2/4 Huawei Mate 8 im Test : 6 Zoll treffen auf Sprinter-SoC und Marathon-Akku

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Performance

Erstmals fährt Huawei bei einem System-on-a-Chip die richtig großen Geschütze auf und wechselt gleich in mehreren Bereichen zu neuen Technologien. Der Kirin 950 des Huawei-Tochterunternehmens HiSilicon ist das weltweit erste Smartphone-SoC, das mit ARMs zweiter 64-Bit-Generation ausgeliefert wird. Erstmals zum Einsatz kommt außerdem die aktuelle GPU-Generation von ARM. Darüber hinaus ist HiSilicon von der 28-nm-Fertigung zu einer optimierten 16-nm-FinFET-Fertigung (Plus) von TSMC gewechselt. In Kombination sollen all diese Schritte zur einer höheren Leistung bei einem niedrigeren Energieverbrauch führen.

Im Detail stecken im Kirin 950 vier CPU-Kerne des Typs Cortex-A72 mit bis zu 2,3 GHz und vier Kerne des Typs Cortex-A53 mit bis zu 1,8 GHz. Dem Prinzip des big.LITTLE-Aufbaus mit vier Kernen für maximale Leistung und vier energiesparenden Kernen ist HiSilicon damit treu geblieben. Die neue Mali-T880-Grafikeinheit taktet mit bis zu 900 MHz zwar sehr hoch, allerdings nutzt HiSilicon lediglich die Ausbaustufe MP4, möglich sind laut ARM bis zu 16 Shader Cluster, in Samsungs kommendem Flaggschiff-SoC Exynos 8890 steckt beispielsweise die Ausbaustufe MP12.

Für den Arbeitsspeicher verwendet HiSilicon einen hybriden Controller, der LPDDR3 und LPDDR4 akzeptiert. Im Mate 8 stecken 3 Gigabyte LPDDR4-Speicher mit 1.333 MHz. Trotz des weiterhin 2 × 32 Bit breiten Interfaces steigt damit die Speicherbandbreite auf 21,3 GB/s, ausgehend von noch 12,8 GB/s beim Kirin 935, 930 und 925.

Die Brücke zwischen CPU, GPU und RAM bildet noch das ältere Interconnect CCI-400. Mit dem Cortex-A72 und der Mali-T880 hatte ARM im Februar 2015 auch das neue Interconnect CoreLink CCI-500 vorgestellt, das die bis zu doppelte Bandbreite gegenüber dem CCI-400, eine 30 Prozent höhere CPU-Speicherperformance und eine 12 Prozent niedrigere Leistungsaufnahme des Speichersystems bieten soll.

Negativer Einfluss auf die Messwerte des Kirin 950 hat das ältere Interconnect allerdings nur kaum. In den Benchmarks zeigt sich, dass die Kombination aus Cortex-A72 und Cortex-A53 ein sehr schnelles Gespann ist. Den Vergleich zu anderen Octa-Core-SoCs, die noch den Cortex-A57 mit dem Cortex-A53 verbinden, zum Beispiel dem Snapdragon 810 und Exynos 7420, gewinnt der Kirin 950 mit klar erkennbarem Abstand. Das gilt für Messungen mit nur einem CPU-Kern, wo nur ein Cortex-A72 seine volle Leistung zeigt, und auch die Messungen mit acht Kernen. Ganz vorne im Testfeld liegt aber nach wie vor Apples A9-Chip aus dem iPhone 6s (Plus). In den Messungen des Speichers schneidet der Kirin 950 etwas schlechter ab, hier wird ihm der vergleichsweise niedrige Takt etwas zum Verhängnis, die Werte sind aber nach wie vor gut bis sehr gut.

Temperaturprobleme gibt es nicht

Der Kirin 950 ist allerdings nicht nur schnell, sondern auch bei hoher und gleichzeitig langer Belastung gleichbleibend schnell. Das Mate 8 wird selbst während der Ausführung von Benchmarks oder anspruchsvollen Spielen nie besonders warm und drosselt auch die Leistung entweder gar nicht oder erst sehr spät und dann nur geringfügig. Hier kann die Kombination aus neuer CPU, neuer GPU und neuer Fertigungstechnik (für HiSilicon) voll ihre Vorteile ausspielen.

Betriebssystem

Das Mate 8 liefert Huawei ab Werk mit der aktuellen Android-Version 6.0 Marshmallow aus und kombiniert diese mit dem Emotion UI 4, Huaweis eigener Benutzeroberfläche, die eine ganz spezielle Designsprache in die Android-Welt bringt, die mit keiner anderen vergleichbar ist. Am ehesten sind noch Apples iOS und MIUI von Xiaomi als teilweise Ideengeber des Emotion UI erkennbar.

Homescreen / Benachrichtigungen / Schnellzugriff / Wetter-App
Homescreen / Benachrichtigungen / Schnellzugriff / Wetter-App

Bekanntes Erkennungsmerkmal der Software ist der Verzicht auf einen App-Drawer, also ein zentrales Menü, das alle Apps aufnimmt, statt sie auf die Homescreens zu legen. Das kann praktisch sein, weil dieses Menü nicht mehr für den Zugriff auf Apps geöffnet werden muss, also ein Schritt wegfällt, gleichzeitig wirken dadurch die Homescreens auch schnell überladen, vor allem dann, wenn gleichzeitig auch noch mehrere Widgets platziert werden sollen. Hier hilft es, die Apps in Ordner zu sortieren, um wieder Platz für die Widgets zu schaffen. Vor allem selten genutzte Apps belegen so weniger Fläche.

Gegenüber der Software auf dem Mate S sind kleinere Veränderungen feststellbar. Zum Beispiel hat Huawei den eigenen Browser aus dem System entfernt und diesen durch Google Chrome ersetzt. Auch die ein oder andere Schaltfläche wurde anders gestaltet, statt Schiebeschaltern werden an manchen Stellen, zum Beispiel in den Schnelleinstellungen, nun Häkchen verwendet.

Blitzschneller Fingerabdrucksensor

Besonders gut umgesetzt worden ist auch wieder der Fingerabdrucksensor im Mate 8. Huawei verspricht eine doppelt so schnelle Erkennung wie noch beim Ascend Mate 7. In der Tat arbeitet der Sensor sehr schnell – schneller als bei bisher jedem anderen Android-Smartphone und mindestens ebenbürtig zum iPhone 6s (Plus). Hervorzuheben ist außerdem, dass ein Finger nur rund fünf Mal für die Konfiguration aufgelegt werden muss. Zum Entsperren muss nicht mehr als die Hälfte des Sensors abgedeckt werden.

Verwaltung von Fingerabdrücken
Verwaltung von Fingerabdrücken

Wem das vorausgewählte dunkle Standard-Design (Obsidian) des EMUI nicht gefällt, kann zwischen fünf weiteren Designs über eine App wählen. Diese Themes können dann noch jeweils in Bereichen wie Hintergrundbild, Symbole und Schriftart modifiziert werden. Nicht abschalten lässt sich jedoch, dass EMUI alle App-Symbole in ein abgerundetes Rechteck quetscht. Das sorgt an den Außenlinien gemessen zwar für einen einheitlichen Look, lässt manches Symbol aber auch komisch aussehen, vor allem dann, wenn sie einfach nur auf einen weißen Hintergrund gelegt werden.

Einstellungen / Dual-SIM-Funktionen / Themes / EMUI
Einstellungen / Dual-SIM-Funktionen / Themes / EMUI

Für Android-Puristen ist das EMUI nicht geeignet, wem allerdings das Design zusagt und wer auf Details wie einen gesonderten App-Drawer oder unveränderte App-Symbole nicht besonders viel Wert legt, bekommt mit EMUI einen von vorne bis hinten durchgestylten Android-Aufsatz, der sich klar von der Konkurrenz abhebt.

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