Zu # 59 (den viel gelobten Beitrag von Tabis)
„Die Telekom beschäftigt insgesamt 248.000 Mitarbeiter. Arcor wenn überhaupt, vielleicht 10.000 Mitarbeiter“.
Man kann nur das vergleichen, was sich vergleichen lässt. Statt die gesamte Telekom als Basis zu nehmen, hättest Du z. B. T-Mobile nehmen können, wo ca. 10.000 Menschen beschäftigt sind. Diese Zahl lässt sich dann gut mit Vodafone vergleichen. Dort arbeiten 9.000 Menschen.
Die Telekom Mitarbeiter waren keineswegs versessen auf die 34 Stunden Woche, sie haben sie aber vor einigen Jahren OHNE LOHNAUSGLEICH akzeptiert, um Arbeitsplätze zu sichern. … Seitdem hat die Telekom trotzdem jedes Jahr rund 10.000 Stellen abgebaut.
Ein Blick auf die internationale Konkurrenz hilft weiter: So hat die France Telecom etwa 191.000 Arbeitsplätze. Die englische BT beschäftigt 104.000 Mitarbeiter. Wenn die Telekom nach dem Abbau von 32.000 Stellen immer noch 248.000 Mitarbeiter hat, dann ist sie weiterhin ein behäbiger Dinosaurier, der schlanker gemacht werden muss.
Die Telekom schüttet 3.700.000.000 Euro an ihre Aktionäre aus, nahezu der ganze Gewinn aus 2006. Das ist nicht gerade üblich für eine Aktien-Gesellschaft. Dennoch sollen zusätzlich 900.000.000 Euro bei den Personalkosten eingespart werden.
Man muss schauen, in welchen Unternehmen der Telekom die Gewinne erzielt wurden. Die Schmalbandanschlüsse spielen da sicherlich keine überragende Rolle, selbst die gesamte Festnetzsparte nicht. Zudem spielt der geringe Aktienkurs der Telekom eine Rolle. Klar ist, dass er im Zuge der Deregulierung auf Dauer nicht zu halten war. Aber wenn er zu sehr sinkt, dann stehen die Heuschrecken vor der Tür.
Die 50.000 Mitarbeiter für T-Service sollen … in den nächsten 3 Jahren keine Lohnerhöhung bekommen (in der Regel sind das immer 2,4%-3%), das heißt der Telekom Mitarbeiter hat in 3 Jahren für seine Arbeit rund 28% weniger Geld, als ohne die Kürzungen.
In der Vergangenheit, als die Telekom noch ein Staatsbetrieb war, mag diese Selbstbedienung vielleicht noch praktikabel gewesen sein. Aber mit welcher Begründung soll ein Monteur jährlich zwei bis drei Prozent mehr verdienen? Arbeitet er Jahr für Jahr um zwei bis drei Proeznt schneller? Wenn sich die Gehaltsentwicklungen öfter an der Ertragslage des Unternehmens orientieren würden (hier: T-Com), wäre man schon einen Schritt weiter. Das ist eben das Problem der Flächentarifverträge. Aber gut, wenn man die Wahl hat zwischen etwas Mehrarbeit und etwas weniger Gehalt auf der einen Seite und Jobverlust auf der anderen Seite, kann sich jeder überlegen, was ihm lieber ist. Wir reden hier schließlich über Jobgarantien bis in das Jahr 2011 oder sogar 2014. Woanders in der Wirtschaft gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen von einem Monat bis zu sechs Monaten. Da verstehe ich die ganze Aufregung nicht.
Neueinstellungen finden bei T-Service zu einem Einstiegsgehalt von 20.000 Euro im Jahr statt. Und ich spreche von Brutto.
Das ist doch längst kein Einzelfall mehr. Schaue Dir die anderen „Staatsbetriebe“ an, etwa in der Energieversorgung. Dort haben früher ganz normale Arbeiter und Angestellte Gehälter bekommen, die man woanders nicht einmal mit einem Diplom in der Tasche erreicht hätte. Mittlerweile ist das geändert worden und die Einstiegsgehälter bei Neueinstellungen wurden abgesenkt. Trotzdem arbeiten in diesen Firmen noch genügend 50- bis 60-Jährige, die für vergleichsweise einfache Tätigkeiten (Postdienst) mit einer Summe nach Hause gehen, die ich mich hier gar nicht zu nenne traue.