Informatikstudium mit wissenschaftlicher und internationaler Ausrichtung - Welche Uni

badday

Commander
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3.023
Moin zusammen,

ich mache mir langsam Gedanken darüber, wo ich studieren soll.

Ich möchte gerne Informatik bzw. theoretische Informatik studieren und zwar mit internationaler Ausrichtung, etwa mit Gastprofessoren aus dem Ausland, sowie der Möglichkeit, ein Semester im Ausland zu verbringen. Zudem möchte ich gerne in die Forschung gehen, daher sind mir Beziehungen zur Wirtschaft nicht wichtig.

Im Auge habe ich momentan die Universität des Saarlandes, zumal dort viele namenhafte Forschungsinstitute vor Ort sind. Außerdem gibt es dort auch ein reichhaltiges Angebot an Möglichkeiten, im Ausland zu studieren.

Mich würde die Meinung derer, die bereits studieren oder studiert haben interessieren. Optimal wäre natürlich, wenn jemand auf der genannten Uni seine Erfahrungen schildern könnte.


Gruß,

badday
 
moin badday,

unter wissenschaftlicher Ausrichtung verstehe ich mehr theoretischer Stoff, dann kommt für dich nur eine Uni in Frage.

Alle Studiengänge sind heutzutage durch den Bachelor und Master international ausgerichtet. Durch die neuen Bezeichnungen Bachelor und Master soll das studieren europaweit einfacher möglich sein. Wie dies dann in der Praxis aussieht, wenn man 1-2 Semester an eine ausländische Uni geht - wird von Uni zu Uni unterschiedlich sein.

Wenn du eine spätere Unikarriere anstrebst spielt die Beziehung zur Wirtschaft nur eine bedingte Rolle, ansonsten wäre es fatal die Wirtschaft außen vor zu lassen. Weil sonst kommt nach deinem Studium das Böse erwachen und du beziehst Harz 4.

Viel wichtiger ist, dass dein Themengebiet dich wirklich auf Dauer interessiert und du Spaß an den sich bietenden Aufgaben hast. Sonst ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du unzufrieden sein wirst und aus diesem Grunde irgendwann von selbst aufgibst.

Gruß
studibraut
 
moin,

ja, ich verstehe darunter auch mehr Theorie, eine FH kommt daher nicht in Frage.

Es ist mir schon klar, dass es grundsätzlich überall die Möglichkeit gibt, im Ausland zu studieren. Jedoch gibt es offenbar (wenn man den Uni-Rankings Glauben schenken darf) deutliche Unterschiede bzgl. der Unterstützung seitens der Uni. Bzw. meinte ich damit auch, dass Gastprofessoren Vorträge halten.

Und ja, mir würde eine Tätigkeit an der Uni oder in einem der wissenschaftlichen Institute vorschweben. Dennoch denke ich, dass jede Uni natürlich Beziehungen zur Wirtschaft hat. Aber das ist eben nicht mein primäres Interesse.

Gruß,

badday
 
Dort gibt es keine pauschale Antwort - du musst dich in der Umgebung der Uni wohlfühlen. Am besten du besuchst Vorlesungen in deinem Themengebiet als Gastzuhörer. Dann kannst du Vorort auch andere Studenten fragen und du gewinnst einen ersten Eindruck.
 
Ich würde dir für Informatik diese drei empfehlen: RWTH Aachen, TU München, Karlsruher Institut für Technologie (das sind wohl die renommiertesten und forschungsstärksten)

Mit dem Auslandssemester sollte kein Problem sein. Ich kann jetzt nur für die TUM sprechen, aber einige gingen dann zB an die Carnegie Mellon, Standford, Berkeley, etc.

Wenn dich Computergrafik interessiert (könnte ich mir anhand deiner Signatur vorstellen), dann würde ich TUM und Uni Stuttgart in den Raum werfen. Ich kenne mich zwar in dem Bereich nicht so aus, aber ein Freund wollte in Computergrafik promovieren und meinte, dass es nur sehr wenige Unis in Deutschland gibt, die einen gescheiten CG Lehrstuhl haben. An der TUM macht der das Prof. Westermann, falls du dir das mal anschauen willst. Die Uni Stuttgart macht afaik auch paar Sachen in Verbindung mit Crytek.
 
Nunja, mir fehlt leider Geld und Zeit, Unis überall in Deutschland zu besuchen ;)

Ich wollte eigentlich nur mal eure Erfahrungen hören, was ihr von verschiedenen Unis haltet, und ob ihr welche empfehlen könnt, die einen Schwerpunkt auf Wissenschaft und internationale Ausrichtung haben.

Das man natürlich keine pauschale Antwort geben kann, ist mir klar.
Ergänzung ()

@snow1: Computergrafik interessiert mich durchaus, aber ich werde dort keinen Schwerpunkt legen, das ist eher ein Hobby ;)

Zu den Unis:
TU München: http://ranking.zeit.de/che2010/de/fachbereich?id=400046
RWTH Aachen: http://ranking.zeit.de/che2010/de/fachbereich?id=400131
Karlsruhe: http://ranking.zeit.de/che2010/de/fachbereich?id=400009

Dagegen mein bisheriger Favourit:
http://ranking.zeit.de/che2010/de/fachbereich?id=400170

Der große Pluspunkt wäre, dass hier wirklich jede Menge Forschungsinstitute versammelt wären: http://www.cs.uni-saarland.de/index.php?id=24


Wäre natürlich optimal, wenn einer dort studieren würde und mir berichten könnte :)
 
Du kannst ja unter "Forschungsreputation" im CHE Ranking schauen, wenn das für dich wichtig ist.

Theoretische Informatik macht an der TUM übrigens der Prof. Mayr. Wenn dich das interessiert musst du dir im klaren sein, dass die Inhalte zu 95% nur an den Unis gebraucht werden. Die meisten promovieren dann in dem Bereich und meiner Meinung nach gehst du irgendwann (vor oder nach der Promotion) in die Wirtschaft, arbeitest dann aber "fachfremd". Oder du bleibst an der Uni und habilitierst. Aber ob du je einen Ruf von einer Uni kriegst ist halt auch ungewiss.

Zum Thema Forschungsinstitute: um die TUM sind ein Haufen Forschungsinstitute. Darunter z.B. das Leibnitz Rechenzentrum (mit ihrem Bundeshöchstleistungsrechenzentrum - google mal nach "SuperMUC" :) ) oder das Fraunhoferinstitut (die Direktorin ist wiederum Prof an der TUM).

Zum Studium an der TUM: Der Bachelor ist relativ star aufgebaut. Du hast da zwei Wahlfächer und der Rest ist fix. Im Master bist du hingegegen völlig frei was du machst. Du wählst aus 8 Themengebieten 3 aus, wobei 1 Hauptschwerpunkt und 2 Nebenschwerpunkte. zB. 1. Formale Methoden 2. Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen, 3. Computer Grafik.
 
An der Uni Karlsruhe sind zumindestens die Spracherkennungsleute unter den Informatikern gut vernetzt, da gibt es auch gleich den Punkt "Exchange Programm" auf der Webseite, falls man mal zu den Partnerunis will:
http://isl.ira.uka.de/
Wobei Spracherkennung von deinem Wunsch der theoretischen Informatik ziemlich fernab ist, das zählt schon fast zur Elektrotechnik. Schon an sowas wie Mathe+Info Doppelabschluss gedacht? Hat es jedenfalls zu Diplomzeiten an der Uni Karlsruhe gegeben. Kein Theoretiker ohne Mathe! Mathe könnte sonst evtl. zu kurz kommen. Oder Technomathe mit Schwerpunkt Info, davon ist mir jedenfalls bekannt das der Studiengang es auch in das Bachelorzeitalter geschafft hat.

Mit der Internationalisierung durch Bachelor/Master halte ich für ein Gerücht. Bei der Anerkennung ist man nach wie vor auf die Willkür der eigenen Uni angewiesen. Besser die haben ein Programm mit einer anderen Uni, dann muss man sowas nicht selber klären.
 
Mathe kommt auch in einem Uni Info Studium nicht zu kurz ;-)

Wenn du allerdings, sagen wir mal einen Approximationsalgorithmus für ein NP-schweres Problem entwickelst und dafür die Laufzeitschranken bestimmen willst, dann darfst du gerne auch tiefer einsteigen. Habe dazu schon 50-80 Seiten Herleitungen/Beweise gesehen :-)
 
@snow1: Hm... die TUM scheint in der Tat ganz interessant zu sein. Allerdings hat man da wohl horrende Mieten+Lebenshaltungskosten, sowie (dank schwarz/gelber Landesregierung) Studiengebühren, was für einen Bafög-Empfänger nicht ganz unwesentlich ist.


@geisterfahrer:
Mathe+Info Doppelabschluss
Ja, habe ich in der Tat schon dran gedacht. Die Frage ist nur, ob das nicht zu viel wird.


Laut CHE Ranking wäre die Uni Saarbrücken ja sowohl was Forschungsbezug, als auch Forschungsgelder angeht, sehr interessant. Die Mieten denke ich mal sind dort auch nicht zu hoch und es gibt keine Studiengebühren.
 
Ich habe letztes Jahr 6 Monate in München gelebt. Wenn man sparsam ist und keinen Palast zum wohnen braucht, kommt man mit 700€ im Monat gut hin, weniger sollte es aber wirklich nicht sein. Eher mehr, wenn du öfter als einmal die Woche weggehen willst (kam für mich eh nicht in Betracht, da Praktikum - 40h-Woche ;) ).

Was spricht dagegen, direkt im Ausland zu studieren?
 
Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie das mit einem reinen Auslandsstudium funktioniert, etwa wie man sich dort einschreiben muss, wie es mit Bafög dann aussieht etc.
 
Hey, du willst eine wissenschaftliche AUsbildung haben - dazu gehört es auch, selbstständig Informationen zu sammeln und zu verwerten ;)

Kleiner Tipp: Schau mal nach Schottland, vor einem Jahr war es da noch so, dass die dortige Regierung Studenten aus dem EU-Ausland die Studiengebühren bezahlt :) Die Sprachkenntnisse setze ich in Anbetracht deiner gewünschten Ausrichtung des Studiums mal voraus.
 
Ich denke ich werde da mal in der Studienberatung fragen, die sollten das ja wohl wissen.

Danke für den Tipp.
 
Zum den Mieten in München: Die Info Fakultät der TUM ist nicht (mehr) in der Innenstadt, sondern wie Chemie, Physik, Maschinenbau und Mathe in Garching. Elektrotechnik soll auch irgendwann umziehen.

Allerdings nehmen sich die Mieten zu München nicht viel. Selbst die Studentenwohnheime kosten afaik um die 400 Euro / Monat. Ich hatte privat gewohnt, daher kenne ich die genauen Preise nicht. Und wenn du von privat nicht gerade ein Schnäppchen findest, zahlst du mindestens so viel.

Alle die ich in München selbst kenne, zahlen für eine Single Wohnung (~50 m²) ca 700-850 Euro. Billig ist München nun wirklich nicht...
 
@snow1: Ja, das denke ich auch, Studiengebühren und sonstige Lebenshaltungskosten sind ja auch sehr hoch. Mieten im Studentenwohnheim sind in Saarbrücken (laut Ranking) sehr human im Gegensatz zu München/Garching.
 
Guck dir mal Computational Engineering an. Im Prinzip ist es aber ein bisschen anders als ein Informatikstudium, weil man die Mathemodule mit den Mathematikern hat und zudem noch E-Technik.
Hier in Darmstadt ist es außerdem teilweise auf Englisch.(also die Vorlesungen und Prüfungen. In den Übungsgruppen sitzt man aber normal mit den Fachspezies)

Ansonsten bietet die RWTH Aachen den Studiengang glaube ich auch an .

Rankings kann man eigentlich nciht ernst nehmen.

edit:
Mieten in Darmstadt sind nicht ganz so hoch wie in München, aber auch nciht weit davon entfernt. Ist halt das Rhein-Main Gebiet mit Frankfurt in Front.
Dafür gibt es hier aber keine Studiengebühren und im Gegensatz zu München ein Semesterticket, welces im ganzen RMV-Gebiet gültig ist. (Sprich man kann damit nach Mainz,Wiesbaden, Frankfurt, etc fahren und sowohl Regional- als auch Nahverkehr nutzen)

edit2:
Ansonsten sollte man die Sache mit der internationalen Ausrichtung nicht all zu ernst nehmen. Die deutsche Ausbildung ist nach wie vor im Ausland begehrt.
 
Zuletzt bearbeitet:
und zudem noch E-Technik.
Denke nicht, dass das etwas für mich ist, das geht doch dann vermutlich ziemlich in den Bereich Physik, oder? Nicht das das ein großes Problem wäre, aber ich wollte eigentlich auf der theoretischen Schiene bleiben.

Die deutsche Ausbildung ist nach wie vor im Ausland begehrt.
Das war auch nicht meine Intention, ich wollte nur Erfahrung sammeln im Ausland. Zudem gibt es, soweit ich weiß, ein Auslands-Bafög, das man nicht einmal zurückzahlen muss (?).

Rankings kann man eigentlich nciht ernst nehmen.
Naja, ich nehme sie einfach mal als Anhaltspunkt, was soll man sonst machen?


Danke für eure vielen hilfreichen Tipps schonmal ;)
 
Airbag schrieb:
Rankings kann man eigentlich nciht ernst nehmen.

Die Rankings fallen ja nicht einfach so vom Himmel. In gewisser Weise habe die durchaus ihre Daseinsberechtigung.


@badday: ein recht renomiertes Ranking bezüglich Forschungsstärke etc ist das sogenannte Shanghai-Ranking. Für Informatik 2010 kannst du es hier finden: http://www.arwu.org/SubjectCS2010.jsp

Es hat es nur eine deutsche Uni in die Top 100 geschafft. Aber falls du ein Auslandssemester machen willst, dann kannst du dich an den Top 10 orientieren :)

Ein allgemeines Ranking (d.h. nicht nur Informatik) gibt es auch: http://www.arwu.org/ARWU2010.jsp
 
dann kannst du dich an den Top 10 orientieren
Leider nicht, man sehe sich nur mal die Studiengebühren etwa am MIT an.

Selbst Oslo, was mich sehr reizen würde, hat die für Norwegen typischen sehr hohen Lebenshaltungskosten.
 
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