Nach Studium -> Hartz -> Selbstständigkeit, was steht mir noch zu?

BCFliege

Lieutenant
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Nov. 2007
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Hi,

vielleicht verwirrender Titel, aber es ist viel auf einmal ;) Vielleicht ist das auch nicht die richtige Anlaufstelle, aber ich will so viele Meinungen wie möglich haben.

Situation:
Meine Frau und ich studieren jetzt akut auf den Abschluss hin. Ich mache momentan meinen letzten Schein und kann mich dann für die Abschlussprüfung anmelden, sie braucht nur noch das ABV-Praktikum und geht dann ebenfalls in die Abschlussprüfungsphase. Danach sind wir sofern das Schicksal es will Magister respektive Bachelor in Philosophie und Geschichte und verfügen somit über einen akademischen Titel.

Danach droht uns Hartz, da man in diesen Zeiten sowieso nicht so leicht einen Job bekommt und als Geisteswissenschaftler die Chancen da noch schlechter stehen, wenn man seinen Kopf nicht bis zu den Füßen im Rektum seiner Professoren hat. Also geht es von der Uni erstmal direkt zum Hartz-Schalter.

Da wir keinen Bock haben auf ewig Hartz zu beziehen oder statt dessen Jobs zu machen die wir hassen wollen wir uns mit einem Cupcake-Rock-Cafe selbstständig machen. Die Voraussetzungen sind gegeben, meine Frau liebt das Backen und kann das auch sehr sehr gut und mir liegen organisatorische und finanzielle Dinge ziemlich gut. In die Materie arbeiten wir uns auch momentan schon ganz gut ein.

Momentan leben wir in einer 36qm-1-Zimmer-Wohnung und Hartz wäre für uns schon ein Fortschritt, da uns eine angemessene Wohnungsgröße zusteht. Zudem beziehen wir den KfW-Studienkredit, der für uns dann jeweils ein paar tausend Euro Schulden bedeutet.

Die Frage: Was passiert dann?
Und vor allem, wie schütze ich jeden möglichen Cent und mein Eigentum? Was darf ich behalten?

Sofern ich weiß gibt es einen Freibetrag von Lebensalter*150€, heißt ich könnte um die 4000€ Kapital (werden Wertgegenstände dazugezählt oder nur Kontogeld?) behalten, meine Frau auch. Mein Auto (Golf 3, 10 oder 11 Jahre alt) ist auch unter 7500€ wert.

Die Hauptsorge ist die Unterhaltungselektronik ;) Nach dem Urteil dass ein PC nicht zur Erstausstattung gehört (vom Amt also nicht bezahlt wird) bin ich da ein wenig verunsichert, weil sowas dann ja nicht mehr unter Pfändungsfreiheit fällt. Mein PC ist rund 3 Monate oder so alt und lag bei 800€, meine Frau will sich vor Hartz (solange der Kredit noch da ist wollen wir Dinge anschaffen, die wir uns dann nicht mehr leisten können, die das Amt uns aber auch nicht wegnehmen kann) ein neues Notebook kaufen (um die 600€) und der 37" LCD-TV spielt in der gleichen Größenordnung und ist grad mal die WM alt.

Der Antrag wird wohl frühestens in einem halben Jahr gestellt, also sollte doch alles "save" sein, oder? Wertverlust etc. eingerechnet. Wir sind verheiratet, "müssen" wir dann laut Amt einen gute PC UND einen Laptop haben?

Der alte Laptop und mein alter Rechner sind dann auch noch vorhanden und sollen für das Büro dienen und die Sachen sind auch nicht schlecht, wir hätten dann 2 gute PCs und 2 Laptops ;)

Ich meine wir bräuchten beide den Kram zur Berufsausübung (sind dann noch nicht selbstständig, aber wer will einem Geisteswissenschaftler seinen PC wegnehmen, wenn es nicht gerade ein die Woche vor der Antragsstellung neu gekaufter Alienware oder so ist)

Hat man, wenn man direkt zum Amt geht und schon einen Businessplan hat irgendwelche Privilegien oder so? Wenn ich zuerst meinen Antrag einreiche weil ich vermutlich etwas eher fertig bin, muss ich dann auch den kompletten Finanzstrip meiner Frau vorlegen? Es geht hier um den Anschaffungszeitraum des Laptops, nicht dass die dann etwas behaupten von wegen "sie wussten, dass sie arbeitslos sein werden, musste ihre Frau die 600€ wirklich ausgeben und für was?". Nicht dass dann Leistungen gekürzt werden oder sowas.

Naja das war nicht das Ende der Fragen, aber erstmal das Ende dieses Textes, mal sehen was sich hier entwickelt *g* Würde natürlich auch noch an den evtl. passenderen Stellen wie Hartz-Forum oder so fragen, die lassen sich aber bereits länger Zeit mit der Bestätigungsmail ;)
 
Wenn du noch nie selbstständig warst, gibt es sog. Gründungskredite oder -unterstützung....
Dies musst du aber immer mit dem zuständigen Amt klären...
 
Ich begrüße Leute die den Mut aufbringen sich selbstständig zu machen. Ich habe den Gedanken auch immer im Hinterkopf (bei der aktuellen Lage kein Wunder).

Um euer Interieur macht euch mal keine Gedanken. Das nimmt euch keiner Weg.
Sicher müsst ihr euch erst mal Arbeitsuchend melden und den ganzen Hickhack bei der Arge durchlaufen um euer Hartz4 + Umzug etc. alles zu bekommen. Das wird sicherlich vorneweg ca. 3 Monate locker dauern. Da ist zeitgleich wohl nicht an die Selbstständigkeit zu denken.

Habt ihr das alles durch könnt ihr mit euren Sachbearbeitern über die Idee sprechen. Sollte alles positiv laufen müsstet ihr (soweit mir bekannt, bitte nicht drauf festnageln) den Gründerzuschuss bekommen. Dieser setzt sich meist aus Leistungsanspruch (Also euer Regelsatz in dem Falle) + 300 EUR zur Soz. Absicherung zusammen. Gewährt wird das ganze meine ich 9 Monate, und kann nochmals um 6 Monate verlängert werden, jedoch in der Verlängerung nur noch mit 300 EUR für . Sozialabsicherung.

Davor müsst ihr jedoch auch einige Hürden Meistern. Ihr müsst einen Businessplan bzw. Tragfähikeitskonzept erstellen, dies muss von einer Fachkundigen Stelle (Notar, IHK, HWK was auch immer) abgesegnet werden. Erst dann könnt ihr den Zuschuss bekommen.

Und da wirds dann denke ich, vor allem im Bezug auf die Finanzierung recht schwierig. Ihr hab noch Restschuld aus euren Studiendarlehen und werdet wohl neue Schulden machen müssen um euer "Cafe" eröffnen zu können.
Hier sehe ich ohne Absicherung den wohl größten Punkt der euch zum scheitern bringen könnte. Dem hohen Investitionen steht praktisch kein Eigenkaptial/Absicherung entgegen. Ihr müsst euer Lokal einrichten, es müssen Verträge mit Zulieferern abgeschlossen werden, die Pacht muss gezahlt werden... Ich denke unter 20TEURO ist so etwas nicht zu schaffen, und das ist dann wohl schon untere "Preisgrenze".

Ich will euch euer Vorhaben nicht madig machen aber das ist mal meine Sicht. Schaut euch mal auf den Seiten der IHK und der Agentur für ARbeit um, da gibts schon einiges an Informationen zu holen. Was auch toll ist ist das Basisseminar für Existenzgründer, wird in der Regel 1 mal im Monat von der IHK angeboten. Ich war da mal vor 3 Jahren und das verschafft einem schon gute Einblicke und macht einen auch mal hellhörig auf Dinge, die man vorher nicht bedacht hat. Und natürlich steht ein Kompetenter Ansprechpartner vor einem der auf eigentlich fast alles eine gute Antwort weiß
 
warum investiert man 3-5 Jahre für n Studium, obwohl man zu 99% weiss, das ist nur brotlose Kunst?
Und warum gleich so pessimistisch? vll landet ihr ja bei einem Musium o.Ä, oder könnt als wissenschaftliche Mitarbeiter weiter an der uni bleiben...
 
failmi schrieb:
warum investiert man 3-5 Jahre für n Studium, obwohl man zu 99% weiss, das ist nur brotlose Kunst?

Nicht jeder rennt wie Person XYZ an die Uni um BWL zu studieren weil man "Irgendwas im Büro" machen will oder nur weil man "als BWLer überall unterkommt" :D

Soll Leute geben die Studieren das was ihnen gefällt bzw. was ihnen liegt.

Aber prinzipiell würde ich auch nicht versuchen Aufzugeben. Meine Freundin studiert auch Geisteswisschenschaften (Literatur) und weiß Sie wirds schwer haben aber gibt nicht auf... ich hoffe :D
 
na da kann sie doch als Journalistin anfangen oder?
oder als schriftstellerin ^^
 
Genau in die Richtung will se ja auch gehen, aber wie schon gesagt die Geisteswissenschaftler habens nicht leicht... genug OT :D
 
Mr_Eyeballz schrieb:
Nicht jeder rennt wie Person XYZ an die Uni um BWL zu studieren weil man "Irgendwas im Büro" machen will oder nur weil man "als BWLer überall unterkommt" :D

Soll Leute geben die Studieren das was ihnen gefällt bzw. was ihnen liegt....

Was sagt man den BWLern immer nach? "Wer nichts wird, wird Wirt". Das passt ja hier jetzt gut auf die Geisteswissenschaftler, die sich ein Studium aussuchen, bei dem man keinen Job findet, in H4 geht um dann eine Backwirtschaft aufzubauen und doch eine betriebswirtschaftliche Aufgabe anzustreben um Geld zu verdienen. Und als Selbsständiger bleibt dann von den Geisteswissenschaften nichts übrig, weil keine Freizeit bleibt.
 
Deine Hauptsorge kann ich direkt entkräften. Computer und LCD-Fernseher gehen als angemessener Hausrat nach § 12 Abs. 3 Ziffer 1 SGB II durch und zählen daher zum geschützten Vermögen. Man orientiert sich dabei nicht an dem Umfang für Erstaustattungen für Wohnungen. Das "angemessen" wird in diesem Kontext stattdessen großzügig ausgelegt und nur Luxus-Gegenstände, die sehr weit über das normal übliche Maß hinausgehen und deren Verwertung offensichtlich wirtschaftlich wäre (z.B. exklusive Designer-Möbel oder handgeknüpfter Edelteppich), sind nicht geschützt.
Der alte Golf ist ebenfalls geschützt, wie du schon richtig erkannt hast. Nur Fahrzeuge, deren Wert über 7500 Euro liegt, gehören nicht zum Schonvermögen und müssen verwertet werden.
Die Rückzahlungsmodalitäten eures Kredits sind mir nicht bekannt. Ich nehme aber an, dass einem bei Krediten der KfW-Bank großzügige Stundungsmöglichkeiten eingeräumt werden. Zurückzahlen müsst ihr den Kredit aber selbstverständlich selber - das übernimmt die Arge nicht für euch.

Achso, zum Schonvermögen noch folgende Ergänzung:
Euch steht ein Freibetrag in Höhe von Lebensjahre * 150 Euro, mindestens jedoch 3.100, höchstens aber 10.050 Euro zu. Hinzu kommt noch mal pro Nase obendrauf ein weiterer Freibetrag von 750 Euro für sogenannte notwendige Anschaffungen. Da ich nicht weiß wie alt ihr seid, kann ich euch nun keinen exakten Wert nennen. Die Rechtsgrundlage dafür ist der § 12 Abs. 2 SGB II.
 
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