Was heist hier "Mitte" der Gesellschaft ?

extasy

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Es wird ja sehr oft über die sogenannte "Mitte" der Gesellschaft geredet wenn es darum geht das sich die Parteien angeblich nach "links" verschieben. Damit soll ja implementiert werden das "links" eben nicht die "mitte" ist und somit linke Politik nicht im Interesse der "Mitte" der Gesellschaft ist.

Wenn man aber von der politischen Sichtweise für "links" und "rechts" mal absieht so ist doch festzustellen das es gerade die vielbeschwohrene "Mitte" ist die von dem Staat am meisten geschröpft und belastet wurde in den letzten Jahren. Mittlere Arbeitnehmer und Unternehmer sind es doch die mit immer höheren Abgaben und Einschnitten zu leben haben, warum wird dann immer so getan als ob die "Linke" nicht im Interesse der "Mitte" Politik macht ? Die Enteignung des Mittelstandes war kaum größer als in den letzten Jahren. Nur die Linke steht doch konsequent für die Wahrung und den Ausbau der sozialen Errungenschaften für die arbeitende Bevölkerrung und nicht wie von Parteien der "Mitte" vorrangetrieben für deren Abbau was dann als "Reformen" verkauft wird.

Der Verdacht drängt sich auf das es doch eher ein retorischer Trick der Medien und der offiziellen Politik ist der "Mitte" zu suggerieren das die "Linke" nicht deren Interesse vertritt.

Was meint ihr, steht "links" für die Interessen der "Mitte" oder doch nur für die sogenannten "Verlierer" der Gesellschaft die ja eh alle selber Schuld sind an ihrer Situation ?
 
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Ich glaube hier wird einfach die 'politische Mitte' und der 'Mittelstand' miteinander vermischt, obwohl die ansich gar nichts miteinander zu tun haben.

Die 'politische Mitte' (insfoern ein Rechts-Links-Spektrum überhaupt sinnvoll anwendbar ist) sind halt diejenigen, die zwischen Links und Rechts stehen (ich kenn mich als Schweizer in der deutschen Parteinlandschaft nicht ganz so gut aus um hier eine Einteilung in dieses sowieso fragwürdige Schema wagen zu wollen).

Während der 'Mittelstand' eher an seinen finanziellen Mitteln gemessen wird, also sozusagen die Schicht zwischen Arm und Reich wäre. (Oder wie es ein bei mir ziemlich unbeliebter Schweizer Politiker mal gesagt hat: "Der Mittelstand – umfassend all die, die zuviel verdienen, um von der Fürsorge zu leben bis zu denen, die zuwenig verdienen, um sich nach Monaco absetzen zu können – wird immer mehr von der Gefrässigkeit des Bundes und der Kantone belastet.")

Wie gesagt: In deinem Posting scheinst du die Trennung zwischend er politischen Mitte und dem Mittelstand aufzuheben - aber vielleicht ist dies ja auch der 'rhetorische Trick' den die Medien deiner Meinung nach anwenden :)
 
@DaveStar
genau, Du hast es sehr gut erfasst. Es wird immer so getan als ob die linken nicht im Interesse der "Mitte" sind. Es wird tatsächlich die politische Richtungseinordnung mit dem gesellschaftlichen Status im Sinne des Vermögensbesitzes gleichgesetzt.

Nach meiner Meinung ist es gerade die Linke die im Sinne der "Mitte" politik macht. Es kann wohl kaum im Sinne der "Mitte" sein wenn deren Abgaben erhöt und die soziale Absicherrung immer mehr zugunsten einer reichen Oberschicht zurückgefahren wird. Es sei denn man ist Sadomasochistisch veranlagt und meint sein Glück im Sklaventum zu finden. ;)
 
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Betrachtet man die politischen Positionen der Wähler vereinfacht als Normalverteilung (http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Dichtefunktion.png), dann könnte man die Mitte als den Bereich bezeichnen, der innerhalb der sog. Standardabweichung liegt. Er umfasst 68,27 % der Wähler. Für den linken und rechten Flügel bliebe dann noch jeweils knapp ein Sechstel übrig. Ein vereinfachtes Links-Rechts-Schema ist dabei selbstverständlich problematisch.

Wenn man dagegen von der Mittelschicht spricht, geht es um den Vergleich zwischen unten und oben (arm versus vermögend, um es platt auszudrücken). Als Richtlinie kann man hier das Einkommen heranziehen:
http://www.verdi-bub.de/wirtschafts_abc/archiv/soziale_schichten

Eine andere Herangehensweise findet man beim alten Schichtenmodell von Dahrendorf. Siehe dazu die Grafik in diesem Text:
http://www.bpb.de/publikationen/3KK1NR,0,0,Facetten_der_modernen_Sozialstruktur.html

Die (politische) Mitte ist demnach der Bereich, in dem sich Mehrheiten generieren lassen. Das klappt meist nicht so gut, wenn man am äußersten linken oder rechten Spektrum der Gesellschaft steht und von dort aus bis zur „Mitte“ (zum Mittelpunkt) vordringen muss. Setzt man dagegen in der Mitte der Verteilung an und versucht, durch Zugeständnisse sowohl nach links als auch nach rechts Stimmen zu gewinnen, sind die Erfolgsaussichten größer.
 
@keskau
danke für deine wunderbar nüchterne Betrachtungsweise ;) Ich wunder mich immer wie Du so schnell an die entsprechenden Links und Fakten kommst. Du merkst das ich das immer viel Emozionaler sehe und auch argumentiere. :D

Sehr interessante Links übrigens.
 
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extasy schrieb:
Nur die linke steht doch konsequent für die Wahrung und den Ausbau der sozialen Errungenschaften für die arbeitende Bevölkerrung und nicht wie von Parteien der "Mitte" vorrangetrieben für deren Abbau was dann als "Reformen" verkauft wird.
?

Reformen im Sinne der Vorsorge und der Generationengerechtigkeit - Politik der "Mitte" ist also langfristig sozialer als die der politischen Linken.

extasy schrieb:
Der Verdacht drängt sich auf das es doch eher ein retorischer Trick der Medien und der offiziellen Politik ist der "Mitte" zu suggerieren das die "Linke" nicht deren Interesse vertritt.

Das ist kein rethorischer Trick sondern das Ergebnis von weitreichenden, weisen Überlegungen. Die "Linke" plant Verteilungspoltik im großen Stil und Belastung der Arbeitgeber was langfristig nicht im Sinne der Arbeitnehmer (welche das zum Großteil wissen - Gott seis gedankt) sein würde.

extasy schrieb:
Nach meiner Meinung ist es gerade die Linke die im Sinne der "Mitte" politik macht. Es kann wohl kaum im Sinne der "Mitte" sein wenn deren Abgaben und soziale Absicherrung immer mehr zugunsten einer reichen Oberschicht zurückgefahren wird. Es sei denn man ist Sadomasochistisch veranlagt und meint sein Glück im Sklaventum zu suchen. ;)

Die Abgaben sind ja eher für die Unterschicht und die Staats-Haushalte, die sich durch eine zu linke Politik in der Vergangenheit in einem miserablen Zustand befanden.
 
ObServer88
klar geht es bei Linken darum das Vermögen was ja von der arbeitenden Bevölkerrung geschaffen wird möglichst gleichmäßig zu verteilen da die Linke davon ausgeht das nicht dem Kapitalbesitzer , also einer kleinen Minderheit der Profit zusteht, sondern der Gesellschaft insgesammt.

Der retorische Trick besteht dabei das den Leuten weiß gemacht wird das wenn die Besitzenden noch reicher werden diese Arbeit schaffen. Eine Milchmädchenrechnung oder aber auch "Lebenslüge" wie selbst unser CDU Landesvater Jürgen Rüttgers hier in NRW einräumen musste.
 
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Ich möchte noch ergänzen, dass ich es durchaus für legitim halte, wenn sich die SPD und die CDU als Volksparteien bezeichnen. Erstens unterscheiden sie sich gar nicht so grundlegend voneinander, wie es bei Parteien in anderen Ländern oft der Fall ist, weil es einen größeren Grundkonsens gibt. Zweitens verfügen wir in Deutschland (aus gutem Grund) nicht über ein so etabliertes Randspektrum, auch wenn es regional oder phasenweise immer mal wieder Ausreißer gibt.

Die rechtsradikale/rechtsextreme "Front National" in Frankreich liegt derzeit landesweit bei ca. 15 Prozent der Stimmen. Im belgischen Flandern ist die rechte "Vlaams Belang" mit 20 % der Stimmen sogar die zweitstärkste Partei. Da ist mir die Mitte, wie auch immer sie konkret ausgestaltet ist, sehr viel lieber.
 
@keskau
dieser "Grundkonsens" ist es aber auch das die Deutschen verlernt haben ihre Interessen kämperisch durchzusetzten. Der Streik der Lockführer ist hier mal die große Ausnahme und wird von uns Linken natürlich mit großem Wohlwollen beobachtet. Er steht exemplarisch dafür wie entgegengesetzt Kapital und Arbeitnehmerinteressen gegenüberstehen. Damit der Profit für die Anleger möglichst hoch ausfällt darf der Lockführer nicht zuviel verdienen. Der Kapitalist der nichts weiter als das Kapital einsetzt wird über den Arbeitnehmer gestellt der mit seiner körperliche Gesundheit und Arbeitskraft den Gewinn erarbeitet. Was für ein unmenschliches System.

Diese Kampfbereitschaft wünschte ich mir übrigens mal z.B. bei uns im gesammten Sozialbereich, insbesondere in der Pflege, wo der Arbeitsdruck und die Belastung aufgrund des Kapputtsparens im Gesundheitssystem auf unseren Rücken immer weiter zunimmt. Es braucht aber glaube ich noch viel Entberungen bis die Masse begreift das diese Politik der "Mitte" nicht in deren Interesse ist.
 
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Ich verweise auf den Nachbarthread (Weltanschauungen, #56). Dort habe ich schon beschrieben, dass jede Interessengruppe ohne Probleme ihre eigene Partei gründen und sich an die Regierung wählen kann, sofern sie denn tatsächlich die Mehrheit im Land repräsentiert. Wenn die Mitte sich also verschaukelt fühlt, dann soll die handeln. Wenn sie dazu keinen Bock hat, dann soll sie die Dinge hinnehmen, wie sie sind oder sich auf das Kritisieren bescrhänken. Das kann jeder halten, wie er möchte.

Vor wenigen Tagen lief im ZDF der Spielfilm "Der schwarze Sheriff" (Lawman Without a Gun). Darin ging es darum, wei ein Farbiger im Jahr 1968 in den USA darum kämpfte, zum Sheriff gewählt zu werden. Und das zu einer Zeit, in der die schwarze Bevölkerungsmehrheit nicht einmal auf die Idee kam, sich in die Wählerlisten einzutragen. Das war ein schönes Beispiel dafür, wie man vermeintliche Widerstände überwinden kann. Also komme mir nicht damit, dass mein Vorschlag nicht praktikabel sei. Die Grünen haben es schließlich auch geschafft, in die Regierung zu kommen.
 
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