@Grimba Danke für die konstruktive Kritik!
Grimba schrieb:
Debian ist jetzt nicht die erste Distribution, die mir in den Sinn kommt, wenn es um Stabilität, einfache Wartbarkeit und Hardware-Kompatibilität geht für den Desktopbetrieb. Und ich bin mir sehr wohl um die Qualitäten von Debian bewusst und habe es lange selber genutzt. Und es geht ja hier nicht um das persönliche Gusto eines jeden von uns oder meines, sondern was ist für sowas gut erprobt und womit habe ich am Ende am wenigsten Ärger.
Ich habe bei der Distro-Wahl nach einer Distro gesucht, die weit verbreitet und stabil ist, beide Punkte erfüllt Debian meiner Meinung nach. Es liefert nicht die beste Unterstützung für sehr moderne Hardware, aber unsere Rechner sind ja auch schon zehn Jahre alt, das war also kein Kriterium. Mein persönliches Gusto wäre eine archbasierte Distro gewesen, ich meinte, ich hätte mit Debian eine für das Vorhaben geeignete Wahl getroffen. Ubuntu LTS schätzte ich ein als ein Debian, aber weniger altbacken und stabil, und mit snap. Da ich bisher keine Erfahrungen mit snap habe, wollte ich was, was ich dann auch maintainen kann. Sieh das als mein Gusto, aber am Ende muss man ein System wählen, das zu dem Vorwissen passt, das man mitbringt, sonst fährt man es schnell gegen die Wand.
Grimba schrieb:
Habt ihr denn nicht vorher mal einen oder zwei der Rechner beiseite genommen und mal in den Testbetrieb versetzt? Da wäre doch sowas schnell aufgefallen. Das liest sich wie eine Hauruck-Aktion im Blindflug.
Die Vorbereitungsphase hat mehrere Monate lang gedauert, an irgendeiner Stelle ist der Lehrer-PC als Testrechner auf Linux umgezogen worden, der dann von meinem Kollegen benutzt worden ist. Und nein, die Probleme sind leider nicht aufgefallen.
Grimba schrieb:
Warum löst du laut deinem Text die Probleme in langen Gesprächen mit der KI? Findest du, dass dieser Rechercheansatz eine gute Basis für das Vorhaben ist? Du sprichst von langen Diskussionsrunden, aber am besten wäre es doch, man hätte eine solide Doku Basis oder entsprechende Verbreitung, wo man für sehr viele Fehlerbilder eben Antworten und Hilfe findet.
War das erste, das ich versucht habe. Also Google statt KI. Ich bin kein Riesenfan von KI und habe sie eigentlich in den letzten paar Monaten erst angefangen einigermaßen aktiv zu nutzen, wo es darum ging diverse technische Probleme, unter anderem mit den Linux-Rechnern, zu lösen.
Tatsächlich empfand ich die KI als sehr effektiv. Bei einem Problem habe ich wirklich sehr lange recherchiert, in mehreren Foren gefragt und am Ende kam ich auf keinem "klassischen" Weg weiter. Die KI hat dann Vermutungen geäußert und Dinge auch tatsächlich erklärt, die mir Hand aufs Herz etwas zu technisch waren, als dass ich mich so tief einarbeiten könnte, um alle Zusammenhänge allein durch Doku-Lesen nachvollziehen zu können. Eine Doku beantwortet ja nicht direkt Fragen zu konkreten Problembildern, da muss man schon viel Detektivarbeit reinstecken, die die KI einem echt gut abnehmen kann.
Grimba schrieb:
Du bekämpfst offenbar stets die Symptome, hauptsächlich mit Hilfe der KI und Scripten, aber wäre es nicht besser, der Ursache auf den Grund zu gehen?
Doch, absolut! Dank KI habe ich zum Beispiel etwas besser verstanden, was das Problem mit dem fehlenden Signal bei zu spät eingeschalteten Monitor ist. Der Grafiktreiber durchsucht die vorhandenen Anschlüsse nach angeschlossenen Bildschirmen und fragt bei ihnen ab, welche Auflösungen und Frequenzen sie unterstützen - wenn der Bildschirm aus ist, kriegt er keine Antwort und kann keine passende Auflösung setzen. Durch Verweis auf eine EDID-Datei und Setzen des DP-Ausgangs auf immer aktiv, wird ihm die richtige Auflösung vorgesetzt.
Weiß der Geier, wie lange ich gebraucht hätte, um das Problem so gut zu verstehen, ohne die KI zu benutzen. Ich bin Lehrer, kein Grafiktreiber-Entwickler. Ich könnte nach dem Prinzip "Schuster, bleib bei deinen Leisten!" den Chef neue Hardware für Win11 anschaffen lassen, wie unser IT-Dienstleister es vorgeschlagen hat, das hätte den Staat einige Tausend Euro mehr gekostet und ich hätte jetzt nicht die ganzen Probleme an der Backe. Aber ich dachte, auch wenn ich nur Lehrer bin, kann ich meine begrenzten Linux-Kenntnisse einsetzen, um das Problem besser zu lösen. Und ich finde, das hat gar nicht so furchtbar schlecht geklappt, wie du es darstellst.
Grimba schrieb:
Also unterm Strich sieht das so aus, als hättet ihr 20 Rechner auf ein System gesetzt, mit dem sich keiner so richtig auskennt, ungetestet, und die KI soll im Zweifel die Lücken füllen. Und das hat sie so gut getan, dass jetzt die ganze Systemwahl erneut zur Disposition steht.
Die Probleme sind größtenteils gelöst (habe ja bei jedem Problem den verwendeten Workaround kurz beschrieben). Dass sich keiner mit dem System auskennt, stimmt so auch nicht. Ich habe vor meinem Umstieg auf Arch/Manjaro mehrere Jahre lang Debian und Ubuntu benutzt, die typischen apt-Kommandos oder das Hinzufügen einer Quelle in die sources.list treiben mich also nicht in Verzweiflung. Hätte ich ein System genommen, mit dem ich mich auskenne, wäre es ein archbasiertes System, wär wohl auch nicht besser...
Also: Ja, ich bin ein wenig genervt von den aufgetretenen Problemen, aber dazu schreibst du ja selbst:
Grimba schrieb:
Zugegebenermaßen finde ich die Probleme, in die ihr da gelaufen seid, alle etwas merkwürdig, die hätte ich Debian jetzt so auch nicht zugetraut.
Genau, ich auch nicht!
In Summe läuft es nun zufriedenstellend und kann so auch erst mal weiterlaufen, auch wenn ich genervt bin. Keine Katastrophe ist eingetreten!