CachyOS: Bringt der Kernel Wechsel auf linux-cachyos-bore ein snappy System?

WinstonSmith101 schrieb:
Da habe ich tatsächlich bisher nie nachgesehen, aber offenbar gibt es da auch kleinere Probleme. Ich habe zwar schon etwas mit ChatGPT geforscht, aber mit manchem bin ich einfach überfordert.
Hier kannste mal schauen:

https://www.brendangregg.com/blog/2016-10-08/linux-bcc-runqlat.html
https://www.brendangregg.com/blog/2016-10-06/linux-bcc-ext4dist-ext4slower.html
https://github.com/bpftrace/bpftrace/blob/master/tools/README.md

Mit sar -qd kann man auch mal schauen, swap scheint ja erstmal kein Thema zu sein.
 
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Creeping.Death schrieb:
Hört sich nach ziemlich vielen Erweiterungen an. Da würde es sich tatsächlich lohnen, mal mit einem schlankeren Erweiterungsset zu testen.
Danke, das war dringend nötig. Ich habe mir das heute Abend zur Aufgabe gemacht. Das Ergebnis sieht so aus:
Bildschirmfoto_20261102_212346.png
 
bore setzt auf eevdf bzw. cfs auf (ist eine Erweiterung davon) und führt (zumindest für mich) zu minimal höherer Latenz, ermöglicht jedoch höheren Durchsatz in Burst-Situationen

eevdf (der Standard CPU-Scheduler) leidet jedoch im Vergleich zu den via sched-ext verfügbaren Schedulern unter höherer edge case Latenz (obwohl dieser nativ ist - Annahme, dass bpf bzw. sched-ext höheren Aufwand hat), auch mit den aktuellesten Änderungen, um die maximalen Latenzen zu senken (z.B. 7.3 Kernel mit https://github.com/CachyOS/linux/commits/7.3/sched/)

ich hab einige von den sched-ext Schedulern durch und bin bei scx_bpfland hängengeblieben, das ermöglicht selbst unter sehr hoher Last (z.B. Kernel Kompilierung, Kompilierung von webkit-gtk, firefox - kompiliere die Königsdisziplin chromium nicht mehr - kann also dazu nix sagen) noch flüssiges Arbeiten und reagiert jederzeit auf die Eingaben des Systems flott und vorhersehbar - nutze zusätzlich ananicy-cpp für Priorisierung

scx_cake ist für gaming, gönnt sich jedoch ab und an Gedenksekunden im idle (counterintuitive) - wenn z.B. via alt + f2 krunner aufgerufen werden soll, dauert es ein paar Sekunden, bis das aufgeht, unter voller Last ist es stotternde Bedienung oder sogar Laden von Videos im Browser - die generell wahrnehmbare Latenz mag niedriger sein - aber in den corner cases (Maximalbelastung und wenn mehr Datenaufkommen aufkommt, z.B. bei Overwatch) kann sich das weniger flüssig anfühlen im Vergleich z.B. zu scx_bpfland wo die Leistung durchgehend konsistent ist

scx_flash ist auch ein guter Kandidat, hatte das seither genutzt

ein Blick auf https://wiki.cachyos.org/configuration/sched-ext/ um einen Überblick zu bekommen hilft

Nutze momentan scx in Version 1.1.4 https://github.com/sched-ext/scx/releases/tag/v1.1.4 mit 7.3 Kernel (stark gepatcht)
 
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Nach dem Wechsel zu linux-cachyos-bore und der überfälligen Diät für Firefox läuft das System wirklich deutlich besser. In Firefox waren viel zu viele alte Erweiterungen aktiv, die ich erstens gar nicht mehr gebraucht habe und die zweitens zum Teil sogar datenschutzrechtlich bedenklich waren. Der Eingriff hat sich somit doppelt gelohnt!

So ist das System für mich absolut alltagstauglich.

Ich habe mich bei den Erweiterungen von ChatGPT etwas beraten lassen. Jetzt sehen sie so aus:

Bildschirmfoto_20261103_085222.png
 
WinstonSmith101 schrieb:
Nach dem Wechsel zu linux-cachyos-bore und der überfälligen Diät für Firefox läuft das System wirklich deutlich besser. In Firefox waren viel zu viele alte Erweiterungen aktiv, die ich erstens gar nicht mehr gebraucht habe und die zweitens zum Teil sogar datenschutzrechtlich bedenklich waren. Der Eingriff hat sich somit doppelt gelohnt!
Wer viel auf einmal ändert lernt nix dabei.
 
@foofoobar Stimmt, aber ich habe die Änderungen deutlich nacheinander vorgenommen. Schon linux-cachyos-bore hat einen Unterschied gemacht. Die Änderungen am Firefox kamen danach und waren absolut überfällig.
 
WinstonSmith101 schrieb:
Schon linux-cachyos-bore hat einen Unterschied gemacht.

Hast du zufälligerweise auch cpupower installiert?
(cpupower ist ein Kommandozeilenwerkzeug unter Linux, mit dem man u.a die Energieverwaltung und das Leistungsverhalten einer CPU steuern und überwachen kann.)

Mit dem Befehl: sudo cpupower frequency-set -g performance könntest du zusätzlich überprüfen, ob sich etwas verbessert im Reaktionsverhalten.

Edit: Dieser Befehl bevorzugt die höchstmögliche verfügbare CPU Frequenz.
 
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Portage&Chill schrieb:
Hast du zufälligerweise auch cpupower installiert?
Danke, das ist ein sehr guter Tipp! Ich habe das Tool jetzt getestet. Ohne Einstellungen zeigt es:

cpupower frequency-info
CPU 3 wird analysiert:
driver: intel_cpufreq
CPUs, die mit der gleichen Hardwarefrequenz laufen: 3
CPUs, die ihre Frequenz mit Software koordinieren müssen: 3
Maximale Dauer eines Taktfrequenzwechsels: 20.0 us
Hardwarebegrenzungen: 500 MHz - 2.00 GHz
verfügbare cpufreq-Regler: conservative ondemand userspace powersave performance schedutil
momentane Richtlinie: Frequenz sollte innerhalb 500 MHz und 2.00 GHz.
sein. Der Regler "schedutil" kann frei entscheiden,
welche Geschwindigkeit er in diesem Bereich verwendet.
current CPU frequency: Unable to call hardware
current CPU frequency: 2.00 GHz (asserted by call to kernel)
boost state support:
Unterstützt: nein
Aktiv: nein
Und mit sudo cpupower frequency-set -g performance zeigt es:

cpupower frequency-info
CPU 0 wird analysiert:
driver: intel_cpufreq
CPUs, die mit der gleichen Hardwarefrequenz laufen: 0
CPUs, die ihre Frequenz mit Software koordinieren müssen: 0
Maximale Dauer eines Taktfrequenzwechsels: 20.0 us
Hardwarebegrenzungen: 500 MHz - 2.00 GHz
verfügbare cpufreq-Regler: conservative ondemand userspace powersave performance schedutil
momentane Richtlinie: Frequenz sollte innerhalb 500 MHz und 2.00 GHz.
sein. Der Regler "performance" kann frei entscheiden,
welche Geschwindigkeit er in diesem Bereich verwendet.
current CPU frequency: Unable to call hardware
current CPU frequency: 2.00 GHz (asserted by call to kernel)
boost state support:
Unterstützt: nein
Aktiv: nein

btop zeigt jetzt fast durchgehend 2 GHz an und die Temperatur steigt nicht ins Unermessliche. Ich teste mal, wie lange das System so durchhält. Schlechter fühlt es sich auf jeden Fall nicht an.

Bildschirmfoto_20261103_205244.png
 
Ich bin jetzt noch einen Schritt weiter gegangen und habe die CPU und die GPU mit intel undervolt zusätzlich noch etwas undervoltet.

sudo intel-undervolt read
CPU (0): -110.35 mV
GPU (1): -99.61 mV
CPU Cache (2): -110.35 mV
System Agent (3): -0.00 mV
Analog I/O (4): -0.00 mV


Jetzt sind die Temperaturen besser als zuvor und das System ist trotzdem gefühlt noch schneller, seit ich sudo cpupower frequency-set -g performance ausgeführt habe. Super!

Edit: Unabhängig davon, ob es sinnvoll ist oder nicht, habe ich einfach mal beide Kernel in Geekbench gegeneinander antreten lassen.

linux-cachyos: 733 - 1515 Punkte
linux-cachyos-bore: 732 - 1516 Punkte


Für eine „Gurkenkiste” sind beide Werte doch gar nicht so schlecht. 🍻

Edit 2: Die Vergleichswerte für den Intel Core i3-5010U liegen laut Geekbench bei 566 - 1285 Punkten. Da scheinen CachyOS und die Einstellungen doch einen erheblichen Einfluss zu haben. Beim Single-Core Test liegt der Mini-PC ca. 29 % und beim Multi-Core Test ca. 18 % über den Vergleichswerten der gleichen CPU.
 
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foofoobar schrieb:
Taugt das auch für die Gurkenkiste vom TO?
wahrscheinlich, hab kein dual core mit HT - aber von der Nutzung des Schedulers soweit, dürfte der damit klarkommen

ein großer Rewrite steht jedoch an, der ihn mehr wie eevdf (der in-kernel CPU Scheduler) macht, das Verhalten könnte sich also ändern
 
Meiner Meinung nach hatte das Undervolting recht große Auswirkungen auf den Stromverbrauch und die Temperaturen des Intel Core i3-5010U. Vorher wurde das Gehäuse des Mini-PCs richtig heiß, jetzt wird es nur noch handwarm. Und das, obwohl das System jetzt durchgängig im Performance Modus arbeitet.

Die positiven Auswirkungen des BORE-Kernels habe ich vorhin noch einmal überprüft. Sie sind absolut vorhanden. Mit diesem Kernel fühlt sich das System deutlich responsiver an. Ziel erreicht!

Bildschirmfoto_20261104_152330.png
 
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WinstonSmith101 schrieb:
Die positiven Auswirkungen des BORE-Kernels habe ich vorhin noch einmal überprüft. Sie sind absolut vorhanden. Mit diesem Kernel fühlt sich das System deutlich responsiver an. Ziel erreicht!
Der ganze Bumms hilft aber nur wenn die run-queue mehr als 0 Einträge hat.

Hiermit nachmessen könnte deine Illusion zerstören?

https://github.com/iovisor/bcc/blob/master/tools/cpudist_example.txt
https://github.com/iovisor/bcc/blob/master/tools/runqlat_example.txt
https://github.com/iovisor/bcc/blob/master/tools/runqlen_example.txt
https://github.com/iovisor/bcc/blob/master/tools/runqslower_example.txt

Und zum vergleichen sollte man auch den Plattencache vorher löschen: "sudo sync && sudo sh -c 'echo 3 > /proc/sys/vm/drop_caches'"
 
foofoobar schrieb:
Ich habe den ganzen Bumms nun installiert. Könntest du mir bitte kurz erklären, welche Tests ich genau wie durchführen soll? Die Tools sind mir völlig neu, weshalb mir die Links aus dem Stehgreif nur begrenzt helfen.
 
Über die bpftrace-Tools hinaus habe ich jetzt einfach mal Firefox und Brave Origin mit der "Arbeitsspeicher-Sparmodus Option" miteinander verglichen. Und zwar nicht im nackten Zustand, sondern mit allen Erweiterungen, geöffneten Tabs und vergleichbaren Einstellungen.

Die Ergebnisse der Benchmarks sind gemischt:

1. Speedometer 3.1
  • Firefox: 6.08
  • Brave: 5.30
2. JetStream 3.0
  • Firefox: 50.10
  • Brave: 60.04
3. MotionMark 1.3.2
  • Firefox: 442.35
  • Brave: 265.58
In der Praxis fühlt sich Brave Origin auf der „Gurkenkiste” trotzdem etwas schneller und flüssiger an. So startet der Browser flotter und kleine Wartezeiten zwischendurch entfallen weitestgehend. Moderne Webseiten fühlen sich ebenfalls schneller und flüssiger an. Auf diesem sehr langsamen PC ist das für mich ein deutlicher Fortschritt, der auf einem modernen PC heute wahrscheinlich deutlich weniger ausgeprägt wäre.
 
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Ist halt auch nur ein i3 5th Gen ne?!

Bei einer Grundtaktfrquenz von 2.10 GHz und 2C/2T ist es kein Wunder das da öfter mal was stehen bleibt.
Damit wirst du ja schon bestimmt kein yt in 1080p@60fps ohne framedrops mehr schauen können oder?
 
zelect0r schrieb:
Bei einer Grundtaktfrquenz von 2.10 GHz und 2C/2T ist es kein Wunder das da öfter mal was stehen bleibt.
Mit dem BORE Kernel ist das System bisher immer bedienbar gewesen. Ein Freeze habe ich damit noch nicht erlebt.

zelect0r schrieb:
Damit wirst du ja schon bestimmt kein yt in 1080p@60fps ohne framedrops mehr schauen können oder?
Wenn auf dem PC sonst nichts parallel läuft, wird 1080p@60fps auf YouTube flüssig wiedergegeben. Dafür ist es wichtig, dass explizit der H.264 Codec gewählt wird. Das übernimmt das Plugin „enhanced-h264ify”.

Das System ist auch nicht für die HQ-Wiedergabe von Videos gedacht. Das übernimmt bei mir der Gaming-PC mit z.B. madVR.
 
Naja, stelle mal die Statistiken ein und schaue auf die gedroppten Frames.
Für mich ist das immer ein Indiz dafür das ein Rechner nicht mehr zu gebrauchen ist, wenn er diese Aufgabe schon nicht mehr stemmen kann.

Installiere dir doch was leichtgewichtigeres als KDE/Plasma!
Ne ganze Zeit hatte ich nen i5-6th Gen und Mint-Cinnamon, das ging noch echt ganz gut.
Aber beim i3, würde ich eher was wie LXQt installieren.
 
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zelect0r schrieb:
Naja, stelle mal die Statistiken ein und schaue auf die gedroppten Frames.
Das habe ich, das Video läuft ohne dropped Frames. Wie schon geschrieben, ist der h.264 Codec wichtig und dass der Mini-PC ansonsten nicht belastet wird. Die iGPU kann H.264 in Hardware decodieren. VP9, AV1 und H.265 müssen ausgeschlossen werden. Das übernimmt das Plugin.

zelect0r schrieb:
Für mich ist das immer ein Indiz dafür das ein Rechner nicht mehr zu gebrauchen ist, wenn er diese Aufgabe schon nicht mehr stemmen kann.
Genau diesen Gegenbeweis will ich mit diesem „Versuchsaufbau“ antreten. Der Mini-PC bewältigt meine Alltagsaufgaben hervorragend, sofern er richtig konfiguriert ist und von bestimmten Aufgaben befreit wird. Für HQ-Video und Gaming ist das System ohnehin nicht vorgesehen. Ich möchte einfach sehen, wie weit ich mit dem alten, passiven 30 Euro PC komme. Bisher sogar erstaunlich weit!

Gestern habe ich PhotoCraft auf diesem PC ausprobiert. Das funktioniert auf der Hardware erstaunlich gut. Photoshop unter Linux – das ist der Wahnsinn.

zelect0r schrieb:
Installiere dir doch was leichtgewichtigeres als KDE/Plasma!
Nein, ich mag die Optik und verwende einige Mini-Programme, für die KDE Plasma vorausgesetzt wird. Die iGPU kann KDE Plasma bisher problemlos stemmen.
 
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