The longest day oder wie stelle ich mich der Angst

andi_sco

Legends of Tomorrow
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Wenn die gute Laune ruft, sollte man ihr folgen. So habe ich es dieses Jahr auch mal gehalten und einen länger geplanten Urlaub in Frankreich angetreten.
Gerade da ich vor Fahrten Angst bis hin zur Panik verspüre, war ich froh, diese Tour geschafft zu haben.

Ich möchte Leuten, die ebenfalls immer wieder durch Ängste blockiert sind, damit etwas Hoffnung geben, dass es trotzdem noch ein Leben und eine Zukunft gibt. Einfach morgens aufstehen und weg sind die Probleme, ist nicht. Oftmals sind die kleinen die schwierigsten Schritte. Diese gaben, zumindest mir, aber meistens mehr Hoffnung als ein großer Sprung.
Der Preis für diese Fahrt waren Panikattacken in der Nacht. Während die Tabletten den Körper zur Ruhe zwangen und ich nicht mal alleine die Augenlider öffnen konnte, wollte der Kopf panisch den Raum verlassen und im Licht sitzen und wach sein. Dies geschah erst nach dem Urlaub, als Körper und Geist aus der Anspannung und dem "Ich muss jetzt funktionieren" herauskamen.
Alles hat seinen Preis, aber ohne Überforderung lernt der Kopf nie, dass es auch anders geht, auch wenn ich dafür mehrere Wochen ausser Gefecht war.
Und nein, es ist keine Aufforderung, sich andauernd zu fordern. Kopf und Seele brauchen genauso ihre Ruhephasen, wie man auch welche der Herausforderung braucht.

Der erste sehenswerte Zwischenhalt war Belgien und hier das Fort Eben Emael, welches im Handstreich 1940 von deutschen Fallschirmjägern genommen wurde. Es lag auf dem Weg zum ersten Ziel und ist mir durch Zufall bei Wikipedia über den Weg gelaufen.
Am Eingang wurde man sogleich von einem verwundeten Sherman-Panzer empfangen.
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Einer der Eingänge zum alten Fort:
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Bei Wikipedia heißt es, dass man damals mit Gleitern auf dem Dach landen musste, und ich konnte mir, trotz Bildern, erst einmal nicht vorstellen, wie groß das ganze Objekt von oben ist.
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Panoramablick von der Panzerkuppel aus:
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Eines der seitlichen Forts:
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Ein weiteres:
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Eine weitere Besichtigung hatte ich mir erspart, da es ein reines Zwischenziel war.
 
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Schöne Fotos :)

In der Hoffnung, dass die nächste Reise dann weniger Überwindung erfordert.
 
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Und vor allem auch großen Respekt, dass du den Mut hast, das hier in einem öffentlichen Forum so zu zu geben.
Leider werden gerade solche Sachen auch heute noch viel zu sehr stigmatisiert.

Herz Kaputt? Kardiologe.
Bein Kaputt? Unfallchirurg.
Kopf Kaputt? Psychologe.

Es gibt für alles einen Facharzt, weil man letzteres aber nicht unbedingt "sehen" kann, ist es dennoch nach wie vor ein schwieriges Thema - auch wenn die Gesellschaft in jüngerer Vergangenheit besser geworden ist.

Ob man diese Angst vor längeren Reisen in den Griff bekommen kann? Keine Ahnung aber genau dafür gibt es die Profi's.

Ich für meinen Teil habe zwar keine Angst vor sowas, dennoch finde ich das Konzept - Vertrauen durch Verständnis - sehr interessant. Nicht wenige leiden unter Flugangst und ein technisches Verständnis kann da viel Vertrauen schaffen.
Ich weiß heute - bis so n Ding vom Himmel fällt, ist vorher schon sehr sehr sehr viel in die Hose gegangen.
Wirklich beunruhigen würde mich heutzutage bloß noch Rauch (Feuer) in der Kabine. Ich sag mal mit großer Fresse - ein Triebwerksbrand (und damit Ausfall) würde mich kalt lassen.

Auf Autofahrten gemünzt - Man kann nicht alles kontrollieren. Unmöglich.
Abstand halten und im Verkehr mitschwimmen ist m.E. nach aber meist die sicherste Taktik.
Auch wenn ich mich desöfteren dann über die Knalltüten ärgere, die mir in meinen gerade ausreichend aufgebauten Sicherheitsabstand zum Vordermann reinziehen aber permanent zu dicht auffahren ist halt auch keine Lösung.
 
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Hatte bzw. habe ich ähnlich. Problem bei mir ist von Kontrolle geprägt: Ich kann zwar wegfahren, musste aber immer selbst fahren (mittlerweile besser, trotzdem fahre ich nohc immer lieber selbst :D). Essen gehen wo ich noch nie war oder gar etwas essen was ich noch nicht aß ? undenkbar. Das ist natürlich unfassbar einschränkend im Alltag und auch bei Reisen oder Ausflügen und hat zu "Bestzeiten" dazu geführt, dass ich im Urlaub quasi nur Brot gegessen habe.
Situationen, die ich nicht einschätzen kann (neue Orte, fremde Menschen etc.) sind immernoch eine kleine Überwindung, aber darüber zu kommunizieren und sich nicht selbst einschränken zu lassen ("was denken die von mir wenn ich früh gehe") hilft enorm.

FunFact: bzgl. der Essenthematik habe ihc damals die Aufgabe bekommen (zu Corona): bestellen Sie nach Möglichkeit einmal die Woche essen oder gehen weg und suchen Sie nciht selbst aus sondern lassen das Ihre Freundin machen (die grundsätzlich weiß, was ich mag und nicht mag und auch Allergien kennt, aber eben Dinge aussucht, die vllt neu sind). Das war völlig verrückt, hat aber sehr geholfen.

In der langen Zeit habe ihc gelernt: die Übung machts. Wenn Ihr solche Ängste oder Themen habt, tastet euch langsam ran, bei OT vllt mal ein "kleiner Ausflug" mit kurzer Strecke - das jetzt war ja sozusagen schon Hardcore :D Steigert euch und wichtig: lasst das nicht einschlafen - die Gewohnheit muss bleiben. Mir hat es unheimlich geholfen und viel Lebensqualität zurückgegeben.
 
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@andi_sco
Sieht nach einem interessanten Ausflug aus, auch wenn es (erstmal) stressig für dich war.

Ich hatte/habe eine ähnliche Symptomatik in anderen Zusammenhängen, was mir hilft in solchen Situationen ist mich bewusst an vergangene Erlebnisse zu erinnern und festzustellen, dass trotz allem „damals“ eigentlich nix passiert ist. Ist sicher kein Universalrezept aber etwas was für mein Hirn funktioniert.

Ich wünsch dir mehr schöne Ausflüge, danke für deinen offenen Post 🌸
 
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@sedot "einfachere" Situationen meistern und daraus lernen klappt auch sehr gut !
 
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@YomDom
Definitiv. Wie geschrieben, jede:r ist da anders. Die eigene funktionierende Strategie zu finden ist der schwierigste Part. Verhaltenstherapie kann eine Abkürzung sein, insofern es irgendwo Termine gibt.
 
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So ganz komme ich mit diesem Thread nicht klar. Er ist im Bereich Fotografie eingestellt, beschreibt aber den Umgang mit eigenen Ängsten, hat im Titel auch den Namen eines Films über den D-Day und zeigt Fotos von Militärtechnik inklusive Glorifizierung der deutschen Wehrmacht ('im Handstreich').
Was ist sein eigentliches Thema, das dann auch weiter besprochen werden sollte?
 
sedot schrieb:
Die eigene funktionierende Strategie zu finden ist der schwierigste Part. Verhaltenstherapie kann eine Abkürzung sein, insofern es irgendwo Termine gibt.

Psychotherapie kann nicht nur eine Abkürzung sein.

Sie kann für viele bedeuten überhaupt erst Strategien für sich entwickeln zu können bzw. in ein Leben ohne Leidensdruck zu finden.
 
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andi_sco schrieb:
In der Nähe war ich auch vor nicht allzu langer Zeit, Grund des Besuchs war aber die "Passerelle de Caster":
https://fr.wikipedia.org/wiki/Passerelle_de_Caster
Auch so ein Ort, wo man sich einer Phobie, hier der Höhenangst, stellen kann.

Ist knapp einen Kilometer, also keine Viertelstunde Fußweg vom Fort entfernt.
Ergänzung ()

Ach, jetzt weiß ich auch, was mich an der ganzen Geschichte so irritiert: "Der längste Tag" beschreibt den D-Day, also den 6. Juni 1944. Das Fort Eben Emael wurde aber bereits am 10./11. Mai 1940 erobert.
 
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Das MatZe schrieb:
Es gibt für alles einen Facharzt, weil man letzteres aber nicht unbedingt "sehen" kann, ist es dennoch nach wie vor ein schwieriges Thema - auch wenn die Gesellschaft in jüngerer Vergangenheit besser geworden ist.
Zumal da jeder Mensch anders ist und jeder auch seinen eigenen Weg finden muss.

YomDom schrieb:
die Gewohnheit muss bleiben. Mir hat es unheimlich geholfen und viel Lebensqualität zurückgegeben.
Das auf alle Fälle. Aber hier war auch die Schwierigkeit bei mir, diese Gewohnheiten beizubehalten oder mit etwas Positivem zu verknüpfen.

sedot schrieb:
an vergangene Erlebnisse zu erinnern und festzustellen, dass trotz allem „damals“ eigentlich nix passiert ist
Jupp, kann auch allein dadurch, dass es ein positives Erlebnis war, schon helfen.


Incanus schrieb:
Er ist im Bereich Fotografie eingestellt, beschreibt aber den Umgang mit eigenen Ängsten, hat im Titel auch den Namen eines Films über den D-Day und zeigt Fotos von Militärtechnik inklusive Glorifizierung der deutschen Wehrmacht ('im Handstreich')
Weil noch mehr Fotos kommen. Und bei mir hatte damals die Fotografie, nachdem sich vieles Negative verfestigt hatte, geholfen.
Was es mit Longest Day auch irgendwo im übertragenen Sinne zu tun hat, kommt noch – abwarten und Tee trinken.
Und sorry, ich glorifiziere dir gleich was. Ich stehe bestimmt nicht in solchen Anlagen und denke mir: Geil.
 
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SuperHeinz schrieb:
In der Nähe war ich auch vor nicht allzu langer Zeit
Ist ja praktisch vom Dach aus gleich daneben👍🏼👍🏼👍🏼
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Schön, das du dich da getraut hast.
 
andi_sco schrieb:
Ich stehe bestimmt nicht in solchen Anlagen und denke mir: Geil.
Nö, auch ich sehe mir solche Anlagen gern an, aber ich hab immer nur Respekt für ihre Erbauer und diejenigen, die diese Anlagen einst nutzten. Das Erlebnis, das mich in dieser Hinsicht am meisten beeindruckt hatte, das war die Besichtigung eines Teils der Maginot Linie und der Besuch von Verdun.

Der Thread sagt mir aber auch, dass ich offenbar erschreckend normal und offenbar sehr risikofreudig bin. Lange Fahrten ins Unbekannte machen mir absolut nichts aus, ich fliege ausgesprochen gerne, grosse Höhen machen mir Spass und auch mir fremde Gerichte probiere ich gerne mal.
 
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areiland schrieb:
erschreckend normal und offenbar sehr risikofreudig bin
Es gab Zeiten, da war das auch für mich normal.
Dazu gehörten auch mal mehrere Wochen am Stück im Ausland arbeiten. Die Zeiten sind leider vorbei.
 
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@andi_sco
Und was war der äussere Anlass, der das änderte?
 
Nächster Halt war dann Frankreich, Mericourt, Arras – da, wo im Ersten Weltkrieg die Schlacht an der Somme tobte. Hier gibt es auch einen familiären Hintergrund: Mein Ur-Urgroßvater war da stationiert. Als Sanitätswagenfahrer gehörte er aber nicht zur kämpfenden Truppe und konnte nur dank seines Lkws und dessen Kotflügels einen Giftgasangriff überleben. Während er auf diesen gesunken ist, hatten die umliegenden Menschen weniger Glück.
Er war damit auch der Erste in unserer Familie, der regelmäßig, bereits Anfang der 1910er, Auto gefahren ist.

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Dass es hier keine richtigen Gewinner gab, muss wohl nicht weiter erwähnt werden.

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Tschechoslowaken wurden hier genauso geehrt wie die Griechen und Marokkaner.


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Auf Jahrhunderte zerstörte, wenn auch wieder grüne Landschaften waren das Ergebnis, noch heute mit Blindgängern verseucht.

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Während meiner Arbeitszeit in Frankreich konnte ich Verdun besuchen. Es ist schon ein komisches Gefühl, in einem Wäldchen zu stehen, umgeben von kläglichen Mauerresten, und zu wissen, dass dies einst ein Ort mit Leben war und die Franzosen als Erinnerung bis heute Bürgermeister für diese Orte bereitstellen.


areiland schrieb:
der äussere Anlass
Mehrere Unfälle, die dazu führten, dass ich mich geweigert habe, wieder in (den) Firmenwagen einzusteigen. Erster war verarbeitbar, der zweite fiel da schon schwerer und der dritte und vor allem der vierte haben dann zu einem Totalversagen im Kopf geführt.
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1909–1910 sind die Baujahre dieses Modells.
 
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andi_sco schrieb:
Mehrere Unfälle, die dazu führten, dass ich mich geweigert habe, wieder in (den) Firmenwagen einzusteigen.
Das kann ich natürlich vollkommen nachvollziehen.

Übrigens planen wir, nächstes Jahr in die Bretagne zu fahren und diese kleine Rundreise zunächst in Lorient zu beginnen, wo wir sehr gute Freunde haben, die wir schon lange zu unserer Familie zählen. Und dann gehts in Richtung Mont St. Michel, Saint Mere Eclise, Saint Malos und weitere Stationen.
 
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