@Marvin:
Du vergisst halt das Objekt mit dem du wechselwirkst. Du kannst im Weltraum nicht einfach sagen "ich beschleunige jetzt mal", sondern du brauchst irgendetwas auf das du die entstehende Kraft übertragen kannst. Und dieses etwas bekommt dann einen Teil der umgesetzten Energie und einen Teil des Impulses ab. Ich kann dir die Rechnung für Geschwindigkeitsverdopplung mit Stoßpartner Erde vs. Geschwindigskeitsverdopplung mit Stoßpartner "ausgestoßener Rakenentreibstoff" in der Schwerelosigkeit vorrechnen (komplett mit Energie- UND Impulserhaltung und Wechsel des Inertialsystems), die Frage ist allerdings ob das überhaupt jemand sehen will bzw. ob es dich überhaupt überzeugen kann?
Ich muss sagen, ich bin heute Nacht zufällig auf diese Fragestellung gestoßen und war davon sehr eingenommen das ganze mal richtig durchzurechnen, da man natürlich rein intiuitiv von dem was man so kennt einfach sagt "haja klar doppelte Geschwindigkeit = vierfacher Energieaufwand", und mir dann überlegt dass es in der Schwerelosigkeit eben genau nicht so sein kann. Der entscheidende Punkt ist dabei eben gerade der Stoßpartner, auf den du die Kraft vermittelst, die du zum Beschleunigen brauchst. Und würdest du dir mal wirklich die Impulse vor und nach dem Beschleunigen hinschreiben, dann würdest du auch sehen wo dein Fehler liegt. In meiner Rechnung sind alle Impulse erhalten, in deiner rein energiebezogenen Rechnung eben nicht. Klar muss der Energieerhaltungssatz gelten, aber bei mir gilt der auch UND zusätzlich noch die Impulserhaltung.
und noch was:
Marvin_X schrieb:
Das natürlich viele Komponenten eine Rolle spielen ist klar, und das ein herkömlicher Raketenantrieb eventuell anders funktioniert als ein anderer Antrieb ist auch klar, (...)
Ich habe von Anfang an nur vom klassischen Raketenantrieb geredet, da alles andere reine Spekulation und momentan nicht berechenbar wäre. Der imaginäre Antrieb, der für eine Geschwindigkeitsverdopplung im Weltraum die vierfache Energie benötigt, stößt sich immer vom gleichen, sehr viel schwereren Objekt ab.
Ein weiterer Erklärungsversuch: (den vielleicht lesen, glaub der ist ganz gut)
Du stößt dich von der Erde ab (Wir vernachlässigen mal Gravitation, Luftreibung etc, Erde steht hier nur für einen großen schweren Körper der Impuls aber keine Energie aufnimmt). Für den Stoß steht dir die Energie E zur Verfügung. Damit erreichst du die Geschwindigkeit V1 = sqrt(2*E/m), wobei m deine Masse ist. Jetzt fliegst du mit Geschwindigkeit V1 an einem weiteren Planeten vorbei,
der relativ zur Erde ruht. Um bei einem Stoß mit diesem Planeten deine Geschwindigkeit zu verdoppeln ist die dreifache Energie wie beim ersten Stoß notwendig, so dass du insgesamt die Energie 4*E investieren musstest, um auf die doppelte Geschwindigkeit zu kommen.
Jetzt stell dir vor,
der zweite Planet mit dem du stößt, bewegt sich nahezu mit der gleichen Geschwindigkeit mit dir mit. Um relativ zu diesem Planeten die Geschwindigkeit V1 zu erreichen benötigst du nur die gleiche Energie E wie beim ersten Stoß (da du und der zweite Planet sich sozusagen wieder in Ruhe befinden und alles analog zum ersten Stoß abläuft). Relativ zum zweiten Planeten hast du nach dem Stoß die Geschwindigkeit V1, und relativ zum ersten Planeten die Geschwindigkeit V2 = V1 + V1 = 2*V1 (1x V1 von deinem Abstoßen vom ersten Planeten und 1x V1 vom Abstoßen vom zweiten Planeten der sich bereits mit V1 relativ zum ersten Planeten bewegt hat), und du musstest nur die Energie 2*E aufwenden um 2*V1 zu erreichen, anstatt wie im ersten Fall 4*E.
Die Frage ist also eindeutig, auf was für ein Objekt (Masse, Geschwindigkeit) dein Antrieb seine Kraft überträgt! Überträgt er die Kraft immer auf ein identisches (schweres) Objekt, dessen Geschwindigkeit sich nie ändert, so brauchst du viel mehr Energie für die gleiche Geschwindigkeitszunahme, wie wenn dein Antrieb seine Kraft auf unterschiedliche, sich mit dir mitbewegende Objekte überträgt. Ein klassischer Raketenantrieb macht nämlich genau das, du stößt dich von deinem Raketentreibstoff ab, der ja immer mitbeschleunigt wird und zum Zeitpunkt des Ausstoßens die gleiche Geschwindigkeit hat wie du selbst. Deshalb:
Ein Auto, das sich zum Beschleunigen an der Erde abstößt (mittels Reibung entlang der Obferläche, ich will das arme Auto nicht ins All schießen), benötigt für die doppelte Geschwindigkeit die vierfache Energie. Eine Rakete im Weltraum, die sich an ihrem (mitbewegten) Treibstoff abstößt, benötigt dagegen für die doppelte Geschwindigkeit nur die doppelte Energie.*
*Anmerkung: Sofern man annimmt, dass der Masseverlust durch den ausgestoßenen Treibstoff klein ist gegenüber der Gesamtmasse der Rakete. Sonst wird die Rechnung etwas komplizierter, und gegen Ende erreicht man eine Maximalgeschwindigkeit, da man fast die ganze Energie auf den Treibstoff anstatt auf die Rakete überträgt. Aber in dem Bereich, in dem die Rakete noch gut befüllt ist, gilt die Aussage "zweimal zünden (bzw. doppelt so lange Zünden) = zweifache Geschwindigkeit"