Der Lebensstandard ist ein höherer. Heute hat jeder Dödel ein Handy, Rechner, Lappi, mehrere TVs, mit 18 ein eigenes Auto, am besten ne eigene Wohnung, geht mehrmals pro Wpche aus, fährt in Urlaub usw. Dafür musste man "früher" teils richtig lange sparen... heute ist alles sofort verfügbar und jeder will alles sofort haben. Kann man sich was nicht umgehend leisten, verdient man sofort zuwenig oder alles ist teurer geworden. Alles subjektiv und induziert. Real gehts uns so gut wie nie.
Nein es ist genau falsch herum gedacht.
Man könnte hier wunderschön die Keule auspacken: "Früher war alles besser." Das stimmt natürlich kein bisschen, der richtige Ausspruch müsste einfach heißen:"Früher war alles anders."
Wir, das heißt die meisten, die auf jedenfall nach dem Krieg geboren wurden, haben von den Problemen der damaligen hiesigen Bürgern keine Ahnung. Da ging es noch um überleben. Der Aufbau hat vielen Menschen Arbeit beschert, auch deshalb, weil alles aufzubauen war, viele Männer im Krieg gefallen waren oder sonst was mit denen gemacht, und es herrschte einfach einen Arbeitermangel. Da konnte man sich aussuchen welche Arbeit man wo machte. Eine Situation die wir uns heute nicht vorstellen können. Damals lebte man von dem was man tat, von der Hand in den Mund. Es wurde gespart, um auch für später zu sorgen. In dieser Zeit haben entweder unsere Eltern, oder deren Eltern (ich gehe mal nicht vom Durchschnittlichen Alter von 70 Jahren in diesem Forum aus) vermehrt Grundstücke kaufen können, Häuser wurden aus altem Schutt und zerstörten Gebäuden gebaut, an Baumaterial knauserte es nicht. In den 60-70er Jahre rum, boomte es in Dland. Kinder wurden geboren, die meisten Familien bestanden aus den Eltern, Kindern und vielleicht sogar noch deren Eltern im selben Haus, in der selben Wohnung. Die Kinder haben draußen gespielt. In dieser Zeit konnten die Eltern Geld sparen, keine Miete, die Mutter nebenbei was Geld verdienen, weil die Großeltern haben auf die Kinder aufgepasst. So kam es zu einer Art Wohlstand in dieser geschichtlichen Epoche.
Und dann geschah genau das, was unvermeidbar war. Durch die Industriealisierung, durch die Globalisierung, Europa, Wirtschaft, Macht, ist genau das eingetreten, nämlich der Kapitalismus. Die Denkweise: Du definierst dich durch Geld. Du definierst dich durch Arbeit. Du definierst dich durch Macht. Konsum.
Das was ihr ansprecht ist der Konsum. Weil es den Eltern gut geht, geht es einem selber gut. Wer kocht heute noch selber? Wer stellt sich an den Backofen? Wer wäscht seine Wäsche, bügelt, wischt den Boden, putzt die Fenster, kümmert sich um den Garten, um die eigenen Eltern, Kinder? Am besten alles auslagern. Jemand anderes soll es tun. Ich gehe arbeiten. Ich bin über 200 Stunden im Monat weg, und verdiene richtig gut Geld.
Ja und wofür? Wenn einen die Arbeit ausfüllt, man seinem Lebenspartner (sofern man einen hat), der selber Freiraum will hat, dann ist es ok, und wenn die Arbeit Spaß macht und auch ein Hobby ist: Ok. Wenn aber Arbeit das Leben bestimmt, wenn Arbeit nur noch Leben IST, dann ist man in der Spirale gefangen.
Nicht: Arbeiten um zu leben. Sondern: Leben um zu arbeiten. Und das muss umgekehrt werden. Das alles ist aber eine permanente Veränderung. Ein Wandel. Dieses "Hätte wäre wenn" ist für keinen von uns beantwortbar. Was man aber sagen kann ist:
Jeder hat seine Prioritäten. Ich für meinen Teil käme nie auf die Idee, länger zu arbeiten, wenn es nicht einen immensen Vorteil bringt. Und wenn man mich anruft, privat, und ich bin auf der Arbeit, werde aber gebraucht, dann ist mir meine Arbeit egal! Arbeit finde ich immer, sterben werde ich auch nicht, wenn ich entlassen werde. Aber ich würde innerlich sterben wenn etwas zu hause passiert und ich wegen meinem Job weiter arbeiten würde.
Es ist genau wie in 3 sehr guten Liedern. Nummer 1 ist der Sinn des Lebens: Patrick Hernandez - Born to be alive. Noch nie soviel Weisheit gehört bei einem Lied

. Mag nicht jedem gefallen die Erkenntnis, aber genau so ist es. Nummer 2 ist: Louis Armstrong - What a wonderful world. Das Lied, bei dem man sich die unglaublichen Dinge, die auf der Welt passieren vorstellen kann. Bei dem man weiss: Ich weiss Dinge, die vor mir keiner wusste, und die nach mir werden Dinge wissen, von denen ich nichts weiss. Wer weiss was alles noch kommen mag? Die Zukunft ist da, wir müssen sie nur formen. Und Nummer 3 ist ein erschreckendes Lied, wenn es auch ne tolle Melodie und einen Text hat, den man eigentlich positiv sehen kann. Es ist von Harry Chapin - Cat's in the cradle. Dieser Song ist so dermaßen frustrierend, denn er zeigt genau den Fehler auf:
Der Vater ist immer beschäftigt, hat immer was zu tun, Arbeit. Er zieht am Leben des eigenen Sohns vorbei. Er hinterlässt nur einen Eindruckt, nämlich den, immer beschäftigt zu sein. Später dann hat der Vater im Alter Zeit. Er möchte Zeit mit seinem Sohn verbringen. Aber es ist zu spät. Sein Sohn ist genau wie er, er hat keine Zeit, und das wenige an Zeit welche der Sohn hat, verbringt dieser lieber mit seinem Leben und seinen Kindern.
Und so merkt der Vater, dass sein Sohn genau wie er ist. Aber diese Erkenntnis ist traurig, denn er ist und war daher immer einsam. Zuerst hat er sich selber einsam gehalten, und ist deswegen kaum jemals Vater gewesen. Und später kann er es nicht mehr sein, weil sein Sohn nun denselben Weg beschreitet.
Für mich ist der Song ein Aufschrei, wie es nicht sein sollte. Und so etwas BEGINNT, indem man sich völlig von seiner Arbeit vereinnahmen lässt und eben nicht mehr lebt. In dem das Geld das Wichtigste ist. Klar, wir müssen alle essen und trinken. Aber der von oben angesprochene Konsum macht blind vor den wirklich wichtigen Dingen und Werten, die wir uns selber geben. Werten wie Partnerschaft, Freundschaft (Ein Freund, ein guter Freund - Comedian Harmonists lassen grüßen, und der Text ist eigentlich eine Hommage an das Wort Freund, weil es genau wiedergibt wie es sein sollte), ein wenig Skepsis, Verantwortung und Liebe (der fünfte Ring bringt immer Captain Planet

). Und dieser Wertewandel macht auch sehr viele Menschen einfach blind vor dem, was sie eigentlich wollen. Lassen sie auch sarkastisch und ironisch, unzufrieden mit der Welt werden. Weil wir wissen: Das wollten wir doch gar nicht. Wie ist es dazu gekommen? Und die Antwort ist: Weil wir es zugelassen haben, weil wir unseren Geist verschlossen haben vor etwas, was wir vielleicht als Kitsch bezeichnen, was uns aber wichtiger erscheinen sollte. Werte.