AW: Benzinpreis zu teuer? So zwingen wir die Konzerne in die Knie!
Abgesehen davon, dass diese Kettenbrief-Fremdwerbung hier nicht hingehört, kann man sich ja einmal die Mühe machen und die Aktion bis zum Schluss durchdenken – und nicht nur bis zur Halbzeit.
Die Autofahrer in Deutschland benutzen ihr Auto nach dem Start der Aktion nicht anders als vorher. Sie tanken nur woanders. Die Gesamtnachfrage nach Öl bzw. Kraftstoff bleibt gleich hoch. An den Rohstoffmärkten ändert sich damit nichts.
Nun sind vor einer Autobahn-Auffahrt zwei Tankstellen platziert, sagen wir eine ARAL und eine TOTAL. Die TOTAL-Tankstelle wird vereinbarungsgemäß boykottiert, weil alle bei ARAL tanken. Dort bilden sich lange Schlangen, die Umsätze explodieren. – Die ARAL-Tankstelle weiß, dass auf der anderen Straßenseite die Konkurrenz ausgefallen ist. Denn nach einiger Zeit musste die Tankstelle aufgegeben werden, weil es sich der Boykott auf alle Warengruppen auswirkte.
Als Alleinanbieter nutzt ARAL nunmehr seine Position aus. Der ohnehin schon oligopolistische Markt mit weniger Anbietern hat sich für die verbleibenden Anbieter verbessert. Langsam aber sicher steigen die Preise. Die Begründungen dafür werden gleich mitgeliefert. Jeder kann sie an den gestiegenen Anforderungen ablesen, die der Kundenansturm ausgelöst hat.
Hat die Aktion unter dem Strich etwas gebracht? Nein! Am Ende sind es zwei Anbieter weniger aus dem Treibstoffmarkt. Der Weg zur Monopolisierung wurde abgekürzt. Herzlichen Glückwunsch.
Die Macht der Kunden besteht darin, nicht einzukaufen. Die Strategie müsste daher ein ganz andere sein: Nicht länger allein zur Arbeit fahren, sondern Fahrgemeinschaften bilden und die Umsätze an allen Tankstellen empfindlich einbrechen lassen. Über das verlängerte Wochenende nicht wegfahren, sondern den Wagen in der Garage stehen lassen usw.