act_ schrieb:@_killy_
Kommt bei dir gar kein Ungerechtigkeitsempfinden auf, wenn jemand sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, seine Steuern sowie SV-Beiträge zahlt um dann am Ende in Altersarmut zu leben und Grundsicherung zu bekommen? DIe gleiche Grundsicherung wie jemand, der nie gearbeitet und nichts geleistet hat?
Definitiv. Es bekommen deutlich zu viel Menschen die Grundsicherung - und dem steht keine Pflicht gegenüber ... bspw. 30 Wochenstunden ABM Maßnahme.
Ich bin in der DDR geboren -> es gab den §249 Strafgesetzbuch -> asoziales Verhalten. "Jemand der in der Lage ist zu arbeiten - dies jedoch nicht tut, dem drohen bis zu 2 Jahren Gefängnis". Ich verstehe die heutige Sozialpolitik einfach nicht. Es ist kein Fördern und Fordern mehr, sondern nur noch ein reines Auszahlen von Leistungen. Das belastet natürlich die Arbeitnehmer extrem, weil sie viel höhere Steuern und Sozialabgaben zahlen müssen.
act_ schrieb:Wenn wir das Rentenniveau weiter senken und verlangen, dass eine "freiwillige private Altersvorsorge" vorhanden ist, wird das wozu führen? Genau, noch weitere Teile der Bevölkerung werden von ihrer Rente nicht mehr leben können => Grundsicherung. Das werden dann also mehr!
Das Rentenniveau wird die ganze Zeit gesenkt - aber indirekt und es wird der Bevölkerung verkauft als "die starken Schultern müssen mehr herangezogen werden". Hier wurde 2024 die Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung um 500 Euro p.M. angehoben und für 2026 um 400 Euro pro Monat. Menschen mit hohen Gehälter müssen somit mehr einzahlen, um die vollen 2 Rentenpunkte zu erhalten. Im Umkehrschluss, steigt aber auch die Grenze, ab wann man ein vollen Rentenpunkt bekommt. Je höher man also die Beitragsbemessungsgrenze schraubt - umso schwieriger wird es schon für den Durchschnittsverdiener, überhaupt 1 Rentenpunkt pro Jahr zu erwerben.
act_ schrieb:Und ich befürchte, dass das noch mehr Zulauf zur AfD generieren könnte.
Sowohl zur AfD als auch zu den Linken!
act_ schrieb:Warum werden RV-Beiträge quasi nur auf nicht-selbstständige Arbeit erhoben? Erweitern auf alle Einkunftsarten!
Weil du damit das Problem nicht löst - du erhöhst damit dann nur die Rentenansprüche in der Zukunft.
act_ schrieb:Und ja, auch eine moderat erhöhte Lebensarbeitszeit gehört m.E. dazu. Dann aber nicht eine feste Altersgrenze allgemein für alle erhöhen, sondern Arbeitsjahre: bspw. 45 oder 46 oder 47 Arbeitsjahre. Mit Uni-Diplom und 2. Staatsexamen habe ich erst mit ~27 Jahren angefangen zu arbeiten. Ein kaufmännischer Sachbearbeiter mit Fachabi und Ausbildung hat da schon 5 Jahre gearbeitet.
Ja - kann ich nur zustimmen.
ShiftC schrieb:Wenn jemand während des Berufslebens gut verdient, sich einen hohen Lebensstandard aufgebaut hat und den im Alter halten möchte, klar, dann macht zusätzliche Vorsorge Sinn. Ansonsten möchte ich dem aber deutlich widersprechen!
Warum?
ShiftC schrieb:Private Vorsorge sollte nicht zur Grundvoraussetzung werden, damit man im Alter überhaupt „über die Runden“ kommt. Die gesetzliche Rente war mal als Basissicherung gedacht, und es kann nicht sein, dass die ohne Zusatzvorsorge für immer mehr Menschen nicht mehr reicht.
Du hast es selbst schön ausgedrückt "die gesetzliche Rente war mal als Basissicherung gedacht". Damals hat man einfach unterstellt, dass auch wirklich immer viele Kinder geboren werden. In den 1960iger Jahren, war die Geburtenrate noch bei 2,52 Kinder pro Frau (Quelle) - aktuell liegen wir bei 1,35 Kinder pro Frau. Es steht damit deutlich weniger Einzahler zur Verfügung als Empfänger. Das Umlagesystem funktioniert somit nicht mehr.
Idee wäre es halt, die Menschen zu bestrafen - die nicht dafür gesorgt haben, dass ihre Rente auch in Zukunft bezahlt wird. Sprich, Menschen mit weniger als 3 Kinder bekommen deutliche Abschläge auf ihre Rentenbezüge!
ShiftC schrieb:Hinzu kommt der Widerspruch des Systems:
Wer nicht privat vorsorgt und im Alter zu wenig Rente hat, bekommt vom Staat Grundsicherung im Alter. Okay.
Wer aber privat vorgesorgt hat, muss diese Ersparnisse zuerst aufbrauchen bzw. sie werden als Einkommen angerechnet. Das heißt: Die einen bezahlen während ihrer Berufszeit freiwillig, worauf andere während derselben Zeit verzichten können, es aber dann per Aufstockung vom Staat bekommen, bis sie auf einer Gewissen Grenze liegen. Und zusätzlich zahlen die Vorsorger über Steuern natürlich auch die Aufstockung mit.
Wie in den USA einfach ein "401 Konto" einführen. In diesem dürfen alle Variationen der Altersvorsorge betrieben werden - also Immobilien, ETFs, Aktien, Gold ... whatever. Man hat aber erst Zugriff auf dieses Konto mit Renteneintritt. Dann ist alles, was in diesem Konto hinterlegt ist - auch vor dem Staat geschützt.
ShiftC schrieb:Im Ergebnis wirken Leute, die privat vorsorgen, fast so, als würden sie zweimal zahlen: Einmal für sich selbst, und einmal über Steuern für andere. Während diejenigen ohne Vorsorge am Ende ungefähr auf ein ähnliches Mindestniveau kommen, nur eben ohne selbst dafür gespart zu haben (sofern sie es hätten tun können).
Da kann ich dir absolut nur zustimmen - derjenige der wirklich spart ist aktuell der Dumme!