Huawei Mate S im Test : Ein teures Smartphone muss durchweg gut sein

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Huawei Mate S im Test: Ein teures Smartphone muss durchweg gut sein

Mit dem zur IFA 2015 vorgestellten Mate S stößt Huawei in eine neue Preisregion vor: mindestens 649 Euro verlangt der Hersteller für das neue Flaggschiff. Über die letzten Jahre hat sich Huawei vom Preisbrecher zum etablierten Smartphone-Hersteller gemausert, der in Europa jetzt offenbar auch die von der Konkurrenz aufgerufenen Preise verlangen kann. Ob das tatsächlich stimmt, klärt ComputerBase im Test.

Spezifikationen

Huawei Mate S
Huawei P8
Huawei Ascend Mate 7
Software:
(bei Erscheinen)
Android 5.1 Android 5.0 Android 4.4
Display: 5,50 Zoll
1.080 × 1.920, 401 ppi
Super AMOLED, Gorilla Glass 4
5,20 Zoll
1.080 × 1.920, 424 ppi
IPS, Gorilla Glass 3
6,00 Zoll
1.080 × 1.920, 367 ppi
IPS-NEO
Bedienung: Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
Touch
Status-LED
Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
SoC: HiSilicon Kirin 935
4 × Cortex-A53, 2,00 GHz
4 × Cortex-A53, 1,50 GHz
28 nm, 64-Bit
HiSilicon Kirin 930
4 × Cortex-A53, 2,00 GHz
4 × Cortex-A53, 1,50 GHz
28 nm, 64-Bit
HiSilicon Kirin 925
4 × Cortex-A15, 1,80 GHz
4 × Cortex-A7, 1,30 GHz
28 nm, 32-Bit
GPU: Mali-T628 MP4
680 MHz
Mali-T628 MP4
600 MHz
Mali-T628
600 MHz
RAM: 3.072 MB
LPDDR3
2.048 MB
LPDDR3
Variante
3.072 MB
LPDDR3
Speicher: 32 GB (+microSD) 16 / 64 GB (+microSD) 16 / 32 GB (+microSD)
Kamera: 13,0 MP, 1080p
Dual-LED, f/2,0, AF, OIS
13,0 MP, 1080p
LED, AF
Sekundär-Kamera: Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1080p
LED, AF
8,0 MP, 1080p
AF
5,0 MP
AF
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced
↓150 ↑50 Mbit/s
Advanced
↓300 ↑50 Mbit/s
WLAN: 802.11 b/g/n
Wi-Fi Direct, Miracast
802.11 a/b/g/n
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 4.0 Low Energy 4.1 4.0 Low Energy
Ortung: A-GPS, GLONASS
Weitere Standards: Micro-USB 2.0, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM, Dual-SIM
Micro-SIM, Dual-SIM
Akku: 2.700 mAh
fest verbaut
2.680 mAh
fest verbaut
4.100 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 75,4 × 149,9 × 7,20 mm 71,8 × 144,9 × 6,40 mm 81,0 × 157,0 × 7,90 mm
Schutzart:
Gewicht: 156 g 144 g 185 g
Preis: ab 303 € ab 250 € / 599 € / 499 € ab 319 € / ab 492 €

Design & Verarbeitung

Das Mate S macht an der Stelle weiter, wo die Entwicklung des kleineren P8 aufgehört hat. Das Verhältnis von Display zur Fläche der Vorderseite ist noch etwas besser geworden und die Rückseite nutzt noch mehr Aluminium statt Kunststoff. Nicht völlig neu, aber stärker ausgeprägt ist diesmal die Rundung der Rückseite. Schon das Ascend Mate 7 zeigte vor einem Jahr erste Ansätze in diese Richtung. Beim Mate S ist das Merkmal wie beschrieben deutlicher ausgearbeitet, sodass das Smartphone etwas besser in der Hand liegt.

Eine bessere Ergonomie als das Ascend Mate 7 hat das Mate S aber auch schon allein aufgrund seiner reduzierten Größe erhalten. Das Ascend Mate 7 ist mit 6-Zoll-Display sehr groß geraten, das Mate S ist mit Abmessungen von 75,4 × 149,9 × 7,20 Millimetern und einem Gewicht von 156 Gramm spürbar handlicher.

Unverändert sehr gut ist die Verarbeitung von Huawei, die vor einem halben Jahr mit dem P8 ein neues Niveau innerhalb des Konzerns erreicht hatte und mit dem Mate S noch eine Stufe höher steht. Das Aluminium ist an allen Seiten des Gehäuses gleichmäßig gebürstet, und auch zu Farbabweichungen kommt es nicht. Sehr genau fallen auch wieder die ausgefrästen Löcher für die Lautsprecher und alle Buchsen aus.

Display

Huawei schützt das Display des Mate S durch Gorilla Glass 4 von Corning. Das beim Mate S mit der Bezeichnung 2,5D-Glas getaufte Bauteil heißt so, weil es auf Augenhöhe betrachtet wie ein zu voll eingegossenes Glas Wasser aussieht, dessen Inhalt leicht übersteht und zum Rand hin abflacht. Das ist vor allem dann eine angenehme Eigenschaft, wenn viel vom Rand aus mit Wischgesten gearbeitet wird. Schon das Nexus 4 hatte solch ein Display, zuletzt machte auch Apple davon Gebrauch.

Das darunter liegende Panel nutzt nach langer Abstinenz wieder die OLED-Technik. Auf organische LEDs setzt Huawei in letzter Zeit verstärkt. Nach den Wearables TalkBand B1 und B2, der Huawei Watch sowie dem Ascend P1 im Jahre 2012 ist jetzt auch wieder ein Smartphone von Huawei mit einem OLED-Display ausgestattet. Der Namenszusatz „Super“ lässt erkennen, dass Huawei dafür bei Samsung einkauft.

Das Panel ist 5,5 Zoll groß und kommt auf 1.080 × 1.920 Pixel sowie eine daraus resultierende Pixeldichte von 401 ppi. Das ist zwar nicht rekordverdächtig, aber selbst auf 5,5 Zoll noch immer zeitgemäß. Bei einem Betrachtungsabstand von circa 50 Zentimetern sind auf dem Full-HD-Display keine Pixel erkennbar.

OLED-typisch sehr gut ist der Kontrast des Displays. Wird Schwarz dargestellt, ist der entsprechende Bereich auch tatsächlich komplett dunkel und das Kolorimeter nennt einen Wert von 0,0 cd/m² als Messergebnis und Bestätigung.

Das OLED-Display hat allerdings auch zwei entscheidende Schwachstellen, von denen sich nur eine durch den Nutzer (mit Messgerät) beheben lässt: Die maximale Helligkeit lässt arg zu wünschen übrig und ab Werk ist das Display völlig fehlkalibriert.

Mit einer maximalen Helligkeit von nur 242 cd/m² ist es das dunkelste Display der letzten Jahre. Nur wer weit zurückgeht zu sehr alten ComputerBase-Tests, wie etwa dem zum Samsung Galaxy Note II oder Galaxy Nexus, findet noch niedrigere Werte. Im Gegensatz zu Samsungs OLED-Displays im Galaxy S6 (edge) oder Galaxy S6 edge+ lässt sich die maximale Helligkeit bei Huawei auch nicht im Automatikmodus weiter nach oben treiben. Für den Außeneinsatz bei Sonnenschein ist das Mate S somit nur stark eingeschränkt zu gebrauchen, der sehr gute OLED-Kontrast hilft nur geringfügig.

Der zweite Kritikpunkt betrifft den ab Werk eingestellten Weißpunkt. Mit 8.000 Kelvin hat das Display einen klaren Blaustich, der sich aber glücklicherweise über die Einstellungen entfernen lässt. Hier kann die Farbtemperatur zwischen warm und kalt reguliert und ein Wert von circa 6.500 Kelvin eingestellt werden – allerdings nur für diejenigen mit der entsprechenden Messausrüstung. Es ist unverständlich, warum es nach all den Jahren nach wie vor ausschließlich Apple schafft, Displays ab Werk korrekt zu kalibrieren.

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