Simonsworld schrieb:
Soweit ich weiß ist China noch Jahre davon entfernt, technologisch im Chip Design und der Fertigung zu den USA aufzuschließen. Bei Huawei gibt es andere Alternativen.
Eher Jahrzehnte. Mit ausschließlich chinesischer Technik schaffen sie gerade mal 65 nm, hatte Intel schon vor 20 Jahren.
SMIC kann zwar in 7 nm produzieren, aber auch nur mit westlicher DUV-Hardware (sprich ASML) und Multi-Patterning. EUV-Systeme von ASML kriegen sie nicht. Sie mögen an eigener EUV-Hardware arbeiten, aber man sollte sich von Propaganda-Shows mit Bildern auf von TikTok nicht täuschen lassen. Moderne Chip-Fertigung ist einer der komplexesten Vorgänge, den die Menschheit bisher hervorgebracht hat.
Es braucht Durchbrüche in vielen verschiedenen Disziplinen -- das kann man nicht einfach in wenigen Jahren aufholen. Auch nicht, wenn man nachhilft aka. Industriespionage. China mag viele fähige Köpfe haben, aber gerade bei so komplexen Projekten, ist schiere Masse oft genug nicht hilfreich.
Es fehlen auch nicht nur ein oder zwei Teile des Puzzles. Alleine schon Chinas Chemie-Industrie ist aktuell nicht in der Lage entsprechend hochreine Chemikalien für die Produktion herzustellen. Von Belichtungstechnik, Packaging, Chip-Design, Baubranche (man baut nicht einfach 'ne Chip-Fabrik in die Landschaft) etc. ganz zu schweigen.
Wir sehen ja auch, wie schwierig es alleine schon für Intel ist, auch nur ansatzweise mit TSMC mithalten zu können, obwohl sie Zugriff auf dieselben Technologien von Zeiss, Trumpf, ASML usw. haben. Nun ist TSMC ein Sonderfall und im Zuge des sog. Silicon Shields quasi eine Lebensversicherung für Taiwan. Die Motivation bei Intel ist sicherlich nicht das Überleben der USA ... gut, wäre vielleicht besser, dann hätten sie in den letzten Jahren nicht so viel Mist fabriziert.
China wird letztendlich eigene EUV-Technik entwickeln, aber es wird nicht in wenigen Jahren gehen und bis dahin, sind ASML, TSMC & Co. schon wieder deutlich weiter. Chinas beste Chance sind Alternativen zur klassischen Halbleiter-Technologie, die früher oder später notwendig werden. Allerdings hat China auch sehr viele interne Probleme, die gerade immer stärker sichtbar werden und ein möglicher Krieg gegen Taiwan bzw. den Westen, wird sich auch nicht förderlich auswirken.
Es gibt diverse Entwicklungen in China, die sehr bedenklich sind, z.B. eine massive Überkapazität der Industrie. Aktuell trägt der Staaten die Firmen mit extrem billigen Krediten. Wozu? Es gibt eigentlich nur eine Antwort darauf. Außerdem macht sich China immer stärker unabhängig vom Öl mit EE, Nuklearenergie, Elektromobilität etc.
Die CCP forciert das nicht, weil sie die Umwelt schützen wollen. China ist derzeit stark abhängig von Ölimporten aus der Golfregion und die Seewege wie die Straße von Malakka lassen sich sehr einfach zu machen. Daher bauen sie z.B. auch aktuell Ölterminals in Pakistan und Birma (Myanmar ist ein Begriff der Junta, die Bevölkerung bevorzugt den alten Begriff Birma) mit zugehörigen Pipelines, um eine mögliche Sperre der Meerenge zu umgehen. China liegt geostrategisch gesehen sehr ungünstig für Seehandel, da sich alle wichtigen Zugänge zum indischen Ozean, japanischen Meer und dem Pazifik sehr einfach dichtmachen lassen bzw. riesige Umwege notwendig sein können, um auch nur irgendwie möglichen Blockaden ausweichen zu können.
Gleichzeitig rüstet China in einem Umfang auf, den man zuletzt in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg gesehen hat. Wobei schiere Masse wenig bringt. Die chinesische Armee ist hochgradig korrupt, es gibt immer wieder Probleme mit modernem Gerät (siehe das versunkene U-Boot in Wuhan) und die Organisation der Armee ist ähnlich zentralistisch wie bei den Russen, sprich es gibt kein Vertrauen an Untergebene und alles läuft über hochrangige Offiziere. Bedingt durch ihre Doktrin, ist das auch nichts, was man eben in wenigen Jahren ändern kann. Sowas dauert mehrere Jahrzehnte.
China müsste bei einer Invasion All-In gehen. Taiwan ist alleine schon aufgrund der Geografie der Insel ein einziger Alptraum für militärische Operationen. Es ist zweifelhaft, ob sie aktuell in der Lage wären. Og. Umstände zwingen China eigentlich zu besseren Vorbereitungen, anderer bringen Faktoren wie der demografische Wandel Xi zum Zugzwang. In zehn Jahren hat er nicht mehr genug junge Leute für so einen Stunt. Gleichzeitig plagen das Land enorme wirtschaftliche Probleme bedingt durch die teils sehr dumme Politik der CCP über Jahrzehnte. Gut, das hat noch nie jemanden bei einer Invasion gestört -- im Gegenteil, oft wurde ja auch Krieg begonnen, um genau solche Probleme zu kaschieren. Man kann sich damit aber auch wunderbar das eigene Grab schaufeln. Russland gräbt mit seiner Kriegswirtschaft gerade schon fleißig und wenn China ernsthaft gegen Taiwan angreift bzw. es nicht so läuft, wie sich das vorstellen, kann es in einem Umfang enden, dagegen sieht eine zusammenkrachende Wirtschaft in Vladimirs Möchtegern-Sowjetunion noch harmlos aus.