Core i7-8700 und i5-8600K im Test: Alle Coffee-Lake-CPUs, „Auto OC“ und DDR4-4000 analysiert

Volker Rißka 239 Kommentare
Core i7-8700 und i5-8600K im Test: Alle Coffee-Lake-CPUs, „Auto OC“ und DDR4-4000 analysiert

tl;dr: Zwei CPUs haben im ersten Test von Intel Coffee Lake noch gefehlt, dieser Artikel liefert die Benchmarks und Messergebnisse zu Core i7-8700 und i5-8600K nach. Core i7-8700K, i5-8400, i3-8350K und -8100 sind weiterhin vertreten. Sondertests analysieren erstmals „Auto OC“ per BIOS und den Vorteil von DDR4-4000.

Sechs Mal Intel Coffee Lake im Test

Sechs Modelle der neuen Prozessorfamilie mit dem Codenamen Coffee Lake haben im Oktober das Erbe von Kaby Lake angetreten, im Januar wird zur CES 2018 noch einmal nachgelegt. Die Plattform selbst war zwar schon länger geplant, die frühe Veröffentlichung mit neuem alten Z370-Chipsatz dürfte allerdings auch auf AMD Ryzen zurück zu führen gewesen sein.

Über alle Core-Klassen hinweg sind die Veränderungen gleich: Es gibt mehr Kerne/Threads und mehr Takt zum (theoretisch) nahezu unveränderten Preis. Der Core i7 wechselt von vier Kernen (4C) und acht Threads (8T) auf 6C/12T, der Core i5 von 4C/4T auf 6C/6T und der Core i3 von 2C/4T auf 4C/4T.

Klasse Kaby Lake Coffee Lake
Core i7 4 Kerne/8 Threads 6 Kerne/12 Threads
Core i5 4 Kerne/4 Threads 6 Kerne/6 Threads
Core i3 2 Kerne/4 Threads 4 Kerne/4 Threads

Heraus stechen bei den sechs ersten Modellen damit natürlich die vier Prozessoren, die erstmals sechs Kerne in die Mittelklasse bei Intel bringen. Diese waren bis heute schließlich dem High-End-Segment vorbehalten. Zum Start von Coffee Lake sind das Core i7-8700K und -8700 sowie Core i5-8600K und -8400. Nach unten abgerundet wird das Angebot von den neuen Core i3, die nun immer vier Kerne im Desktop-Bereich haben. Was früher einmal Core i5 war, ist damit nun quasi zum Core i3 geworden. Vier Kerne bei Intel gibt es damit nun ab 113 Euro (Stand 6. November 2017).

Coffee Lake: Grafikeinheit links, sechs Kerne mittig rechts, Rest ist I/O, PCIe, DDR
Coffee Lake: Grafikeinheit links, sechs Kerne mittig rechts, Rest ist I/O, PCIe, DDR (Bild: Intel)

Tabellarische Übersicht

Die sechs ersten Coffee-Lake-Prozessoren basieren intern auf zwei verschiedenen Dies, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Der Erste ist ein sogenannter 6+2, umfasst also sechs Prozessorkerne plus GT2-Grafikeinheit mit 24 respektive 23 Execution-Units. Der zweite Die ist ein 4+2 mit vier Kernen und GT2-Grafik. Die Quad-Core-CPUs werden im B0-Stepping (das gleiche wie Kaby Lake) antreten, bei den Hexa-Core-Prozessoren nennt Intel es U0-Stepping. In Kombination mit konfigurierbaren Eigenschaften wie Takt, Hyper-Threading oder iGPU ergeben sich die folgenden sechs ersten Coffee-Lake-CPUs.

Spezifikationen der Coffee Lake alias Core i-8000 (Desktop)
Kerne/
Threads
Takt
(Basis)
Turbo
1 / 2 / 4 / 6 Kerne
L3-Cache Grafik Grafik-Takt Speicher TDP Preis
Core i7-8700K 6/12 3,7 GHz 4,7 / 4,6 / 4,4 / 4,3 GHz 12 MB UHD 630 (24 EU) 1.200 MHz DDR4-2666 95 W $ 359
Core i7-8700 6/12 3,2 GHz 4,6 / 4,5 / 4,3 / 4,3 GHz 12 MB UHD 630 (24 EU) 1.200 MHz DDR4-2666 65 W $ 303
Core i5-8600K 6/6 3,6 GHz 4,3 / 4,2 / 4,2 / 4,1 GHz 9 MB UHD 630 (24 EU) 1.150 MHz DDR4-2666 95 W $ 257
Core i5-8400 6/6 2,8 GHz 4,0 / 3,9 / 3,9 / 3,8 GHz 9 MB UHD 630 (23 EU) 1.050 MHz DDR4-2666 65 W $ 182
Core i3-8350K 4/4 4,0 GHz 6 MB UHD 630 (23 EU) 1.150 MHz DDR4-2400 95 W $ 168
Core i3-8100 4/4 3,6 GHz 6 MB UHD 630 (23 EU) 1.100 MHz DDR4-2400 65 W $ 117
Sechs Intel Coffee Lake im Test
Sechs Intel Coffee Lake im Test

Mehr Leistung zum (theoretisch) gleichen Preis

Bei der Preisgestaltung treten die Coffee Lake in vier von sechs Fällen exakt in die Fußstapfen des Vorgängers. Lediglich die beiden K-Prozessoren mit sechs Kernen kosten 15 respektive 20 US-Dollar mehr als ihr direktes Vorgängermodell. Der Core i3-8350K liefert für 168 US-Dollar nun eine ähnliche Leistung wie der Core i5-7600K aus der Generation Kaby Lake, der einen UVP von 242 US-Dollar hat – eine massive preisliche Reduzierung für vier Kerne mit frei bestimmbarem Multiplikator von Intel.

Doch Theorie und Praxis unterscheiden sich aktuell massiv. Da Intel die Sechskern-Prozessoren nur schlecht liefern kann, verkaufen viele Händler ab Lager lieferbare Ware zu deutlich überhöhten Preisen – selbst 180 Euro über Normalpreis sind seit Wochen keine Ausnahme möglich. Dabei sind die Preise grundsätzlich nicht höher als erwartet, sie entsprechen bis auf den 8700K einer typischen 1:1-Umrechnung vom US-Dollar zum Euro. Wird im ComputerBase-Preisvergleich der Filter aber auf „lagernd“ gesetzt, gilt das aber nur noch für die beiden Core i3; die vier Sechskerner sind teilweise nur als Tray-Variante, in ganz geringen Mengen als Boxed-CPU oder gar nicht verfügbar.

Kein „Paper Launch“, aber definitiv zu früh

Auf Nachfrage gab ein größerer Händler zwar bekannt, dass jeder, der eine als nicht lieferbar vermerkte CPU kauft, sie auch „kurzfristig“ erhalten wird. An die große Glocke wollte er das aber nicht hängen – der Nachschub fällt vergleichsweise klein aus, deutlich mehr Bestellungen würden die Wartezeit signifikant anheben.

Als Paper Launch, also Markteinführung ohne Ware, kann Coffee Lake damit also nicht bezeichnet werden. Genug Ware vorab produziert, um die Nachfrage zeitnah decken zu können, hat Intel aber definitiv nicht.

ComputerBase lagen für den Test der Core i7-8700K und der Core i5-8400 aus einer Teststellung von Intel sowie der Core i7-8700, der Core i5-8600K, der Core i3-8350K und der Core i3-8100 als Leihstellung des Systemintegrators MIFcom vor. Die Exemplare vom Hersteller sind bereits fünf Monate alte Engineering-Samples (Anfang Mai gefertigt), die vier aus dem Handel erworbenen Exemplare hingegen aus der Serienproduktion ab Ende Juli.

Intel Coffee Lake im Benchmark

ComputerBase hat die neuen Intel-Prozessoren mit dem Codenamen Coffee Lake in zahlreichen aktuellen Anwendungen und Spielen getestet. Die Analyse erfolgt separat. Wie ComputerBase Anwendungen testet, kann im Artikel „Prozessoren: Benchmarks & Methodik“ im Detail nachvollzogen werden. Informationen zu den Spieltests sind dem Abschnitt mit den Testergebnissen zu entnehmen.

Alle sechs Coffee-Lake-CPUs im Test

Als Mainboard kam das Gigabyte Aorus Z370 Ultra Gaming zum Einsatz. Aber auch das Asus Maximus X Hero wurde unter neuen Vorzeichen berücksichtigt, denn BIOS 0503 und 0601 unterschieden sich im „Auto OC“ und beim Speicher-Support – darauf geht der Test im späteren Verlauf noch ein.

Leistung Anwendungen

Die ComputerBase-Diagramme erlauben es, Tests auf Wunsch auszublenden. ComputerBase hat das in diesem Fall standardmäßig mit der alten Version von 3DPM getan, die Ryzen stark benachteiligt. Über den Bearbeiten-Schalter können aber auch weitere Benchmarks respektive Ausreißer von Ryzen, die sich gegenüber dem Test von Ryzen 7 nicht geändert haben, abgewählt werden.

Anwendungen (Windows)

Coffee Lake ist in Anwendungen schnell. Sehr schnell sogar, und das gilt quer durch das Portfolio. Der Intel Core i7-8700K mit 6 Kernen und 12 Threads bei hohem Takt schlägt im Durchschnitt über alle Anwendungen selbst den schnellsten Ryzen 7 1800X mit 8 Kernen und 16 Threads. Da der Core i7-8700 im Normalfall nur 100 MHz weniger bietet, gilt es auch für diesen.

Der Core i5-8600K liefert sich ein Duell mit dem kleinsten Ryzen 7. Kann dieser mit seinen 16 Threads oft punkten, ist es hier und da jedoch der deutlich geringere Takt, der ihn zurückfallen lässt. Es kommt letztlich extrem auf den Einsatzzweck an, ob 6 Kerne bei sehr hohem Takt ausreichen, oder weniger Takt und dafür 8 Kerne und 16 Threads sinnvoller erscheinen.

Denn werden nur die Titel in Betracht gezogen, die AMDs Ryzen sehr gut liegen (7-Zip, Cinebench R15 Multi-Core, Handbrake, POV-ray, TrueCrypt und x265 HD Benchmark), bringen die Ryzen 7 gegen die schnellsten Coffee Lake einen Vorsprung ins Ziel. In anderen Anwendungen haben sie gegen den hohen Takt und die höhere IPC der Skylake-Architektur aber das Nachsehen.

Mehr CPUs lassen sich einblenden

Wer CPUs kauft, um anfallende Rechenarbeit in Anwendungen schneller zu erledigen, der muss also weiterhin im Detail darauf achten, welche Programme er nutzt und welche Architektur am besten damit zurecht kommt. Die anpassbaren ComputerBase-Diagramme helfen – hinter den Schaltflächen verbergen sich auch viele ältere CPUS einschließlich Sandy Bridge, die zu besseren Übersicht ausgeblendet wurden.

Core i3 und Core i5 rutschen eine Klasse höher

Die Platzierung der weiteren CPUs im Test ist einfach zusammengefasst: Die neuen Core i5 liegen nun da, wo mit Kaby Lake noch die Core i7 zu Hause waren. Das steht insbesondere dem kleinsten der Core i5: Der Core i5-8400 weiß für (theoretisch) unter 200 Euro eine sehr hohe Leistung abzuliefern. Damit kommt er zwar nicht an dem Ryzen 5 1600X für 210 Euro vorbei, wohl aber am Ryzen 5 1600, der immer noch 200 Euro kostet. Da der Core i5-8400 im Tagespreis aktuell aber teurer ist, fällt das Pendel wieder zugunsten von Ryzen 5, insbesondere bei den Anwendungen, die Ryzen oder in dem Fall Ryzen mit zwölf Threads gegenüber Intel mit sechs Threads besser stellen.

Der Core i5-8600K bietet nun ab Werk die Leistung, die bisher dem Core i7-7700K entsprach. Dort gilt die Devise, dass sechs echte Kerne bei ähnlichen Taktraten dem entsprechen, was bisher bei vier Kernen und acht Threads galt.

Bei den neuen Core i3 setzt sich das Bild fort, sie liefern nun die Leistung, die zuvor ein Core i5 bot. Der alte Core i5-7600K ist nun der neue Core i3-8350K, während Core i5-7500 und 7400 im neuen Core i3-8100 aufgehen. Dies kommt auch nicht von ungefähr, denn im Grunde genommen sind es schlichtweg weiterhin Kaby-Lake-CPUs.

Coffee Lake macht Skylake-X Konkurrenz

Der Core i7-8700(K) setzt aber nicht nur die großen Ryzen 7 unter Druck, auch macht er den kleinsten Skylake-X-Prozessor Core i7-7800X (Test) nach nur vier Monaten in Bezug auf die Leistung quasi obsolet. Sein Quad-Channel-Speicherinterface bringt ihm keine Vorteile, die Plattformkosten sind höher. Und selbst wer das Mehr an PCIe-Lanes für wenig Geld benötigt, sollte auf X299 nicht nach dieser CPU Ausschau halten – sie ist beschnitten und bietet nur magere zwölf Leitungen mehr.

Anwendungen (Linux)

Im Testparcours unter Linux steht Coffee Lake im Schnitt noch etwas besser da. Aber auch hier gilt es im Zweifel das Diagramm anzupassen oder in die Details zu sehen: In Blender beispielsweise bleibt Ryzen 7 Spitze: 1800X und 1700X schlagen den 8700K knapp. Sie benötigen dafür aber auch mehr Energie, wie sich im entsprechenden Abschnitt zeigt.

Im Durchschnitt über alle Anwendungen kann Intel mit Coffee Lake durch 50 Prozent mehr Kerne und einem in der Spitze sogar höheren Takt im Vergleich zu Kaby Lake AMDs Ryzen also wieder schlagen, teilweise sogar deutlich. In anderen Anwendungen behält Ryzen wiederum, teilweise auch mit dem Ryzen 7 1700X, die Oberhand.

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