AW: Breitbandinternet in Deutschland - ein Chaos?
Hallo zusammen,
ich möchte hier berichten, dass es noch andere „Inseln“ im Land gibt, wo FTTH umgesetzt wurde bzw. noch wird.
Vorweg ich arbeite bei einer Firma für Softwareentwicklung und allgemein IT-Beratung. Wir haben uns mit den Stadtwerken einer kleineren Stadt (ca. 22000 Einwohner) zusammengesetzt und eine Machbarkeitststudie entwickelt. Darin kommt auch die Wirtschaftlichkeit vor. Ohne geht es nicht. Das war im letzten Oktober. Bereits erfolgt sind u.a. allgemein Projektstart, der Beginn von Softwareentwicklungen (alles agil), erste Grabungen und die Entwicklung von kostensparenden Partnerschaften (bekannter Netzwerktechnologiekonzern). Das Vorläufige Projektziel umfasst: FTTH (250Mbit/s – 10GBit/s) für geeignete Gebiete (Zielgruppen, viele Menschen, wenige Bauvorhaben, …), IPTV, IP-Telefon, stadtweites WLAN, Verwaltungssoftware. Darüber hinaus soll ein Rechenzentrum entstehen, das Cloud-Dienste anbietet.
Vor der Technik muss man in keinster Weise Angst haben. Es gibt nur drei Verantwortliche für die Netzwerktechnik (Ba ET, Systemelektroniker, Ma ET/TI). Wir liegen Zeitplan.
Probleme machen einzig ein paar Menschen auf der anderen Seite. Vor allem, weil ihnen die Fantasie, das technische (Anwender-)Verständnis und Kenntnis der primären Zielgruppen fehlen. Mit beinahe täglicher Kommunikation und einer Menge Geduld konnten wir aber bisher alle Probleme lösen.
Eine ganz wichtige Sache gibt es aber noch: die Finanzierung. FTTH kostet viel. Bringt aber noch mehr. Es gibt grob zwei Modelle mit denen eine Kommune/ein kommunales Unternehmen Projekte mit privaten Unternehmen umsetzen kann. Beide Modelle haben einen Zeitraum von 7 Jahren. Modell 1: Es wird 7 Jahre lang der Umsatz mit kommunalen Mitteln ergänzt, sodass das Unternehmen die Kosten decken kann.
Modell 2: Das Projekt gehört komplett der Kommune von Anfang an.
Nachteil Modell 1: ist das Unternehmen nach 7 Jahren nicht wirtschaftlich, geht es weg und verkauft das Projekt (Anlagen, sonstige Güter). Es gibt in diesem Land deswegen Kommunen mit z.B. ungenutzten hochmodernen Fernwärmenetzen.
Vorteil Modell 2: sollte sich das private Unternehmen verheben, geht es weg. Das komplette Projekt bleibt aber im Besitz der Kommune. In unserem Fall hätte die Kommune Glasfaser in der Erde (und mehr) und braucht nur ein neues Unternehmen für die Weiterentwicklung suchen.
Kurz: Wenn die Konzerne nicht können oder wollen, dann machen wir es eben selbst.
Wenn ihr Fragen habt, fragt ruhig (Anwendungsfälle, Anekdoten über digital-wenig-Erreichte, Provider)
