Welche RX 7900 XTX ? Oder doch lieber RTX 4080?
Fazit
Die GeForce RTX 4070 Ti zu beurteilen, ist keine einfache Aufgabe. Der dritte Ableger der GeForce-RTX-4000-Serie passt durchaus gut in das neue Nvidia-Portfolio. Es gibt deutlich mehr FPS pro Euro als bei der GeForce RTX 4080, zugleich konkurriert die Grafikkarte mit der Radeon RX 7900 XT, auch wenn letztere „nur“ in Raytracing-Benchmarks geschlagen wird – dafür kostet die GeForce RTX 4070 Ti allerdings weniger. Nur ist die GeForce RTX 4070 Ti eben ihrerseits alles andere als günstig, sondern mit 899 Euro immer noch teuer – und für ein „70er-Modell“ (ganz gleich ob Ti oder nicht) schlicht und ergreifend zu teuer. Selbst die zu Mining-Zeiten erschienene GeForce RTX 3070 Ti hat mit 649 Euro 250 Euro weniger gekostet. Und im Vergleich zur GeForce RTX 3080 gibt es noch nicht mal mehr FPS pro Euro.
WQHD schmeckt der RTX 4070 Ti besser als Ultra HD
Doch was leistet die GeForce RTX 4070 Ti überhaupt? Nvidias neue Grafikkarte ist überraschend stark von der Auflösung abhängig. Je niedriger sie ist, desto besser schneidet das dritte Ada-Lovelace-Produkt im Vergleich zu den anderen Grafikkarten ab. In WQHD ist die RTX 4070 Ti zum Beispiel 2 Prozent schneller als die GeForce RTX 3090 Ti, in Ultra HD hingegen 6 Prozent langsamer. Auch mit Raytracing ändert sich an dem Bild nichts. Dass Nvidias offizielle Angabe von 80 Prozent mehr Leistung als die GeForce RTX 3090 Ti nur in Spezialfällen in Form von DLSS 2 vs. DLSS 3 gültig ist, war von vornherein klar. Das alte – und zugegebenermaßen weiterhin offiziell teurere – Flaggschiff wird nicht durchgängig geschlagen.
Der Leistungsrückstand zur GeForce RTX 4080 liegt bei 25 Prozent in Ultra HD, in WQHD sind es geringere 19 Prozent, da das schnellere Modell gelegentlich in ein CPU-Limit gerät. An der Radeon RX 7900 XT ist die GeForce RTX 4070 Ti in Rasterizer-Spielen in WQHD nahe dran – die Radeon ist nur 3 Prozent flotter, in Ultra HD wächst der Abstand auf 8 Prozent an. In Raytracing-Spielen ist die GeForce allerdings schneller und liegt 18 respektive 17 Prozent vorne.
Die GeForce RTX 4070 Ti eignet sich damit sehr gut für das Spielen in WQHD, sei es mit oder ohne Raytracing. Auch in zukünftigen Games wird die Leistung ausreichend sein, um bei maximalen Details eine hohe Framerate zu erzielen. In den meisten Titeln ist sogar Ultra HD bei maximaler Grafik kein Problem, jedoch deutet sich an, dass die Leistungsreserven in zukünftigen Spielen knapp werden dürften. Upsampling, sprich DLSS, kann dann aber effektiv Abhilfe schaffen. Das ist für das Spielen mit Raytracing ohnehin notwendig, wobei hier abzusehen ist, dass WQHD als Renderauflösung nicht mehr ewig möglich sein wird.
Effizient, aber nicht so sehr wie RTX 4080 & RTX 4090
Die GeForce RTX 4070 Ti bringt dieselben Stärken wie die größeren Modelle mit sich. Die Grafikkarte bietet dieselben Features, das neue DLSS 3 mit Frame-Generation und der Dual-Encoder sind wie bei dem Flaggschiff mit dabei. Die Neuheit arbeitet zudem sehr effizient, auch wenn sie mit rund 285 Watt beim Spielen ans Maximum gehen muss und damit weniger FPS pro Watt als die größeren Ableger liefert. Der Radeon RX 7900 XT und vor allem der alten GeForce-RTX-3000-Generation ist allerdings auch die GeForce RTX 4070 Ti diesbezüglich klar überlegen. Und das Modell kann ebenfalls sehr gut einen FPS-Limiter in mehr Energieeffizienz umsetzen, diesbezüglich ist Nvidias neue Architektur nichts anderes als beeindruckend.
Weniger beeindruckend ist hingegen der Speicherausbau. 12 GB sind zwar 50 Prozent mehr VRAM als bei der GeForce RTX 3070 Ti, was aber nichts daran ändert, dass die Radeon RX 7900 XT mit 20 GB klar mehr bietet und 12 GB auch heute schon nicht mehr durchweg den optimalen Betrieb ermöglichen und in Zukunft von Zeit zu Zeit zu wenig sein werden. Wer zum Beispiel in Spider-Man Remastered in Ultra HD inklusive Raytracing im Nachhinein DLSS aktiviert oder umschaltet, rennt sofort in einen VRAM-Mangel. 12 GB sind bei der aktuellen Generation voraussichtlich ziemlich genau das, was 8 GB bei der alten gewesen sind: meistens ausreichend, spätestens nach 2 Jahren aber auch mal zu wenig.
Insgesamt legt die GeForce RTX 4070 Ti damit zwar keinen perfekten, aber durchaus einen überzeugenden Auftritt hin. Die Grafikkarte passt gut in Nvidias RTX-4000-Line-up und schafft es erfolgreich, die Radeon RX 7900 XT immer mal wieder zu ärgern. Mit Raytracing ist die GeForce ein gutes Stück schneller – und effizienter ist sie ohnehin. Dafür bietet die Radeon ein paar andere Vorteile.
[IMG]https://pics.computerbase.de/1/0/6/3/0/5-f842436b36f4315c/23-1080.4832d403.jpg[/IMG] RTX 4070 Ti Customs von Asus und Gigabyte im Test
899 Euro sind für ein 70er-Modell zu viel
Doch 899 Euro bleiben eben 899 Euro – wobei noch sehr fraglich ist, wie viele Modelle es überhaupt zu diesem Preis geben wird. Damit stellt die GeForce RTX 4070 Ti eine deutliche Preissteigerung gegenüber der GeForce RTX 3070 Ti dar, die in Mining-Zeiten geboren worden ist. 1.000 Euro und mehr werden im Handel vermutlich keine Seltenheit sein.
Damit hat nach wie vor ausgerechnet die GeForce RTX 4090 irgendwie die sinnvollste Preisgestaltung bei Nvidia, die im absoluten GPU-Limit kaum weniger FPS pro Euro liefert als die GeForce RTX 4070 Ti. Und auch wenn die neue Grafikkarte ein klar besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als die GeForce RTX 4080 bietet, ist dies eben keine Kunst. 900 Euro für eine Grafikkarte der 70er-Klasse sind einfach zu viel. Daran kann weder eine wirklich gute GPU-Architektur noch DLSS 3 oder Sonstiges etwas ändern.
Natürlich kann man es aber auch genau andersherum verkaufen, nämlich dass der Kunde für einen günstigeren Preis nun in etwa die Leistung einer RTX 3090 Ti erhält, deren UVP bei 1.329 Euro liegt und die zum Marktstart sogar 2.249 Euro kostete. Falsch ist das nicht, dennoch haben sich beide großen Hersteller derzeit deutlich aus dem für viele Spieler erträglichen Preisbereich entfernt.
Denn auch AMD ist diesbezüglich nicht besser. Die Radeon RX 7900 XT ist mit dem UVP von 1.049 Euro und dem aktuellen Marktpreis von 999 Euro ebenso zu teuer. Nur hilft dies dem Spieler eben nicht. Aktuell ist es in dieser Preisklasse nur möglich, den Gedanken an ein brauchbares Preis-Leistungs-Verhältnis völlig zu vergessen oder gebraucht zu kaufen. PC-Gaming hat spätestens im Jahr 2023 ein Problem bekommen, wenn ausgerechnet die teure GeForce RTX 4090 noch am meisten Gegenwert für den Kaufpreis zu bieten scheint.
Die Asus TUF ist ein gutes Custom-Design ohne Schwächen
Soll es doch eine GeForce RTX 4070 Ti werden, konnte im Test die Asus GeForce RX 4070 Ti TUF OC überzeugen. Die Grafikkarte hat ein gutes Kühlsystem, das mit beiden BIOS-Versionen angenehm leise arbeitet. Mehr Performance darf von dem Custom-Design aber nicht erwartet werden. Der Kaufpreis, der vorab nicht genannt wurde, wird mit Sicherheit über den angesetzten 899 Euro eines Standard-Modells liegen.
Für 915 Euro soll es die Gigabyte GeForce RTX 4070 Ti Eagle OC geben, deren Testexemplar aber mit einem sehr nervigen Spulenrasseln auffällt, wie es die Redaktion noch nie erlebt hat. Es ist durchaus möglich, dass dies nur ein Einzelfall ist, was aber reine Spekulation ist. Und das ist schade, denn die Gigabyte-Grafikkarte weiß vor allem mit dem Silent-BIOS zu gefallen. Der Kühler kommt zwar nicht an das TUF-Pendant von Asus heran, legt aber einen durchaus überzeugenden Auftritt hin.
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Steht also fein säuberlich im Fazit, wo die Stärken und Schwächen sind.
ComputerBase schreibt das doch eigentlich zwecks Kaufberatung.