriffswelle rollte.

Was, wenn es Nutzer betrifft?

Bei PHP2Shell waren es Admins, die schnell reagieren mussten. Doch die Sicherheitslücke ist voraussichtlich kein Ausreißer, sondern eher symptomatisch für den aktuellen Stand der IT-Sicherheit. OpenAI erwartet weitere Vorfälle in der nächsten Zeit. „So schwerwiegend diese Fehler sind: Sie gehören zu mehreren bedeutenden Schwachstellen, die wir bereits gefunden haben und an deren Behebung wir arbeiten. Wir erwarten, dass ähnliche Funde in den kommenden Monaten stark zunehmen“, heißt es im Blog-Beitrag.

Was bedeutet das nun für die Nutzer? ComputerBase hatte bereits vor PHP2Shell recherchiert. Die Kernfrage ist: Wie sichert man seine Systeme im aufkommenden KI-Zeitalter? Fast schon erstaunlich an den Tipps von Experten ist, wie bekannt die empfohlenen Schutzmaßnahmen sind: Passwortmanager, 2‑Faktor-Authentifizierung, Passkeys und pünktlich Updates einspielen. Schwieriger sind die Antworten bei der neuen Generation der Agenten wie OpenClaw, Microsoft Autopilot oder Meta Muse, wie die ComputerBase-Analyse zeigt.

Warnung: Angreifer können mit Agenten leichter Konten knacken

Dass die nächsten Jahre turbulent werden, prophezeit etwa Alex Stamos, IT-Sicherheitschef bei Corridor und ehemaliger Chief Security Officer bei Meta. „Ich glaube, es wird eine Zeit lang ungemütlich“, sagte er im Gespräch mit dem US-Autor Derek Thompson im August. Langfristig könnte sich die Lage laut Stamos sogar verbessern, weil KI-Code ab einem bestimmten Zeitpunkt sicherer als alles ist, was Menschen produzieren können. Bis dahin dauert es aber noch, er nennt 2028 oder 2029 als Jahreszahl. In der Zwischenzeit wird es hingegen schwierig, Derek Thompson nutzt dafür den Begriff „Cyberpokalypse“. Es sind Aussagen, die in Zeiten von PHP2Shell gut gealtert sind.

Passwort-Manager und Passkeys als Schutz

Bis die Lage sicherer wird, dauert es also noch. Was Nutzern bis dahin laut Stamos droht: mehr und ausgefeiltere Phishing-Angriffe. Statt dieselbe Nachricht an Tausende Konten zu senden, ist es mit den KI-Tools einfacher, Betrugsversuche maßzuschneidern. So steigt die Gefahr, dass Nutzer hereinfallen.

Ebenso steigt das Risiko, wenn Nutzer dieselbe Kombination aus Benutzernamen und Passwörtern für diverse Webseiten verwenden. Laut Stamos ist das ohnehin der häufigste Grund, weswegen Nutzer gehackt werden. „Wenn du überall dasselbe Passwort nutzt, verwendest du es irgendwann auch auf einer Schrott-Webseite. Diese wird gehackt, was mit KI mittlerweile viel einfacher ist, und dann wird das Passwort gestohlen“, so Stamos. Mit den KI-Tools ist nun deutlich leichter, gestohlene Login-Daten auf Tausenden von Seiten zu testen.

Stamos' Rat ist daher: Passwort-Manager nutzen. Ein komplexes Passwort merken und die Passwörter auf allen anderen Seiten ersetzen. Ebenfalls hilfreich ist eine 2-Faktor-Authentifizierung, noch besser sind laut Stamos aber Passkeys, die mit biometrischen Daten wie dem Gesicht oder dem Fingerabdruck abgesichert sind. Diese sollte man einsetzen, wann immer es möglich ist.

Und ein weiterer Tipp von Stamos: All die Maßnahmen ebenfalls bei Eltern, Großeltern und anderen Familienmitgliedern einrichten.

Was das BSI empfiehlt

Nun ist der korrekte Umgang mit IT-Sicherheitsmaßnahmen schon immer ein strittiges Feld, Experten können ausufernd diskutieren. ComputerBase hat daher im September per Mail beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nachgefragt, was die IT-Sicherheitsbehörde von Stamos' Einschätzungen hält. Und die Einordnung fällt ähnlich aus.

Was KI-Agenten laut BSI zunehmend autonom durchführen können, sind Brute-Force-Angriffe, bei denen entweder die Anmeldedaten eines Kontos beliebig oft durchprobiert werden oder Angreifer gestohlene Anmeldedaten auf zig Seiten testen. „Diese Bedrohung ist nicht grundsätzlich neu, KI ermöglicht aber eine effizientere Nutzung, Automatisierung und dadurch Beschleunigung einer solchen Methode“, so ein BSI-Sprecher zu ComputerBase. Die Sicherheitsbehörde empfiehlt daher ebenfalls „dringend“, wo „immer möglich Passkeys oder eine Zwei-Faktor-Authentisierung einzusetzen“. So lässt sich verhindern, dass ein abgefangenes Passwort zum erfolgreichen Login in einen Online-Account ausreicht. „Passwortmanager unterstützen dabei, starke und individuelle Passwörter zu erstellen und zu nutzen. Der Zugang zum jeweiligen Passwortmanager sollte dann entsprechend gut abgesichert sein“, so das BSI.

Passwortmanager, 2-Faktor-Authentifizierung und Passkeys – die Ratschläge sind wirklich nicht neu. Nur die Umstände machen den Einsatz dringender denn je.

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