In diesem Thread ist als Indiz für einen Schöpfer schon sehr häufig genannt worden, dass viele der Konstrukte des Universums oder das Universum als ganzes so kompliziert/perfekt wären, dass es schwer vorstellbar erscheint, dass sich dies mehr oder weniger zufällig (Evolution) entwickelt haben soll.
Ich habe meine Liebe mühe mit dieser Argumentation, da sie nur greift wenn man etwas rückwirkend betrachtet. Wir kennen nur den Status Quo. Alternativen kennen wir nicht, jedoch sind sie denkbar. In einem anderen Universum, unter anderen Bedingungen hätte sich nicht der Mensch entwickelt, nicht das Auge, sondern etwas anderes.
Die Argumentation, dass das heutige Universum zu komplex ist um zufällig entstanden zu sein hat die Logiklücke, dass es dogmatisch vorraussetzt, dass das heutige Universum hätte entstehen müssen. Dies ist aber nicht der Fall. Das heutige Universum oder jedes Beispiel für ein komplexes Konstrukt ist nur eine von vielen denkbaren Alternativen. Das Auge hat sich nicht entwickeln müssen, viele Spezies kommen z.B. ohne einen großartig entwickelten Gesichtssinn aus oder verlassen sich - trotz der Möglichkeit zu sehen - primär auf andere Sinne wie Geruch und Gehör. Das Universum ist nicht perfekt für uns geschaffen, wir haben uns nur - mehr oder minder - perfekt an die bereitgestellten Gegebenheiten angepasst. Unter anderen Gegebenheiten hätten andere anpassungen stattgefunden. Bei dem Standpunkt, dass Universum wäre zu perfekt für einen Zufall, wird von einer verkehrten Basis ausgegangen, dadurch wird die ganze Argumentation hinfällig.
Das schöne an diesem Gegenargument ist, dass die Kreationisten dem eigentlich nichts entgegenzusetzen haben, ausser einem trotzigen "Doch, ist es wohl" oder "Gott hat das gemacht". Aber ich bin natürlich für jeden Versuch, diese These auszuhebeln sehr dankbar. Bin schon gespannt.
Das ist ein Beispiel für Dysteleologie, was oft von Kritikern angeführt wird. Aber es gibt natürlich auch andere Beispiele, bei denen es sehr viel schwerer ist eine gute Erklärung zu finden für die vermeintlich schlechte Konstruktion. Manche Wissenschaftler behaupten auch, dass der Daumen des Panda schlampig konstruiert sei. Aber Panda-Spezialisten sagen, dass er damit höchst effektiv die Rinde vom Baum abschälen können. Wenn es keinen festen Maßstab gibt, was "gutes Design" eigentlich ist, dann ist es wirklich schwer zu sagen, ob der besagt Daumen gut oder schlecht ist. Fest steht, dass der Daumen seine Funktion hervorragend erfüllt.
Auch hier wieder: Du zäumst das Pferd von hinten auf. Du sagst, der Daumen wäre perfekt daran angepasst Rinde vom Baum abzuschälen, dies wäre ein Zeichen für Schöpfung. Dabei gehst du aber davon aus, dass das Ziel "Rinde schälen" vorgegeben war.
Woher willst du nicht wissen, dass einige Ur-Panda angefangen hat Rinden zu schälen, weil sein Daumen mehr oder minder zufällig die passende Form hatte und dass sich diese Begebenheiten anschliessend gegenseitig beeinflusst haben ? Pandavorfahren mit leichten Mutationen an den Daumen waren in der Lage leichter an Futter zu gelangen, dies sorgte für eine verstärkte Weitergabe dieser Eigenschaft, was wiederrum zu einer stärkeren Spezialisierung der Pandas auf die Möglichkeit des "Rinde schälens" hinauslief, was wiederrum die Weitergabe von günstigen Daumenformen begünstigte. Die evolutionäre Variante ist nicht nur wissenschaftlich leichter haltbar als davon auszugehen, dass ein unbeweisbarer Schöpfer dafür gesorgt hat, sie wiederspricht auch nicht dem wissenschaftlichen Prinzip von
Ockhams Rasiermesser.
(Ich möchte hier nur sagen, dass ich keine Ahnung von Pandas habe und nur dass gebrachte Beispiel aufgegriffen habe. Ich weiß nichtmal ob Pandas wirklich im großen Stil Rinden schälen...)