dermatu schrieb:
Das kommt doch auf die Handelsbilanzen an.
Durchaus nicht. Natürlich leiden Länder mit positiven Handelsbilanzen unter Zöllen, da ihre Unternehmen weniger ausführen und deren Gewinne daher leiden werden. Die USA als Land mit einer negativen Handelsbilanz leidet aber ebenso, denn was die besagte ausländische Unternehmen weniger verkaufen können, wird im Zweifel gar nicht mehr eingeführt. Das bedeutet aber nicht, dass inländische Produkte zwangsläufig diese Nische besetzen werden, entweder indem eigene Firmen sie herstellen oder ausländische Hersteller Arbeitsplätze in die USA verlagern, wie es Trumps Wunschvorstellung ist. Stellenweise mag das vielleicht passieren. Ansonsten steigen aber eben einfach die Preise oder das Handelsvolumen sinkt, weil Warenströme sich verlagern. Beides hat wieder seine ganz eigenen Auswirkungen auf das einführende Land. Am Ende sind Zölle für beide Seiten nicht toll. Dass man einst Abkommen wie TTIP verhandelte und die EU auch heute noch Freihandelsabkommen mit aller Welt anstrebt, hat schon seinen Grund.
dermatu schrieb:
Der schlechte Zolldeal der EU ist doch z.b. auch nur dadurch zu Stande gekommen, dass Europa, allen voran Deutschland, mehr in die USA exportiert als importiert.
Physische Waren, ja. Bei Dienstleistungen dreht sich das Ganze tatsächlich um. Aber wie dem auch sei, Trump betrachtet das Ganze als Nullsummenspiel, was es nicht ist. Auch positive Handelsbilanzen haben ihre Schattenseiten - Stichwort Nettokapitalexporte. Langfristig kann so etwas dazu führen, dass inländische Investitionen leiden. Dafür ist Deutschland und ist auch Europa ein absolutes Musterbeispiel.
dermatu schrieb:
Auf einen Zollkrieg (Zollspirale) mit den USA kannst du dich ja gar nicht einlassen weil wir uns ja im Endeffekt mehr Schaden. Deswegen hat die von der Leyen den "schlechten" Deal akzeptieren müssen. Wir hätten nämlich gar keine Wahl.
Eine Eskalation wäre noch schlechter gewesen, das stimmt. Im Gegensatz zu China befindet sich die EU in keiner sonderlich starken Verhandlungsposition. Andererseits wäre der Schaden auch hier auf beiden Seiten zu finden gewesen. Ob man also keine Wahl hatte, ist Intepretationssache. Ich bin auch ein Freund dieser Deeskalation, was aber nicht bedeutet, dass sie als solche alternativlos war.
dermatu schrieb:
"You never get what you deserve; only what you have the leverage to negotiate."
Wer in den Bereichen auf Fairness usw. hofft ist einfach nur blauäugig.
Klar. Staaten kennen keine Freunde, nur Interessen. So viel ist sicherlich bekannt. Trotzdem sind die Dinge, wie gesagt, so einfach nicht. Trump hätte gerne einen Handelsbilanzüberschuss, missversteht dabei aber, welche Vorteile in einer negativen Handelsbilanz liegen können (was nicht bedeutet, dass es nicht legitim ist, die inländische Produktion zu stärken, aber dafür gibt es geeignetere Mittel). Er missversteht Umsatzsteuer als "Strafen" auf US-Waren, obwohl sie für alle Waren gelten. Er schreibt Zöllen Eigenschaften zu, die sie nicht haben und versteht sie auch dort als Hebel, wo sie letztlich keine sind.
Er ist ein Gebrauchtwagenverkäufer, kein Volkswirt.