Hallo allerseits,
ein sehr interessantes Thema, über das sicher viele nachdenken.
Es wurde schon gesagt, daß hier wohl jeder seinen Mittelweg finden muss. Prinzipiell bin ich auch jemand, dem Freizeit heilig ist. Gleichzeitig ist es auch schön, genügend Geld zu haben, um keine Sorgen zu haben und sich materielle Wünsche erfüllen zu können. Beides zu erreichen ist oft schwierig, je nach Ansprüchen ...
Ich selbst kann nur aus meiner bisherigen Lebenserfahrung empfehlen, daß man unbedingt eine gute Qualifikation erwerben sollte. Jedes bisschen Arbeit, was man in seine Ausbildung und Qualifikation steckt kommt vielfach zurück, ebenso wie frühe Faulheit meistens für den Rest des Lebens einschneidet. Man kann jemandem alles wegnehmen, jeden Besitz ... aber einer gute Ausbildung bleibt. Auch nach einem Währungscrash/Krieg usw, bei dem Haus, Auto und alles Geld schlagartig weg sein kann.
Mit einer guten Qualifikation meine ich einen Hochschulabschluss in einem Fachbereich, der zum einen stark gefragt ist und auch in Zukunft gefragt sein wird und nützlich ist, gleichzeitig aber so anspruchsvoll, daß es eben nicht viele Abgänger gibt. Auf diese Weise ist man als Arbeitnehmer gefragt und die Gehälter und Arbeitsbedingungen sind entsprechend gut. Man braucht auch nicht unbedingt Vitamin B (kann nie schaden) oder muss die Firma von Papi übernehmen.
Ein Fachmann für den Kaşkay Volksstamm ist sicher selten, aber wird auch nicht gebraucht. BWL Abgänger jeder Art dagegen gibt es meiner Meinung nach wie Sand am Meer. Um dort Fuß zu fassen, muss man schon besondere andere Qualifikationen vorweisen. Beispielsweise mit Anfang 20 1er Studienabschluss, 5 Jahre im Ausland, fliessend chinesisch, Französisch und Englisch oder die Firma von Papa übernehmen, dann ist das egal.
Ansonsten enden sie oft als irgendeine Form von Assistent (Kopieren, Präsentationen für den Chef vorbereiten, Tabellenkalkulation, Marketing) mit mittlerer Bezahlung, wenn sie nicht schon im Vorfeld sehr gute Vitamin B Kontakte haben.
Kreative Berufe, alles was vermeintlich viel Spaß macht => wie Sand am Meer. Design, Mediendesign, Zeichner, Grafiker ... ja, das ist was, was man auch in der Freizeit gerne macht.
In der Arbeitswelt gibt es aber soviele davon, daß man im Endergebnis oft auch mässig bezahlt zu oft mässigen Bedingungen arbeiten muss, weil sonst schon der nächste bereit steht. Ich bin immer wieder überrascht, wieviel Talent es doch in diesem Bereich an jeder Ecke gibt.
Am schlechtesten sind die dran, die "irgendwas" studieren. Meist Germanistik oder Anglistik oder ähnliches. Damit kann man "alles" oder "nichts" machen. Solange man nicht Lehrer wird, wird man irgendeine Stelle kriegen. Es gibt viele Stellen, die als Anforderung einfach nur ein Studium irgendeiner Art haben. Entsprechend bescheiden werden die auch bezahlt. Oft schlechter als bei einer nützlichen Ausbildung.
Ich kann nur alles aus den MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) Fächern empfehlen. Ich selbst habe mich für Informatik entschieden und fahre damit sehr gut. Ein Bereich, der in Zukunft immer weiter wächst und gefragt ist, bei dem es aber verhältnismässig wenige Abgänger mit gutem Abschluss gibt. An einer technischen Universität fallen üblicherweise 80% der Studienbeginner bis zum Abschluss weg. Die meisten packen die Inhalte nicht, ein ganzer Teil bricht auch einfach ab, weil das Interesse doch nicht ausreichend war. Und es fangen im Prinzip eh schon zu wenige an.
Ansonsten sind auch Fächer wie Medizin sehr gefragt, aber da arbeitet man sich danach für eine exzellente Bezahlung zeitlich tot.
Ich habe es damit mit bald 32 Jahren immerhin schon zu einem sehr brauchbaren Gehalt geschafft, kann mir einen hübschen Sportwagen leisten und habe im Prinzip eine 40h Arbeitswoche und könnte prinzipiell auch ein Haus abbezahlen. Unter dem Strich sind es meist 15 Minuten länger pro Tag bzw. manchmal auch 30 Minuten. Aber im Schnitt komme ich mit 41-42 Stunden die Woche durch, wenn kein Notfall ist und man mal richtig länger bleibt. Bisher eher selten. Das Wochenende ist komplett frei ohne Erreichbarkeit in irgendeiner Form.
Aus eigener Erfahrung weiss ich, daß man im Beruf aufgehen kann. Man bekommt Bestätigung durch andere, man kann in der Arbeit versinken und auch Spaß am Lösen der Probleme haben. Man wird gebraucht. Die Zeit verfliegt und ich kann mir auch die Spirale vorstellen, daß man immer tiefer versinkt, immer mehr verdient ...
Aber ich persönlich glaube, daß nahezu jede Arbeit bei weitem nicht das wichtigste im Leben sein kann. Jede Minute mit Freunden und Familie, jede schöne Reise ist für mich mit etwas Abstand betrachtet weitaus schöner als jede Leistung, die ich auf der Arbeit bringe oder gebracht habe.
Das sind alles Leistungen, die morgen schon vergessen sind und in 10 Jahren keine Sau interessieren. Auch das Geld wird recht schnell belanglos, wenn man gar keine Zeit mehr hat, es auszugeben. Was nützt einem, der teuerste und tollste Sportwagen, wenn er 99% der Zeit nur auf dem Firmenparkplatz steht und aus dem Fenster betrachtet werden kann?
Ich behaupte, daß nur sehr sehr wenige Menschen wirklich und tiefgründig glücklich mit ihrer Arbeit sind. Ja, Arbeit kann Spaß machen. Manchmal auch nicht. Manche Menschen quälen sich durch die Wochentage, andere haben etwas Freude.
Als junger Anfänger hat man auch noch mehr Spaß, als wenn man mal in den Trott reingekommen ist nach ein paar Jahren.
Aber wieviele Menschen sind WIRKLICH glücklich damit?
Das kann man sich ganz einfach selbst fragen:
Wenn ich morgen 20 Millionen € bekomme und nie mehr arbeiten müsste, nicht mehr auf Geld angewiesen bin, würde ich dann noch mit dem gleichen Zeitaufwand wie jetzt genau diese Arbeit machen? Würde ich noch 40h genau dahingehen jeden Wochentag?
Ein großer Teil würde meiner Meinung nach recht schnell kündigen, ein anderer großer Teil würde zumindest die Arbeitszeit drastisch reduzieren. Die allerwenigsten würden nach ein paar Jahren Arbeit alles genau so belassen, wenn sie gar nicht darauf angewiesen sind.
Wenn doch sind sie meist in Positionen, wo Geld sowieso keine Rolle mehr spielt. Eine Führungsposition in einer großen Firma z.B. ...
Ich behaupte aber, daß diese Menschen irgendwann im Alter meist merken, daß sie ihr Leben gewissermaßen verschwendet haben. Ich glaube nicht daran, daß diese Macht und der Einfluss wirklich glücklich macht, wenn man dafür die Familie vernachlässigt und nichts hinterlässt, als irgendeine erfolgreiche Firma. Aber das ist meine Meinung, das muss jeder für sich entscheiden.
Ich denke Kinder sind nachhaltig. Eindrücke sammeln, die Welt bereisen, Dinge sehen und Erleben ... viele Dinge. Dinge lernen. Und damit meine ich nicht einseitig für irgendeinen Beruf sondern ganz allgemein.
Freunde finden, Familie gründen. Das sind Dinge, die einen auch im Alter vor Einsamkeit schützen. Das kann alles Geld der Welt nicht wirklich, nur scheinbar. (falsche Freunde)
Ich selbst würde bei 20 Millionen € kündigen, obwohl die Stelle nicht die schlechteste ist. Ich wüsste dennoch mehr mit meiner Zeit anzufangen, als jeden Morgen irgendwo hin zu gehen und irgendetwas im Endergebnis vergängliches und belangloses stumpf für andere zu tun.
Ich kann mir vorstellen, daß das vielleicht bei Berufen wie Rennfahrer z.B. nicht so ist. Weil dort das Hobby wirklich zum Beruf wurde und die Leute auch ohne Bezahlung genau das in ihrer Freizeit tun würden. Aber das sind Ausnahmen. Schon der Beruf "Pilot" ist oft romantisch verklärt und nach wenigen Jahren relativ eintönig und langweilig. Meine Meinung.
Wie gesagt, aus meiner Erfahrung sind glückliche und schöne Momente mit Freunden und Familie viel wertvoller als alles, was man kaufen kann. Und natürlich die eigene Gesundheit. Denn ohne sie kann man nichts mehr machen. (Und gerade als workaholic riskiert man mit der Gesundheit eigentlich eins der wichtigsten Dinge im Leben)
Erlebnisse, die man sich kaufen kann, können aber auch sehr schön sein. Sich möglichst viele Reisen leisten, auch weit entfernte Orte sehen. Ich war schon an einigen Orten auf der Welt und z.B. mal einige Zeit in New York verbringen ist ein Erlebnis, was man nicht so schnell vergisst, ebensowenig wie die Pyramiden mal in echt zu sehen.
Mir persönlich gibt auch ein tolles Auto viel. Ich fahre den Sportwagen nicht als Statussymbol ... die Aufmerksamkeit ist mir persönlich häufig sogar eher lästig. Gerade als junger Mann wird man meistens schräg angeguckt.
Ich fahre einen Sportwagen, weil ich immer, wenn sich die Gelegenheit ergibt, damit auf die Rennstrecke gehe und ein wenig Spaß habe. Und das ist wiederum jedesmal ein Erlebnis, eine Erinnerung, ein Eindruck ...
Noch etwas zum Thema Haus:
Ein Haus ist immer ein Luxusgegenstand. Man kann es selbst gestalten mit weniger Einschränkungen. Optimalerweise hat man einen ruhigen Garten, ein Ort an dem man abspannen kann.
Aber es ist niemals günstiger, als eine Wohnung. Auch langfristig nicht. Ich bin in der glücklichen Lage ein Haus zu erben, würde es mir aber 3 mal überlegen, wenn ich nicht in der Lage wäre, ob ich mich so stark finanziell und örtlich binden wollte.
Ich komme ebenfalls aus dem Rhein Main Gebiet und dort, wo man für die Wohnungen 800 oder 1000€ warm bezahlt als Miete sind die Grundstücke auch dermaßen teuer, daß ein normalgroßes Haus um ein vielfaches teurer ist. Wenn das Haus so teuer wie die Miete ist, dann ist die Wohnung deutlich näher an der Stadt als der Bauplatz vom Haus.
Ich zahle selbst etwa 1000€ monatlich warm für knapp 100 m² Wohnung. (kalt wären es etwa 750€ oder sowas)
Wenn etwas zu machen ist, rufe ich meinen Vermieter an. Wir können in den Urlaub fahren und es ist gerichtet, wenn wir zurückkommen.
Überschüssiges Geld kann ich in Aktien investieren oder ansparen mit positiven Zinsen. (zur Zeit bei der Inflation aber wohl eher ein 0 Geschäft ohne Aktien

)
Aber genau hier im Ort kostet auch der Quadratmeter Grundstück zwischen 400 und 500€. Ein brauchbares Haus mit etwas Grundstück und Garten ist sehr schnell bei 400 000 - 500 000 € zzgl. Zinsen.
Da braucht man nicht viel rechnen, um zu sehen, daß das auch langfristig teurer ist. Würde ich jetzt sofort in das Haus ziehen, was ein paar m² mehr hat als meine Wohnung und einen Garten, würde ich dennoch nicht wirklich viel weniger bezahlen im Monat. Und das, obwohl das Haus abbezahlt ist und ich keinen Kredit bedienen muss.
Warum? Ganz einfach. Die Nebenkosten sind natürlich im Haus mit mehr Fläche höher. Man zahlt eine Menge Gebühren, die sonst in irgendeiner Form in der Miete enthalten sind. Und das, was man an Kaltmiete spart muss man fast schon zurücklegen um die größeren Reparaturen wie Heizung oder Dach in 10 Jahren oder 20 Jahren stemmen zu können. Nicht nur der Geldaufwand für Reparaturen, auch muss man das ja selbst organisieren. Man muss selbst einen guten Handwerker finden, muss sich frei nehmen und wenn er nicht kommt auch nochmal. Nicht umsonst haben auch viele Millionäre lieber ein Haus gemietet als gekauft. Und ein Haus mit Garten ist auch eine Menge Arbeit, die man entweder am Wochenende stemmt oder weitere Kosten für Putzfrau und Gärtner aufbringen muss.
Meiner Meinung nach ist ein Haus genau für einen Lebensabschnitt ideal. Dem mittleren. Man hat Kinder und zieht sie groß. Dann braucht man den Mehrplatz gegenüber einer vernünftigen Wohnung und auch einen Garten in dem man die Kinder ohne Sorgen spielen schicken kann. Und eine Wohnung oder ein Haus dieser Größe mieten ist wiederum tatsächlich teurer über viele Jahre.
Davor als Student oder junger Mensch kommt man auch mit einer kleinen oder mittleren Wohnung klar und hat oft gar nicht die Zeit und Lust, sich um viel Hausarbeiten zu kümmern.
Danach als Rentner hat man oft nicht mehr das Geld, um mal eben teure Reparaturen zu stemmen und braucht die Fläche normal auch nicht. Wer will noch mit 80 ein ganzes Haus selbst putzen und was will man ohne Kinder (sind ausgeflogen) mit der ganzen Fläche? Dazu kommt, daß die Häuser oft nicht altengerecht gebaut werden, Ebenen/Treppen usw.
Meistens ist man im Alter dann schnell wieder bereit in eine kleinere Wohnung zu ziehen, die weniger Arbeit bedeutet und monatlich weniger Miete verschlingt als das Haus Gesamtkosten hat.
Haus als Wertanlage? Auch Fehlanzeige meiner Meinung nach. Solange es nicht abbezahlt ist, gehört noch ein Teil der Bank und man kann es verlieren. Man hat immer den Druck irgendwelche Kredite zu bedienen, muss sich miese Arbeitsbedingungen aufdiktieren lassen, weil man auf jede Stelle extrem angewiesen ist. Sobald es abbezahlt ist, hat es natürlich einen gewissen Wert. Aber das Haus selbst ist total veraltet. In 30 Jahren haben die Häuser Itzybitzy Solarzellen und sonstwas Wärme und keine Sau will so ein altes Haus zu der Preisvorstellung kaufen. Das Haus selbst verliert also massiv an Wert.
Das Grundstück ist Spekulation. Die letzten Jahre stieg der Wert an manchen Orten deutlich, er kann aber auch je nach Attraktivität fallen. Gleicht er die Inflation aus? Ist einfach eine Spekulation. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, daß die Preise hier im Rhein Main Gebiet nochmal so zulegen wie die letzten 20 oder 30 Jahre. Glaube nicht, daß man dann 2000€ pro Quadratmeter bezahlt, weil das dann wirklich kaum noch einer könnte. Aber vlt. täusche ich mich ja.
Ich behaupte, wenn man den Überschuss an Geld, den man mit einer vernünftig und passend dimensionierten Wohnung gegenüber dem Bedienen eines Riesenkredits hat, vernünftig anlegt, hat man deutlich mehr an Rücklagen am Ende.
Die meisten, die ein Haus abbezahlen schränken sich dafür in allem anderen ein. Urlaub billiger und näher, Auto kleiner und praktischer/langweiliger usw.
Und ich bin zur Zeit noch so, daß ich lieber mal am Rhein bin, dann mal in einem Park, dann wieder woanders, als immer in einem schönen, gepflegten, ruhigen Garten.
Wenn man sich ein Haus locker nebenher leisten kann ist es empfehlenswert. Wenn nicht würde ich es mir gründlich überlegen. Man wird unter dem Strich am Ende vermutlich mehr Geld haben. Ein Widerspruch? Nein! Nicht weil es so eine schlaue Wertanlage war, sondern weil man 20-30 Jahre sparsam leben musste und gar nicht mehr anders kann. Mit einem Haus und Raten wird man zur Sparsamkeit erzogen, verzichtet auf viele Dinge. Und das wird wohl bis zum Lebensende bleiben. Gerade im Alter hat man viele Träume nicht mehr. Mit über 60 wollen viele kein schönes Auto mehr. Viele Träume sind irrelevant geworden und man spart weiter. Für die Kinder.
Aber ist das die Lebensvorstellung? Ich weiß nicht.
Nur meine Meinungen und Erfahrungen. Kann jeder anders sehen.
So, das war mal meine philosophische Ansicht zu allem hier. Wer hierher gelesen hat, hat offensichtlich genug Freizeit
Gruß
RIP