Zum Abschluss von meiner Seite — danke für die vielen Rückmeldungen, das hat geholfen, das Bild zu schärfen (u. a. der Hinweis auf Feststoffkondensatoren, den ich gern aufgenommen habe).
@Looniversity hat den Kern eigentlich schon benannt: Sobald man sich die Einbaulage klarmacht, zeigt sich das eigentliche Problem der Flüssigkeits-These. Das Mainboard steht senkrecht, die Grafikkarte liegt waagerecht im obersten Slot, die Backplate zeigt nach oben zum Board — Flüssigkeit hätte also seitlich auf das senkrecht montierte Board bzw. genau in den schmalen Spalt zwischen Backplate und Board gelangen müssen. Genau da beißt es sich.
Ich habe die These trotzdem ehrlich durchgespielt, auch gegen mich selbst. Wenn ich sie annehme, müsste der Eintritt
im offenen Zustand passiert sein — geschlossen und aufrecht, wie das Gerät lief, gibt es keinen Weg in den Spalt zwischen GPU-Backplate und Board. Und selbst im offenen Zustand läuft der Befund konträr:
1. Keine Spur, kein Weg. Externe Flüssigkeit hinterlässt eine Kette vom Eintritt bis zur Pfütze. Bei mir ist alles auf eine Stelle begrenzt — kein Eintritt, kein Laufweg, kein Rand, sonst nirgends etwas. Das Gerät lief geschlossen und aufrecht und wurde nur von mir geöffnet, nie mit Flüssigkeit dabei.
2. Der Verlauf passt nicht zu geflossener Flüssigkeit. Der Belag ist an der äußeren Kante der Karte (zur Seitenwand) am dicksten und wird zum Slot hin dünner, strahlt von einem Punkt und läuft teils nach oben. Entscheidend ist die Beweglichkeit des Materials: Eine dünnflüssige, mobile Flüssigkeit verteilt sich nach der Schwerkraft und sammelt sich am tiefsten Punkt — läge der Slot unten, müsste dort mehr liegen und außen weniger, also genau umgekehrt zu dem, was ich sehe. Zähes, ausgeworfenes Material dagegen fließt nicht nach, sondern erstarrt in der Auswurfform; „dick außen, dünn zum Slot" bleibt so stehen, wie es gespritzt kam. Mein Bild passt zu Letzterem — etwas, das gespritzt und erstarrt ist, nicht etwas, das geflossen ist. (Am Millimeter-Dickenverlauf will ich es nicht festmachen — je nach Lage im Moment des Ereignisses lässt sich das diskutieren; es reiht sich aber in Form, Richtung und fehlenden Laufweg ein.)
3. Mechanische Zerstörung. Am Bauteil fehlt ein Anschluss, daneben liegt ein abgetrenntes Metallteilchen im Belag, das Bauteil selbst hat ein Loch. Korrosion durch Feuchtigkeit macht das nicht — das ist ein energiereiches Bauteilversagen. Und genau das erklärt alle Fundstellen aus einer Quelle, ohne irgendeinen externen Weg.
Dass es auf Fotos nach Flüssigkeitsrückstand aussieht, bestreite ich gar nicht — getrockneter Auswurf und getrocknete Flüssigkeit sehen ähnlich aus. Der Unterschied liegt nicht in der Farbe, sondern im Muster und in der Mechanik.
Wie ich es auch drehe: Ich glaube die Flüssigkeits-Variante nicht, sie widerspricht allem, was ich in vielen Jahren an solchen Schäden gesehen habe. Entscheiden wird das ohnehin kein Blick und keine Abstimmung, sondern eine Rückstandsanalyse — ausgeworfenes Bauteilmaterial (Bor/Ammonium/Vergussmasse/Metall) gegen externe Flüssigkeit (Natrium/Kalium/Zucker). Das Ergebnis nehme ich, wie es ausfällt.
Ein förmliches, bezahltes Gutachten werde ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht selbst beauftragen — das ist verständlicherweise nicht mein erster Schritt und liegt so früh auch nicht an mir. Ich versuche aber, jemanden mit dem passenden Werkzeug für eine Rückstandsprüfung aufzutreiben.
@djducky guter Hinweis — an Igor's Lab (FormatC) oder der8auer hatte ich auch gedacht; das ist genau die Richtung, jemand mit dem richtigen Werkzeug und Blick für so etwas.
@Looniversity: zusätzliche Referenzaufnahmen brauche ich dafür eigentlich nicht — wer sich auskennt, vollzieht die Einbaulage selbst nach und stutzt an genau dieser Stelle. Die Aufnahme von oben war ja gerade wichtig, um zu zeigen, dass von oben nichts eingedrungen ist — also genau gegen diese eine These.
Zu Zucker/Oxidation noch kurz: kristallisierter Zucker bliebe klebrig, verfärbt und läge entlang eines Laufwegs — hier klebt nichts, und einen Laufweg gibt es nicht. Oxidation zeigt nur, dass ein leitfähiges, leicht saures Medium im Spiel war — das kann ebenso das ausgeworfene Bauteilmaterial sein, lokal und sekundär, nicht zwingend Flüssigkeit von außen. Zur Tier-Frage: außen am Gehäuse ist keinerlei Spur, auch keine, die ein Markieren hinterlassen hätte. Und ob sich eine Reparatur am Ende wirtschaftlich lohnt, ist eine andere Frage als die nach der Ursache — mir geht es zuerst um die Ursache.
Damit lasse ich es hier gut sein und danke euch fürs Draufschauen.