Zum Backup gehört auch, dass man es wieder einspielen kann. Hier meine eigene kleine Recovery-Story von Anfang dieses Jahres aus dem privaten Umfeld.
System-SSD raucht ab
Erst ein Bluescreen, nichts dabei gedacht, Reboot gemacht, noch ein Bluescreen, es gab Windows-Updates, hab diese gemacht, Reboot - SSD tot (nein, ich beschuldige nicht Windows! Ich beschreibe nur was passiert ist, die SSD hat viel mitmachen müssen und war halt durch).
Ersatz wird besorgt und muss eingbaut werden
Ja, kein Problem. Hab ja ein Backup. In den nächsten Laden, neue SSD gekauft.
Die System-SSD ist natürlich im Slot unter der Grafikkarte.
Kein Ding. Mühsam Grafikkarte ausbauen.
Ist ja alles sauber unter'm Tisch verbaut, also erstmal alle Kabel ab, Rechner hervorholen, abstauben, usw. usf.
WER VERDAMMT HIELT ES FÜR EINE GUTE IDEE DIE SSD-SCHRAUBE MIT LOCKTITE ZU SICHER!?!?!?!?!
Recovery-Datenträger
Ich benutze Veeam um ein Abbild des gesamten Datenträgers zu machen. Schön, wenn der Recovery-USB-Stick, der extra für den Rechner erstellt wurde, trotzdem nicht bootet. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich das je getestet habe, es ist zu lange her. Mein Fehler.
Dauert, bis ich über einen anderen Rechner das Recovery-Tool booten kann.
Klick-Warten-Fertig!
Ich wähle mein Backup auf dem NAS, ist natürlich vom Anfang des Monats (das war zwei Wochen her, aber gut, habe meine wichtigen Daten nicht auf der System-SSD).
Ja... theoretisch laufen knapp 2TB noch recht zügig über ein 1GB/s Netzwerk, aber er kann anscheinend nicht einfach mit voller LAN-Geschwindigkeit lesen/schreiben/übertragen/berechnen... es dauert.
Nächster Tag
Fehler. Backup kann nicht gelesen werden. WTF? Habe das auf einem ZFS-Raid liegen und habe es regelmäßig auf Fehler überprüft! Denke an einen Netzwerkübertragungsfehler? Einfach nochmal probieren.
Am Abend... selber Fehler. Kann nicht gelesen werden. Lag also nicht an einem Netzwerkfehler.
Muss langsam wieder was mit der Kiste machen können...
Probiere das Backup von einem Monat vorher.
Übernächster Tag
Backup wurde eingespielt! Freude! Ich reboote den Rechner.
Windows kackt ab. Kann nicht booten. Ja, äh... für was mache ich denn System-Volume-Recovery?
Verbringen den halben Tag damit, zu versuchen, Windows zum booten zu bringen.
Geht nicht.
Am Abend beiße ich in den sauren Apfel und installiere Windows und alle Programme neu.
Über-Übernächster Tag
Ich versuche vom frisch installierten Windows die wichtigsten Dateien aus dem Backup zu extrahieren. Es gibt ein Tool von Veeam dafür, welches das Backup öffnen kann wie ein Dateiexplorer.
Ich kann jedes Backup öffnen, nur nicht das allerneuste. Natürlich. Warum auch?
Ende vom Lied
ZFS bzw. eine Festplatte in meinem NAS hatte einen Hardwaredefekt, in einem Sektor, der GENAU in der Datei des neuesten Backups war. Es gab ja noch ungefähr 4 weitere Terabyte zum kaputtgehen, nein, es musste dieser eine Sektor in dieser einen wichtigen Datei sein.
Die kaputte Datei kann das Tool aber nicht öffnen. Neuestes Backup futsch? Kann die Datei in Linux auch nicht kopieren (Vorgang bricht nach ca. 1,5 TB mit Read Error ab...).
Finde ddrescue, welche die Datei auf Blockebene kopiert und fehlerhafte Sektoren mit Nullen ergänzt, bis es wieder sinnvolle Daten lesen kann. GOTT SEI DANK.
Diese Datei kann das Tool dann öffnen und ich komme endlich an meine wichtigen und aktuellsten Dateien ran!
FAZIT (speziell System-Laufwerk)
- Testet, ob ihr eure Backups auch wieder lesen und wiederherstellen könnt
- Vermutlich könnt ihr nicht testen, ob das wiederhergestellte Laufwerk auch wieder booten kann... verlasst euch also nicht drauf, dass es einfach wieder bootet
- 1 GBit LAN ist LAHM
- Windows + Programme sind schneller installiert als 2TB von einem Netzwerk kopiert und befreit von jahrelangem Ballast :-)