gaunt
Lt. Commander
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Das müsste sogar noch viel mehr sein! 2% sind viel zu wenig. In denke da eher in Größenordnungen wie den Energieverbrauch weltweit zu halbieren! Und ja, gänzlich ohne Verzicht geht das wohl nicht.~2% des Gesamtverbrauchs pro Jahr weltweit einsparen? Wie???
Schau mal, du hast da Zahlen von 2015 gepostet. Steht zwar keine Einheit dran, aber ich nehme mal an da wird der Verbrauch in kWh oder so genannt. Sollte auf jeden Fall für ein Verhältnis langen...
Das erschreckende dabei ist, dass gegenwärtig ~85% Fossil bereit gestellt werden (K.A. ob der Anteil steigt oder fällt). Der regenerative Anteil (inkl. Wasserkraft) liegt heute schon bei ~10%. Die Atomkraft kommt auf gerade mal ~5%. Wenn ich mir aber ansehe welche Probleme sie verursacht wird mir schlecht wenn ich nur drann denke diese Infrastruktur um das ~17 fache aufzubalsen (Ersatz Fossil), nur um den gegenwärtigen Bedarf zu decken. Und je nachdem welche Studie du beiziehst wird ja sogar von einem steigenden Energieverbrauch ausgegangen. Sagen wir wir hauen nochmal die Hälfte drauf, dann muss die gegenwärtige Infrastruktur um das 25-30 fache ausgebaut werden. Bei heute ~400 aktiven AKW bedeutet das 10.000 AKW. Dazu das ganze drumm herum mit Rohstoff Gewinnung und Aufbereitung, Recycling, Transport und das ungelöste Endlagerproblem... Mir kann keiner erzählen, dass das nicht ohne Komplikationen geht.
Das ist es ja, ich sehe die Probleme meiner "schöne heile Welt" Vision ja selber. Ich bin bewusst und mit voller Absicht Naiv, nicht weil ich es nicht besser wüsste. Aber das Problem ist, dass alle andere Konzepte mindestens ebenso Problem behaftet sind.
Und das bringt einen zurück zu deinem Kommentar...
Bevor wir drüber reden ob wir Energie so oder so erzeugen, müsste sich erst mal die Erkenntnis durchsetzen, dass wir weit über unsere Verhältnisse leben, und selbst unser gegenwärtiger Energieausstoß mit keiner existierenden Technologie vernünftig gedeckt werden kann (von der Zukunft ganz zu schweigen). Atom zu Riskant, Fossil zuviel CO2 und Regenerativ bei den Mengen sehr/zu aufwändig.
Die Energieversorgung ist sicher nur eine Komponente von vielen, aber ich denke schon das es eine wichtige ist. Und Regenerative Energiequellen lassen leichter eine starke Einbindung der Bevölkerung zu als hochgefährliche Atom Anlagen. Du sagst das die AKW primär von Einheimischen betrieben werden. Bei denen im "westen" mag das stimmen, aber irgendwo in der Fläche in Afrika, Asien oder Teilen Südamerikas wo die Leute teils froh sind ihre Kinder wenigstens auf die Grundschule schicken zu können? Am Ende blieben wieder nur die Hilfsarbeiten für die Lokals.Dieses Problem hat mit Strom/Energie Erzeugung an sich nichst zu tun und lässt sich weder durch den Umstieg auf AKWs noch auf Ökostrom lösen. Da braucht es ganz andere Ansätze.
Die Anstrengungen die notwendig sind um die 2 u. 3 Welt Länder mitzunehmen erstrecken sich ohne Frage über deutlich mehr als nur über den Energiesektor, aber der bildet die Basis für Bildung, Grundversorgung und letzten Endes auch ein wenig Wohlstand.
Aber ich geb dir natürlich recht das blos ein wenig Energie alleine die Probleme in den Entwicklungsländern nicht lösen wird.
Dem widerspreche ich! Da gibts noch viel raus zu holen. Selbst hierzulande. Erst recht aber in den Entwicklungsländer wo nicht selten in vielen Industrieanlagen noch Technologie aus den 70ern genutzt wird.In der Industrie (da wird die meiste Energie verbraucht) ist das Einsparpotential gering.
Und obendrein würde ich eben erwarten, dass man mal überlegt ob wirklich alle unsere Bedürfnisse immer sofort und lokal Befriedigt werden müssen. Nimm einfach mal die Energie die verwendet wird um Nahrungsmittel unnötigerweise durch die Gegend zu fahren. Nordseekrabben die in Marokko gepult werden um dann wieder an der Nordseeküste verkauft zu werden. Solche Schildbürgerstreiche gibts zu Hauf.
Und dann die klassische Industrie Produktion. Man kann z.B. ein Auto mit einem Bruchteil des heute benötigten Energieaufwandes bauen und das obendrein noch so, dass der aller größte Teil des Fahrzeugs leicht Recycelt werden kann. Dann wird der Wagen zwar teurer, aber womöglich werden Autos dann mal mit mehr wie nur einer Person besetzt, was erneut Unmengen Energie spart. Wenn statt einer zwei Personen ein Auto nutzen, muss das zweite nie gebaut werden, und wird auch nie Energie verbrauchen.
...
Einsparpotential gibts viel. Gegenwärtig ist Profit das große und einzige Ziel. Aber rechne einfach in den Produktpreis (egal ob physisch oder Energie) seine Umweltauswirkungen mit ein, und schon werden die Leute begeistert umweltfreundliche Produkte kaufen. Das Problem ist, die Kosten (für die Umweltschäden) fallen eh an. Sie sind nur vom Produkt getrennt. Du bezahlst einen günstigen Produktpreis, und die Umweltschäden zahlst du über die Steuern und andere Abgaben. So bringt der Bürger das nicht in Verbindung und glaubt das Ökologisch nachhaltig produzierte Dinge teuer und konventionelle billig seien. Da Energie eigentlich in jedem käuflich erwerbbarem Produkt steckt, wäre der Energiepreis das erste was mal realistisch ermittelt und dann auch gezahlt werden müsste. Ich glaube das würde einige Relationen in den Köpfen der Menschen gehörig verschieben.
Für mich ist das Thema Energie halt kaum autonom zu betrachten. Es ist ein Grundbedürfnis und mittlerweile fast mit Wasser vergleichbar und spielt in nahezu jeden Lebensbereich mit rein. Diese Jahr haben wir bereits im August die Ressourcen verbraucht, die unsere Erde in einem Jahr bereit stellen kann. Einfacher Schluss oder? Wir verbrauchen grob das doppelte von dem was wir haben. Im kleinen begreift das jeder. Jeder der doppelt soviel ausgibt wie er einnimmt macht das nicht lange. Nur im großen tut jeder so als ob diese Prinzip nicht gilt.
Und damit sind wir wieder an dem Punkt der mich anscheinend von vielen unterscheidet. Ich versuche garnicht zu behaupten das sowas ohne immense Anstrengungen insbesondere der Industrienationen geht. Aber da der Leidensdruck im Westen fehlt, passiert herzlich wenig. Ich bin mal gespannt was passiert, wenn der Leidensdruck dagegen kräftig steigt. Sei es weil ein AKW in der Nähe Europäischer/Amerikanischer Metropolen hochgeht und der Wind die Wolke nicht auf unbewohntes Gebiet weht. Oder wenn in Florida die Häuser weg schwimmen und die Tornados von Jahr zu Jahr heftiger werden (die Amis sind heute schon das Land mit den höchsten Schäden durch Naturkatastrophen). Bei den Chninesen beginnt der direkte Leidensdruck sich gerade aufzubauen. Der Pekinger Smog ist legendär und die Wüsten in China fressen jedes Jahr von neuem Ackerland auf. Kranke Kinder (und Erwachsene!) findest du um jede Industrieanlage herum und Mediziner können die Krankheiten direkt der Industrie zuschreiben...
Was meint ihr warum die Chinesen ihr Bevölkerungswachstum mit der ein Kind Politik gestoppt haben. Oder warum in China ganz extrem in Wind und Solar investiert wird? Die haben uns nicht nur preislich sondern auch technologisch abgehängt. Auch wenn die heute noch auf Kohle und Öl setzen müssen, die Chinesen haben längst begriffen wie der Hase läuft. Nur sind Teile der Problemlösungsstrategie wieder mal recht fragwürdig andere dagegen sehr sinnvoll.
Aber diesen Leidensdruck bekommen wir hier auch früher oder später zu spüren. Und dann werden auch Reaktionen folgen. Nur fürchte ich ist es dann für eine vernünftig geplante Wende zu spät und es endet in einem Verteilungskampf um die Krümel.