Sorry, wenn ich was doppelt poste, hab nicht alles gelesen.....
1. Literatur. Angesprochen wurde ja schon ein Nature-Artikel (Nature 450, 1157-1159). Auch in der aktuellen Technology Review befindet sich ein Artikel, aus dem hier auch schon Inhalte gepostet wurden. Auch empehlenswert: Gazanniga: The ethical brain (2006).
2. Modafinil hat gerade seinen Status als Betäubungsmittel verloren, weil keine Abhängigkeit nachgewiesen werden konnte. D.h. es kann jetzt normal verschrieben werden.
3. Auch Kaffee ist ein kongnitiver Enhancer, der halt nur gesellschaftlich akzeptiert ist.
4. Alternativen sind Ritalin (ADHS), Normabrain (Legasthenie), Aricept (Alzheimer)
5. Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Wer glaubt denn bitte ernsthaft, dass man den Chemicocktail in unserem Körper aus hunderten von Neurotransmittern einfach verbessern könnte? Von den meisten Transmittern ist ja nicht einmal verstanden, wofür sie überhaupt gut sind. Bei vielen Variablen gibt es mathematisch gesehen auch immer viele Lösungen. D.H. es ist unmöglich, das System komplett zu "verstehen"
6. Modafinil ist dafür bekannt, dass die Motorik darunter schlechter wird. Man kann ein über mehrere 100.000 Jahre entwickeltes komplexes System wie das menschliche Gehirn nicht einfach verbessern. Wenn eine Sache rauf geht, geht was anderes runter.
7. Die Beschreibungen von Selbstversuchen sind einerseits beeinflusst von der Notwendigkeit journalistischer Übertreibung (sonst ist es keinen Artikel wert) und vom Placeboeffekt der Erwartung an das Erlebnis. Was die Konzentrationsfähigkeit angeht, ist in klinischen Studien gegenüber Kaffee kaum Verbesserung zu erkennen.
8. Das US-Militär hat die Experimente mit Modafinil wieder aufgegeben (nachdem sie einen Großteil der Forschung finanziert haben), weil der Effekt zu klein war
9. Es befinden sich aktuell weit über 100 Neuroenhancer in der Entwicklung (v.a. als Alzheimermedikamente)
10. Unter Akademikern ist es weitgehend normal, sich so Zeugs einzuwerfen und auch relativ sozial akzeptiert (Der Nature Artikel aus Punkt eins heißt: Professor's little Helper)
11. Wir werden uns als Gesellschaft in den nächsten Jahren aktiv mit den Konsequenzen solcher Mittel auseinandersetzen müssen. Die Leistungsgesellschaft lässt grüßen.
Noch was: Wenn man längere Zeit nicht träumt, wird man psychisch krank. Tiefschlaf ist aber Traumlos. Traum- und Tiefschlafphase wechslen sich normalerweise ab. Wobei am Schlafanfang die Tiefschlafphasen und am Schlafende die Traumphasen länger sind. Wer nur kurz schläft, träumt wenig. Das halten die wenigsten auf Dauer durch durch (siehe Punkt 8, wobei nicht nur die Aufputsch-langzeitergebnisse, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit bei Piloten nicht zufriedenstellend waren. Bei den Piloten das Hauptproblem: Sie konnten ihre eigenen Fähigkeiten nicht mehr angemessen beurteilen und machten sogar mehr Fehler, da sie sich selbst überschätzten)
Bei Nebenwirkungen wir aus rechtlichen Gründen ALLES aufgeführt, was irgendein Proband irgendwann gemerkt hat, auch wenn es nicht mit dem Medikament in direktem Zusammenhang steht (was sich ja eh nicht einwandfrei klären lässt).
Das macht die Nebenwirkungen halt in vielen Fällen noch unberechenbarer.
Und: An alle hier die meinen Tabletten sind eh unnötig und schaden bloß, bißchen Bewegung tuts auch: Ich drück Euch die Daumen, dass Ihr nie ernsthaft krank werdet! Und mit ernsthaft krank meine ich gerade auch psychisch krank (wozu Schlafstörungen in den meisten Fällen gehören oder führen).