2/2 Kaufberatung SSDs : Empfehlungen für Einsteiger bis zum Enthusiasten

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SSD gegen HDD

Während herkömmliche Festplatten (HDDs) mit über einen Motor angetriebenen Magnetscheiben und mechanischen Schreib/Lese-Köpfen arbeiten, sind Solid State Drives (SSDs) rein elektronische Speichermedien, die gänzlich auf Mechanik und somit bewegliche Bauteile verzichten. Dadurch treten Vibrationen und Betriebsgeräusche wie bei HDDs nicht auf, die Laufwerke sind zudem deutlich resistenter gegen Stöße. Einen physischen Verschleiß mechanischer Bauteile weisen SSDs nicht auf, wodurch sie weniger fehleranfällig sind.

Der größte Vorteil der SSDs liegt jedoch im Bereich der Leistung: Datenzugriffe erfolgen mit einer weitaus geringeren Verzögerung als bei HDDs. Dieser Vorteil macht sich insbesondere beim Umgang mit Anwendungen bemerkbar. Die oftmals kleinen, dafür aber sehr zahlreichen Programmdateien werden von einer SSD viel schneller gelesen, was zu deutlich schnelleren Programmstarts führt. Der Wechsel von einer HDD auf eine SSD als Systemlaufwerk macht sich schon beim Starten des Betriebssystems spürbar positiv bemerkbar. Dauerte das Öffnen des Browsers auf der HDD noch einige Sekunden, geschieht dies auf der SSD meist unverzüglich – um ein Beispiel zu nennen.

Auch bei größeren Dateitransfers sind aktuelle SSDs schneller als HDDs. Die Transferraten bei sequenziellen Datenübertragungen bewegen sich lesend mit rund 550 MB/s oftmals am Limit der SATA-Schnittstelle und schreibend erreichen schnelle SSDs durchaus Werte von 500 MB/s. Abgesehen von speziellen (Server-)Modellen mit hoher Drehzahl kommen HDDs derzeit auf höchstens 250 MB/s.

Vorteile Nachteile
SSD
  • Geschwindigkeit
  • Stoßunempfindlichkeit
  • keine Vibrationen
  • im Betrieb nicht hörbar
  • niedrige Leistungsaufnahme
  • sehr kompakte Bauweise möglich
  • hoher Preis pro Gigabyte
  • begrenztes Schreibvolumen
  • nicht zur Langzeitarchivierung ohne Stromzufuhr geeignet
HDD
  • sehr günstiger Preis pro Gigabyte
  • Schreibvolumen theoretisch unbegrenzt
  • deutlich langsamer als SSD
  • Mechanik verschleißt
  • Vibrationen
  • teils lautes Betriebsgeräusch
  • Leistungsaufnahme oftmals höher

Einen nicht zu verachtenden Vorteil bietet die HDD-Technik jedoch weiterhin: Beim Preis in Relation zur nutzbaren Speicherkapazität sind herkömmliche Festplatten unschlagbar. Ein Beispiel: Eine übliche Desktop-HDD mit 3 Terabyte kostet etwa 90 Euro und damit 3 Cent pro Gigabyte. Eine durchschnittliche Desktop-SSD mit 512 Gigabyte ist bei etwa einem Sechstel der Kapazität hingegen mit 180 Euro doppelt so teuer – ein Gigabyte kostet entsprechend 35 Cent und damit mehr als das Zehnfache der HDD.

Zudem werden zu erschwinglichen Preisen nur bei HDDs Kapazitäten von drei Terabyte und mehr geboten. SATA-SSDs für Endverbraucher sind Ende 2015 noch auf maximal zwei Terabyte beschränkt. Nur teure Enterprise-Modelle, meist im Steckkartenformat, bieten bereits bis zu 10 Terabyte – HDDs erreichten 2015 ebenfalls 10 Terabyte.

Für dauerhafte Datensammlungen wie das private Film-, Bilder- oder Musikarchiv sowie seltenere Backups sind HDDs allein aufgrund des massiven Preisvorteils weiterhin empfehlenswert, zumal es in diesem Aufgabenbereich nicht auf die höchste Leistung ankommt. Als Systemlaufwerk mit ständigen wahlfreien Dateizugriffen ist wiederum unbedingt eine SSD vorzuziehen – der Geschwindigkeitsvorteil im alltäglichen Einsatz ist enorm.

Diese Unterschiede gibt es

Formate

Bei der Wahl nach der passenden SSD ist zunächst das Format wichtig. Bei Desktop-PCs ist nach wie vor das 2,5-Zoll-Format dominant, während das neue Steckkartenformat M.2 noch wenig verbreitet ist und als potentieller mSATA-Nachfolger vor allem in neueren Notebooks Verwendung findet. Für Desktop-Rechner besteht zudem die Option, sich für eine PCI-Express-Karte zu entscheiden, die in einem PCI-Express-Slot des Desktop-Mainboards Platz findet. In der Regel sind solche Steckkarten mit einem PCIe-x4-Anschluss versehen, können aber auch im oft mehrfach vertretenen x16-Slot für Grafikkarten genutzt werden. Mittels Adapter lassen sich auch schnelle M.2-SSDs mit PCIe in einem solchen Steckplatz betreiben.

Gängige Formate für SSDs
Format Schnittstelle(n)
2,5 Zoll SATA / PCI Express (U.2)
M.2 SATA / PCI Express
mSATA SATA
PCIe-Karte PCI Express

Schnittstellen

Neben Controller und Flash-Speicher bestimmt vor allem die Schnittstelle die Leistung der SSD. 2,5-Zoll-Modelle für Verbraucher sind auf das SATA-Interface beschränkt. Hier herrscht große Modellvielfalt, obgleich die Leistungsunterschiede bei alltäglichen Aufgaben wie Programmstarts oftmals sehr gering ausfallen. Erst wenn es ums Schreiben größerer Datenmengen geht, fallen die Differenzen ins Gewicht – für Vielschreiber lohnt somit der Griff zu einem teureren Modell mit höherer Schreibrate. Lesend bewegen sich aktuelle SATA-SSDs bereits am Limit der Schnittstelle.

Für höhere sequenzielle Datenraten sorgen SSDs, die auf Seiten des Controllers sowie der elektrischen Anbindung mit PCI Express umgehen können. Bereits PCI Express 2.0 mit zwei Leitungen (x2) bietet deutlich mehr Durchsatz als das aktuelle SATA 3 mit 6 Gbit/s, aus denen sich abzüglich Overhead etwa 560 MB/s ergeben. So bringen es PCIe-2.0-x2-SSDs auf über 700 MB/s, mit vier PCIe-2.0-Leitungen sind theoretisch bis zu 1.500 MB/s möglich. Mit der zunehmenden Verbreitung von PCI Express 3.0 werden noch schnellere Laufwerke unterstützt, die bei vier Leitungen auf über 2.500 MB/s kommen können. Teure Enterprise-SSDs wie das ioDrive Octal erreichen sogar mehr als 6.000 MB/s über 16 PCIe-2.0-Leitungen.

Schnittstelle theoretische Datenrate* max. reale Datenrate
SATA 3 (6 Gb/s) 600 MB/s bis 560 MB/s
PCIe 2.0 x2 1.000 MB/s bis 850 MB/s
PCIe 2.0 x4 2.000 MB/s bis 1.500 MB/s
PCIe 3.0 x4 3.938 MB/s bis 2.800 MB/s
*abzgl. Overhead

Mainstream und „Pro“

Hersteller bieten häufig verschiedene SSD-Serien an, die sich in Leistung und Preis unterscheiden. Klassische Einstiegsmodelle mit niedriger Leistung sind seltener geworden, die Mittelklasse mit ordentlicher Leistung zu günstigen Preisen bestimmt den Markt und ist bei Käufern sehr gefragt.

Die Oberklasse bilden die oftmals als „Pro“-Serie ausgewiesenen SSDs. Während bei günstigeren SSD-Serien die Modelle mit weniger Speicherkapazität innerhalb einer Serie oft deutlich niedrigere Schreibraten als ihre großen Geschwister besitzen, sind die Pro-Serien unabhängig von ihrer Speicherkapazität fast durchweg gleich schnell.

In der Klasse um 120 oder 250 GByte bieten die teureren Modelle somit spürbare Vorteile, wenn es um das Schreiben größerer Datenmengen geht. Ab 500 GByte schwindet der Vorsprung jedoch, sodass auch günstige Varianten eine ähnliche Leistung liefern. Zu der oft wenige Prozentpunkte höheren Geschwindigkeit steht ein Aufpreis von 30 Prozent oder mehr in keinem guten Verhältnis. Doch ist zu bedenken, dass Hersteller ihren Oberklasse-SSDs oft mehr Funktionen wie zum Beispiel eine Datenverschlüsselung spendieren, mehr Zubehör beilegen oder eine längere Garantie gewähren und ein höheres Schreibvolumen garantieren.

Diagramm: Eine konstant hohe Dauerleistung liefern oft nur teurere Pro-Modelle und High-End-SSDs mit PCIe. Für Normalanwender spielt dies jedoch keine Rolle.

Ob Pro-Modelle ihr Geld wert sind, entscheidet vor allem das individuelle Einsatzszenario. Bei gewöhnlicher Nutzung als Systemlaufwerk lohnt sich der Aufpreis in der Regel nicht – Unterschiede sind oft nicht spürbar. Herrscht jedoch eine hohe Dauerbelastung durch regelmäßige Transfers großer Datenmengen vor oder wird das Laufwerk in einer Server- oder Virtualisierungsumgebung mit vielen parallelen Zugriffen betrieben, können die Vorteile der High-End-Modelle größer ausfallen. In solchen Fällen können die teuren Verbrauchermodelle sogar eine günstige Alternative zu „echten“ Enterprise-SSDs darstellen, obgleich diese nochmals besser auf solche Einsatzszenarien zugeschnitten sind.

Haltbarkeit und Garantie

Das als TBW – je nach Hersteller Total Bytes Written oder Terabytes Written – bezeichnete Schreibvolumen ist nur ein grober Richtwert für die Mindesthaltbarkeit des Flash-Speichers. Bei manchen Herstellern ist dieser Wert ein Teil der Garantiebedingungen, was bedeutet, dass die Garantie entweder nach Ablauf der Zeit oder bei Überschreitung des TBW-Werts erlischt. Ein sehr niedriger TBW-Wert muss nicht zwingend bedeuten, dass die SSD nur wenige Schreibzyklen überdauert, genau wie ein sehr hoher TBW-Wert nicht zwingend erreicht werden muss, wenn er nicht Teil der Garantiebedingungen ist.

Die TBW muss in Relation gesetzt werden. Als für Privatnutzer typisches Schreibvolumen pro Tag gelten etwa 10 bis 20 Gigabyte. Bei einem in der Mittelklasse gängigen TBW-Wert von 75 Terabyte bedeutet dies, dass ein Anwender über 20 Jahre hinweg 10 GB pro Tag schreiben könnte oder über 10 Jahre hinweg täglich 20 GB an Daten schreiben könnte. Garantierte TBW von mehreren hundert Terabyte sind somit nur für Vielschreiber und professionelle Nutzung relevant. Auf hohes Schreibaufkommen ausgelegte Enterprise-Modelle überdauern problemlos mehrere Tausend Terabyte. Stichprobenartige Untersuchungen haben gezeigt, dass auch Verbrauchermodelle in diese Regionen vorstoßen können.

Haltbarkeit und Garantie unterschiedlicher SSDs
Total Bytes Written (TBW) Garantie GB pro Tag*
Crucial MX200 (1000 GB) 320 TB 3 Jahre 290
Crucial MX200 (500 GB) 160 TB 3 Jahre 145
Crucial MX200 (250 GB) 80 TB 3 Jahre 73
OCZ Vector 180 91,25 TB 5 Jahre 50
Samsung 850 Pro (128/256 GB) 150 TB 10 Jahre 40
Samsung 850 Pro (512/1.024 GB) 300 TB 10 Jahre 80
SanDisk Extreme Pro 80 TB 10 Jahre 21
Samsung 850 Evo (120/250 GB) 75 TB 5 Jahre 40
Samsung 850 Evo (500/1000 GB) 150 TB 5 Jahre 80
Transcend SSD370(S) (1.024 GB) 1.180 TB 3 Jahre 1.077
Transcend SSD370(S) (512 GB) 550 TB 3 Jahre 500
Transcend SSD370(S) (256 GB) 280 TB 3 Jahre 255
Transcend SSD370(S) (128 GB) 150 TB 3 Jahre 135
* Im Garantiezeitraum, Werte gerundet

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