Alphanerd schrieb:
Und genau das Fett markierte ist es, was es für mich nicht zur Kunst macht. Hier wieder die Affen vor die Tastatur setzen. Es kommt schon was raus.
Naja, "spektakulär" ist das doch aber vor allem, weil es immer noch recht neu ist. Ich glaube nicht, dass Menschen das in 20-30 Jahren noch genauso als "spektakulär" empfinden.
Was glaubst du was die Menschen damals dachten/empfanden,
als die ersten Synthesizer herauskamen?
(btw. ein wirklich empfehlenswertes Video dazu - ansonsten moneyquote ab ca. 04:30)
Alphanerd schrieb:
Zu dem Beispiel mit dem analogen lärm/optischer Belästigung: es wird von denkenden, fühlenden Wesen erzeugt und von eben diesen konsumiert. Meinst ist es nicht, aber wenn es funktioniert 🤷🏼♀️
Wo ist der Unterschied ob ein denkendes/fühlendes Wesen
a) random Eimer leert
b) random Knöpfe auf Synthesizern drückt
c) random auf Bleche haut
d) random auf Buttons drückt
c) random Anweisungen verfasst
Wo ist der (prinzipielle) Unterschied, wenn wir in all diesen Beispielen "random" durch "absichtsvoll" ersetzen?
Tools sind nun mal nur Tools.
Eine Geige harmonisch klingend zu spielen ist sicher unbestritten wesentlich komplexer, als mit modernen gesyncten Synthesizern harmonisch klingende Musik zu komponieren.
Beides kann gut oder kacke klingen.
Aus beiden kann man "Kunst" erschaffen oder auch "nur Lärm".
Araska schrieb:
Vorsicht... von diesem Standpunkt aus ist es nicht weit dahin, Literatur generell nicht als Kunst anzusehen - kann ja alles, genügend Zeit vorausgesetzt, von jedem Affen an einer Schreibmaschine getippt werden...
Dieses Beispiel/Gedankenspiel hat btw. einen großen Haken: Mit genügend hoher Zeit/Iteration würde zwar theoretisch irgendwann auch jeder "literarisch wertvolle" Text aus dem Zufall entstehen, allerdings würde dieser gleichwertig in einem für Menschen nicht begreifbaren/ersichtlichen Berg aus "linguistischem Rauschen" stecken. Also in einem Maßstab, dass die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu finden dagegen ein offensichtliches Kinderspiel wäre.
Booth schrieb:
Frage Künstler, ob sie dies als Kunst ansehen. In den meisten Fällen... nicht!
Nur weil jemand SELBER sagt, etwas sei Kunst, ist es das nicht. Es kommt auf die Akzeptanz in der jeweiligen Gruppierung an.
Ich hab doch explizit zwei (von vielen) Beispielen aufgezählt, wo das Publikum "Trivialität" bzw. offen zur Schau gestellten Dilettantismus zur Kunst erklärt... bzw. diese feiert oder viel Geld dafür zahlt.
Booth schrieb:
Und ja - es gibt Einzelfälle, wo SCHEINBAR ein Künstler irgendwie "random" etwas tut. Das ist meist TEIL des künstlerischen Aspekts, der erklärbar ist, wenn man sich tatsächlich tiefergehend dafür interessiert. Dies wissen dann am ehesten andere Künstler, wie das einzuschätzen ist.
Nein eben nicht nur scheinbar, das ist eben teilweise sogar ganz gewollt "random" - das hatte ich aber auch bereits explizit dazu gesagt. (Ich bin selbst Musiker und kann das auch fachlich durchaus etwas einschätzen)
Es sind eben bei weitem
keine Einzelfälle!
Viel mehr sind die Übergänge von grotesk/banaler Trivialität bis hin zu außergewöhnlicher Virtuosität fließend.
Es gibt einfach keine klare Definition oder objektive (Qualitäts-)Kriterien dessen, was Kunst ist oder zu sein hat.
Und ja - das ist sicherlich/ganz klar keine "Massenkompatible Kunst" von der ich hier spreche.
Aber Kunst spielt sich eben seit jeher auch oft in Nischen ab. Und die Größe dieser Nische(n) ist ebenso kein allgemeingültiges Kriterium.
Booth schrieb:
Zeige mir den Künstler, der als Künstler anerkannt wird, der was von KI-Kunst erzählt. Das wäre für mich der Anfang, diesen Begriff ernst zu nehmen. Vorher... nicht.
Ich kann dir nur berichten, dass ich schon an viele Stellen von diversen etablierten Künstlern mitbekommen habe, dass sie sich selbstverständlich seit längerem schon auch ernsthaft und intensiv selbst mit "KI" Tools und ihren Möglichkeiten auseinandersetzen.
Btw. ich verteidige hier diesen Begriff nicht unbedingt. Ich seh das selbst in vielen Punkten sehr kritisch!
Ich möchte nur darauf hinweisen, dass es nicht so einfach ist, wie es sich in dieser Debatte gerade insbesondere eben "KI"-kritische Menschen gerne machen, zwischen Kunst und nicht Kunst scheinbar objektiv zu differenzieren.