News Urheberrecht: Mozilla und FSFE warnen vor EU-Entwurf

DerPessimist

Lt. Junior Grade
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#2
Netter Entwurf.
Lasst uns auf so etwas wie die Fußball-WM warten und dies als Gesetz durchsetzen, damit alle mit Fußball beschäftigt sind und nichts dagegen tun. Hat die letzten 30 Jahren wunderbar funktioniert.

2025 bis man für das Herunterladen von Bildern oder von Nutzern bereitgestellten Code verklagt werden kann. Wer geht mit?
 

Klueze

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#4
Lobbyisten bei der Arbeit? Hab mich ehrlich gesagt nicht mit dem Thema beschäftigt und kann deshalb nicht fundiert mitreden, aber das klingt alles wie der gleiche Aufwasch den wir vor einiger Zeit schon hatten. Geben die denn nie Ruhe?
 
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#7
Ich glaube hier wird nicht so heiß gegessen wie gekocht, das schlimmste an die Wand malen sodass man ja alles die nur ansatzweise davon betroffen sein könnten ins Boot holt, die EU ist noch immer um Welten besser als USA oder sonst welche Länder, ich glaube die Skeptiker glauben wir rutschen in eine Diktatur ab wie die Türkei wo sie das noch bejubeln.
 

harmsen

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#8
Die haben wohl eher Angst, sie können dann nicht mehr machen was sie wollen und sich auch weiterhin aus sämtlicher Verantwortung stehlen und das alles für lau genau wie ich als Nutzer. Also mir ist das ganz angenehm wenn alles mal schön geregelt wird. Meine beste Zeit ist eh vorbei.😁
 
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#9
Die sogenannte "Content-Industrie", ihres Zeichens nach eine im Grunde völlig unwichtige (weil System-irrelevante) und in ihrer Bilanzsumme recht kleine Industrie (paar Mrd.), die zudem auch noch größtenteils in Übersee ansässig ist, hat einfach richtig geile Lobbyisten.

Nur, weil die Leute irrelevantes Zeug wie Filme und Musik, welche zum größten Teil eh alles austauschbar und nur für den schnellen Konsum gedacht sind, nicht bezahlen wollen, werden massive Kollateralschäden für tatsächlich System-relevante Wirtschaftszweige, v.a. in der IT, rücksichtslos in Kauf genommen. Super. :)

Die Gewinnschöpfung der Content-Industrie, aber auch (und viel schlimmer!) in den Zukunftstechnologien findet auch heute schon nicht in der EU statt. Durch solche Gesetzte wird das weiter zementiert. Aber die EU-Bürokraten kapieren es nicht und lassen sich schön weiter verdummbeuteln. Schade. Bin schon gespannt, wie eine Zukunft ohne europäische Schlüsseltechnologien, überflutet von verbissen verteidigten, größtenteils ausländischen "Kulturgütern" wie Justin Bieber Musik und Disney-Kram (i.e., alles im Kern wertlos) aussehen wird. Wir werden es erleben.

Man stelle sich nur mal vor, wo die IT-Industrie wäre, wenn es die wichtigsten Open-Source Basis-Projekte nicht gäbe.
Betriebssystem? Windows 95. MS hätte nie ein solideres System bringen müssen. Android? Gibt es nicht, ist im Kern ja Linux. Mac OS? Gibt es nicht, ist im Kern BSD. iOS? Dito.
Verschlüsselung? Gibt es vermutlich gar nicht für die Massen, und damit auch kein echtes Vertrauen in Datenintegrität.
Content-Produktion? Adobe-Software zum Mondpreis mit Qualität wie von 15 Jahren.
Internet? Eher sowas wie AOL, oder jedes beliebige andere, geschlossene / kuratierte System.
Social Media? Wäre nie erfunden worden.
 
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#10
ich glaube die Skeptiker glauben wir rutschen in eine Diktatur ab wie die Türkei wo sie das noch bejubeln.
Ja, die Türkei. Ein Land welches fast schon in die EU gekommen wäre. Beitrittsverhandlungen waren schon im vollen Gange und dann das. Wer hätte das kommen sehen können? So plötzlich und unerwartet. Dabei war die Türkei doch bis vor Kurzem schon ein fester Kandidat für die EU. So haarscharf und nah und doch wurde sie zu einer Diktatur.
Kann natürlich bei uns niemals passieren. Wir sind doch die EU...
 

Unnu

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#13
@Klueze: Natürlich nicht! Wo kämen wir denn da hin??
@Odysseus: Die Contntindustrie ist hier nur der Aufhänger. Um die geht es nur Peripher. Das zielt viel tiefer.
@13579: Leben wir ja auch. Nur anders, als es sich die meisten vorstellen. ;)
Weiter führend: https://swprs.org/die-propaganda-matrix/
 
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#14
Meiner Meinung nach sollte das alte Urheberrecht aus Zeiten von Schallplatten, Musikkassetten und Radiosendern an die neuen Umstände des Internets angepasst werden, nicht anders herum.

Es kann nicht der richtige Weg sein, das Internet so zurecht zu stutzen, dass damit die altgewohnte Methode funktioniert, mit Informationen wie mit Stückgut zu handeln. Das ging in Zeiten von analogen Datenträgern und Rundfunk, aber nicht mehr in Zeiten von Digitalisierung und weltumspannender Vernetzung. Somit sind jetzt neue Verwertungsmethoden angesagt, nicht der verzweifelte Versuch die alten Methoden des letzten Jahrhunderts irgendwie herüberzuretten.

Bei der grundlegenden Reform der Urheberrechts sollte außerdem beachtet werden, die verschiedenen Rechte aller betroffenen Parteien richtig gegeneinander abzuwägen.

Unbeobachteter, anonymer und ungehinderter Informationsaustausch zwischen allen Menschen ist durch Grundrechte garantiert. Diese freie Kommunikation bildet unter anderem eine unverzichtbare Grundlage für eine funktionierende Demokratie.

In solche Grundrechte darf überhaupt nur eingegriffen werden, wenn ansonsten andere Grundrechte massiv verletzt werden würden. Z.B. im begrüdeten Einzellfall um einen Mörder zu überführen usw.
Es gibt allerdings kein Grundrecht auf maximalen Profit mit dem Geschäftsmodell seiner Wahl. Wenn ein Geschäftsmodell mit Grundrechten kollidiert, muss das Geschäft zurückstehen, nicht die elementaren Grundrechte der Allgemeinheit.

Was das Urheberrecht angeht, basiert meiner (laienhaften) Ansicht nach nur der Teil über die Urheberpersönlichkeitsrechte direkt auf Grundrechten. (Und das Urheberpersönlichkeitsrecht wird in aller Regel durch Filesharing und Co. nicht berührt.) Alles andere, speziell was die Regelungen zur kommerziellen Verwertung von veröffentlichten Inhalten angeht, sind schnöde Wirtschaftsregulationen auf dem Niveau von Dosenpfand oder Ladenschlusszeiten. Die können unmöglich elementare Grundrechte aufwiegen.
 
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Unnu

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#16
Denn wer hier schaut sich denn wirklich den EU-Entwurf an?
Keiner. Ich glaube kaum, dass hier jemad soviel Zeit erübrigen kann.
Allerdings gibt es genügend - auch unabhängige - Stellen die das getan haben.
https://irights.info/artikel/eu-urheberrecht-content-id-filter/28046
https://netzpolitik.org/2017/eu-urh...latsche-fuer-oettingers-leistungsschutzrecht/

Oder für die die Quellen mögen:
http://www.urheberrecht.org/topic/EU-Urheberrechtsreform/
https://irights.info/dossier/urheberrecht-europa

Und ich denke, schon alleine das Verhindern von automatisierten Uploadfiltern ist das Engagement wert.
 

espiritup

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#17
Moin,

Ich sehe hier weniger die Contentindustrie am Werk. Die hat doch seit dem Siegeszug von Spotify und Netflix eh gewonnen, wo jeder User seine 2x 10$ "Internetsteuer" fürs Filmekucken und Musikhören an die Industrie abführt. Klar, würde die gerne noch ein wenig an der Preisschraube drehen, damit es nicht nur für Champagner und Kaviar für die Führungsetagen rechte, sondern auch noch ein Fischbrötchen samt Selters, für die eigentlichen Urheber abfällt, aber die Bereitschaft beim Zahlvolk ist ja vorhanden.

Vielmehr sind das eher so zweitrangige Contentproduzenten wie der Axel Springer- Verlag, die jetzt ihr Netzwerkdurchdrückungsgesetz über die EU- Bande spielen wollen, weil es ja schon national nicht funktioniert hat, Google um Geld für Links zu Blöd und Konsorten zu erpressen.

Dazu die Heiko- Maas- Fraktion, die immer noch machtlos vor der Tatsache stehen, daß Facebook und Twitter zwar unnötigerweise jede weibliche Brustwarze von ihren Angeboten löschen, aber nicht in der Lage sind, die Verbreitung von Volksverhetzung einzugrenzen.
Letzteres sehe ich zwar ebenfalls als Problem - immerhin bin ich seit 2000 Heise- Nutzer und habe den massiven Qualitätsabfall dort in den Foren live mitbekommen - aber das reine Löschen von Content funktioniert erfahrungsgemäß nur bei Bildmaterial.
Der Maas'che Gesetzesentwurf ist offenbar gescheitert. Der Hass im Netz ist nicht kleiner geworden, und statt den gleichen Unsinn einfach nur größer aufzuziehen, sollte man einfach überlegen, wie man das - speziell auf solche Massendienste wie FB oder Twitter, oder wegen mir auch die Heise- Foren gemünzt - so aufzieht, daß bei offensichtlich rechtswidrigen Sachen eben nicht gelöscht, sondern lediglich das Abrufen durch Dritte oder das Bearbeiten verhindert wird, bis sich eine Staatsanwaltschaft dazu geäußert hat.
 
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#18
Wenn man es genau nimmt, versuchen FSFE und Mozilla uns als Lobbyisten einzuspannen
Versteh ich auch nicht ganz. Beide hätten doch am Entwurf mitarbeiten können. Ich bin mir sicher, dass Größen wie die FSF und/oder Mozilla auch mit an den Tisch geholt worden wären, wenn sie sich bemüht hätten. Oder sind sie aktiv ausgeschlossen worden?

Hinterher ankommen und per öffentlicher Empörungswelle versuchen noch irgendwas zu ändern ist nicht der richtige Weg. Gibt es so wenige Open Source Aktivisten in Forum von Stiftungen, Firmen, Interessensgemeinschaften, etc. dass man sie einfach überhören oder übergehen kann?

Und jetzt kommt mir bitte nicht mit Verschwörungstheorien.
 

douggy

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#19
Verstehe ich etwas falsch oder ist gerade das doch die beste Neuerung aller Zeiten?
Jain.
Einerseits spielst du sicherlich zu Recht auf profitgetriebene Firmen an, die Data Mining nur betreiben, um Geld zu scheffeln.

Andererseits sind wissenschaftliche Forschungseinrichtungen mitnichten unabhängig. Da gibt es auch Sponsoren aus der Industrie.

Ausgeschlossen werden dann NGO's und andere unabhängige Konstrukte. Die zahlungskräftige Industrie kann kein Gesetz aufhalten.

Ist aber nur eine Interpretation meinerseits.
 

espiritup

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#20
[...]
Hinterher ankommen und per öffentlicher Empörungswelle versuchen noch irgendwas zu ändern ist nicht der richtige Weg. Gibt es so wenige Open Source Aktivisten in Forum von Stiftungen, Firmen, Interessensgemeinschaften, etc. dass man sie einfach überhören oder übergehen kann?
Das Gesetzt ist noch nicht beschlossen.

Es handelt sich nur um einen Entwurf. Und der wurde durch die EU veröffentlicht, um Kommentare aus der Wirtschaft und der Bevölkerung einzusammeln.

Also alles ein ganz normaler Gesetzgebungsprozeß. Und natürlich dürfen Mozilla und die FSFE darauf hinweisen, daß gewisse Passagen töricht sind. Und sie dürfen auch die europäischen Internetnutzer auffordern Kritik dazu einzureichen.
Und jetzt kommt mir bitte nicht mit Verschwörungstheorien.
Es hat kaum was mit einer VT zu tun wenn ich behaupte, daß Gesetzesentwürfe, sowohl ihn Europa als auch in Deutschland, erstmal in kleinerem Kreise verfaßt werden.
Und daß Wirtschaftsunternehmen hier mehr Einfluß haben als "Normalsterbliche", schon weil sie vollberufliche Stellvertreter in Brüssel oder Berlin sitzen haben. Kim Schmitz hat leider den Moment verpaßt wo es sinnvoll gewesen wäre, Lobbyisten einzustellen, sonst hätten wir heute vielleicht ein nutzerfreundlicheres Urheberrecht.
 
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