Wo kann man guten Gewissens seinen regelmäßigen Einkauf tätigen?

Venyo

Lieutenant
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Ich frage mich, wo man am besten seinen regelmäßigen Einkauf erledigen kann anhand folgender Kriterien:

* werden die Mitarbeiter des Supermarkts gut behandelt? (gutes Einkommen, menschliche Arbeitsbedingungen)
* sind alle oder wenigstens die meisten Waren aus möglichst fairer und ökologischer Produktion?

Deswegen habe ich Aldi, Lidl, Penny schonmal kategorisch ausgeschlossen.

Momentan kaufe ich bei Real. Allerdings habe ich keine Ahnung, wie da die Arbeitsbedingungen sind. Ich finde es aber gut, dass es z.B. viele Bio-Produkte gibt.

Weiß jemand evtl., wie es bei Kaisers oder Rewe oder anderen Supermärkten aussieht?

Bei Kaisers war ich einmal zumindest sehr beeindruckt, als da gerade zwei Liefer-LKW waren (auf einem stand "Gutes aus der Region" oder so ähnlich) und der eine sagte zum Anderen "Grüß die Familie", das waren glaube ich Landwirte. Und Produkte aus der Region sind ja meistens schonmal sozialer und oft auch gesünder(?) als Massenimportzeugs (vereinfacht gesagt). War also ein sympathischer Eindruck. Trügt der evtl. doch?^^
 
So wies aussieht, mußt Du dir nen Garten anlegen, um wenigstens überhaupt was zum Essen zu haben.
 
Ich weiß, dass es nicht möglich ist, den perfekten Supermarkt zu finden. Aber wer sich deswegen denkt "dann ist halt scheißegal wo ich einkaufe", ist Egoist, der sich im Endeffekt selber schadet. Heiliger und Moralapostel will ich auch nicht sein, aber ich möchte niemals für 6€ / Stunde einen Vollzeitjob machen müssen und deswegen unterstütze ich sowas nicht, indem ich bei einem Laden einkaufe, der solche Löhne zahlt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Du könntest auch bei dir im Umland nach einem Hofladen eines Landwirtschaftshofes ausschau halten.

Ist halt bloß das Problem, dass die Produktpalette eingeschränkt ist und man im ungünstigen Falle einen deutlichen Mehrweg in Kauf nehmen muss.
 
Die Fragestellung ist so wie hier formuliert eigentlich kein Diskussionsthema für das P&G.
Trotzdem ist die Frage an sich natürlich berechtigt. Ich verschiebe das Thema deshalb mal "Treffpunkt".
 
Venyo schrieb:
Heiliger und Moralapostel will ich auch nicht sein, aber ich möchte niemals für 6€ / Stunde einen Vollzeitjob machen müssen und deswegen unterstütze ich sowas nicht, indem ich bei einem Laden einkaufe, der solche Löhne zahlt.

Ich arbeite in einer Molkerei, die genossenschaftlich organisiert ist und den Landwirten gehört. Diese Landwirte produzieren zu einem großen Teil Bio-Milch und werben ebenfalls intensiv mit Regionalität. Aber glaub mir: Wenn sie die Wahl haben, weniger Geld für ihre Rohmilch zu bekommen oder aber Festangestellte der Molkerei durch schlecht bezahlte Leiharbeiter zu ersetzen um den Auszahlungspreis konstant hoch zu halten, entscheiden sie sich geschlossen für letzteres. "Bio" und "Regionalität" heißt also noch lange nicht, dass dort in der kompletten Wertschöpfungskette "fair" gewirtschaftet wird.

@blubberbrause
Alnatura wird recht intensiv von uns beliefert....
 
Venyo schrieb:
Bei Kaisers war ich einmal zumindest sehr beeindruckt, als da gerade zwei Liefer-LKW waren (auf einem stand "Gutes aus der Region" oder so ähnlich) und der eine sagte zum Anderen "Grüß die Familie", das waren glaube ich Landwirte. Und Produkte aus der Region sind ja meistens schonmal sozialer und oft auch gesünder(?) als Massenimportzeugs (vereinfacht gesagt). War also ein sympathischer Eindruck. Trügt der evtl. doch?^^

Das ist doch einer der ältesten Werbeslogans überhaupt. Genauso wie "Herzlich willkommen, unser Kunde ist König", wo man aber nie einen Mitarbeiter findet den man fragen könnte, wenn man eine Frage hätte.

Und was machst du, wenn es in deiner Region Massentierhaltung gibt? Da müsste ja nach deinen Aussagen dein KArtenhaus zusammenfallen.
 
Ist nicht leicht, aber generell würde ich jeden Supermarkt an Deiner Stelle meiden! Ein Supermarkt kann nur deshalb ein so großes Sortiment führen, weil er sich eben nicht regional bedient. Soll nicht heissen, dass die nicht auch mal Produkte aus der Region haben, aber es wird doch eher die Ausnahme sein!

Wir haben hier am Ort Bio-Bauern, die direkt verkaufen, dort bekommt man viele hochqualitative Nahrungsmittel, aber auch zu hohen Preisen. Das wäre mein Ansatz, wenn ich wie Du handeln möchte.

Wobei auch der Bauer aus der Region zwar oft eine bessere Qualität bieten kann und auch eine bessere ökologische Bilanz hat, weil die Nahrungsmittel nicht erst durch das Land kutschiert werden müssen - das bedeutet aber immer noch nicht, dass der auch seine Arbeiter und Angestellten / Familie ordentlich behandelt!

Das komplett gute Gewissen hat kein Laden im Sortiment ......
 
Bio ist nicht umbedingt besser, als konventionell erzeugte lebensmittel.
Wenn du wirklich ökologische korrekt einkaufen willst, dann darfst du nur produkte aus deiner Region kaufen und auch nur lebensmittel die zu dieser jahreszeit auch reif sind. Weil das ganze verschiffen und rumkarren mit dem lastwagen ist schonmal schlecht für die klimabilanz.

Oder leg dir nen eigenen Garten an wie schon geschrieben worden ist ^^

Sonst kann ich auch nur als Tipp ein Reformhaus oder Bioladen ala Alnatura sagen.
 
Achte auf das Fair Trade Siegel. Es gibt zwar nur wenige Produkte, dass wohl bekannteste ist Ben & Jerrys Eis, aber es werden immer mehr.

http://www.fairtrade-deutschland.de/

Die werben damit das alle Mitarbeiter fair bezahlt werden, etc.
 
Ylem schrieb:
Das ist doch einer der ältesten Werbeslogans überhaupt. Genauso wie "Herzlich willkommen, unser Kunde ist König", wo man aber nie einen Mitarbeiter findet den man fragen könnte, wenn man eine Frage hätte.

Du hast das mit dem König sein nicht verstanden;)
Der König fragt nicht, er entscheidet. Also in dem Fall entscheidet er einfach und ggf. auch willkürlich was er kauft.
Von der Seite betrachtet passt es dann schon wieder besser mit dem Slogan.

An den TE:
In meinem Bekanntenkreis habe ich Jäger, Angler und einige Imker. Die wiederum kennen Schlachter usw. Da bekommt man dann Fleisch und Fisch die heimatnah gelebt haben und auch Regional verwurstet wurden. Preise sind auch absolut fair, würde sagen etwa 15-30% über dem Supermarktniveau. Dazu kommen dann Regelmäßig anrufe wie "Unsere Zucchini, Tomaten, Kirschen, Salatköpfe usw. sind reif, könnt ihr was gebrauchen?
Auf dem Dorf klappt sowas eigentlich immer recht gut, in der Stadt wird das mit Sicherheit in der Form nur eingeschränkt klappen.
 
Martinshof im Saarland erfüllt alle deine Kriterien.
 
bei uns in der stadt gibt es eine eigene greislerei die von den bauern aus der umgebung beliefert wird, dort bekommt man nahezu alle lebensmittel die unsere landwirte herstellen, alles bio und aus kontrolliert ökologischen anbau..
das ist aber in österreich, für deutschland kann ich dir keinen tipp geben.
es gibt auch eigene bio läden bei uns
 
Es gibt mittlerweile auch genug Öko-Landwirte, die per Versand Ihre Produkte feil bieten!
Meinen Tee und Kaffe kaufe ich seit vielen Jahren nur mit dem "fair trade" Siegel - allerdings hauptsächlich, weil es eben besserer Kaffee ist und mir auch besser schmeckt!

Fleich und Wurst gern Bio, hin und wieder auch vom Bio-Landwirt - sonst aber auch in einem normalen Schlachter vor Ort - Fleisch kaufe ich nicht im Supermarkt! Käse aber sehr wohl - ich bin da nicht sehr konsequent, aber ich schaue auch nicht auf den Euro und wenn ich ein ähnliches Produkt in "Fair trade" oder "Bio" bekomme, ziehe ich das vor!

Für Städter, einfach mal im Internet suchen, viele gute / faire Produkte gibts auch über den Paketdienst, wenn es denn was besonderes sein soll!
 
Hallo!
Ich arbeite seit mittlerweile knapp 10 Jahren in der Logistikbranche. ich habe ,unter anderem, die Beschaffungs- und Distributionsprozesse für LIDL in Großbeeren mitausgearbeitet.
Da steht ein ca. 90.000 palettenfassendes Zentrallager für quasi ganz Ostdeutschland + Teile von Norddeutschland. Da kommt Ware aus z.Bsp. Spanien mit nem stinknormalem LKW an und wird mit diesen netten " Produkte aus ihrer Region" LKW`s am nächsten Tag auf die Märkte verteilt.
Ergo ist nicht alles wahr was auf Transportfahrzeugen steht. Wenn die ehrlich wären würde da nämlich " Ich tu alles für Geld und würde meine Kinder verkaufen wenn ich Gewinn mache" draufstehen.
Bei einer Sache kannst du dir nämlich absolut sicher sein, JEDES Unternehmen tut alles um schwarze Zahlen zu schreiben.
Ich muss wegen 0,001 €-Cent Unterschied pro Lastkm bei Ausschreibungen den preiswerteren Spediteur wählen. Dummerweise kenne ich den Spediteur ziemlich gut und kenne daher auch seine Geschäftsgebahren. Er gibt günstige Angebote bei industriellen Versendern ab und bekommt meist den Zuschlag.
Jetzt fragt sich der geneigte Betrachter wie man ein Transportaufkommen von knapp 60 Fernzügen mit einem 7,5 to Laster bewältigt.
Ganz einfach: Man kauft sich ausländische Frachtführer, die aufgrund komplett anders strukturierter Sozialabgaben in anderen Ländern, viel niedrigere Preise anbieten können als einheimische Spediteure.Die EU Lizenz machts möglich.

Das ist jetzt kein Gewinsel das die Deutschen ja so arm dran sind. Nein, es ist einfach ein widerliches Geschäftskonstrukt.

1. Wegfall von ca. 35 % Frachtangeboten für deutsche Frachtführer seit Einführung der EU L Lizenz. ( Hierdran hängen Spediteure wie Subunternehmer, die auch alle Familien
haben).

2. Ausländische Frachtführer können im Preis immer weiter gedrückt werden, da sie kaum Zugang zu Erstaufträgen ( also nicht schon 3 mal weiterverkauft ) haben. Sie sind abhängig vom täglichen Verladegeschäft ( für nahezu jede dt. Spedition das Todesurteil auf Zeit ). Somit müssen sie dann eben statt 300 € 2 Monate später 280€ für 300 Lastkilometer akzeptieren. Somit ist auch der ausländische Frachtführer gezwungen, nach gewisser Zeit, Einsparpotenziale zu nutzen. Das heißt in der Regel weniger gehalt bzw. weniger Personal.


Somit beißt sich bei deinem ehrwürdigem Vorhaben also die Katze in den Schwanz. Egal wie toll der Supermarkt ist, schon beim Transport wird gepiesackt wie es nur geht. Dieselben Laster befördern übrigens Fair Trade Produkte. Nebenbei gesagt eine Erfindung der Bananenindustrie. Damals noch unter anderem Namen, aber mit der selben Absicht.

Und auch hier wird gedrückt wo es nur geht. das Fair Trade Siegel suggeriert ja das in jedem Schritt der Produktions - und Absatzkette gleichberechtigte Partner faire Löhne und Arbeitszeiten aushandeln. Die wenigsten wissen das aber nur die umweltspezifischen Bedingungen sowie die Sicherstellung der Existenz vom Ersterzeuger geprüft werden.
Leckeres Ben& Jerry Eis als Beispiel: Vanille wird benötigt. Wo bestellen wir die? Na klar, in Madagascar ( weltweit größter Vanilleexporteur). Also rufen wir bei Vanilla International GmbH an. Die sagen uns prompte Lieferung zu. Und das beste ist: Wir können ein fair Trade Siegel auf die Packung klatschen.
Denn Bauer XXXXX liefert seine Vanille ja für 0.20 Cent statt andere für 0,15 Cent. Somit kann der Bauer in einer Behausung leben und auch ein bischen Essen kaufen. Zwar immernoch unterirdisch wenig aus unserer Sicht, aber ja nunmal besser als vorher.

Jetzt fängt es aber an gemein zu werden. Die Vanille wird in ein Lager geschafft, bis sie nach Amerika verschifft oder ausgeflogen wird. Hier arbeiten Lagerarbeiter, Verpacker und Kommisionierer deren Lohn keinen interessiert.
Jetzt wird die Ware auf ein Schiff gebracht. Arbeiten die Matrosen eigentlich für gutes Gehalt? Oder sind sie arme Schlucker aus Indonesien mit zuwenig zum Leben und zuviel zum Sterben?
Jetzt kommt die Ware im Hafen von New York an. Was? Der Dockarbeiter ist nicht versichert und arbeitet 3 Monate um ne Krankenhausrechnung zu bezahlen?
und jetzt kommt das alles endlich zu Ben & Jerrys. FAIR TRADE Aufkleber werden hastig auf das Endprodukt geklebt.
Jetzt geh ich zu Kaisers und seh die Packung. Oh, FAIR TRADE! Da tu ich doch was gutes mit.

Und Zack wurde 3 % der Kette geholfen während weiterhin 60 % nie auf nen grünen Zweig kommen.

Ich habe gelernt zu akzeptieren, das es keine Fairness gibt. Egal wo, Unternehmen sind immer auf ihren Vorteil bedacht.
Auch der kleine Biomarkt muss beliefert, renoviert und geputzt werden.

Letztendlich ist das System insgesamt zwar zum Brechen, aber unumgänglich.

Sorry ist ein bischen lang geworden.
 
@Timomsv
Kann ich nur voll und ganz unterschreiben. Wer "Bio", "Aus der Region" oder "Fair Trade" kauft und glaubt, damit wirklich etwas gutes zu tun, der hätte im Mittelalter wahrscheinlich auch fleißig beim Ablasshandel mitgemacht....
 
Na ja, aber hier wird wohl niemand so naiv sein anzunehmen, dass mit Siegel xy JEDER der das Produkt durchandelt mehr verdient!
Es ist für mich absolut in Ordnung, wenn hier nur der "Bauer - Agrarbetrieb" verdient, im besten Fall kann der seine Angestellten auch besser bezahlen, darum gehts! - im Gegenteil, es wäre für mich nicht in Ordnung, wenn hier der Großhändler in D mit im Siegel enthalten wäre!
Was er aber wohl dennoch so ist, denn mit steigendem Grundpreis steigt meist auch die Handelsspanne.

Aber Du hast auch recht, dass man für die anderen, ganz armen in der Kette auch was tun sollte - aber das ist eine andere Baustelle.......

@ Melvin
Du hast vergessen zu schreiben, dass sich das hauptsächlich auf die Supermärkte bezieht! Kaufe ich "Bio" im Ladengeschäft meines Bauern, kann der mir den Namen des Rindes nennen, was ich mir auf den Grill lege! Und das er seine Viecher gut behandelt, kann ich mich selbst von überzeugen! Mit anderen Worten Bio ist nicht gleich Bio - aber in jedem Fall der erste Schritt in die richtige Richtung!
edit: der Vergleich hinkt aber dennoch an allen Ecken und Enden......
 
Zuletzt bearbeitet:
Schön, dass der Bio Bauer seine Rindviecher gut behandelt. Aber frag dochmal Einwohner der dritten Welt, was sie davon halten, dass die Deutschen massenhaft fruchtbares Land für Milchviehhaltung verschwenden, nur damit sie in den Genuss von Milch- und Fleischprodukten kommen können, während es woanders massenhaft Missernten gibt und um jedes Kilogramm Getreide gekämpft wird.... Glaubst du, dass sich diese Menschen vom deutschen Bio Bauern auch gut und fair behandelt fühlen?
 
REWE.

Gruß
G.
 
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