Das Konzept der "Sheriff's Posse"

BessenOlli

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Auf meinen Recherchen, wie man dem gemeinen deutschen Bürger zu mehr Unabhängigkeit von der zentralen Staatsgewalt verhelfen könnte, bin ich vor einiger Zeit über ein Konzept gestoßen, was ich persönlich sehr interessant finde. Das Konzept der "Sheriff's Posse":


Und jetzt wird es noch ein Stück komplizierter, denn in den Bundesstaaten können Strukturen aufgebaut werden, für die es in Deutschland kein wirkliches Gegenstück gibt und die deswegen in der Presse oft etwas hilflos “Bürgerwehren” oder gar “Milizen” genannt werden.

In Arizona liegt zum Beispiel ein Ort namens Sun City West, der für Rentner gebaut wurde. Formell ist es keine Stadt, sondern nur ein Teil von Maricopa County. Damit ist dafür der Sheriff von Maricopa County zuständig. So weit, so normal.

Die Bewohner von Sun City West stellen jedoch zusätzlich eine sheriff’s posse (ausgesprochen “Pahßie”), deren Mitglieder sich entsprechend durch weiße oder graue Haare auszeichnen. Diese Freiwilligen fahren nach einer Pflichtausbildung mit speziellen Polizeiwagen Streife, beantworten Notrufe oder schauen nach dem Haus, wenn man verreist ist. Die Mitglieder tragen Uniformen und können nach einer weiteren Ausbildung zur qualified armed person (QAP) Waffen mit sich führen. Das Ganze wird ausschließlich durch Spenden der Gemeinde finanziert, nicht durch Steuergelder.

Die Posse dient nicht nur dazu, den Sheriff zu entlasten. Ihre Mitglieder verstehen auch eher die Probleme und Sichtweisen ihrer Altersgenossen als irgendwelche 25-Jährigen. Zudem bietet die Posse spezialisierte Dienste an: Zu ihren Aufgaben gehört das WAY-Programm (von where are you), das auf die Suche nach verirrten Alzheimer-Kranken ausgerichtet ist.

Quelle: http://usaerklaert.wordpress.com/20...er-sheriff-trooper-der-aufbau-der-us-polizei/

Weitere Einblicke ins entsprechende US-System per Google: http://www.google.com/search?q=sheriff's+posse


Auf Deutschland übertragen könnte das dann ungefähr so aussehen:

- Konzept ähnlich der Freiwilligen Feuerwehr, jedoch möglichst große Unabhängigkeit von der Bundespolizei (und dem Bund an sich). Das würde auch bedeuten: Eigene Rufnummer, nicht 110.

- Zum Einsatz käme das dann da wo die Bürger die Präsenz der Bundespolizei nicht ausreichend finden oder wo es übertrieben wäre diese zu kontaktieren.
(Fußballspiele, Familienstreitigkeiten... die Bundespolizei sollte Wichtigeres zu tun haben)

- Finanzierung über Spenden der Bürger der jeweiligen Kommune, nicht über Steuern.


Da mir bisher keine Studien bekannt sind, wie zufrieden der durchschnittliche Deutsche mit seiner Bundespolizei ist, bin ich jetzt einfach mal gespannt, wie die Reaktionen hier auf ein solches Konzept ausfallen. Da mein bisheriger Eindruck aber der ist, dass man bei uns grundsätzlich mehr Angst vor Eigenverantwortung und den eigenen Nachbarn als vor der Staatsgewalt hat, platze ich nicht gerade vor Optimismus, was ein solches Konzept in Deutschland angeht. *fg*

Dann lasst mal hören.
 
Ich glaube auch nicht das sowas hier funktionieren würde. Allein schon kulturell nicht. Die Nachbarschaften der Amis sind hilfsbereiter und zeigen vom Grunde her schon deutlich mehr Eigeninitiative.

Ob solch´ ein System wie du es beschrieben hast Sinn oder Unsinn ist, ist eine gute Frage. Wenn ich mir überlege hier so einem alten, klugscheissenden Schwaben, der nix anders zu tun hat ausser andere Leute anzukeifen, (achtung, Extrembeispiel) eine Knarre in die Hand zu drücken ... nee Danke. :lol:
nur ältere, erfahrenere Leute für den Job zu nehmen ist in jedem Fall eine gute Idee (losgelöst vom Beispiel).
 
dagegen.

wir haben eine polizei (!= bundespolizei) und ich bin sehr zufrieden mit ihr. ich glaube, gerade wir, die die wörter bürgerkriege, blutige auseinandersetzungen und aufstände nur aus dem fernsehn kennen, sollten mal objektiv unser land begutachten. hier herrscht ordnung. etwas, worauf wir stolz sein sollten!

ich bin der meinung, dass die exekutive immernoch staatssache ist und nicht ein regionaler e.V. oder sowas...die dann auch mit waffen rumhantieren.
 
Also ich für meinen Teil muss leider sagen dass ich bisher zwar (wie die meisten normalen Menschen) nicht allzu umfassende Erfahrungen mit unserer Bundespolizei gemacht habe - aber die, die ich machen musst, waren wenig überzeugend.

Allgemeiner Service und die Motivation der Beamten lassen hier einfach sehr zu wünschen übrig.

Und obwohl ich ein unbescholtener Bürger bin sind Polizisten für mich inzwischen etwas, dem man besser aus dem Weg geht. Gewissermaßen sind das für mich Bürokraten mit bedrohlichen Befugnissen denen die individuellen Umstände egal sind.
Sagen wir mal so: Wenn man in den USA mal 25 km/h zu schnell ist kann man bei (sehr) freundlichem und reumütigem Verhalten durchaus noch mit einer Verwarnung davon kommen, zumindest wenn man offensichtlich niemanden dadurch gefährdet hat bzw. die Straße ohnehin frei war. Bei uns dagegen wäre es absolut unvorstellbar dass ein Polizeibeamter derart eigenständig nach seinem Ermessen handelt.
Bei uns kommt man eigentlich nur vor einem negativen Hintergrund mit der Polizei in Kontakt. Und ich glaube nicht dass ich der Einzige bin, der sich in Gegenwart von Polizei eher unwohl als sicher fühlt. Ich eknne jedenfalls praktisch niemandenm, der wirklich einen Bezug zu unserer Polizei hat.

Das mit den Schusswaffen ist natürlich eine gute Frage, was eine solche Posse betrifft. Da würde auch ich erstmal nicht drauf bestehen, wegen der Bevölkerungsdichte, den Kosten für Ausbildung und Waffen und weil es in unserem Kulturkreis wohl vernichtende öffentliche Reaktionen gäbe was das betrifft.

Aber das mit den kulturellen Unterschieden ist ja eh klar. Das braucht man nur mal bei YouTube nach "Sheriff's Posse" zu suchen:
http://www.youtube.com/watch?v=mqFdJJkgilM :D
 
Zuletzt bearbeitet:
BessenOlli schrieb:
Sagen wir mal so: Wenn man in den USA mal 25 km/h zu schnell ist kann man bei (sehr) freundlichem und reumütigem Verhalten durchaus noch mit einer Verwarnung davon kommen, zumindest wenn man offensichtlich niemanden dadurch gefährdet hat bzw. die Straße ohnehin frei war.

Und genau da fängt das Problem an! Wenn Gesetze auf einmal Auslegungssache sind und klare Verstöße nicht mehr geahndet werden weil die subjektive Beurteilung der Person die den Gesetzesbruch begonnen hat den der das Gesetz durchbringen soll dazu bringt von einer Ahndung abzusehen, dann wird damit unser Rechtsprinzip massiv beeinträchtigt.

Justizia ist Blind!

Ferner fußt unser Gesellschaftssystem auf dem Prinzip der Gewaltenteilung. Und zwar in Exekutive, Legislative und Judikative. Ein Konzept wie das von dir genannte würde über kurz oder lang nur dazu führen, dass das Vertrauen in dieses System massiven Schaden nimmt.



Was wenn ich den Sherrif nicht überzeugen kann, obwohl ich ernsthafte Reue empfinde.
Ein anderer schafft es aber ihn zu überzeugen, sagt mir aber hinterher, er habe nur geschauspielt und fährt wieder zu schnell...

Mein Vertrauen in die Exekutive wäre massiv gestört!

/edit:

Ein weiteres Problem ist die Verlässlichkeit. Sobald es um ernstzunehmende Fälle geht (und ein Fußballspiel von Dynamo Dresden oder auch eine Familienstreitigkeit können ernstzunehmende Fälle werden) haben solche "Aushilfssheriffs" das Problem, dass ihnen die passende Ausbildung fehlt (Konfliktlösung, Gewaltpotentiale erkennen, ...) und das auf sie schlichtweg kein Verlass ist, denn sie machen es ja größtenteils freiwillig.

Wenn es darum geht verwirrte Rentner wieder ausfindig zu machen, dann kann man dafür natürlich solche Strukturen andenken.
Aber:
- dafür braucht es keine "Polizei"-Autos
- und vor allem keine Schusswaffen
und:
Diese Strukturen gibt es in Deutschland schon lange. Geh zum DRK, den Johannitern, der Feuerwehr, ... !
Da bekommst du eine Uniform und kannst dich dann auf die Suche nach Rentnern machen...

Die Ausübung von Gewalt gegenüber anderen ist einzig und allein Aufgabe der staatlichen Einrichtungen welcher einer strengen Kontrolle unterliegen! Wer diese Aufgaben in die Hand von Laien gibt, der gibt ein großes Stück dieser Kontrolle auf!
 
Zuletzt bearbeitet:
Dem kann man nur zustimmen, ich hätte auch Probleme damit mich von selbsternannten Gesetzeshütern, die am Ende keine richtige Ausbildung haben kontrollieren zulassen.

Von Schusswaffen brauchen wir gar nicht erst anfangen, die kämen bei uns für solche Leute zum Glück nicht in Frage.
 
BessenOlli schrieb:
Ich eknne jedenfalls praktisch niemandenm, der wirklich einen Bezug zu unserer Polizei hat.

Ich bin der Meinung das ist Herdentrieb. "Scheiß Bullen" "Nur Nerverei"... Schuld ist man eh nie.
Ich habe bisher nur nur gute Erfahrungen gemacht. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es raus. Außer mit einem unfreundlichen Assi der mal bei der Dissen-Rückfahrt eine Freundin angeraunzt hat "warum sie denn so rumheizt" (50 in der Stadt, häh?) hatte ich nie Ärger mit den Grünen und sie haben ihren Job auch immer gut gemacht.
Sei es an dem Tag als wir einen strackebesoffenen Volltrottel auf der Straße fanden und abgeliefert haben oder als ich auf dem Weg zum Festival angehalten wurde und so eine Tussi (die bei uns mitgefahren ist) sich verhalten hat wie die Sau.
Auch Nachts auf dem Weg nach TÜ in einer Verkehrskontrolle hab ich mich nett mit den Jungs und Mädels unterhalten (Einer suchte ne gute Uni für seine Kids, der andere fand meine Felgen hübsch ;) )

Ich versteh´ ehrlich nicht woher diese allgemeine Abwehrhaltung kommt.

Ich denke eher das die Leute ein Problem mit Regeln haben und sonst nix. Scheiße wenn man nicht alles machen kann was man will und es auch noch wen gibt, der einem ganz offiziell den Spaß versauen darf. Und alles lächeln und nett sein hilft nicht ... gut so.
Ich schließe mich da manchmal nicht aus. Ich kann z.B. die Kriecherei bei Bewerbungen abartigst nicht leiden. Das hat aber nix (staatlich gesehen) mit Recht und Unrecht zu tun. ;)

Deswegen brauchts wohl auch keine privaten Hilfs-Sheriffe. Daedalus hat´s ja schon gut beschrieben.
 
Zuletzt bearbeitet:
In meinen Augen brauchen wir solche neuen Strukturen nicht.
Wir haben schon genug davon und die decken die Aufgabengebiete bestens ab.

Laies haben in diesen dann auch nichts zu suchen.


Diese Leute würden in meinen Augen nicht Bundespolizei (ehem.BGS), sondern eher die Polizei entlasten.
Ähnliche Personen gab es in der DDR mal und wie es sich anhört, soll sowas in ähnlicher Form auch wieder eingeführt werden.
Zumindest wird darüber nachgedacht; in einigen Gegenden.
Die hiessen damals ABV. ;)
 
Der Daedalus schrieb:
Was wenn ich den Sherrif nicht überzeugen kann, obwohl ich ernsthafte Reue empfinde.
Ein anderer schafft es aber ihn zu überzeugen, sagt mir aber hinterher, er habe nur geschauspielt und fährt wieder zu schnell...

Mein Vertrauen in die Exekutive wäre massiv gestört!

Berechtigter Einwand. In den USA aber kein echtes Problem:
http://usaerklaert.wordpress.com/20...iele-beamte-in-den-usa-direkt-gewahlt-werden/

Natürlich wäre es aber utopisch unsere Bundespolizei aufzulösen bzw. das ganze System umzustrukturieren. Aber warum nicht einfach eine Alternative die für Konkurrenz sorgt? Das wollte ich damit sagen.

Diese Strukturen gibt es in Deutschland schon lange. Geh zum DRK, den Johannitern, der Feuerwehr, ... !
Da bekommst du eine Uniform und kannst dich dann auf die Suche nach Rentnern machen...

Auf das DRK hat das Volk keinen Einfluss. Ausserdem muss ich dir als Aachener sagen, dass es dort erhebliche Probleme mit Korruption gibt. Das was inzwischen aufgeflogen ist, ist übrigens noch nicht alles.

Die Ausübung von Gewalt gegenüber anderen ist einzig und allein Aufgabe der staatlichen Einrichtungen welcher einer strengen Kontrolle unterliegen! Wer diese Aufgaben in die Hand von Laien gibt, der gibt ein großes Stück dieser Kontrolle auf!

Ich teile dein Vertrauen in derartige Kontrollmechanismen nicht. Das hat ja nichtmal bei zig Tonnen "Gammelfleisch" was gebracht. Bei uns soll alles der Staat machen. Und wenn der versagt hat halt das gesamte Volk Pech gehabt. Es wird hier ja sogar verheimlicht welche Betriebe es genau sind, bei denen "Gammelfleisch" gefunden wurde. Dass der Staat "Kontrolle aufgibt" halte ich übrigens für notwendig, da Regierungen seit jeher absolut unwirtschaftlich handeln. Von der Bürokratie mal ganz zu schweigen. Naja, Ansichtssache halt.

edit

OMaOle schrieb:
Dem kann man nur zustimmen, ich hätte auch Probleme damit mich von selbsternannten Gesetzeshütern, die am Ende keine richtige Ausbildung haben kontrollieren zulassen.

Von Schusswaffen brauchen wir gar nicht erst anfangen, die kämen bei uns für solche Leute zum Glück nicht in Frage.

"Selbsternannt"? "Solche Leute"? Habe ich was verpasst? Reden wir vom selben Prinzip?
 
Berechtigter Einwand. In den USA aber kein echtes Problem:

Was hat der von dir verlinkte Artikel mit meinem Einwand zu tun?!
Wenn der "Hilfssheriff" nur mich ungerecht behandelt und allen anderen Honig ums Maul schmiert, dann hilft mir auch die Wahl gar nichts!

Und da das Gesetz ja nicht wörtlich angewendet und umgesetzt werden soll, habe ich auch keinerlei Möglichkeit auf rechtlichem Wege zu erzwingen, dass mir Recht zuteil wird.

Es bleibt also dabei:
Gesetzte müssen von den staatlichen Organen 1:1 umgesetzt und befolgt werden. Von einer Strafe abzusehen nur weil die Ausrede gerade gut genug war ist nur in minder schweren Fällen (und das ist bei der Straßenverkehrsordnung keine Geschwindigkeitsüberschreitung von 25 km/h) gestattet.
In allen anderen Fällen dürfen über eventuelle milde Strafen einzig und allein die Gerichte entscheiden.

Auf das DRK hat das Volk keinen Einfluss.

Ach ja?!
Jeder kann Mitglied im DRK werden und somit Einfluss nehmen. Ferner ist das DRK auf Spenden angewiesen, dass Volk hat also durchaus die Möglichkeit hier lenkend einzugreifen.

Und sonst können die "möchtegern Hilfssheriffs" auch einfach einen eingetragenen Verein gründen und sich so organisieren und spenden sammeln.
Eine zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden ist durchaus möglich und klappt im Regelfall auch sehr gut (eigene Erfahrung).

Ich teile dein Vertrauen in derartige Kontrollmechanismen nicht. Das hat ja nichtmal bei zig Tonnen "Gammelfleisch" was gebracht.

Du wirfst hier zwei völlig unterschiedliche Dinge durcheinander:

Ich sprach von der Kontrolle Organe der staatlichen Gewalt (Exekutive) durch Legislative und Judikative. (Kontrolle der Exekutive)
Du sprichst von Kontrollen die Teil der Aufgaben der staatlichen Organe sind. (Kontrollen durch die Exekutive)

Im Falle Gammelfleisch hat die Exekutive ihre Aufgaben nicht in ausreichendem Maße erfüllt. Allerdings würde es solche Skandale auch weiterhin geben, selbst wenn sich dein System durchsetzen würde.


Das das ganze ja auch mit dem Themenbereich "Wahl von Beamten" zu tun hat:

Es gibt essentielle Probleme bei der Wahl von Beamten die Teil der Exekutive sind:

- Die Unabhängigkeit ist Grundlage bei der Ausübung staatlicher Gewalt. Diese ist einzig und allein dem Gesetz verpflichtet und keinen Wählern!

- Wer Angst um seine Wiederwahl hat, wird beeinflussbar.

- Die Polizei wird daran gehindert Gesetze durchzusetzen obwohl das bei einem großen Teil der potentiellen Wählerschaft negativ aufgefasst wird.

All diese Probleme gibt es in den USA sicherlich. Leider werden sie auf Seiten die das US Modell propagieren gerne totgeschwiegen.
 
@ Daedalus

Achso, es ging dir um dich als Einzelperson. Ja dann hast du im US-System gegebenenfals tatsächlich Pech gehabt, wenn du es dir ernsthaft mit der örtlichen Polizei verscherzt. Dann kannst du aber immernoch in eine andere Gemeinde umziehen, wenn alles andere nicht mehr hilft. Und solche Probleme hat man ja ohnehin nur in kleinen Gemeinden. Wenn du es in NY oder LA schaffst, dass die Polizei dich persönlich systematisch fertig machen will, dann musst du schon ziemlich "gut" sein.

Schon klar dass das alles seine Vor- & Nachteile hat. Aber was spielt das hier nun für eine Rolle? Wenn wir hier so ein System wie beschrieben durchsetzen würden, und die Leute der Posse versuchen den Daedalus nur so zum Spaß in den Wahnsinn zu treiben, dann könntest du noch immer die reguläre Polizei einschalten. Und auch in den USA mangelt es wohl kaum an verschiedenen, unabhängigen Behörden. Wenn da in einer winzigen Kleinstadt ein Mord geschieht steht sowieso sofort das FBI auf dem Plan. Also selbst da kann der Sheriff oder dessen freiwillige Helfer nicht einfach so machen was er will.

Problematisch war es in den USA mancherorts was vorbestrafte Minderheiten angeht. Bis in die 60er oder 70er Jahre hinein würde es mich nicht wundern, wenn da manchem mehrfach vorbestraften Schwarzen auch mal was in die Schuhe geschoben wurde, damit man dem Volk einen Täter präsentieren konnte. Aber sowas ist heute auch da eigentlich ausgeschlossen. Alleine schon wegen Neuerungen wie z.B. dem genetischen Fingerabdruck, aber auch weil in den USA inzwischen tatsächlich die Tendenz stark dahin geht, dass man Leute nach ihrer Einstellung (auch ihrem Glauben) bewertet, und nicht nach ihrer Hautfarbe oder ihrer ethnischen Herkunft. Auch wenn Leute wie Michael Moore oder Eminem das manchmal noch immer anders darstellen, um zu provozieren.
 
Wenn mein Vergehen (zu schnell fahren) mit der härtest möglichen Strafe geahndet wird, die selbe Tat eines Mitbürgers aber weitaus milder bestraft wird, weil dem "Hilfssheriff" die Nase passt, dann habe ich in deinem System keinerlei Rechtsanspruch, da du ja keine 1:1 Umsetzung des Gesetzes forderst.

Die Garantie vor dem Gesetz gleich behandelt zu werden habe ich nur dann, wenn die subjektive Beurteilung meiner Person nur von den Leuten betrieben wird, denen es zusteht. Nämlich den Richtern. Und selbst da wird dann die schwere der Tat und nicht die Person als solche beurteilt.

Auf die restlichen Argumente meinerseits bist du leider fast gar nicht eingegangen.
 
Halte ich für völlig falsch. Solche Aufgaben sollten nur von ausgebildeten und trainierten Polizeikräften durchgeführt werden. Gefahrenlagen können im voraus oft schlecht bis gar nicht eingeschätzt werden, weswegen auch bei Fussballspielen oder Familienstreitigkreiten professionelle Einheiten vor Ort sein sollten.

Wie schon von anderen hier erwähnt ergeben sich weitere Kritikpunkte wie Machtmissbrauch (der zwar auch beim staatlichen Organ anfällt, dort aber wesentlich besser kontrolliert werden kann), persönliche Anfeidungen und Übergriffe etc. Mag sein dass das in einem hauptsächlich von Senioren bevölkerten Ort in den USA ganz gut funktioniert, dort findet man aber auch ein komplett anderes System vor - ein County Sheriff überwacht häufig ein viel zu großes Gebiet alleine oder ein Highway Patrol Officer aus Kalifornien ist alleine auf Streife, weil finanzielle Mittel fehlen (was bei der dortigen Verbreitung von Handfeuerwaffen schlicht lebensgefährlich ist). Zur Untersützung müssen oft Einheiten der Staatspolizei hinzugezogen werden.

Unser System hier ist gut und funktioniert prima - nur etwas mehr finanzielle Mittel wären wünschenswert.
 
Nix ist so gefährlich, wie in der passenden Gegend z.B. in einen Familienstreit eingreifen zu müssen.
Mit Konzepten, die zu Zeiten der Besiedelung des Westens bei fehlender Präsenz des Staates noch ganz gut funktionierten, schon weil nichts besseres greifbar war, ist in einem modern organisierten Staatswesen mit staatlichem Gewaltmonopol kein Blumentopf mehr zu gewinnen.
Sollten z.B. die Unternehmen weltweit mehr Macht gewinnen und in Deutschland ein "schwacher Staat" an die Macht kommen, könnten solche Konzepte aber wieder aus der Mottenkiste hervorgezogen werden, um regional der Anarchie vorzubeugen.
 
@ Daedalus

Über Richter könnte ich dir was erzählen. Geht aber am Thema vorbei und würde den Rahmen komplett sprengen. Mir jedenfalls ist das Urteilsvermögen eines Polizisten vor Ort lieber als das eines Richters. Idioten gibt es überall. Und ich will jetzt auch nicht wirklich eine Diskussion über Geschworenengerichte oder die Möglichkeit, Richter abzuwählen, lostreten. Wohin ich dabei tendiere dürfte ohnehin relativ klar sein, oder? Und wohin du stattdessen tendierst kann ich mir ebenso denken.

@ Samson

Wie kannst du da so selbstverständlich eine Grenze ziehen? Ebenso könnte man doch behaupten dass aus einem Familienstreit ein Geiseldrama werden könnte. Warum also nicht gleich ein Sonder-Einsatzkommando hin schicken?

Und warum solte eine zentralisierte Staatsgewalt besser vor Machtmissbrauch schützen? In den USA ist das ja genau deshalb sehr extrem aufgesplittet, um davor zu schützen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich in Sachen BRD nicht wirklich weiss, inwiefern die Polizei von z.B. NRW eventuell unabhängig von Berlin ist. Sowas wir einem ja - warum auch immer - nirgendwo beigebracht. Letzendlich bleibt es natürlich Geschmackssache, ob man eine stärkere Zentralisierung oder mehr Autonomie besser findet. Das solltest aber auch du anerkennen, anstatt einfach davon auszugehen, dass ein Konzept grundsätzlich "besser" sei. Wie schon gesagt hat alles seine Vor- & Nachteile. Aber was soll so schlimm daran sein, dem einen Konzept alternativ ein anderes zur Seite zu stellen? Ich habe teilweise stark den Eindruck, dass viele es so verstehen, dass ich hier für ein teilweises "ersetzen" von Polizei durch Posse eintrete. Ehrlich, ich sehe mich hier mit Vorurteilen konfrontiert, wie sie typisch für Menschen sind, wenn es darum geht, etwas zu verändern.

Und, wie du schon sagst, fehlen bei uns auch fast überall Geldmittel für die Polizei. Gerade deshalb verstehe ich nicht, wie du es einfach so aus dem Bauch heraus einen möglichen Lösungsansatz für untauglich befinden kannst. Naja.

@ Interlink

Wir haben längst "regionale Anarchie", wenn du mich fragst. Und wenn es nach mir ginge wären die Polizisten da vor Ort, anstatt bei harmlosen Fußballspielen oder Familienstreitigkeiten in normalen Gegenden.

Irgendwie wird hier alles auf die Goldwage gelegt, nur um irgendwie zu belegen, dass ein solches Konzept totaler Mist sei. Dabei ist das Konzept absolut flexibel. Es geht ja nicht um ein Gesetz, dass für Fußballspiele und Familienstreitigkeiten nur noch eine Posse zuständig sein soll. Man kann meiner Meinung nach durchaus abwägen, was für eine Gefahrenpotential für bestimmte Stadien/Spiele oder für bestimmte Wohngebiete besteht.

Warum man sowas nicht einfach ausprobieren sollte verstehe ich nicht. Das ist für mich ein Charakterfehler in der deutschen Mentalität. Selbst wenn 1000 studierte Wissenschaftler 100 Jahre lang über das Konzept fachsimpeln würden - am Ende würde es praktisch nichts bringen.

Wir Deutschen denken einfach zuviel. Vermutlich haben wir es deshalb nie selbst zu einer funktionierenden Staatsform gebracht. *fg*
 
Ich sehe bislang nicht, dass wir uns eine leidlich ausgebildete Polizei nicht mehr leisten können. Es besteht nicht mal der Bedarf, den Bundesgrenzschutz oder die Bundeswehr für Polizeiaufgaben im Inland einzusetzen.

Das Konzept einer temporär rekrutierten bewaffneten Hilfspolizei scheitert typischerweise an den Menschen. Die Lösung von Konflikten mit größerem Gewaltpotenzial sollte man keinesfalls Selbstberufenen übertragen, auch nicht willigen Amateuren. Das zieht u.a. die Leute magisch an, denen Du bei einer sorgfältigen Auswahl und klarem Verstand keine Waffen in die Hand drücken würdest.

Du solltest erst einmal sehr sorgfältig definieren, für welche Aufgaben Du eine "Posse" einsetzen willst, ob und wie Du sie bewaffnen, wie Du sie rekrutieren und ausbilden willst. Sonst hast Du u.a. den braunen Mob ganz schnell mit im Boot und der Selbstjustiz Tür und Tor geöffnet.
 
wie wärs denn wenn wir nicht immer den amis alles nachmachen würden, sondern eigenständig irgendwas auf die beine stellen... nur mal so als denkanstoss, gegen den trend der amerikanisierung unseres landes....
 
Hallo Olli,
mein Beitrag war vielleicht deutlich kritisch, das stimmt, aber aus dem Bauch heraus war er nicht. Ich beschäftige mich schon seit ein paar Jahren mit dem Thema Polizeiarbeit, deren Aufgaben, Auswirkungen und Möglichkeiten. Daher habe ich gleich von vornherein abgewiegelt.

Ich halte dieses Prinzip für äußerst problematisch. Das Problem besteht mehr in der Unterfinanzierung bzw. den Sparmaßmahmen bei der Polizei - Bewerber gibt es zur Genüge.
Ich denke auch dass diese eher autonomen Kreise schwerer zu kontrollieren sind, da sie einen in sich geschlossenen Verbund bilden, in dem auch mal Informationen entweder durch Sympathie oder Bedrohung zurückgehalten werden können. Dies ist sicherlich auch bei der staatlichen Institution möglich, aber wohl schwieriger.

Das mit der "regionalen Anarchie" kann ich so übrigens nicht unterstützen - wenn du die Polizei rufst, kommt sie überall hin. Gefährlich wird die Situation langsam in manchen Vierteln z.B. Berlins, wo sich die strukturelle Unterfinanzierung langsam durch Sicherheitsbedenken bemerkbar macht.
 
Zuletzt bearbeitet:
dann kommt die überall hin?.. dann muss da aber schon richtig die kacke am dampfen sein. vor meiner haustür haben sich ma 2 geprügelt, da musste erstma n zivi aufm fahrrad ankommen und gucken ob wirklich irgendwas los is.:freak:
 
Zivi? Auf einem Fahrrad?
 
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