Core i7-8550U & i5-8250U im Test: Vier CPU-Kerne mit 15 Watt TDP machen richtig Dampf 2/2

Jan-Frederik Timm 82 Kommentare

Leistung Anwendungen

Die beiden getesteten Systeme setzen sich in den Multi-Core-Benchmarks von Cinebench R15 und dem Video-Encoder Handbrake dann auch deutlich von ihren Vorgängern ab. Mehr als 60 Prozent beträgt das Plus in Cinebench R15 gegenüber dem schnellsten Messwert des Core i7-7500, in Handbrake werden die Videos in gut 30 Prozent weniger Zeit konvertiert. Auch der schnellste Kaby-Lake-Prozessor mit 15 Watt TDP, der Core i7-7660U, wird distanziert.

Nur um knapp zehn Prozent verfehlen die beiden neuen mobilen Prozessoren damit am Ende den Vier-Kern-Acht-Thread-Prozessor Core i7-2600K aus dem Jahr 2011, der mit 95 Watt eine mehr als sechs Mal so hohe TDP aufweist und auch heute noch in vielen Desktop-PC, wenn auch oft übertaktet, zum Einsatz kommt. Ein Core i5-6500 (Test) der Skylake-Generation mit vier Kernen ohne Hyper-Threading mit 65 Watt TDP aus dem Jahr 2016 wird geschlagen. Ein Core i7-6700HQ (Test) der 45-Watt-Klasse mit vier Kernen und acht Threads ist 20 Prozent voraus. Dass Hersteller aus diesem Grund die 15-Watt-Klasse in Zukunft häufiger mit einer dedizierten GPU koppeln werden, was früher nur selten der Fall war, zeichnet sich bereits als Trend ab.

Auch die Single-Core-Leistung ist hoch

Sehen lassen kann sich aber auch die Single-Core-Leistung im entsprechenden Durchlauf des Cinebench R15. Der Core i7 setzt sich auch hier an die Spitze des bisher getesteten Feldes, der Core i5 rangiert auf dem Niveau Core i7-7500 und damit erwartungsgemäß eine Klasse höher.

Cinebench R15 und Handbrake nutzt ComputerBase schon länger in Tests von Notebooks, Convertibles und 2-in-1, für diesen Vergleich wurden aber auch noch die Benchmarks von POV-Ray und der x265 HD Benchmark heran gezogen. Sie bestätigen das bereits gewonnene Bild: Die neuen CPUs liegen in Multi-Core-Anwendungen um die 60 Prozent vor den Vorgängern, Core i7 und Core i5 trennen hingegen nur in Single-Core-Anwendungen Leistungsunterschiede voneinander, wie sie der Blick auf Intels Turbo-Angaben nahe legt.

Der x265 HD Benchmark läuft vier Mal hintereinander durch, jeder Durchlauf braucht mit gut 100 Sekunden allerdings recht lange. Der Leistungsabfall vom ersten bis zum vierten Benchmark hält sich auf den beiden Kaby-Lake-Refresh-CPUs mit rund fünf Prozent deshalb in Grenzen; der zu Anfang höhere Takt spielt schon im ersten Durchlauf kaum eine Rolle.

Leistung Spiele

Zur Beurteilung der Spiele-Leistung der neuen Prozessoren hat ComputerBase dieses Mal auf Tomb Raider (Test) aus dem Jahr 2013 zurück gegriffen. Um im integrierten Benchmark Ergebnisse von über 30 FPS zu erzielen, mussten die Details allerdings auf die niedrigste Stufe (Preset „Niedrigste“) gestellt werden. Als Auflösung war jeweils Full HD eingestellt.

Tomb Raider
Angaben in Frames
  • Durchlauf zum Start:
    • Core i7-8550U (Medion P7651)
      42,0
    • Core i5-8250U (Acer Spin 5)
      36,5
    • Core i5-7200U (Dell XPS 13)
      33,5
  • Durchlauf nach 30 Minuten:
    • Core i7-8550U (Medion P7651)
      41,2
    • Core i5-8250U (Acer Spin 5)
      33,6
    • Core i5-7200U (Dell XPS 13)
      33,4

Interessanter Weise zeigt sich in diesem Test erstmals ein relevanter Unterschied zwischen Core i7 und Core i5 mit Kaby Lake Refresh, der sogar über das, was zu erwarten war, hinaus geht. Bekannt ist, dass Intel die gegenüber Kaby Lake nicht veränderte integrierte Grafikeinheit im Core i7 mit bis zu 1.150 MHz bewirbt, während der neue Core i5 1.100 MHz und alte 1.050 MHz maximal liefern sollen. Das würde aber weniger als fünf Prozent Unterschied erklären. Wiederholt gemessen sind es allerdings gut 20 Prozent.

Beim Blick auf die tatsächlich erreichten Taktraten von 950 MHz für die GPU und 1,6 GHz für die CPU beim Core i7-8550U respektive 820 MHz/1,6 GHz beim Core i5-8250U lässt sich der Abstand bereits besser erklären, er bleibt aber hoch. Weniger überraschend ist wiederum der Abstand vom neuen zum alten. Core i5 – bzw. dass er nach 30 Minuten Last im Spiel nicht mehr existiert.

Fünfmal mehr Leistung mit der GeForce GTX 1050

Auf welche niedrigem Leistungsniveau sich Intels GPU ohne eDRAM auch weiterhin bewegt, verdeutlicht wiederum der Vergleich mit der Nutzung der im Medion P7651 ebenfalls verbauten mobilen GeForce GTX 1050 (Test): Mit ihr werden bei gleichen Einstellungen 199 FPS erreicht.

Leistungsaufnahme

Bei der Leistungsaufnahme nehmen sich Core i7-8550U, i5-8250U und i5-7200U im eingependelten Zustand nichts: Alle CPUs verbrauchen laut einschlägiger Tools wie HWiNFO dann knapp 15 Watt, was in dem Fall auch der TDP entspricht. Gemessen am Ladegerät liegt das Delta zwischen Leerlauf und Lastzustand der Systeme jeweils bei 21 Watt. Hier kommen weitere Verbraucher wie der Chipsatz oder der RAM und die Verluste des Netzteils hinzu.

Leistungsaufnahme (Delta Leerlauf zu Last)
Angaben in Watt (W)
  • Messung bei stabilen Taktraten:
    • Core i5-8250U (Acer Spin 5)
      21,0
    • Core i7-8550U (Medion P7651)
      21,0
    • Core i5-7200U (Dell XPS 13)
      21,0

Der Core i7 darf für Sekunden 15 Watt mehr verbrauchen

Den höheren Anfangstakt des Core i7-8550U ermöglicht Intels Freigabe für einen kurzzeitig höheren Verbrauch im Vergleich zum Core i5-8250U: 44 Watt gegenüber 29 Watt stehen dem Prozessor der größeren Klasse im kalten Zustand für wenige Sekunden zur Verfügung. Das Medion P7165 verbraucht dann 73 statt 32 Watt im eingependelten Zustand, während das Acer Spin 5 maximal auf 43 statt 28 Watt kommt.

Fazit

Für die Leistung von Notebooks, Convertibles und 2-in-1 bedeutet Kaby Lake Refresh mit vier Kernen und Hyper-Threading bei weiterhin 15 Watt TDP einen großen Schritt nach vorne. Die von Intel beworbenen maximalen Turbo-Taktraten für den 1-Kern-Betrieb werden unter Last auf allen Threads zwar um fast zwei Gigahertz unterboten, mit doppelt so vielen Kernen wird der Vorgänger in stark parallelisierten Anwendungen aber trotzdem deklassiert. In stark parallelisierte Anwendungen gibt es damit heute fast die Leistung eines Core i7-2600K (Test) mit 95 Watt TDP aus dem Jahr 2011 oder das von alten 45-Watt-TDP-CPUs bekannte Niveau in der mobilen 15-Watt-Klasse.

Haben sich Core i7-8550U und Core i5-8250U nach kurzer Anfangsphase mit höheren Taktraten auf ihrem Multi-Core-Turbo von um die 2,3 bis 2,4 GHz in den Testgeräten eingependelt, fällt der Verbrauch trotz deutlich höherer Leistung dabei nicht höher aus als beim zum Vergleich herangezogenen Core i5-7200U. Der nur für Sekunden mögliche Betrieb der vier Kerne mit über 3,0 GHz Takt dürfte im Alltag aufgrund der kurzen Dauer nicht dafür sorgen, dass die Akkulaufzeit leidet. Das verspricht in der Tat mehr Leistung in gleichen Gehäusen bei gleichbleibender Laufzeit.

Das Medion Erazer P7651 mit Core i7-8550U
Das Medion Erazer P7651 mit Core i7-8550U
Das Acer Spin 5 2017 mit Core i5-8250U
Das Acer Spin 5 2017 mit Core i5-8250U

Core i5 und Core i7 bleiben dicht beieinander

Auf höherem Leistungsniveau unverändert bleibt die Aussage zum Duell Core i5 vs. Core i7 in der 15-Watt-Klasse: Beide Serien unterscheiden sich hier seit jeher nur im Takt und auch bei den ersten Kaby-Lake-Refresh-Prozessoren im Test fällt dieser Unterschied unter Dauerlast schnell zusammen. Weil der Core i7 auch im Single-Core-Betrieb den Turbo nicht konstant hält, der Core i5 aber schon, ist auch dort der Vorsprung nicht so groß, wie Intel Glauben schenken lässt. In anderen Systemen kann das Ergebnis aber anders ausfallen. Der Unterschied zwischen Core i7 und Core i5 bleibt aber auch dann klein.

Dass der Core i7 seine Strahlkraft in diesem Segment von den größeren Klassen erbt, wissen auch viele Hersteller, und koppeln die teurere CPU oftmals an andere Ausstattungsmerkmale wie mehr Arbeitsspeicher oder eine größere SSD – um im Kern nicht notwendigen Aufpreis für den Core i7 kommen Kunden so oftmals gar nicht herum.

Implikationen für Coffee Lake (und Raven Ridge)

Die Leistung von Kaby Lake Refresh im Notebook ist ein erster Ausblick auf das, was Coffee Lake mit erstmals sechs Kernen auf LGA 1151 im Desktop-PC ab 5. Oktober abliefern wird: Auch hier sind der Single-Core-Turbo der neuen CPUs um den Core i7-8700K gestiegen und wurde die Anzahl der Kerne erhöht. Zwar nur von vier auf sechs, aber in beiden Szenarien dürfte gegenüber Kaby Lake trotzdem ein deutlicher Leistungsvorteil möglich sein.

Nicht ausgeschlossen werden kann, dass Kabe Lake Refresh mehr ist als die an Coffee Lake angepasste Strategie, die im Desktop als Reaktion auf Ryzen angesehen werden kann. Möglich, dass Intel auch ganz konkret vorbaut, um AMDs mobile Raven-Ridge-CPUs mit iGPU, die für den Jahreswechsel erwartet werden, schon im Vorfeld zu kontern.

Testergebnisse ohne Garantie für andere Notebooks

Wichtig: Es bleibt festzuhalten, dass die in diesem Test präsentierten Testergebnisse aussagekräftig und auf den Geräten absolut reproduzierbar, aber nicht unbedingt auf denselben Typ CPU in anderen Notebooks übertragbar sind. Die Kühlung und die vom OEM freigegebene maximal erlaubte Temperatur der CPU können einen großen Unterschied machen.

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