chancaine schrieb:
Die Sache ist die, dass es nicht um die Funktion eines Betriebswirtes an sich geht, sondern alle, die mal dieses Fach studiert haben bzw. es noch tun, als homogene Masse angesehen werden, was ich unverschämt finde.
Verallgemeinerungen sind nie zutreffend, das sollte wohl jedem Klar sein.
Wenn man sucht findet man natürlich immer die typischen Klischee-Vertreter. Sei das bei den BWL-studis der Typ mit der Gelfrisur, der nur mit Polohemd mit hochgeklapptem Kragen rumläuft und mit Buzzwords um sich wirft. Oder sei es die Gruppe von Nerds an den technischen Fakultäten, die ernsthafte Atemprobleme bekommt weil sich eine verplante sozi-Studentin im Gebäude geirrt hat und sie nach dem Weg fragt.
Wer ernsthaft glaubt das solche Beispiele den Schluss auf eine ganze Gruppe zulassen . . . ich drücke es mal vorsichtig aus: ohne solches Verhalten würde es eine erhebliche Menge an Leid auf der Welt weniger geben.
Zur Ausgangsfrage:
Wie wahrscheinlich ist es denn, dass 'Auswendiglernen' die einzige zum bestehen eines Studienganges oder gar akademischen Berufes notwendige Fähigkeit ist?
Und wenn das 'jeder Idiot' kann, warum zahlt mann dann akademiker-Gehälter?
Dann könnte man doch auch genausogut die ganzen hübschen Mädchen rekrutieren, die schon die allgemeinbildende Schule nur mit Auswendiglernen geschafft haben, und hätte auch noch was fürs Auge? (Achtung: wieder Stereotyp. ;-) )
Liegt es da nicht nahe, dass es irgendwie doch nicht ganz so einfach sein kann?
Sicher, das BWL-Zusatzmodul in meinem Ingenieursstudiengang mit 1 SWS bestand auch nur aus Auswendiglernen.
Ich bin mir aber ziemlich sicher, würde ich einen Wirtschafts- oder Geisteswissenschaftler mit in eine Einführungsveranstaltung Elektrotechnik nehmen, er würde auch erstmal eine menge Gesetzmäßigkeiten schlichtweg lernen müssen, um weiter folgen zu können.
Wäre sein Urteil 'da muss man nur auswendig lernen' dann gerechtfertigt, ohne auch nur einen Bruchteil der Gesamtkomplexität überblicken zu können? Wohl kaum. Ich kann es nur vermuten, nehme aber stark an, das es in anderen Studiengängen ähnlich sein wird.
Also: selbst wenn ein BWL-Studium im Verhältnis zu anderen Studiengängen einen hohen Auswendiglernanteil hat, wird man wohl im Laufe des Studiums irgendwelche weitergehenden Fähigkeiten erwerben müssen. Durchaus auch privat, ausserhalb der Hochschule.
In meinem E-technik Studiengang ist es jedenfalls so, dass ich hauptsächlich 'erweitertes Handwerkzeug' gelehrt bekomme. Für die gewünschte Berufsausrichtung benötigten speziellen praktischen Fähigkeiten muss man sich selbst aneignen (Trotz FH), um für einen zukünftigen Arbeitgeber attraktiv zu sein. Oder man ist optimistisch und hofft auf ein umfangreiches Einsteigerprogramm. Ich kann mir vorstellen, dass sich das auf andere Studiengänge zum Teil übertragen lässt.
Grüße,
David