Khaos-Thanathan
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Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake
Fatal Frame (in Europa bekannt als Project Zero) ist eine der großen drei japanischen Horror-IPs, hinkte aufgrund des japanischen Settings und den entsprechenden kulturellen und mythologischen Einschlägen aber leider immer spürbar hinter Resident Evil und Silent Hill hinterher. Mit dem fünften Teil aus dem Jahre 2014 (und auch dem HD-Release aus 2021) konnte Koei nicht sonderlich überzeugen. Mit Fatal Frame II: Crimson Butterfly Remake ist nunmehr das Remake eines der ikonischsten Horror-Spiele der PS2-Generation und dem wohl beliebtesten Teil der Reihe erschienen.
1. Story
In Fatal Frame 2 begleiten wir die Zwillingsschwestern Mio und Mayu und nehmen hierbei die Rolle von Mio ein. Das Spiel beginnt mitten in der Natur: an einem plätschernden Bach umgeben von Bäumen und strahlenden Sonnenschein. Auf einmal erspäht Mayu einen scharlachroten Schmetterling und folgt diesem in die Wälder. Mio versucht Mayu einzuholen und verirrt sich dabei. Nach einem Time Skip finden wir uns mitten in der Nacht auf einem Hügel mit einem rituellen Steinzirkel und finden dort Miyu. Unter dem Hügel liegt Minakami Village, ein verlassenes und heruntergekommenes Dorf, das sich auf keiner Karte wiederfindet. Da der Weg zurück verschwunden ist, sind unsere Schwestern gezwungen, im Dorf einen Weg zurück zu finden. Direkt vor Betreten des ersten Hauses begegnen wir bereits geisterhaften Szenen. Im ersten Haus selbst finden wir dann das Mittel der Verteidigung und das zentrale Spielelement der Reihe: die Camera Obscura, die wir auch direkt zum Bekämpfen des ersten Geistes einsetzen müssen. Können Mio und Mayu dem Dorf entkommen?
Die Story des Spiels dreht sich stark um japanische Folklore und religiöse sowie philosophische Konzepte. Typisch für Oldschool Survival Horror und für ein verlassenes Geisterdorf auch verständlich, wird ein erheblicher Teil der Story auch durch diverse Dokumente wie Tagebücher erzählt, die man im Laufe des Spiels findet. Ich selbst habe damit keine Probleme, für viele Spieler könnte das aber abschreckend wirken, weil tatsächlich viel Storytelling durch Dokumente stattfindet. Ohne diese Dokumente zu lesen, wird man einen Großteil der Story nicht verstehen. Die Story des Spiels wird aufgrund des Settings, der Themen und dem Umstand, dass zwei junge Frauen die Protagonistinnen des Spiels sind, nicht für jeden sein. Mir persönlich hat es aber gefallen, die Familien des Dorfes kennenzulernen und warum das Dorf ein so schreckliches Ende gefunden hat.
2. Gameplay
Das Gameplay besteht – typisch für Survival Horror – einerseits aus Exploration und andererseits aus Combat. Das Spiel ist zwar recht linear, man muss mitunter allerdings auf mehr oder minder subtile Zeichen oder den Inhalt von Dokumenten achten, um zu wissen, wie es weiter geht, denn: Fatal Frame II kommt ohne „yellow paint“ aus, was für Spieler, die das typisch-moderne Händchenhalten gewöhnt sind, frustrieren kann. Neben der Haupt-Story gibt es noch einige „Side Stories“ rund um die Familien und Bewohner des verlassenen Dorfes aufzuklären. Daneben gibt es auch noch diverse „Twin Dolls“ als Collectible zu finden.
Combat dreht sich voll und ganz um die „Camera Obscura“ – eine magische Kamera, die das Bekämpfen von Geistern ermöglicht. Dabei kann man Fatal Frame II allerdings nicht wie einen Shooter spielen, sondern man muss darauf achten, die Geister ordentlich zu fotografieren, also bspw. so, dass der Geist von möglichst allen „focal points“ der Kamera erfasst wird. Bestenfalls greift man die Geister daher dann an, wenn sie einen selbst angreifen. Dazu kommen diverse Filter, die man über den Lauf des Spiels freischaltet, und diverse Filme, die bspw. besonders stark sind oder besonders schnell nachladen. Die Kamera lässt sich über den Verlauf des Spiels upgraden und man kann darüber hinaus auch Talismane ausrüsten. Bei Release des Spiels waren die Geister anfangs noch extrem tanky. Dank einigen Patches dürfte der Schwierigkeitsgrad jetzt allerdings in Ordnung sein. Der einzige Punkt, der mir nicht sonderlich gefallen hat, sind die Stealth-Passagen, um den Stalker Enemies auszuweichen, die an bestimmten Stellen des Spiels auftauchen.
3. Replayability
Das Spiel bietet mehrere Enden, die man nach und nach unter bestimmten Bedingungen (in der Regel durch das Erkunden weiterer Side Stories) freischalten kann. Darüber hinaus werden auch sämtliche Upgrades und Items (mit Ausnahme der Kamera-Filter) mit in das (nächste) New Game + übertragen. Im New Game + kann man sich zudem weitere Items kaufen – bspw. Upgrade-Items für die Kamera, Talisman-Slots oder neue Outfits. Sofern man das Spiel im höchsten Schwierigkeitsgrad durchspielt, schaltet man zudem Chapter Select frei, so dass einfacher wird, bestimmte Enden freizuschalten. New Game + ändert das Spiel zwar nicht grundlegend, aber durch die neuen Enden und die übertragenen Upgrades und Items macht das Spiel dennoch weiter Spaß – vor Allem auch, weil man immer stärker wird.
4. Atmosphäre und Qualitäten als Remake
Fatal Frame II Remake ist, was Resident Evil 2 Remake für Resident Evil 2 war: Ein Wechsel von fixed camera und tank controls hin zu freier Kamera und over the shoulder gameplay. Auch, wenn mir das Remake durchaus gefallen hat, muss ich doch zugeben, dass mir das Original auf der PS2 immer noch besser gefällt. Tank controls und fixed camera angles sind deutlich stärkere cinematographische Mittel, um eine Horror-Atmosphäre zu erschaffen. Fatal Frame II Remake ist zwar immer noch gruselig (was auch durch das Setting und die musikalische Untermalung bekräftigt wird), aber kommt dennoch nicht an die Horror-Atmosphäre des Originals heran.
5. Technik
So, wie einige Design-Entscheidungen wie aus der Zeit gefallen wirken (und das in positiver Hinsicht), so sind leider auch einige technische Entscheidungen (und das ausdrücklich in negativer Hinsicht) aus der Zeit gefallen. Das Spiel wird mit maximal 30 FPS in den Standardeinstellungen und krassem Film Grain ausgeliefert. Den Film Grain kann man in den Optionen deaktivieren; die Maximal-FPS aber nur auf 60 erhöhen. Zumindest auf dem PC kann man die Maximal-FPS per Mods erhöhen. Auf Konsolen ist das allerdings keine Möglichkeit. Das mag für ein atmosphärisches und langsam-methodisches Story-Spiel zwar in Ordnung sein; dennoch hätte man hier mehr liefern können. Einen Pluspunkt gibt es immerhin für den (wenn auch sehr rudimentären) Foto-Modus.
6. Fazit
Fatal Frame II Remake hat einige Schwächen und spricht als Oldschool Survival Horror Titel eher ein Nischen-Publikum an. Das Spiel ist also auf jeden Fall nicht für jedermann. Auch, wenn das Spiel nicht das Original aus dem Jahre 2003 herankommt, hat es mir – als Horror-Fan – dennoch Spaß gemacht und ist für Horror-Fans, die sich nicht an dem Setting stören, durchaus eine Empfehlung wert. Fatal Frame II Remake fühlt sich hierbei auch deutlich, deutlich runder an als zuletzt Resident Evil Requiem, das eher wie ein zusammenhangloses Durcheinander ohne eigene Kernidentität gewirkt hat. Von mir bekommt Fatal Frame II Remake insgesamt eine ganz knappe 8/10 und trägt die Hoffnungen, dass Koei uns in Zukunft weitere Ableger der Reihe liefern wird.