Linux (Mesa 26) vs. Windows 11 im Test: Die Probleme und das Fazit

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Wolfgang Andermahr
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Die Fehlerliste ist auf GeForce lang

In Sachen Performance gibt es also positive Nachrichten gegenüber dem letzten Test von vor einem halben Jahr. Bezüglich der Kompatibilität gilt dies jedoch nicht, im Gegensatz. CachyOS in der neuesten Version lief im Test instabiler als damals EndeavourOS. Die gute Nachricht zuerst: Auf einer Radeon-Grafikkarte hat beinahe alles funktioniert. Solange das Spiel keinen Linux-inkompatiblen Anti-Cheat-Mechanismus aufweist, ließ sich jedes Spiel starten.

Und auch jedes Feature hat in den Spielen funktioniert. Sei es Raytracing oder Anti-Lag 2, Probleme hat es hier nicht gegeben. Auch das aufzwingen von FSR Upscaling AI per Startbefehl in Steam hat in fast jedem Spiel problemlos funktioniert. Beinahe, da in Avowed aus unerklärlichen Gründen die neueste Version von FSR einfach nicht funktionieren wollte. Und in Pioneers of Pagonia gibt es unabhängig von der Grafikkarte keine MSAA-Kantenglättung. Die wird auf Linux in dem Spiel offenbar generell nicht unterstützt.

Das System lief auch auf Radeon nicht völlig stabil

In Sachen Stabilität hat es aber Rückschritte gegeben. Während der Gaming-Benchmarks ist Linux auf der Radeon RX 9070 XT insgesamt vier Mal sang- und klanglos abgestürzt. Meistens gar nicht beim Spielen selbst, sondern in Ladesequenzen. Ein System hinter den Abstürzen war nicht erkennbar. Auf dem Windows-Rechner hat es dagegen während der gesamten Benchmarks – sowohl Radeon als auch GeForce – keinen einzigen Absturz gegeben. Auch beim letzten Linux-Test hat es diese Abstürze auf einer AMD-Grafikkarte bei eigentlich identischer Hardware nicht gegeben. Warum die Probleme dieses Mal aufgetreten sind, bleibt unklar.

Die Erfahrung auf GeForce war eine ziemliche Katastrophe

Das Testen auf der GeForce RTX 5070 Ti ist unter Linux kein Spaß gewesen. Probleme hat es eine Menge gegeben, Abstürze ebenso genug. Vor allem Raytracing macht in vielen Spielen Probleme. Und zwar in der Form, dass das Spiel sang- und klanglos abstürzt, wenn das Feature aktiviert wird. Das passiert nicht unbedingt immer und auch nicht unbedingt sofort. Generell aber immer wieder.

Avowed startet zum Beispiel gar nicht erst, wenn Raytracing aktiviert ist – keine Chance. Dann hilft es nur, Raytracing per Startbefehl unter Steam für das Spiel abzuschalten. In Oblivion hat sich Raytracing zwar anschalten lassen, doch stürzte das Spiel damit reproduzierbar nach wenigen Sekunden ab. Merkwürdigerweise nur in Ultra HD, WQHD lief zumindest während des Benchmarks korrekt.

Ähnliches passiert auch in The Outer Worlds 2. Mit Raytracing wird das Spiel sehr instabil, vor allem in Ultra HD dauert es meistens nur wenige Sekunden, bis der „Freeze“ kommt. Für Benchmarks reicht dies meistens, Spielen kann das so aber keiner. Auffällig ist, dass es sich dabei alles um Spiele mit der Unreal Engine 5 handelt. Nur ist dies eben die aktuell mit Abstand am häufigsten eingesetzte Technik.

Apropos UE5: Stalker 2: Heart of Chornobyl stürzt beim Laden des Spiels immer und immer wieder ab. Die Redaktion ist kein einziges Mal zum eigentlichen Gameplay gekommen. Und HW-Raytracing nutzt das Spiel nicht. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Dying Light: The Beast auch nicht starten will. Unter Windows passiert dies auf GeForce-Karten auch immer mal wieder, dort gibt es aber Workarounds. Unter Linux gibt es diese aber offenbar nicht. Da scheint es fast schon zur Nebensache zu werden, dass Borderlands 4 große Grafikfehler aufgezeigt hat.

In Kombination mit dem teils ewigen Shader-Kompilieren auf der GeForce RTX 5070 Ti und der generell meist schlechten Performance ist das Linux-Erlebnis auf einer Nvidia-Grafikkarte aktuell ein ziemlich grausames.

Fazit

Vor allem auf einer AMD-Grafikkarte gibt es Positives zu berichten: Linux hat in den letzten Monaten spürbare Performanceverbesserungen erhalten. Nicht in Rasterizer-Spielen, dort ist alles beim Alten geblieben. Linux kommt dabei nicht völlig an die Leistung von Windows 11 dran, liegt im Durchschnitt aber nur knapp dahinter. Spürbare Unterschiede gibt es bis auf wenige Ausnahmen nicht.

Die Raytracing-Leistung ist mittlerweile jedoch deutlich besser als im Juli letzten Jahres. Bereits mit Mesa 25 und damit der vorletzten Version sind die Benchmarkergebnisse weitaus besser. Das kann zwar auch an der Spieleauswahl liegen, jedoch zeigt sich generell eine bessere Performance.

Mit Mesa 26 hat Radeon auf Linux den nächsten Schritt gemacht. An die RT-Leistung von Windows kommt Linux damit zwar noch nicht heran. Man hat den Rückstand aber halbieren können. Ein zweiter, nochmals genauso großer Schritt ist nötig, um zu einem Gleichstand zu kommen.

Ebenso positiv zu vermerken ist, dass FSR 4 in den meisten Spielen einwandfrei funktioniert und auch Anti-Lag 2, mit dem es damals noch Probleme gegeben hat, sich problemlos hat aktivieren können. Allerdings lief Linux in Form von CachyOS instabiler als im alten Test. Insgesamt vier nicht reproduzierbare Abstürze gab es während des Testens, ein System hinter diesen ist nicht zu erkennen gewesen. Das heißt nicht, dass diese auf jedem System auftreten. Auf dem Testsystem hat es die Probleme aber gegeben.

Radeon = Okay, GeForce = nicht

Auf einer GeForce-Karte hat sich in Sachen Geschwindigkeit wenig getan, hier sind die Ergebnisse ziemlich gleich geblieben. Nvidia-Grafikkarten laufen damit unter Linux spürbar langsamer als unter Windows und fallen auch hinter die Radeon-Konkurrenz zurück. Nvidia hat mittlerweile jedoch bekannt gegeben, an dem Problem zu arbeiten. Jedoch ist noch unklar, wann es die Verbesserung geben wird. Bis dahin laufen GeForce-Grafikkarten etwa eine Leistungsklasse niedriger als unter Windows.

Die Leistung ist schlussendlich aber das kleinste Problem, denn GeForce-Grafikkarten haben im Test unter Linux zahlreiche Probleme gezeigt. Vor allem die Stabilität mit aktiviertem Raytracing ist ein Problem, viele Spiele stürzen sang- und klanglos ab. Oder starten gar nicht erst. Oder haben große Grafikfehler. Oben drauf kommt dann noch das je nach Spiel auch schon einmal 15 bis 20 Minuten lange kompilieren der Shader beim Spielstart – auf einer Radeon dauert das wenige Sekunden. Die Spielerfahrung mit einer GeForce unter Linux war schlecht.

AMD-Gaming auf Linux ist einen Schritt näher gekommen

Linux bietet damit nach wie vor keine gleichwertige Spieleerfahrung wie Windows – ist aber bei einer AMD-Grafikkarte einen weiteren Schritt näher gekommen. Die Rasterizer-Leistung ist bereits gut, bei der Raytracing-Performance fehlt aber nach wie vor etwas. Wenn auch weniger als zuvor. Ein Problem bleiben aber nach wie vor Spiele, die auf Linux-inkompatible Anti-Cheat-Mechanismen setzen. Denn diese laufen unter Windows, nicht aber Linux. Das muss sich ändern, damit Linux zu einem wirklich gleichwertigen Spiele-System wird. Und die plötzlich auftretenden Instabilitäten sind natürlich auch unschön.

Aktuell abgeraten werden muss jedoch von GeForce-Grafikkarten auf Linux, was das Spielen angeht. Ja, die Leistung ist bekanntlicherweise schlecht, doch die zahlreichen Probleme sind schlussendlich noch einmal schlimmer. Und in den letzten Monaten auch eher mehr als weniger geworden. Hier gibt es noch einen langen Weg zu gehen, bis Linux auch mit einer GeForce eine Alternative zu Windows ist.

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