FohlenBoy schrieb:
Wie sollte man sich denn aber nun verhalten und ist die Mailadrese tatsächlich kostenlos, wie GMX es erscheinen lässt?
Die Registrierung für eine DE-Mail-Adresse ist kostenlos, übrigens mit knapp 20 Millionen Euro staatlich finanziert. Was kostenpflichtig ist, ist der Einsatz von DE-Mail. Genaue Preise kenne ich noch nicht, es wird lediglich darauf hingewiesen, dass der Preis deutlich unter dem Briefporto liegen soll. Ansonsten wäre der Dienst ja auch ziemlich gaga, denn die Behörden versprechen sich durch den Einsatz deutliche Einsparungen im Porto.
Da die Teilnahme am DE-Mail-Verfahren sowohl für Bürger, Behörden und Unternehmen freiwillig ist (jedenfalls im jetzigen Entwurf), werde ich erstmal abwarten, wie sich das Ganze entwickelt, bevor ich nun unvermittelt auf den Zug aufspringe. Meine Hauptgründe sind zwei, einerseits die als zugestellt geltenden DE-Mails, auch wenn ich z.B. im Urlaub bin. Und zweitens der Aufwand für die Beweisführung in strittigen Fällen, die für mich als Endbenutzer aufwändig und kostenintensiv ist.
Siehe hierzu auch:
http://www.heise.de/newsticker/meld...l-Besonderheiten-und-Fallstricke-1037231.html
GrandTheft schrieb:
@Deliberation: so war das auch nicht gemeint - es war auf diejenigen bezogen, die einfach alles über ihre Person veröffentlichen, ohne sich überhaupt bewusst zu sein, dass man abwägen muss, wieviel man bei welchem Dienst preisgeben will, und dass einmal veröffentlichte Daten nicht mehr löschbar sind.
Auch hier fällt die Bewertung anders aus, da man die Veröffentlichung selbst initiiert hat. Aber ich gebe Dir recht, hier haben wir einen Mittelding zwischen bewusster Veröffentlichung (bewusst = Folgen klar) und fremdgesteuertem Zugriff auf persönliche Daten. Spätestens wenn Facebook die Daten nicht mehr löschen will, ist man nicht mehr Herr über die eigenen Informationen.
GrandTheft schrieb:
Es gibt einen großen Unterschied zwischen staatlicher Datensammelei und gewerblicher Datensammelei: bei staatlichen Stellen ist der Nutzer nicht das Produkt.
Gewerbliche Datensammelei finde ich bedeutend besser als staatliche Sammelwut. Der Staat will die Kontrolle über die Bürger (Wer hat was wohin überwiesen? - Wo wohnt welcher Bürger? - Wie viel Zinsen bekommt er auf sein Sparkonto? - etc.). Gewerbliche Datensammler wollen hingegen sich selbst oder anderen Firmen ermöglichen, ihre Produkte den Personen anzubieten, die für diese empfänglich sind.
Beispiel: ein Versender von Wintersport-Waren verschickt jedes Jahr 150.000 Kataloge. Jeder dieser Kataloge kostet inklusive Entwicklung, Druck und Versand 30 Euro. Verschickt der Versender seine Kataloge blind, so bekommt er vielleicht eine Response von 5 Prozent der Empfänger. Das bedeutet in der ersten Konsequenz, dass der Versender Kataloge im Wert von über 4 Millionen Euro an Leute rausgeschickt hat, die nicht nur nichts kaufen, sondern auch genervt über den unsinnigen Papiermüll sind. In zweiter Konsequenz wird weniger Umsatz als möglich gemacht und mit diesem Umsatz muss dann auch noch der Papiermüll bezahlt werden.
Besser also, der Versender weiß so viel wie möglich über seine Kunden und verschickt die Kataloge nur an die Personen, die sich erstens für Wintersport interessieren und zweitens ihm Umsatz bringen. Ergo: die Kunden sind glücklich, weil sie passend beworben werden und der Versender, weil er mit den richtigen Kunden Umsatz macht.
DAS leuchtet mir ein, aber welchen Vorteil ich dadurch habe, dass der Staat mehr über mich weiß, DAS weiß ich nicht.
Ich habe aber das Gefühl, dass wir vom Thema abkommen. Tatsache ist, dass der Staat Geld sparen will, indem kostengünstig DE-Mails statt Briefe verschickt werden. Und wenn der Staat weniger Geld ausgibt, dann kann das auch für den Bürger positiv sein. Zudem sehe ich das Potenzial moderner Technik. So kann ich auch auf Geschäftsreisen wichtige, behördliche Mitteilungen erhalten, die zeitkritisch sind. Landen diese in meiner Abwesenheit in meinem Briefkasten, so gelten sie meines Wissens auch als zugestellt und eventuelle Fristen laufen. Mein DE-Postfach kann ich entgegen meinem Briefkasten aber von überall aus öffnen.
Was ich mich auch noch Frage: was bedeutet das für die Post? Denn was der Staat an Porto für behördliche Briefe in den nächsten Jahren sparen will, fehlt doch der Post an Umsatz!?