Die Ansprüche an ein Spiel unterscheiden sich, wie bei einem Buch oder Film auch, von Mensch zu Mensch. Ab und an schaue ich zwar auch ganz gern mal stumpfe Actionfilme aber Filme wie Inception setzen sich bei mir viel stärker und langfristiger in meinem Kopf fest und das sind dann die Moment wo ich mich selber für die Entscheidung, diesen Film zu sehen, beglückwünsche und sagen kann: das hat sich gelohnt!
Bei den Spielen ist das genauso. Ich spiele zwar auch gern mal eine Runde CSS aber das ist nichts wo ich später mit meinen Freunden drüber reden kann, verschiedene Aspekte des Spieles diskutieren oder mit jemandem Prognosen aufstellen kann, wie es weitergeht.
Solche Spiele sind aus dem Mainstream, meiner Meinung nach, größtenteils verschwunden und drängen sich manchmal von Indy-Entwicklern auf die Festplatten der Leute. Zwei aktuelle Beispiele sind hier Minecraft und DayZ. Das sind Spiele, wo vorher keiner mit gerechnet hat.
Ich will jetzt nicht sagen, dass die Mainstream-Spiele alle schlecht sind und es hier keine Titel mit Anspruch mehr zu finden gibt aber es lohnt sich manchmal eben auch ein Blick auf die kleineren Titel.
Vergleicht man jetzt Half Life 1 mit dem zweiten Teil, so finde ich, dass die Spielmechanik, die Abwechslung und das gesamte Gamedesign stimmt. Spaß gemacht haben mir beide Spiele aber trotzdem hatte der erste Teil irgendwie noch mehr Charme. Das liegt, meiner Meinung nach, daran, dass man einfach nicht wusste was los ist und so viel Freiraum für die Fantasie (schreibt man das jetzt wirklich so?) blieb. Auch nach dem Spiel habe ich darüber nachgedacht was für Experimente die Forscher von Black Mesa durchgeführt haben, wer dieser komische Anzugsmensch ist und was zur Hölle eigentlich los ist. Valve hat das ganz gut weitergeführt, indem auch im zweiten Teil unklar ist wer der G-Man eigentlich wirklich ist. Aber es wurde einfach schon viel mehr von der Story aufgedeckt und somit fällt dieser mysteriöse Part, der einen nachdenklich stimmt, zum Teil weg.
Früher hatten die Entwickler viel weniger Möglichkeiten bei der Umsetzung ihrer Ideen und mussten versuchen mit kleinsten Mitteln die Geschichte rüberzubringen. Dadurch hat man eben viele Storyelemente nicht über super gestaltete Cut-Scenes erlebt, sondern irgendwie anders erzählt bekommen. So werde ich nie vergessen, wie ich in Gothic ins alte Lager wollte und von meinen Freunden abgefangen wurde, weil dort etwas vorgefallen war.
Das lies eben zu, dass ich mir selber ausmalen muss, was genau nun passiert ist. Diese Aufforderung, seine eigene Fantasie zu benutzen, fehlt mir bei den Mainstreamtitel derzeit.
Bisher habe ich nur zwei Indy-Titel gespielt aber beide haben mich absolut vom Hocker gerissen. Der erste war Amnesia. Man war das gruselig, weil ich nicht wusste was los ist aber ständig irgendwas kommt, das mich töten kann. Und ich kann mich nicht mal wehren! Ein ganz beklemmendes Gefühl. Aber ich wollte unbedingt rausfinden worum es eigentlich geht. Es blieb also keine Wahl: ich MUSSTE weiterspielen
Der andere Titel war The Void. Ein gänzlich anderes Spiel aber fast noch einfallsreicher gestaltet. Das war im Prinzip nur so ausgerichtet, dass es verschiedene Gefühle anspricht und man sich ständig mit dieser träumerisch gestalteten Welt auseinandersetzt. Ich würde das ganze Spiel eher als Kunstwerk mit Handlungsmöglichkeiten ansehen als ein Spiel. Das ist natürlich aber auch nicht jedermans Sache. Ich kann aber nur raten es mal auszuprobieren. Eigentlich hätte ich vorher auch nicht erwartet, dass es mich begeistern wird.
Fazit: mehr Freiraum für die eigene Fantasie braucht die Welt. Es muss nicht immer alles für Dumme präsentiert werden. Ich will auch mal gezwungen werden mir einen Teil der Geschichte selbst zu überlegen. Bei Herr der Ringe (dem Buch) denke ich heute noch darüber nach was wohl passiert ist als Sauron den Ring geschmiedet hat, wie die Schlacht war, als er fiel usw. So etwas fehlt mir heute.