Abe81
Rear Admiral
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AW: Eure Lieblings-TV Serien
Ich denke, gerade mit mir kann man darüber streiten, weil alle anderen sich ja einig zu sein scheinen, dass bestimmte Sehgewohnheiten, die befriedigt werden, also nicht irritiert, schon eine gute Serie ausmachen.
Bezüglich der letzten Folge GoT:
Ich denke, gerade mit mir kann man darüber streiten, weil alle anderen sich ja einig zu sein scheinen, dass bestimmte Sehgewohnheiten, die befriedigt werden, also nicht irritiert, schon eine gute Serie ausmachen.
Bezüglich der letzten Folge GoT:
Nachdem 7/1 schon nicht so berauschend war, empfand ich die zweite Episode als noch größere Enttäuschung. Nach den großartigen letzten Episoden der sechsten Staffel war ich an die siebte mit recht hohen Erwartungen herangegangen, aber ich fürchte, das wird nix mehr. Die ganze Serie wird immer liebloser, stereotyper, vohersehbarer und fader. Man schaue sich nur mal den Verfall der Dialoge an und vergleiche mit dem Zenit der Serie in den Staffeln 1-3. Nach dem Ende des fesselnden, mitreißenden Kampfes zwischen den Häusern Stark und Lannister in den ersten Staffeln hatte die Handlung irgendwie schon den roten Faden verloren, wobei es später immerhin noch einige gute, reizvolle Nebenhandlungen gab (High sparrow, Aufstieg und Fall von Haus Bolton), allerdings auch nervige, dumme, ärgerliche Nebenhandlungen (Bran nördlich der Mauer, Arya in Braavos, das endlose Hin und Her von Daenerys in Essos und als absoluter Tiefpunkt der unsägliche Dorne-Handlungsstrang). Mit dem Tod Ramseys und des high sparrow sind die beiden besten Nebenhandlungsstränge beendet und verliert die Serie mehr und mehr an Reiz. Daenerys, Cersei, Jons neues Königreich des Nordens sind mir alle so total gleichgültig, dass mich auch die dramatischsten Handlungselemente kaum noch jucken. Und man merkt dem Ganzen an, dass die Macher sich unter Zeitdruck fühlen und den noch aufzulösenden Stoff jetzt im Expresstempo durchpeitschen, besondes albern beim Samwell-Handlungsstrang: In der ersten Folge der Staffel entdeckt er zufällig die Information über das Drachenglasgebirge unter Dragonstone, in der zweiten findet er dann passenderweise das Rezept zur Heilung Jorahs, nur damit das alles schnell abgehakt ist und die Show weitergehen kann. Auch um Handlungslogik schert man sich immer weniger. Nehmen wir den Cesei-Handlungsstrang. Da hat Cersei am Ende der sechsten Staffel den abgöttisch verehrten religiösen Führer der hauptstädtischen Massen umgebracht, das berühmteste Heiligtum von Westeros gesprengt, die beliebte Königin pulverisiert, nahezu den gesamten Hofadel ausgerottet (In der Septe war ja der ganze Hofstaat versammelt, d.h. es wird kaum eine Adelsfamilie in Westeros geben, die nicht mindestens einen von Cersei ermordeten Angehörigen vorzuweisen hat!), sie wird zweifellos im Verdacht stehen, ihren Sohn umgebracht zu haben, und sie besteigt in einer extrem sexistischen Gesellschaft als Frau den Thron - und das wird alles einfach so hingenommen und die Ereignisse kaum noch thematisiert. In Kings Landing müsste längst ein Volksaufstand und eine Adelsrevolte gleichzeitig toben, stattdessen zucken alle einfach mit den Schultern und nehmen die neuen Gegebenheiten hin - aber die irre Königin muss halt lange genug erhalten bleiben, um noch für ein paar Episoden zu dienen. Oder Daenerys. Statt den Krieg einfach zu beenden, indem sie die Hauptstadt besetzt und Cersei umbringt, spaltet sie ihre Armee auf und schickt ihre Teile kreuz und quer über den Kontinent, damit die Handlung noch ein bisschen gedehnt werde. Oder Details wie die nicht nachvollziehbaren Flottenbewegungen Eurons oder die abstruse Schlussszene der Episode: Wozu soll man bitte unter hohen Verlusten ein bereits brennendes Schiff kapern, das mitsamt seiner Besatzung gleich untergehen wird? Offensichtlich nur aus einem Grund: Damit es noch eine coole Martial Arts-Szene gibt. Geht ja schließlich nicht, dass eine Episode endet, ohne dass jemand abgeschlachtet wird. Oder die Wandlung Aryas zur unbesiegbaren Superheldin, die alles kann und übrigens als Persönlichkeit mittlerweile völlig uninteressant geworden ist. Oder das unverständliche Operieren der Totenarmee, die seit mehreren Staffeln vor der Mauer herumkreuzt ohne was zu unternehmen, offensichtlich, damit Jon und Daenerys vorher genug Vorbereitungszeit haben.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Serienmacher sich überhaupt keine Mühe mehr geben in der sicher richtigen Erkenntnis, dass jetzt im Endspurt sowieso kaum noch Zuschauer unmittelbar vor dem Finale abspringen werden, egal was für einen Müll man ihnen zuletzt noch serviert. Das alles scheint hinauszulaufen auf miese 08/15-Fantasykost, in der sich am Ende ein Lager der Guten und ein Lager der Bösen bildet, die Guten gewinnen und Daenerys als gütige, gerechte Königin den Thron besteigt und alle froh und munter sind. Eine herbe Enttäuschung. Eigentlich sollte man, nachträglich betrachtet, GoT nur bis zur "Red wedding" schauen - mit dem Ende des Kampfes Lannister vs. Stark endet ein in sich geschlossenes, meisterhaftes Epos, danach gehts nur noch bergab, und die siebte Staffel ist bisher der Tiefpunkt.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Serienmacher sich überhaupt keine Mühe mehr geben in der sicher richtigen Erkenntnis, dass jetzt im Endspurt sowieso kaum noch Zuschauer unmittelbar vor dem Finale abspringen werden, egal was für einen Müll man ihnen zuletzt noch serviert. Das alles scheint hinauszulaufen auf miese 08/15-Fantasykost, in der sich am Ende ein Lager der Guten und ein Lager der Bösen bildet, die Guten gewinnen und Daenerys als gütige, gerechte Königin den Thron besteigt und alle froh und munter sind. Eine herbe Enttäuschung. Eigentlich sollte man, nachträglich betrachtet, GoT nur bis zur "Red wedding" schauen - mit dem Ende des Kampfes Lannister vs. Stark endet ein in sich geschlossenes, meisterhaftes Epos, danach gehts nur noch bergab, und die siebte Staffel ist bisher der Tiefpunkt.