Intel Coffee Lake im Test: Core i7-8700K, i5-8400, i3-8350K und -8100 vs. Ryzen 9/9

Volker Rißka et al. 2.114 Kommentare

Fazit und Empfehlung

Nach Core X mit Skylake-X und dessen bis zu 18 Kernen im High-End-Bereich als Antwort auf AMD Threadripper holt Intel mit Coffee Lake auch in der Mittelklasse zum Gegenschlag aus. Der Sprung in der Leistung fällt hier sogar noch größer aus. Im Gegensatz zu Core X, gegenüber dem AMD beim Preis-Leitungsverhältnis vorne bleibt, gibt es den Aufschlag zum (fast) gleichen Preis. Wer hätte Anfang 2017 gedacht, dass die Leistung des damals neuen Core i7-7700K für 360 Euro nur neun Monate später in Form des Core i5-8400 für die Hälfte des Geldes zu haben ist? Handfeste Vorteile bleiben für Ryzen da nur noch in stark parallelisierten und von der Zen-Architektur gut unterstützten Anwendungen. In Kombination mit den auf Intel eingeschworenen Händlern und OEMs und der seit Jahren markentreuen Kundschaft ist das für AMD keine gute Nachricht.

Core i7-8700K und i5-8400 sind zu empfehlen

Die sehr hohen Taktraten von bis zu 4,7 GHz beim neuen Core i7-8700K gab es bisher noch nie, davon profitieren Spiele in erster Linie. Mit Abstand liegt diese CPU nun an der Spitze des Feldes. Müssen in Anwendungen dann die zwölf Threads zum Einsatz kommen, takten die Kerne immer noch mit bis zu 4,3 GHz. Das reicht am Ende, um in Summe über alle getesteten Anwendungen sogar vor Ryzen 7 von AMD mit acht Kernen und 16 Threads zu landen; nur beim Blick auf die Programme, die Ryzen besonders liegen, bleibt AMD mit fünf (1700X) respektive zehn (1800X) Prozent in Front.

Dass es insbesondere der Takt ist, der Intel in die Karten spielt, zeigt sich beim kleineren Modell i5-8400: Der kann den ebenfalls mit sechs Kernen agierenden Ryzen 5 1600X mit hohem Takt nicht bezwingen, wohl aber den Ryzen 5 1600 mit weniger Takt; Ausnahmen bilden erneut die extrem parallelisierten Anwendungen wie Cinebench R15, Handbrake oder Blender. In Spielen wiederum kommt der Core i5-8400 sogar dem Core i7-8700K nahe und überbietet damit den Core i7-7700K.

Intel Core i5-8400
Produktgruppe Prozessoren, 06.10.2017
  • Sechs Kerne
  • Sehr hohe Spiele-Leistung
  • Hohe Office-Leistung
  • DDR4-2667-Unterstützung
  • Integrierte Grafikeinheit
  • Geringe Leistungsaufnahme (ohne AVX)
  • Kein Overclocking möglich
  • Hohe Leistungsaufnahme (mit AVX)
ComputerBase-Empfehlung für Intel Core i5-8400

Core i5-8400 und Core i7-8700K machen damit auch kurzen Prozess mit vielen gestern noch aktuellen CPUs aus eigenem Hause. Die Quad-Core-Modelle mit Hyper-Threading jenseits von 200 Euro (die alten Core i7) sind quasi auf einen Schlag überflüssig, aber auch der kleinste Skylake-X in Form des Core i7-7800X ist in Anbetracht des Core i7-8700K ohne Zukunft, denn die Kastration der PCIe-Lanes, des Taktes und die höheren Plattformkosten werden nicht durch das Quad-Channel-Speicherinterface aufgewogen.

Coffee Lake im Test: Core i7-8700K, i5-8400, i3-8350K -8100
Coffee Lake im Test: Core i7-8700K, i5-8400, i3-8350K -8100

Die weiteren K-CPUs sind zu teuer

Die Modelle Intel Core i5-8600K (in diesem Test nur simuliert) und Core i3-8350K stehen hingegen ein wenig zwischen den Stühlen, was insbesondere am Preis liegt. Der Core i3 ist quasi ein alter Core i5-7600K im neuen Gewand, kostet aber nur 15 Euro weniger als der kleinste Sechs-Kerner. Der bietet rundum das modernere Gesamtpaket. Den Quad-Core-Prozessor zu kaufen lohnt sich wirklich nur noch, wenn explizit übertaktet werden soll. Ansonsten muss bei Intel der Griff zum Modell mit sechs Kernen bei annähernd gleichem Takt in Form des Core i5-8400 erfolgen.

Der Preis spielt auch beim Core i5-8600K eine Rolle. Es ist der teuerste Core i5, den es bisher gab. Intel verlangt 75 US-Dollar Mehrkosten für 300 MHz mehr Takt und einen frei bestimmbaren Multiplikator gegenüber dem Core i5-8400 – bei gleichzeitig 30 Watt erhöhter TDP. Hier sollte beim kleinen i5 verblieben, oder dann gleich zum Core i7-8700 gegriffen werden. Einzige Ausnahme: Es soll übertaktet werden.

Core i3-8100 und Core i5-8400 werden OEMs Lieblinge

Der Core i3-8100 und der Core i5-8400 schicken sich am Ende an, nicht der Liebling der PC-Bastler, sondern die neuen Lieblings-CPUs der OEM-PC-Systeme zu werden. Vier Kerne für 120 Euro und sechs Kerne für 180 Euro werden nach Core i5-7500 und Core i3-7100 die neuen Verkaufsschlager im Massenmarkt sein. Kurz vor dem Fall des NDA hat Medion bereits ein erstes System mit Core i5-8400, 16 GB RAM, SSD und GeForce GTX 1060 für 999 Euro im Katalog von MediaMarkt präsentiert. Ryzen war so ein Einstand zum Start nicht vergönnt.

Spezifikationen der Coffee Lake alias Core i-8000 (Desktop)
Kerne/
Threads
Takt
(Basis)
Turbo
1 / 2 / 4 / 6 Kerne
L3-Cache Grafik Grafik-Takt Speicher TDP Preis
Core i7-8700K 6/12 3,7 GHz 4,7 / 4,6 / 4,4 / 4,3 GHz 12 MB UHD 630 (24 EU) 1.200 MHz DDR4-2666 95 W $359
Core i7-8700 6/12 3,2 GHz 4,6 / 4,5 / 4,3 / 4,3 GHz 12 MB UHD 630 (24 EU) 1.200 MHz DDR4-2666 65 W $303
Core i5-8600K 6/6 3,6 GHz 4,3 / 4,2 / 4,2 / 4,1 GHz 9 MB UHD 630 (24 EU) 1.150 MHz DDR4-2666 95 W $257
Core i5-8400 6/6 2,8 GHz 4,0 / 3,9 / 3,9 / 3,8 GHz 9 MB UHD 630 (23 EU) 1.050 MHz DDR4-2666 65 W $182
Core i3-8350K 4/4 4,0 GHz 6 MB UHD 630 (23 EU) 1.150 MHz DDR4-2400 95 W $168
Core i3-8100 4/4 3,6 GHz 6 MB UHD 630 (23 EU) 1.100 MHz DDR4-2400 65 W $117

Coffee Lake soll zum Start schwer zu bekommen sein

Die neuen Prozessoren zu bekommen, könnte in den nächsten Wochen und Monaten aber trotzdem alles andere als einfach sein. Während Intel betont, der Verkauf im Einzelhandel starte direkt für alle Modelle, hat ComputerBase vor Fall des NDA aus dem Handel nur Fehlmeldungen zum Core i5-8600K vernommen. Aus verschiedenen Quellen war zu vernehmen, dass die Menge aller Sechs-Kern-CPUs zu Beginn gering sei, einige Märkte deshalb zunächst gar nicht versorgt werden. In Japan beispielsweise wurde der Termin auf Ende November geschoben. OEMs, so Intel, sollen generell erst später im vierten Quartal Systeme anbieten – das Angebot von Medion zum Start straft dieser Aussage aber Lüge.

In Deutschland ab sofort verfügbar

In Deutschland sind die Varianten abseits des Core i5-8600K vorerst aber in der Tat bei Anbietern wie Alternate*, Caseking* oder Mindfactory ab sofort ab Lager verfügbar. Der Preisvergleich sollte in kürze noch mehr Angebot aufweisen. Wie sich der Preis verhalten wird, bleibt allerdings abzuwarten. Die Knappheit dürfte ihren Einfluss haben und die UVP und der damit fast gleiche Preis von Kaby Lake und Coffee Lake deshalb bei einigen der Modellen erst einmal Makulatur sein. AMD Ryzen bleibt nicht nur deshalb auch in naher Zukunft eine Alternative zur Intel Core. ComputerBase wird die Situation im Auge behalten und gegebenenfalls separat darüber berichten.

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Update: Verfügbarkeit und Preise in Deutschland

Einen Tag nach dem offiziellen Marktstart steht es um die Verfügbarkeit von Coffee Lake in der Tat schlecht. Das betrifft wenig überraschend insbesondere die Modelle auf Basis des neuen 6-Kern-Dies, Core i7-8700K, -8700, i5-8600K und -8400. Keiner der ausgewählten Händler, die zum Start Ware am Lager hatten, kann aktuell einen Core i7 liefern, den Core i5-8400 gibt es nur noch vereinzelt bei kleineren Anbietern zu bekommen. Den Core i3, der auf einer optimierten 4-Kern-Maske von Kaby Lake basiert, gibt es hingegen noch vielerorts zu kaufen.

Mindfactory gibt an, vom Core i7-8700K am Donnerstag in Summe über Tray- und Boxed-Version über 240 Stück verkauft zu haben, zu den anderen Modellen liegen hingegen keine Informationen vor. Ein anderer Händler, der Absatzzahlen nicht öffentlich macht, spricht von einer „niedrigen dreistelligen Anzahl von Coffee Lake, ein Großteil davon i7“.

Modell Absatz laut Mindfactory aktueller Preis Preis Vorgänger Delta
Core i7-8700K über 240 Mal 385 Euro 310 Euro +24 Prozent
Core i7-8700 keine Angaben 325 Euro 280 Euro +16 Prozent
Core i5-8600K keine Angaben 270 Euro 225 Euro +20 Prozent
Core i5-8400 keine Angaben 200 Euro 155 Euro +29 Prozent
Core i3-8350K keine Angaben 190 Euro 150 Euro +27 Prozent
Core i3-8100 keine Angaben 125 Euro 101 Euro +24 Prozent

Wann es neue Ware gibt, darüber liegen dem Handel keine genauen Informationen vor. Entsprechend unterschiedlich fallen die Angaben in den Shop-Systemen aus. Mindfactory gibt „ohne Liefertermin“ an, Caseking spricht von „unbekannt“ oder „11. Oktober 2017“, garantiert werden kann dieser Termin aber nicht. Alternate gibt „Lieferung im Dezember“ an, eine Aussage, die derzeit große Wellen schlägt. Auch diesem Händler dürften aber keine konkreten oder garantierten Lieferdaten von Intel vorliegen, es bleibt also abzuwarten.

Deutlich teurer als die Vorgänger

Vor diesem Hintergrund können die neuen CPUs bisher nicht den Preis der jeweiligen Vorgänger halten, so wie es vier der sechs Modelle laut offizieller Preisliste tun. Der Aufpreis beim günstigsten Händler beträgt je nach Modell zwischen 16 und 29 Prozent. Das Topmodell Core i7-8700K liegt damit nicht auf einem Niveau mit dem Ryzen 7 1700X, sondern 50 Euro darüber. Solange die CPUs nicht lieferbar sind, ist dieser Vergleich aber eh nur theoretischer Natur. Mainboards mit Z370-Chipsatz gibt es ab 109 Euro zu kaufen, Modelle mit dem nicht kompatiblen aber ansonsten identischen Z270-Chipsatz ab 95 Euro.

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