Khorneflakes schrieb:
Da hast du dich aber kräftig verrechnet, weil das auf unrealistischen Annahmen basiert.
Sowohl der Verbrauch von 17 kWh, der nicht bei jedem Fahrprofil und nicht ganzjährig erreicht wird, als auch die Kosten von 69 Cent pro kWh sind nicht besonders realistisch.
Für die meisten Menschen sind die Kraftstoffkosten eines Elektroautos deutlich niedriger als die eines vergleichbaren Verbrenners. Von den allgemeinen Betriebskosten reden wir dann noch garnicht.
Ich hab zuletzt öffentlich ~35 kWh für ~15€ ohne Abo nachgeladen, und das ist nicht mal extragünstig gewesen. Für Winter / Autobahn reicht das für ~175 km, für Sommer / Stadt eher 300 km. Worst Case ~8,80€ für 100 km, Best Case 5 Euro für 100 km. In meinem Jahresschnitt sind es so ca. 7 Euro für 100km.
7 Euro für 100 km schaffen auch manche Verbrenner, aber nicht mit 6 Litern auf 100 km. Bei den von dir angenommenen Preisen dürften es also nicht mehr als 4 Liter sein. Und würde ich nicht öffentlich laden, dann wären die Kosten aktuell nochmal ca. 20% geringer, d.h. wir sind bei 3,2 Liter. Strompreise haben eine fallende Tendenz, während der Benzinpreis eine eher steigende Tedenz aufweist. Was du da vorrechnest ist eine Milchmädchenrechnung.
Ist immer noch nicht überzeugend bzw. ebenso eine Milchmädchenrechnung, was du präsentierst, wenn man die Lebensdauer der Fahrzeuge miteinbezieht.
Ein gut gemachter Verbrenner hält locker 20 Jahre und 400.000 km. Ein EV ist aufgrund des Akkus bereits nach 10 Jahren praktisch (außer für Kurzstrecke) kaum noch brauchbar, sodass man für 20 Jahre zwei davon bräuchte.
Gehen wir mal von 40.000€ Anschaffunspreis eines gut ausgestatteten heutigen Kompaktautos aus, macht das zunächst einmal einen Kostennachteil von eben jenen 40.000€ aus.
Bei den Energiekosten würde der reine Benziner mit 6L/100km ca. 11€ pro 100 km kosten. Der EV würde mit realistisch kalkulierten 6€ also ca. 5€ pro 100 km wieder reinholen. Auf 400.000 km hochgerechnet wären das also 20.000€. Der Nachteils des Elektrofahrzeugs würde also lediglich von 40.000€ auf 20.000€ schrumpfen.
Kommen wir also zu den Wartungskosten.
Die größten Kostentreiber, zumindest bei mir, sind Reifen und Bremsen. Diese würden ebenso auch bei einem EV anfallen. Tendenziell sogar noch stärker als beim Verbrenner
- Weil die EVs deutlich schwerer sind, brauchen sie größere, teurere Reifen, die sich schneller abnutzen
- Weil sie ebenso schwerer sind, brauchen sie für den Notfall entsprechend größer dimensionierte teurere Bremsen. Weil diese Bremsen wegen Rekuperation aber seltener benutzt werden, besteht gleichzeitig die Gefahr, dass sie schneller einrosten und unplanmäßig oder häufiger getauscht werden müssen
Manche Wartungspositionen sind bei beiden Antriebsarten identisch. Das betrifft bspw. den Wechsel der Bremsflüssigkeit, Scheibenwischer, Beleuchtung, Innenraumfilter, Klimaservice, Pflege usw.
Somit hat der Verbrenner als Nachteil folgende Positionen
- Motorölwechsel: 1 pro Jahr 100€ = 2000€ für 20 Jahre
- Motorfilterwechsel: 1 alle 3 Jahre 50€ = 300€ für 20 Jahre
- Getriebeölwechsel: 1 alle 5 Jahre 100€ = 300€ für 20 Jahre
- Batteriewechsel: 1 alle 5 Jahre 150€ = 450€ für 20 Jahre
- Zündkerzenwechsel: 1 alle 5 Jahre 200€ = 600€ für 20 Jahre
- Einstellung der Ventile/Steuerkette/Zahnriemenwechsel: 1 alle 5 Jahre 200€ = 600€ für 20 Jahre
- Motorkühlmittelwechsel: 1 alle 10 Jahre 100€ = 100€ für 20 Jahre
- Kraftstofffilterwechsel: 1 alle 10 Jahre 200€ = 200€ für 20 Jahre
In Summe kommt man also auf einen Wartungsnachteil i.H.v. von ca. 4500€ über einen Zeitraum von 20 Jahren.
Der Nachteil des E-Autos sinkt dadurch auf "nur noch" 15.000€ oder durchschnittlich rund 750 € pro Jahr Betriebsdauer.
Quintessenz: Das E-Auto ist auf dem derzeitigen technologischen Niveau nur vermeintlich günstig und umweltschonend. Das trifft nur dann zu, wenn man schon vorher seine Autos nach 10 Jahren weggeschmissen hat. Für eine Wegwerfmentalitätsgesellschaft, in der man alle 2 Jahre die neuste 90-er Karte von nVidia und sein neues iPhone haben muss, mag das vielleicht zutreffen, aber besonders nachhaltig oder aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll ist das Ganze nicht unbedingt.