Hallo!
Ich arbeite seit mittlerweile knapp 10 Jahren in der Logistikbranche. ich habe ,unter anderem, die Beschaffungs- und Distributionsprozesse für LIDL in Großbeeren mitausgearbeitet.
Da steht ein ca. 90.000 palettenfassendes Zentrallager für quasi ganz Ostdeutschland + Teile von Norddeutschland. Da kommt Ware aus z.Bsp. Spanien mit nem stinknormalem LKW an und wird mit diesen netten " Produkte aus ihrer Region" LKW`s am nächsten Tag auf die Märkte verteilt.
Ergo ist nicht alles wahr was auf Transportfahrzeugen steht. Wenn die ehrlich wären würde da nämlich " Ich tu alles für Geld und würde meine Kinder verkaufen wenn ich Gewinn mache" draufstehen.
Bei einer Sache kannst du dir nämlich absolut sicher sein, JEDES Unternehmen tut alles um schwarze Zahlen zu schreiben.
Ich muss wegen 0,001 €-Cent Unterschied pro Lastkm bei Ausschreibungen den preiswerteren Spediteur wählen. Dummerweise kenne ich den Spediteur ziemlich gut und kenne daher auch seine Geschäftsgebahren. Er gibt günstige Angebote bei industriellen Versendern ab und bekommt meist den Zuschlag.
Jetzt fragt sich der geneigte Betrachter wie man ein Transportaufkommen von knapp 60 Fernzügen mit einem 7,5 to Laster bewältigt.
Ganz einfach: Man kauft sich ausländische Frachtführer, die aufgrund komplett anders strukturierter Sozialabgaben in anderen Ländern, viel niedrigere Preise anbieten können als einheimische Spediteure.Die EU Lizenz machts möglich.
Das ist jetzt kein Gewinsel das die Deutschen ja so arm dran sind. Nein, es ist einfach ein widerliches Geschäftskonstrukt.
1. Wegfall von ca. 35 % Frachtangeboten für deutsche Frachtführer seit Einführung der EU L Lizenz. ( Hierdran hängen Spediteure wie Subunternehmer, die auch alle Familien
haben).
2. Ausländische Frachtführer können im Preis immer weiter gedrückt werden, da sie kaum Zugang zu Erstaufträgen ( also nicht schon 3 mal weiterverkauft ) haben. Sie sind abhängig vom täglichen Verladegeschäft ( für nahezu jede dt. Spedition das Todesurteil auf Zeit ). Somit müssen sie dann eben statt 300 € 2 Monate später 280€ für 300 Lastkilometer akzeptieren. Somit ist auch der ausländische Frachtführer gezwungen, nach gewisser Zeit, Einsparpotenziale zu nutzen. Das heißt in der Regel weniger gehalt bzw. weniger Personal.
Somit beißt sich bei deinem ehrwürdigem Vorhaben also die Katze in den Schwanz. Egal wie toll der Supermarkt ist, schon beim Transport wird gepiesackt wie es nur geht. Dieselben Laster befördern übrigens Fair Trade Produkte. Nebenbei gesagt eine Erfindung der Bananenindustrie. Damals noch unter anderem Namen, aber mit der selben Absicht.
Und auch hier wird gedrückt wo es nur geht. das Fair Trade Siegel suggeriert ja das in jedem Schritt der Produktions - und Absatzkette gleichberechtigte Partner faire Löhne und Arbeitszeiten aushandeln. Die wenigsten wissen das aber nur die umweltspezifischen Bedingungen sowie die Sicherstellung der Existenz vom Ersterzeuger geprüft werden.
Leckeres Ben& Jerry Eis als Beispiel: Vanille wird benötigt. Wo bestellen wir die? Na klar, in Madagascar ( weltweit größter Vanilleexporteur). Also rufen wir bei Vanilla International GmbH an. Die sagen uns prompte Lieferung zu. Und das beste ist: Wir können ein fair Trade Siegel auf die Packung klatschen.
Denn Bauer XXXXX liefert seine Vanille ja für 0.20 Cent statt andere für 0,15 Cent. Somit kann der Bauer in einer Behausung leben und auch ein bischen Essen kaufen. Zwar immernoch unterirdisch wenig aus unserer Sicht, aber ja nunmal besser als vorher.
Jetzt fängt es aber an gemein zu werden. Die Vanille wird in ein Lager geschafft, bis sie nach Amerika verschifft oder ausgeflogen wird. Hier arbeiten Lagerarbeiter, Verpacker und Kommisionierer deren Lohn keinen interessiert.
Jetzt wird die Ware auf ein Schiff gebracht. Arbeiten die Matrosen eigentlich für gutes Gehalt? Oder sind sie arme Schlucker aus Indonesien mit zuwenig zum Leben und zuviel zum Sterben?
Jetzt kommt die Ware im Hafen von New York an. Was? Der Dockarbeiter ist nicht versichert und arbeitet 3 Monate um ne Krankenhausrechnung zu bezahlen?
und jetzt kommt das alles endlich zu Ben & Jerrys. FAIR TRADE Aufkleber werden hastig auf das Endprodukt geklebt.
Jetzt geh ich zu Kaisers und seh die Packung. Oh, FAIR TRADE! Da tu ich doch was gutes mit.
Und Zack wurde 3 % der Kette geholfen während weiterhin 60 % nie auf nen grünen Zweig kommen.
Ich habe gelernt zu akzeptieren, das es keine Fairness gibt. Egal wo, Unternehmen sind immer auf ihren Vorteil bedacht.
Auch der kleine Biomarkt muss beliefert, renoviert und geputzt werden.
Letztendlich ist das System insgesamt zwar zum Brechen, aber unumgänglich.
Sorry ist ein bischen lang geworden.