Zu der Forsa Umfrage:
Nicht vergessen, das "klein gedruckte" zu lesen.
Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa am 6. Februar 2020 im Auftrag der Mediengruppe RTL erhoben. Datenbasis: 1.003 Befragte im Freistaat Thüringen. Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte.
Die Erhebung erfolgte telefonisch und in der Kürze der Zeit gehe ich von einer sehr geringen Ausschöpfungsquote aus, was letztlich auf die Qualität geht. Zudem gilt Güllner (Forsa-Chef) als SPD-nah. Ich würde daher empfehlen, den Hinweis auf die Fehlertoleranz wörtlich zu nehmen. Wobei das, wohlgemerkt auch bei RRG insgesamt und en detail nach oben ausschlagen kann.
In der Tendenz sehe ich es aber trotzdem genau so. Empirisch gesehen, mag der Wähler solche Spielchen nicht, und der Verursacher bekommt meist einen Denkzettel verpasst bei der nächsten Wahl.
CCIBS schrieb:
Ich finde es ziemlich extrem, dass nach der Forsa Umfrage wohl viele von den CDU-Wähler nun die Linke wählen würden. Ich hätte eher damit gerechnet, dass eher SPD und Grüne davon profitieren. Außer natürlich alle Wähler sind um eines nach Links gerückt. Also CDU-Wähler zu SPD und Grüne und in fast dem selben Ausmaß die weiter zu den Linken. Wenn diese Werte bis zur Neuwahl stabil bleiben, hätte die CDU letztlich genau das Gegenteil bewirkt. Sie haben RRG nicht nur nicht abgesetzt, sondern sogar gestärkt.
Siehe oben, und:
In den östlichen Bundesländern kommen einige Besonderheiten hinzu, die Wechselwählerschaft begünstigen. Im Gegensatz zum Westen, gab es hier keine über Jahrzehnte gewachsene Parteipräferenz, die auch generationsübergreifend zieht. In den ersten Jahren nach der Wende hat man die Parteien bevorzugt, die die Wende ermöglicht haben. Dann hat man aber gemerkt, dass genau die dann die eigene Wirtschaft ans Messer geliefert hat und wieder mehr auf Ost-Kräfte wie die PDS/Linke gesetzt. Da das Kind aber insgesamt in den Brunnen gefallen ist, hat man die Stimme vermehrt gemäß der aktuellen Lebenssituation angepasst. Fühlte man sich sozial benachteiligt, zunächst gerne die Linke/PDS. Mit dem Zuzug von vielen Ausländern, kam dann eine vermeintlich persönliche Bedrohungslage hinzu was dazu geführt hat, dass viele ins andere politische Extrem umgeschwenkt sind, obwohl die Bedrohung meist nur theoretischer Art war, da der Anteil von Ausländern an der örtlichen Bevölkerung vergleichsweise verschwindend gering ist. Aber die Erfahrung damit, wie in westdeutschen Ballungszenren über Jahrzehnte gewachsen, fehlt halt. Bis heute.
So richtig Fuss gefasst, in der westdeutschen Parteienlandschaft hat man aber nicht, was sich auch in dem geringen Anteil der Grünen fest machen lässt, die im Westen mittlerweile stärkste Einzelpartei sind. Das alles führt zu großem Wechselwählerverhalten. Und eben auch zu Sprüngen, die nicht unbedingt üblich sind. Im Westen wird es nur wenige Wähler geben, die von der Linken zur AfD springen und über die CDU wieder zurück zur Linken. Im Osten schon.