Ein paar Überraschungen hatte die MSI R9 280X für uns auf Lager. Die permanent niedrigen Drehzahlen zur Geräuschoptimierung hatten wir bereits angesprochen. Dadurch erreicht man natürlich auch höhere GPU-Temperaturen. Das PT-Limit der Karte stellten wir mit 300 Watt fest. Wir wissen nicht, ob dies von MSI über die Firmware der Grafikkarte gelockert wurde. Wir hätten vorliegen mit 250 Watt gerechnet, da dies AMDs Angabe zur typischen Leistungsaufnahme ist. Allerdings konnten wir in Spielen auch hier keine solche Werte produzieren. Das Maximum lag knapp unter 230 Watt und komplett übertaktet bei 246 Watt. Damit waren wir also auch hier noch weit vom Limit entfernt.
Überrascht waren wir jedoch von einem anderen Umstand, welcher sich unter Furmark zeigte und mit den niedrigen Drehzahlen einhergeht. Die Grafikkarte stieg dabei auf einen Temperaturwert von zirka 82°C und fiel danach kurzeitig auf 900 MHz GPU-Takt ab. Damit wurden die Temperaturen aber noch nicht unter 80 °C gesenkt und plötzlich erblickten wir Taktabsenkungen auf 501 MHz. Im Anschluss stellte sich hier ein Wechsel zwischen diesen drei Taktstufen ein.
Nach einer Weile waren die Temperaturen im Bereich von 78°C angelangt, wodurch sich dann wieder Taktwechsel zwischen 900 und 1050 MHz zeigten. Dies ist das erste Mal seit wir bei AMD das Boostverhalten beobachten, dass sich die Temperatur scheinbar so deutlich auf das PowerTune-Verhalten auswirkte. Aus den AMD-Unterlagen ist uns bekannt, dass bei kommenden Produkten, die heute noch nicht vorgestellt werden, auch die Temperatur bei PowerTune mit ins Kalkül gezogen wird, doch bei einer R9 280X hätten wir damit nicht gerechnet. Wir haben unsere Frage natürlich direkt an AMD adressiert, bis zum Redaktionsschluss auf diese Feststellung jedoch keine Antwort erhalten.
Für die angetroffene Praxisnähe – sprich Spiele – macht dies bislang für den Endanwender noch keinen Unterschied, da wir dieses Verhalten eben nur mittels Furmark provozieren konnten. Andererseits kann ein heißer Sommer und ein schlecht belüftetes Gehäuse dann doch zu einem solchen Verhalten führen. In der Kürze der Zeit konnten wir diese Zustände allerdings nicht mehr simulieren. Es bleibt zu hoffen, dass AMD sich hier keine (schlechte) Scheibe an NVIDIAs Temperature Target abgeschnitten hat, denn bislang verhielt sich AMDs "Boost" meist sehr ehrlich und ohne große Einschränkungen für den Endanwender.
Update: 10.10.2013: Seitens MSI wurde uns ein neues BIOS zur Verfügung gestellt. Was genau sich bei dieser neuen Software geändert haben soll, teilte man uns nicht mit. Wir haben die neue Firmware installiert und erneute Lasttests vorgenommen. Dabei gab es jedoch keinerlei Änderungen bei der Drehzahl (und damit Lautstärke), der Temperatur oder den Spannungen (und damit auch bei der Leistungsaufnahme). Die Karte verhielt sich absolut gleich – auch im Beschriebenen Verhalten unter Furmark.