Wehrdienst/Zivildienst Pflicht zurück?

Ich denke das hier mehrere Diskussionen zusammengelegt werden und sich fröhlich im Kreis drehen:
  1. Sollte es einen verpflichtenden Dienst, sozial oder militärisch geben?
  2. Wie sollte dieser Dienst gestalltet werden?
  3. Welche Benefits (Ausbildung, Bezahlung) sollten die Dienstleistenden erhalten?
  4. Ist ein Heer von eingezogenen Soldaten heute noch zeitgemäß?
  5. Welche Alternativen sollte/könnte man den Dienstleistenden bieten?

    Was hier auch diskutiert wird, aber IMHO am Thema vobei geht (das meiste davon geht baden):

  6. Der böse Russe
  7. Krieg ist schlecht
  8. Soldaten sind doch alle Nazis

    Was auch immer wieder hochkommt:

  9. Mein (Wehr)Dienst war super/mies
  10. Die Jugend von heute braucht Disziplin/Moral/Schläge
Meine Antworten:
1. Ja, und zwar für alle (beide Geschlechter)
3. Konkurrenzfähige Entlohnung plus Anerkennung der geleisteten Arbeit in Form von Zertifikaten/Ausbildungsnachweisen.
4. Ja
5. Zivildienst sollte Standard sein, Militärdienst kann durch potentiell höhere Besoldung attraktiv gemacht werden.
9. Ich möchte meine Zeit (12 Monate) beim Bund nicht missen.
10. Das Argument gibt es seit den antiken Griechen. Ich finde ein Dienstjahr kann Menschen gut auf ein Leben außerhalb ihrer Bubble/Familie/Komfortzone vobereiten. Nicht jeder Teenager braucht das, aber IMHO brauchen das mehr als man evtl. denkt.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Chrissssss, Samurai76 und Araska
@Axxid
Zu 1 und 4 hätte ich gerne etwas mehr als ein "Ja".

Warum denkst du, dass es einen solchen Dienst geben sollte?
Warum glaubst du, dass eine Truppe von Kurzzeitverpflichteten in einer Armee sinnvoll einsetzbar ist? Denkst du da an Hilfstätigkeiten, oder auch an Kampfeinsätze?

Axxid schrieb:
Zivildienst sollte Standard sein
So wie ich meinen Zivildienst erlebt habe, kann ich das nur ablehnen.
Mein größtes Problem ist noch immer die Einschränkung der Persönlichkeitsrechte durch einen Zwangsdienst und die Ablösung der Entsoldung von jeglicher Normalität auf dem Arbeitsmarkt. Ohne das werden aber auch die erwarteten gesellschaftlichen Benefits ausbleiben ... denn DAS hat die Pflege damals so billig gemacht.

Ich habe mich damals komplett ausgeliefert und entrechtet gefühlt und ich war froh, als ich mit dem Zivi durch war, und dann mit der gleichen Arbeit das 8fache verdienen konnte. Hätte mein Arzt nicht interveniert, wäre ich wohl in dem bereich geblieben ... aber der sagte "noch 5 jahre, und sie brauchen einen neuen Rücken".

Ich arbeite gerne im sozialen Bereich ... aber bitte nicht zu einem lächerlichen Bruchteil des üblichen Stundenlohns in dem Bereich und bitte nicht mit regelmäßigen Fortbildungen zum Thema "rückenschonendes Arbeiten" (zu denen die Zivis eh nie eingeladen waren) und ohne die Hilfsmittel auf der Station, die dieses Arbeiten auch ermöglichen - das ganze bei einer Taktung, die es nichtmal erlaubt, ein modernes Pflegebett auf die für rückenschonendes Arbeiten notwenidige Höhe zu bringen. Mit den alten mechanischen geht das ... dabei wird der Patient aber gleichzeitig noch etwas durchgeschüttelt, wenn man Zeitdruck hat (den hatte ich im Zivi immer).
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: Capet
Ich finde das ein Dienst Vorteile fuer die Dienstleistenden, die Gesellschaft sowie fuer den Staat bietet. Die Dienstleistenden kommen aus ihrer Wohlfuehlzone raus und muessen lernen mit/fuer andere Menschen zu arbeiten. Dabei lernen sie noch etwas und erweitern ihr Weltbild.

Fuer Kampfeinsaetze muesste die Dienstzeit wohl mindestens 18 Monate betragen um (Grund-)Ausbildung, Einsatzvorbereitung, Einsatz und Nachbearbeitung ordetnlich abhandeln zu koennen. Dienstleistende wuerde man daher fuer unterstuetzende Taetigkeiten einsetzen.

Das dein Zvildienst anno dazumal Scheisse war, ist halt so. Ich wuerde sagen "tut mir leid", aber das tut es nicht. Man muss ja nicht alles so machen wie vor 25 Jahren. Verbleites Benzin, Asbest und FCKW nutzt man heute auch nicht mehr. Man kann/sollte das heute schon so aufbauen, dass sich die Dienstleistenden aussuchen koennen wo sie dienen, dafuer entsprechend bezahlt und ausgebildet/eingearbeiet werden und nach ihrer Dienstzeit Nachweise haben.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Chrissssss
Damit das, was ich im Zivi so scheiße fand, nicht wieder passiert, müsste sich zumindest in der Altenpflege in den letzten 30 Jahren sehr viel geändert haben.
Ergänzung ()

Axxid schrieb:
Die Dienstleistenden kommen aus ihrer Wohlfuehlzone raus und muessen lernen mit/fuer andere Menschen zu arbeiten. Dabei lernen sie noch etwas und erweitern ihr Weltbild.
Ja, man findet so einiges heraus.

Für mich ist seit meinem Zivildienst klar, dass ich den Freitod einem Lebensabend in einer solchen Einrichtung eigentlich vorziehe.

Wie gesagt, ich arbeite eigentlich ganz gerne für und mit Menschen ... aber nicht in einem so durchökonomisierten Umfeld, in dem man nicht viel mehr als Fließbandpflege leisten kann.

Schlimm fand ich nicht das Arbeiten am Menschen (mit dreckiger Wäsche, Fäkalien oder verbitterten Alten komme ich klar), sondern dass man nie genug Zeit hatte, um das auch menschenwürdig zu machen.
 
Zuletzt bearbeitet:
DerOlf schrieb:
@Corto
Wir haben Mindestlohn ... also vergiss mal schön die superbilligen Pflegekräfte durch Kriegsdienstverweigerung.
Naja, Mindestlohn greift auch nicht immer. Man muss nur das Gesetz entsprechend anpassen, wie es z.B. für Studenten im Pflichtpraktikum gemacht wurde. Dann kannst du Leute mit einem Bachelorabschluss für 0€ für Pflichtpraktikumsdauer + 3 Monate - 1 Tag einstellen. :bussi:
 
@DerOlf
Man muss aber ehrlichweise auch sagen, dass deine Zivi-Stelle nicht "normal" war.

Ich kenne ganz ganz viele Leute die Zivildienst geleistet haben. Das waren alles Tätigkeiten die die eigentlichen Pflegenden entlasteten und keine krassen Sachen. Ich war selbst in der Altenpflege und hab essen ausgeteilt, Wäsche gefahren, Arztbesuche begleitet, Essen angereicht, mal jemanden mit umgelagert oder mit jemand spazieren gegangen draußen. Man konnte freiwillig auch pflegen, also toilettengänge oder duschen oder sowas - aber eben freiwillig.

Alle anderen die ich kenne waren bei Essen auf Rädern, in der Werkstatt für Menschen mit Behinderung oder oder oder. Da hat niemand nen Burnout bekommen und die Fachpfleger hatten einfach mehr Zeit für die eigentliche Pflege/Betreuung.
 
Es muss ja auch nicht Wehrdienst sein, wenn man im Zivildienst auch das erste mal in seinem Leben mal Strukturen und das Befolgen von Regeln kennenlernt. Das asoziale Benehmen - ganz besonders gegenüber Frauen - gewisser Teile der heutigen Jugendlichen ist jedenfalls nicht das, wie wir uns in den 90ern verhalten haben. Meine Frau wurde letztens im Kaufland mit "verpiss dich mal Alte" angemacht. Ca. 14 Jahre alt mit zwei geringfügig Älteren unterwegs - Kommentar zum Kulturkreis erspare ich mir mal. Ich war leider nicht dabei.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: MAYvonBlei
Ich bin mir sehr sicher, dass es das auch in den 90er Jahren gab. Und der Rassismus den du mit durchklingen lässt, unterstreicht dein Gesamtbild echt gut. Passt gut dazu, "sich" als Generation oder Alterskohorte auch noch ne größere Wertschätzung von Frauen anzudichten, die nachweislich gesellschaftlich in der Zeit so auch nicht existent war. XD

Langsam wird btw das "Damals waren wir viel besser und die Jugend von heute ist so schlimm!" Geseiere echt langweilig. Und auch nicht Themenrelevanter. ebenso wie anekdotische Evidenz je relevant werden wird.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Reglohln, WhiteHelix und OdinHades
ErnstHaft99 schrieb:
wenn man im Zivildienst auch das erste mal in seinem Leben mal Strukturen und das Befolgen von Regeln kennenlernt
Und das sorgt dafür, dass man sich Frauen gegenüber nicht asozial benimmt? Also ich wüsste nicht, dass man beim Zivi oder Bund irgendwelche Werte gegenüber Frauen vermittelt bekommen hat. Zu mal der Großteil dort erst gelandet ist mit 18 oder in der Regel noch älter. Wenn man da noch nicht den Respekt vor Frauen oder Menschen im Allgemeinen hat ist es eh zu spät.
So Dinge zu vermitteln gehört auch ins Elternhaus und wurde bei einem 14-jährigen, wie in Deiner Geschichte, offensichtlich verpasst. Was soll da min. 4 Jahre später der Bund/Zivi noch ausrichten?

Wenn ich so einen Quatsch immer lese, weder der Staat, noch irgendwelche sozialen Träger sind dafür da erwachsenen Menschen Benehmen und Strukturen zu vermitteln. Außerdem ist es zu dem Zeitpunkt eh schon zu spät.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: xexex
Corto schrieb:
Man konnte freiwillig auch pflegen, also toilettengänge oder duschen oder sowas - aber eben freiwillig.
Schön wäre es gewesen. Auf eine Frage mit "Möchten Sie" darin, kam bei kritischem Gesichtsausdruck von Oberschwester, PDL und anderen nur "ich kann das auch dienstlich Anordnen".
Daher habe ich nach 11 Tagen "Schaukelschicht" natürlich "freiwillig" noch einen 12. Tag gearbeitet.
Ich habe die Bewohner morgens aus dem Bett geholt, ihnen beim Waschen geholfen (oder sie gewaschen), Leute umgelagert, gebadet, Essen ausgeliefert und angereicht ... und musste nebenbei noch die Pflegelkräfte entrlasten, in dem ich Toilettenstühle reinigte, Apothekengänger erledigte, mit Bewohnern Arztbesuche und Spaziergänge machte ... abends habe ich sie dann wieder ins Bett gebracht.
Gleichzeitig war ich noch Gehilfe des Sozialdienstes ... aber das war eigentlich der Teil des Zivis, der richtig Spass gemacht hat.
All das habe ich alleine gemacht, beinahe ohne technische Hilfsmittel, und ziemlich sicher nicht freiwillig. Mir wurde das als "normal" verkauft und mit meinen naiven Anfang 20 habe ich das auch nicht hinterfragt.
Das kam erst später, und seit dem lehne ich Zivildienst in der Pflege kategorisch ab.
ErnstHaft99 schrieb:
Es muss ja auch nicht Wehrdienst sein, wenn man im Zivildienst auch das erste mal in seinem Leben mal Strukturen und das Befolgen von Regeln kennenlernt.
Wenn man dafür Wehr- oder Zivildienst braucht, dann liegt das allenfalls am Totalversagen des Elternhauses und ist damit nicht so sehr das Problem der jüngsten Generation, als der davor.
 
ErnstHaft99 schrieb:
Das asoziale Benehmen - ganz besonders gegenüber Frauen - gewisser Teile der heutigen Jugendlichen
Da würde sich die Frage stellen ob diese "gewissen Teile", zur Bundeswehr einberufen werden....

Erziehung ist aber eigentlich Sache des Elternhauses, eine "verkappte" Erziehung mit Werten die nicht unserer "Norm" entsprechen, können weder die Schule noch andere deutsche Institutionen ausgleichen, zumal diesen die Möglichkeiten fehlen entsprechend zu agieren. Die Bundeswehr hat keine "Bootcamps", es gibt auch kein richtiges Militärgericht oder ein Kittchen, was hast du also zu erwarten, einen Rauswurf?

Wie ich schon ausführlich weiter oben schrieb, das mit Erziehung und zum "richtigen" Mann heranwachsen, ist reine Westernromantik und entspricht (schon lange) nicht der Realität.
 
Zuletzt bearbeitet:
FrankenDoM schrieb:
Und das sorgt dafür, dass man sich Frauen gegenüber nicht asozial benimmt? Also ich wüsste nicht, dass man beim Zivi oder Bund irgendwelche Werte gegenüber Frauen vermittelt bekommen hat.
Dann bist du nicht auf dem aktuellen Stand. Das hat auch Einhalt in die Bundeswehr gefunden. Hatte im Dezember noch an einem Vortrag der Gleichstellungsbeauftragten teilgenommen.
xexex schrieb:
Erziehung ist aber eigentlich Sache des Elternhauses, eine "verkappte" Erziehung mit Werten die nicht unserer "Norm" entsprechen, können weder die Schule noch andere deutsche Institutionen ausgleichen, zumal diesen die Möglichkeiten fehlen entsprechend zu agieren.
Mit Erziehung kann man auch nicht alles verhindern. Meine Cousine hat auch so einen schwierigen Fall als Tochter, obwohl beide Elternteile quasi dem klassischen "Idealbild" entsprechen.
Ergänzung ()

WhiteHelix schrieb:
Ein Einzelfall, mehr nicht. Als wenn es in anderen Institutionen nicht solche Fälle gäbe. Wieder einen Einzelfall zum Standard erheben - ganz schlechte Argumentation. Wichtig ist, dass so ein Verhalten zu Konsequenzen führt. Und das ist auch der wichtige Unterschied beim Arbeitgeber / Dienstherren zum "normalen" Leben (wo so ein Verhalten quasi einen Freifahrtsschein hat).
 
Zuletzt bearbeitet:
ErnstHaft99 schrieb:
Wieder einen Einzelfall zum Standard erheben - ganz schlechte Argumentation.
Exakt das hast du eingangs gemacht mit deiner Einzelfallschilderung. Und hast rassistische ressentiments mit einfliessen lassen ebenso wie daraus eine allgemeingültig formulierte aussage abgeleitet. :rolleyes:
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: WhiteHelix und Reglohln
xexex schrieb:
es gibt auch kein richtiges Militärgericht oder ein Kittchen
Wie jetzt, wurde das Café Viereck mittlerweile geschlossen?
 
ErnstHaft99 schrieb:
Meine Cousine hat auch so einen schwierigen Fall als Tochter, obwohl beide Elternteile quasi dem klassischen "Idealbild" entsprechen.
Kannst du dieses "Idealbild" etwas genauer Beschreiben?
Oder ist das auch etwas, das du dir hier lieber sparst?

Ist aber auch egal.
Kinder werden nie zu Abziehbildchen ihrer Eltern ... der Grund liegt in der Individualpsychologie. Das eigene Elternhaus ist DAS Abgrenzungsobjekt schlechthin. Irgendwann will Sohnemann halt ne andere Frisur als Papa, und Töchterchen möchte lieber die Pumpgun, als das Barbiehaus.
Ich habe genau deswegen erst sehr spät angefangen, Texte am PC zu schreiben ... Papa war halt Programmierer und es hat den schon irgendwie gefuchst, dass sein Sohn doch lieber die alte mechanische Schreibmaschine benutzt hat, als seinen PC.
Das nennt sich "Rebellion" und ist normal für Jugendliche.

Gerade, wenn das Kind in der "idealtypischen Familie" aufgewachsen ist, wird es sich nicht zum "idealtypischen Jugendlichen" entwickeln, den sich die Eltern vielleicht gewünscht haben.

Mein Großeltern fanden mich respektlos ... und ich werde sicherlich auch bald anfangen, Jugendliche für respektlos zu halten ... vielleicht liegts ja an Verkalkung?
 
Zuletzt bearbeitet:
ErnstHaft99 schrieb:
Meine Cousine hat auch so einen schwierigen Fall als Tochter, obwohl beide Elternteile quasi dem klassischen "Idealbild" entsprechen.
Ein "Idealbild" gibt es nicht, weil nun mal jedes Kind anders ist. Ein gutes soziales Umfeld ist auch nur ein Baustein der Erziehung, der aber genauso schnell sowas wie die Greta hervorbringen kann.

Der springende Punkt ist aber, was die Eltern in 18 Jahren nicht schaffen oder verbocken, kann keine hiesige Institution in sechs Monaten zurechtbiegen und was die Bundeswehr anbetrifft, so ist es auch nicht deren Aufgabe.

ErnstHaft99 schrieb:
Ein ordentliches, strukturiertes Elternhaus mit ausreichend Zeit für die Tochter.
Die Frage ist berechtigt, weil es für dich scheinbar ein "Idealbild" darstellt. Aus eigener Erfahrung kann ich dir nur sagen, solche Elternhäuser bringen oft Kinder in die Welt die "verzogen" sind, deren jegliche Struktur fehlt und keinerlei Selbständigkeit besitzen. Das wäre jetzt aber zu sehr OT um es noch weiter auszuführen.
 
Also gegen respektlose Jugendliche, die noch denken sie wären unverwundbar und alle anderen wären doof -
hilft ein Zivildienst ungemein. Mal ein paar Monate eine Beziehung zu einer Person aufbauen mit der man sonst nie geredet hätte. Vergänglichkeit miterleben.

Mir hat das damals geholfen, trotz meines daseins als hedonistischer Nichtsnutz :D
 
Zurück
Oben