Auf der falschen Seite der Geschichte

Lunke

Lieutenant
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Mit großem Bedauern nehme ich zur Kenntnis, dass die Telekom Vorreiter ist: Vorreiter beim Ramponieren der Netzneutralität, eines offenen, demokratischen Internets. Obwohl die Bundesnetzagentur Bedenken zu dem umstrittenen Dienst "StreamOn" geäußert hat, möchte die Telekom diesen um jeden Preis fortführen und sogar gegen die Bundesnetzagentur klagen. Getreu nach dem Motto "Profit first, Bedenken second."

Laut einem Bericht der FAZ sagte ein Sprecher der Telekom hierzu: "Stream On sei ein kostenloses Produkt, gegen das es keinerlei Beschwerden von [...] Kunden gebe." Oh, ist das so? Deshalb hier ganz offiziell: Hier, ich bin potentieller Kunde eures Mobilfunktarifes, und ich finde das ganz furchtbar, was ihr da veranstaltet!

Ihr steht damit meiner Meinung nach auf der falschen Seite der Geschichte: Auf der Seite des Undemokratischen und Autoritären, auf der Seite der Rechtspopulisten wie Donald Trump, auf der Seite des Faschismus (nach Meinung von Georg Diez). Die Telekom ist nun für mich mit der Politik des Donald Trump verknüpft, dessen Administration parallel zu den Vorstößen der Telekom die Netzneutralität gesetzlich abgeschafft hat.
 
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Na ja, so kritisch sehe ich das nicht. Warum soll jemand, der bereit ist, mehr zu zahlen, nicht auch im Netz mehr leistung bekommen ? Ist doch wie auch der Straße, da will man ja auch nicht verbieten, dass der eine stärkere und schneller Autos fahren kann als der andere. Oder sollen wir künftig alle nur noch Tretroller herumkutschieren ?
 
Blöd nur, dass wir hier nicht von Autos reden, sondern von der Straße, die für viele eingeschränkt wird.
 
Ou jetzt versamelt sich der Stammtisch hier. *Popcorn hol*
 
BoeserBrot schrieb:
Blöd nur, dass wir hier nicht von Autos reden, sondern von der Straße, die für viele eingeschränkt wird.


Wenn wir bei dem Vergleich bleiben, dann gibt es auch auch Straßen keine rechtsfreien Räume, sondern diesen werden auch nach Nutzern unterschiedliche Rechte zugeteilt; der LKW darf nicht auf dem Fahrradweg fahren und der Radfahrer nicht auf der Autobahn ... etc... pp. !

Genauso ist es auch im Netz ! Um im Bild zu bleiben: Warum sollte ein Ferrari dort nicht schneller unterwegs sein dürfen als ein Radfahrer ?
 
de la Cruz schrieb:
Wenn wir bei dem Vergleich bleiben, dann gibt es auch auch Straßen keine rechtsfreien Räume, sondern diesen werden auch nach Nutzern unterschiedliche Rechte zugeteilt; der LKW darf nicht auf dem Fahrradweg fahren und der Radfahrer nicht auf der Autobahn ... etc... pp. !

Genauso ist es auch im Netz ! Um im Bild zu bleiben: Warum sollte ein Ferrari dort nicht schneller unterwegs sein dürfen als ein Radfahrer ?

Wenn du hier tatsächlich ernst genommen werden willst, solltest du zumindest die Fakten nicht durcheinanderbringen.

Netzneutralität heißt nicht, dass das Internet ein "rechtsfreier Raum" wird, in dem jeder machten können soll, was er will, selbst wenn es gegen geltende Gesetze verstößt.
Netzneutralität heißt auch nicht, dass der Provider schnelle Anwendungen absichtlich drosseln müsse, damit "alles gleich schnell" wird, wie du es in deinem ersten Post angedeutet hast.

Tatsächlich soll genau das verhindert werden. Ohne das Gebot der Netzneutralität könnte der Provider Internetanwendungen, die nicht das von ihm geforderte SchutzgeldBeförderungsentgeld bezahlen, absichtlich verlangsamen (Analog: Private Straßenbesitzer erlauben nur noch Fahrern von Automarken, welche ihm jeden Monat mehrere Millionen zahlen, die linke Fahrspur zu nutzen).
Und es soll verhindert werden, dass der Provider unliebsame Inhalte bzw. Inhalte, die einem zahlenden Konkurrenten nicht passen, durch unendliche Verlangsamung blockieren kann (Analog: BMW zahlt privaten Straßenbesitzern Geld, damit dort keine Mercedes-Autos mehr durchfahren dürfen)

Ansätze zur Recherche: https://de.wikipedia.org/wiki/Netzneutralität
Ergänzung ()

Gerade entdeckt: Jetzt macht das Nachrichtenportal T-Online Stimmung gegen Netzneutralität! Was für ein widerlicher Verein.
 
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Stream On verursacht nicht, dass die anderen Dienste gezielt langsamer übertragen werden.
 
Eben, deshalb ist Argumentation von @Lunke grundlegend nicht haltbar ! Niemand will verbieten, dass künftig kein "Mercedes" mehr eine bestimmte Straße fahren darf, sondern nur noch "BMWs" ! Aber wenn man mehr bezahlt als andere, dann ist es nicht ungerecht, dass man auch schnellere Verbindungen nutzen darf und andere eben nur die Standard-Verbindungen.
 
freshprince2002 schrieb:
Stream On verursacht nicht, dass die anderen Dienste gezielt langsamer übertragen werden.

Naja, denk mal ein wenig weiter. In Deutschland gibt es im internationalen Vergleich erstaunlich wenig Datenvolumen für's Geld. Manche Länder haben sogar schon echte Flatrates, siehe https://www.computerbase.de/news/internet/lte-datenvolumen-preisvergleich.61657/. Die Telekom kontert das jetzt mit "aber ihr könnt ja diesen oder jenen Dienst mit StreamOn unbegrenzt nutzen". So sind die Kunden eher gewillt, diese schlechten Konditionen zu akzeptieren. Oder anders gesagt: Es fließt bereits in die Kalkulation mit ein, dass der Kunde ja diese speziellen Dienste nutzen kann und deswegen nicht so viel universal nutzbares Volumen benötigt. Ist ja wie in diesen Ramsch-Läden, die mit "50% reduziert" und mehr werben und dann stellt sich raus, dass sie den Ursprungspreis einfach 200% höher gesetzt haben.

de la Cruz schrieb:
Eben, deshalb ist Argumentation von @Lunke grundlegend nicht haltbar ! Niemand will verbieten, dass künftig kein "Mercedes" mehr eine bestimmte Straße fahren darf, sondern nur noch "BMWs" ! Aber wenn man mehr bezahlt als andere, dann ist es nicht ungerecht, dass man auch schnellere Verbindungen nutzen darf und andere eben nur die Standard-Verbindungen.

Ach, welche (gesetzliche) Garantie habe ich, wenn die Netzneutralität erst einmal weg ist, dass genau so etwas nicht passiert? Bist du so gutgläubig, dass die nette Telekom dann immer noch fair sein wir? StreamOn ist ja erst der Anfang und eine sehr milde Variante, aber ich rede ja davon, wenn die Dämme erst einmal gebrochen sind, was dann passieren könnte.
Es sollte doch bekannt sein, dass die Telekom gerne von den Content-Anbietern Geld möchte. Mit YouTube werden schon seit Jahren solche Spielchen getrieben.
Ich habe das Gefühl, dass du hier nur auf Konfrontation aus bist, wenn du mit solchen Superlativen wie "grundlegend nicht haltbar" um dich haust. Natürlich ist das haltbar, es ist die Meinung vieler Journalisten, Internet-Aktivisten, der EFF, sogar Google spricht sich für Netzneutralität aus. Alles Spinner?

Ich hatte eigentlich nicht erwartet, hier noch großartig das Prinzip und die Wichtigkeit der Netzneutralität erklären zu müssen, aber scheinbar sind einige hier doch apolitischer als ich dachte bzw. nehmen einfach alles kritiklos hin, was ihnen die PR-Abteilung der Unternehmen vorkaut.
 
Ich kann auch nicht nachvollziehen, wie man die Abschaffung der Netzneutralität verteidigen kann.
Alle Argumente für die Abschaffung sind einfach zu entkräften.
Ist es erstmal so weit, werden wir für unser Geld deutlich weniger von den Providern bekommen.
 
Klar, sind alle dafür, dass alle immer alles für umme kriegen sollen .... aber was ist daran gerecht ?

Dass derjenige, der seine Flatrate nur ganz wenig nutzt, die Kosten für die anderen, die 7/24 surfen immer und ewig mitzutragen hat ?
 
Netzneutralität heißt auch nicht, dass jeder die gleiche Geschwindigkeit oder das gleiche Volumen zum gleichen Preis bekommt. :) Oh man, hast du dich überhaupt mal informiert, worum es hier geht? Natürlich kostet ein Tarif mit mehr Volumen mehr Geld, das ist normal und steht nicht zur Kritik. Es geht darum, dass der Provider dann bei der vereinbarten Geschwindigkeit, für die der Kunde bezahlt hat, jedes Datenpaket gleich behandeln muss und nicht nach dem Ursprung der Datenpakete diskriminiert.
 
Dann soll sich derjenige halt keine Flatrate kaufen. Das hat aber nichts mit Netzneutralität zu tun.

Überhaupt ist die Annahme falsch, dass ein Nutzer, der viel Traffic verursacht, auch hohe Kosten für den Provider verursacht. Demnach ist es ziemlich egal, ob du deine Flatrate 24/7 benutzt oder nur um einmal am Tag, um Mails zu lesen.

Lunke hat die Sachlage schon recht gut erklärt.
 
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