Vorwurf des Vertragsbruchs: Crytek klagt gegen Macher von Star Citizen

Michael Günsch 170 Kommentare
Vorwurf des Vertragsbruchs: Crytek klagt gegen Macher von Star Citizen
Bild: Cloud Imperium Games

Crytek verklagt Cloud Imperium Games und Roberts Space Industries. Das deutsche Entwicklerstudio wirft den Machern von Star Citizen vor, gegen Auflagen verstoßen zu haben, die im Rahmen der Lizenzierung der CryEngine vereinbart wurden. Für angeblichen Vertragsbruch und Urheberrechtsverletzung verlangt Crytek Schadenersatz.

Klageschrift im Internet einsehbar

Kurz nach dem Start der Crowdfunding-Kampagne für Star Citizen wurde im November 2012 ein sogenanntes Game License Agreement (GLA) zwischen den Parteien beschlossen, wie der von einem Reddit-Nutzer veröffentlichten Klageschrift zu entnehmen ist. Darin wurden unter anderem die Gebühren zur Nutzung der CryEngine von Crytek festgelegt. Crytek habe die Technik unterhalb des üblichen Marktpreises angeboten, dafür aber einige Bedingungen gestellt und sich vertraglich zusichern lassen.

CryEngine sei nur für ein Spiel erlaubt

Crytek wirft nun Cloud Imperium Games und Roberts Space Industries vor, gegen diverse dieser Auflagen verstoßen zu haben. Als erster Streitpunkt wird genannt, dass die Nutzung der CryEngine nur für ein einzelnes Spiel, nämlich Star Citizen, erlaubt war. Jedoch haben die Entwickler die ursprünglich als Teil des Spiels geplante Einzelspielerkampagne inzwischen ausgekoppelt. Squadron 42 ist nun als eigenständiges Spiel neben Star Citizen geplant, für das Crytek demnach keine Lizenzzahlungen bekommt.

Cryteks Markenzeichen wurden entfernt

Der zweite Hauptklagepunkt betrifft das Markenrecht. Hier sei vereinbart worden, dass Markenzeichen von Crytek prominent in Spiel und zugehörigem Marketing-Material platziert werden müssen. Doch inzwischen seien diese Hinweise verschwunden. Chris Roberts, einer der Gründer von Cloud Imperium Games, hatte zudem in einem Interview (YouTube) erklärt, dass die Entwickler mittlerweile nicht mehr von CryEngine, sondern von „Star Engine“ sprechen.

Wechsel von CryEngine zu Amazon Lumberyard

Cloud Imperium Games habe sich außerdem verpflichtet, ausschließlich die CryEngine für Star Citizen zu nutzen. Doch Ende 2016 wurde bekannt, dass nun stattdessen die Lumberyard-Engine von Amazon zum Einsatz kommt. Bei dieser handelt es sich um einen Ableger der CryEngine. Hierfür hatte Amazon 2015 die Lizenz erworben.

Kein Beitrag zur Weiterentwicklung der CryEngine

Ein weiterer Vorwurf ist, dass die Angeklagten das Versprechen, sich an der Weiterentwicklung der CryEngine in Form von „Fehlerbereinigungen und Optimierungen“ zu beteiligen, gebrochen hätten. Schließlich sollen die Star-Citizen-Macher außerdem vertrauliche Details zur CryEngine in einer Videoreihe namens „Bugsmashers“ enthüllt haben, was einen weiteren Verstoß gegen Auflagen bedeute.

Crytek will Schadenersatz und einstweilige Verfügung

Crytek fordert nun Schadenersatz. Die angestrebte Summe dürfte deutlich über der in der Klageschrift formulierten Schätzung von „über 75.000 US-Dollar“ liegen. In dem Papier wird mehrfach ausdrücklich auf die hohen Einnahmen im Rahmen der Schwarmfinanzierung des Spiels hingewiesen: Mit inzwischen über 150 Millionen US-Dollar ist Star Citizen das mit weitem Abstand erfolgreichste Crowdfunding-Projekt.

Zudem wird eine einstweilige Verfügung angestrebt, die die Beklagten von einer Nutzung der urheberrechtlich geschützten Crytek-Werke abhalten soll.

Cloud Imperium Games will sich wehren

In einer Stellungnahme, die unter anderem PC Gamer vorliegt, hat ein Sprecher der angeklagten Unternehmen die Anklage bestätigt und sich wie folgt geäußert:

CIG hat die CryEngine seit geraumer Zeit nicht mehr benutzt, seit wir zu Amazons Lumberyard gewechselt sind. Dies ist ein wertloses Verfahren, gegen das wir uns entschieden verteidigen werden, einschließlich des Wiedererlangens der Kosten von Crytek, die uns in dieser Angelegenheit entstanden sind.