Aufgrund der AI-Infrastruktur: Microsofts Klimaziele für 2030 stehen auf der Kippe
Bis zum Jahr 2030 will Microsoft den eigenen Strombedarf praktisch vollständig mit Energien abdecken, die keine Treibhausgase ausstoßen. Aufgrund des KI-Ausbaus steht das Ziel nun auf der Kippe. Laut Informationen von Bloomberg könnte es verschoben oder komplett aufgegeben werden.
Laut der Quelle, die mit den Vorgängen vertraut ist, finden intern Diskussionen statt. Konkret geht es um den Plan, den stündlichen Strombedarf mit sauberen Energiequellen zu decken.
Jährliche Ziele sind leichter zu erreichen als stündliche Ziele
Wie TechCrunch analysiert, macht es einen Unterschied, ob ein Unternehmen stündliche oder jährliche Klimaziele verfolgt. Weil es sich beim Stromnetz um ein ausgeglichenes System handelt, müssen bei stündlichen Klimazielen praktisch zu jeder Tageszeit ausreichende Mengen an sauberer Energie vorhanden sein. Erneuerbare Energiequellen wie Wind und Solar liefern zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten aber unterschiedliche Energiemengen, nötig sind daher etwa Speichersysteme.
Bei jährlichen Zielen ist das leichter. Laut TechCrunch haben Unternehmen dabei etwa die Möglichkeit, mittags mehr Solarstrom als benötigt zu produzieren und diesen an andere Kunden im Netz zu verkaufen. Diesen Strom kann man dann trotzdem in der Klimabilanz für sich verbuchen und damit den Einsatz fossiler Brennstoffe verrechnen, wenn diese als Ersatz für saubere Energie eingekauft werden.
Während jährliche Ziele also eine Art Buchhaltungstrick sein können, sind stündliche Ziele eher geeignet, um tatsächlich einen Netto-Null-Verbrauch zu erfassen.
Microsoft spricht jetzt von jährlichen Zielen
Den Bericht von Bloomberg will Microsoft nicht kommentieren. Ein Sprecher des Konzerns sagte aber zu TechCrunch, dass weiter nach Möglichkeiten gesucht werde, um das jährliche Abgleichsziel („annual matching goal“) beizubehalten. Gegenüber Reuters verwies der Konzern zudem auf das Rechenzentren-Projekt im US-Bundesstaat Wisconsin. Dort kooperiert Microsoft mit dem lokalen Energieanbieter We Energies, um 1,2 Gigawatt an CO₂-freier Energie ans Netz zu bekommen. Dazu zähle auch ein Solar- und Batteriespeicherprojekt, das man bis Ende 2028 fertigstellen will.
Microsoft selbst spricht bei den Zielen im Jahr 2030 von „carbon free“. Man will also keine fossilen Brennstoffe mehr verwenden, setzt aber auch nicht rein auf erneuerbare Energiequellen. Wie andere Big-Tech-Konzerne investiert Microsoft zusätzlich in Atomkraft. So hat der Konzern schon 2024 ein Abkommen mit dem US-Kernkraftwerk-Betreiber Constellation Energy abgeschlossen, um einen Meiler des 2019 stillgelegten AKW Three Mile Island wieder in Betrieb zu nehmen.
Dass die Klimaziele bis 2030 angesichts der KI-Investitionen kaum zu erreichen sind, zeichnete sich allerdings auch schon 2024 ab. Schon in diesem Jahr verbuchte Microsoft um fast 30 Prozent gestiegene Emissionen. Und seitdem hat sich der Ausbau der KI-Infrastruktur samt dem Strombedarf weiter beschleunigt.