P4ge schrieb:
Minimale Gegenfrage: Wenn ein Streaminganbieter jede Woche eine neue Folge einer Serie veröffentlich, und man sie dann zur selben Zeit schaut, ist das dann lineares Streaming / fernsehen?
Nein technisch ist das immer noch VOD - du rufst das Video ja trotzdem selbst aktiv auf und die Folge läuft im Hintergrund auch nicht von sich aus aktiv weiter wenn du z. B. mal Pause drückst* oder doch zu müde bist und dich mal entscheidest morgen weiter zu sehen.**
Das Nutzverhalten, diese "jede Woche um xx Uhr eine neue Folge" direkt zur Veröffentlichung zu sehen, ist natürlich stark vom klassischen linearen Fernsehen inspiriert bzw. abgekupfert. Die technische Ausspielung der Quelle ist aber grundlegend anders:
- Linear (Broadcast/Livestream - egal ob analog oder digital, ob über Kabel, Satellit oder Internet): Die Quelle wird als fortlaufendes Signal in Echtzeit für alle gleichzeitig ausgespielt. Der Zuschauer hat keine Zeitsouveränität.
- VOD (Video-on-Demand): Die komplette Quelle (z. B. die Folge) liegt in einem streamingfähigen Format auf dem Server. Sobald sie freigeschaltet ist, kann dein Endgerät jederzeit auf jede beliebige Stelle der gesamten Quelle zugreifen. Der Zuschauer hat die Zeitsouveränität.
Youtube hat beispielsweise beides. Die "normalen" Videos sind alle VOD, die Livestreams sind linear (werden dann aber nach der Liveausstrahlung typischerweise als VOD bereitgestellt).
Bei Twitch wäre es klassisch genau andersrum. Twitch Livestreams sind linear (weil live), sind dann aber nach dem linearen Stream typisch ebenfalls als VOD abrufbar.
*Wenn ein Endgerät einen linearen/livestream lokal lange genug buffert ermöglicht das effektiv genau diese "Time-Shift"-Funktionalität
**Auch das geht natürlich technisch wenn man den linearen/livestream aufnimmt (so wie man früher z. B. Videorekorder programmiert hat)
-> aber das ist eben beides grundlegend was anderes - es geht bei VOD vs. linear um die technische Bereitstellung der Quelle.
piccolo85 schrieb:
Wir haben in unserem Umfeld zwei Familien bei denen es zu Hause keinen Fernseher gibt. Ich könnte es nicht, halte das aber weder für verrückt noch komisch - eher bewundernswert.
Da wird Abends zusammen gespielt, musiziert, oder eben ein Buch gelesen. Dort wo die meisten Familien im Wohnzimmer den Fernseher hinstellen, steht bei denen ein Klavier.
Die gehen zwei mal im Jahr ins Kino und ansonsten werden keine (visuellen) Medien konsumiert.
Ich finde das prinzipiell auch sehr löblich!
(Wobei das ja nicht automatisch bedeutet, dass diese Familien keinerlei Medien im Alltag konsumieren, nur weil sie keinen Fernseher haben. Die werden ja trotzdem Computer, Laptops, Smartphones, etc. haben)
In meiner Kindheit zuhause war z. B. der Fernseher immer in der Schrankwand hinter verschlossenen Türen. Gesehen wurde nur, was vorher anhand des Programms der Fernsehzeitschrift erfragt wurde - und dann auch nur das! Zapping oder ähnliches gab es nicht!
Meine Eltern fanden das furchtbar, das bei anderen Familien der Fernseher immer offen omipräsent "wie ein Altar im Wohnzimmer" war, oft sogar noch IMMER an. Im Nachhinein - insbesondere auf diese typische (und imho abschreckende) Nutzungsverhalten, wo die Glotze den ganzen Tag selbst im Hintergrund läuft, muss ich ihnen da teils auch durchaus zustimmen.