Entwertung von Stimmen durch 5% Hürde

Daaron schrieb:
Niemand will etwas von globalen Folgen hören, das kannst du Lieschen Müller weder verkaufen noch ansatzweise erklären. Lieschen Müller versteht das "Big Picture" nicht, die sieht nur "Hilfe hilfe, ein Roma! Hilfe Hilfe, mein Euro!"

Genau das ist der Punkt. Zuerst wird dir vorgehalten, du seist rechts wenn du gegen den Euro bist, (auch wenn man das Geld für die Euro-Rettung in unsere marode Infrastruktur stecken könnte und das jedem zu Gute kommen würde) und dann wird einem immer vorgehalten, dass man als Export-Land sich ein Ausstieg aus dem Euro gar nicht leisten könnte. Zwei Punkte dazu:

1. Exportweltmeister ist ein schönes Wort und eine schöne Betitelung, ist aber gar nicht so erstrebenswert. Wenn ein Land "alles" produziert und die angrenzenden Länder "nichts", dann ist die Bilanz ganz schlecht, was im Umkehrschluss bedeutet: Wir müssen den Ländern Geld geben um unsere Waren zu importieren. (Dies passiert bereits, siehe Eurokrise und ist komplett sinnfrei.) Besser wäre es wenn die Exportgüter in Europa verteilt werden würden, dann hätte jeder eine ausgeglichene Bilanz und könnte Handel betreiben und würde nicht als "schwaches" Land unter dem Euro leiden. (Dies ist aber nicht der Fall)

2. Wir waren - und ich sag's jetzt schon zum hunderten Male - auch schon vor dem Euro ein Export-Land, mit dem Unterschied, dass wir nicht für marode regierte Länder wie Griechenland aufkommen mussten, wenn die an ihrer Staatsverschuldung und dem sinkenden Wirtschaftswachstum ersticken.

Das Problem bei uns Deutschen ist, dass wie @Daaron schon geschrieben hat, die meisten das gar nicht wahr haben wollen und lieber auf der sozial, liberalen Schiene mitfahren. Danke Deutschland!
 
@kontraede
Du hast den Zweck bei 1 nicht verstanden. Das klappt so lange gut, wie die auch genug Umlagen haben. Denn wenn die Schulden bei uns haben, müssen sie diese zurückzahlen. Das können sie jedoch nur, wenn sie auch ein Standbein haben. Es ist nicht sinnbefreit, es ist für uns eigentlich viel praktischer wenn wir ihnen Geld leihen, um unser Zeug zu kaufen.
Zu 2: Sind "wir" doch selber Schuld wenn wir uns so an diese Länder koppeln müssen wir uns nicht aufregen wenns nach hinten los geht. Das ist gesunder Menschenverstand, da braucht man kein Studierter sein um diesen Zusammenhang herauszufinden. In der EU gehts erst dann richtig bergab wenn die reicheren Länder (so welche wie wir) mit absacken. Denn dann kann das nicht zusammen gehalten werden und dann gibts Talfahrt. Bis dahin ist alles wunderschöner Sonnenschein.

Nein das Problem ist, dass "die Deutschen" das gar nicht entscheiden können, sondern die, die vorher schon den Mist gemacht haben. Die werden dann sogar wiedergewählt weil "alles war ja nicht schlecht". Also ob es darum ginge einen Vulkanausbruch zu verhindern obwohl das Land schon von einer Flutwelle in Bedrohung ist. "Aber Hauptsache wir werden nicht unter der Asche begraben, und ob die Flut uns erreicht wissen wir ja erst, wenn die Flut auch da ist." Clever. Nur leider vorhersehbar.
 
Muss man diese Diskussion zwingend in jeden aktuellen Thread pressen?
Wir haben dazu mehrere (!) passende Threads, die ungenutzt links liegen gelassen werden.

Btt pls!
 
Der Crash des Euro läuft solange, wie Deutschland noch zahlungsfähig ist.
Nur ein Kommentar dazu:
Wir habe im Westen ein Schulden- und kein € Problem. Scheiß egal wie man die Währung nennt. €, Dollar, Pfund, Yen... alle Staaten sind gnadenlos überschuldet und die Banken ebenso. Das Kartenhaus kann wirklich zusammenfallen. Aber das hat nix mit dem € zu tun. Nur zur Erinnerung: Das initiale Erdbeben im Finanzsektor kam nicht aus dem € sondern dem $ Raum.

Auffällig ist: Alle wirklich kritischen Themen (z.B. Finanzkrise, Abhörskandal, langfristige Strategie...) haben alle großen Parteien gemeinschaftlich und kooperativ im Wahlkampf ignoriert.
Es gab einen Block mit "weiter so", einen mit "gemotze" und einen dritten mit "Umverteilung". Auffällig ist, dass eigentlich nur, dass lediglich der "weiter so" Block wirklich gewinnen konnte. Auch wenn ich selber die CDU nicht gewählt habe ist das in meinen Augen OK, denn offensichtlich ging es uns in den letzten Jahren doch nicht so schlecht wie manch ein Demagoge uns weiß machen will.

Ansonsten:
Ich fand die Diskussion ganz interessant. In Summe sind die Meisten scheinbar für ein Hürde. Ob die bei 5% liegen muss mag fraglich sein. Ein wirklich schlüssiges Konzept für ein gerechteres Wahlrecht scheint aber auch keiner in Petto zu haben. Zudem scheint im großen und ganze die Meinung zu herrschen: Aktuell ists eigentlich ganz OK, warum dann das Risiko einer radikalen Neuausrichtung (z.B. Themenwahl und nicht Parteienwahl) eingehen?
 
gaunt schrieb:
Wir habe im Westen ein Schulden- und kein € Problem.

Das kann man nicht so im Raume stehen lassen. Unser "Schuldenproblem" im Westen und ich beziehe meine Antwort jetzt mal nur auf Europa und nicht Amerika, wird von dem Euro nur noch schlimmer gemacht. Klar hat Griechenland keine Staatsverschuldung von 180% seines BIP nur wegen dem Euro, nein es liegt viel mehr an der Politik, die sie betrieben haben. ABER - und jetzt kommt's - die werden sich aus diesem Schuldenberg niemals rausretten können, wenn sie den Euro behalten. Länder mit einer kleinen Wirtschaft und wenig Exporten ergeht es viel besser wenn sie ihr eigene Währung haben, die sie dann so abwerten können, dass es den Leuten innerhalb gut geht. Drückt man diesen Ländern jetzt aber eine "teure" Währung wie den Euro auf entzieht man quasi den Leuten ihr Geld, was die Verarmung nur fördert.

Zu diesem Sachverhalt kommt jetzt noch dazu, dass es nicht nur den "kleinen" Ländern damit schlecht geht, nein auch ein Deutschland hat daran zu kämpfen, wenn wir unfassbar große Rettungspakete, von denen wir nie einen Cent wieder sehen werden, an Länder schicken, die eh schon dem Abgrund geneigt sind. Fass ohne Boden.

Und ich finde es einfach nicht ok eine solche Politik zu betreiben wenn der SPIEGEL dann schreibt, dass jeder zweite Brücke im Land marode sei. Da denke ich mir nur: Das Geld für euer tolles Europa hättet ihr mal da rein stecken sollen. Eine Währungsunion macht sicher Sinn, aber dann doch bitte mit Ländern die wirtschaftlich gesehen wenigstens ähnliche Standards wie wir haben und nicht total am verrecken sind.
 
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